10 Uhr: Heute ist unser letzter Tag. Wir
fliegen zwar erst morgen Früh, aber die nächste Nacht wird mehr oder weniger
durchgemacht (wir fahren gegen Mitternacht zum Flughafen).
Unser erstes Ziel heute war die
Knesset und die Menora davor. An der Knesset haben wir ein Referat gehört. Vor
der Menora hat Ronit uns ausführlich die Symbole darauf erklärt. Diese Statue
wurde Israel vom UK zur Parlamentseröffnung geschenkt. Zu sehen sind Episoden
aus der jüdischen Geschichte und Tradition: Mose, Jesaja, David und Goliath, Römer,
Juden in Spanien, Shoah etc. Leider konnte ich mir nicht alles merken. Am
„Stamm“ des Leuchters steht jedenfalls das „Shema Israel“. Es hat mich gefreut,
dass wieder eine Abbildung von Rut dabei war. Sie teilt sich einen Platz mit
Rahel, weil beide in Verbindung mit Bethlehem stehen.
13:41 Uhr: Wir kommen gerade aus den biblischen
Gärten von Neot Kedumin. Das ist ein bisschen wie ein Erlebnismuseum. Es gibt
Pflanzen, die in der Bibel eine Bedeutung haben und ein paar archäologische
Steine.
Zuerst kamen wir an eine Stelle, an
der Wein hergestellt wurde (Trauben zertrampeln, der Saft fließt in eine Kuhle,
wo er gereinigt wird und dann in eine andere Kuhle zum gären). Ohne uns zu
sagen, worauf es hinauslaufen würde, hat Ronit ein paar Freiwillige gesucht und
als nur Maria nach vorne ging, bin ich ihr gefolgt. Ronit fragte uns, ob wir
wüssten, wie der Wein gemacht wird und Maria meinte: „ja, also erstmal die Füße
waschen…“. Maria und ich haben uns die Füße dann aber nicht gewaschen, als das
Trauben zerstmpfen pantomimisch vorspielen mussten, während die anderen uns mit
etwas, das wie „Haida“ klang, anfeuerten. Es gibt vermutlich viele peinliche
Fotos davon.
Auf dem weiteren Verlauf des Weges
trafen wir auf eine Zisterne. Rebekka und Stefan mussten das Treffen von
Rebekka und Abrahams Knecht nachspielen (der Knecht soll eine Frau für Isaak
suchen, er soll die wählen, die auf seine Frage, ob sie ihm Wasser schöpfen
könnte, antwortet: Ich schöpfe Wasser für dich und deine [10] Kamele“). Rebekka
hat dann auch einen Eimer Wasser hochgeholt, aber das Ganze 300 Mal (für die
Kamele) zu wiederholen, wollte ihr keiner antun. Ronit hat uns dann noch
gezeigt, wie das Wasser in die Zisterne fließt.
Bei unserem nächsten
Halt haben wir einen Gottesdienst gefeiert. Justine hat Querflöte gespielt. Es
war gut, ein Instrument dabei zu haben. Einmal natürlich, weil es schön klang.
Aber auch, weil die Melodie der Lieder einmal vorgespielt wurde und ich das
Gefühl hatte, dass diesmal mehr Leute mitgesungen haben als beim letzten Gottesdienst.
Bei der Kommunion hat sie „Ihr Mächtigen“ gespielt und ich habe mich wieder
gefragt, warum das Lied eigentlich nicht in unserem Liederheft steht.
Nach dem Gottesdienst kamen wir an
eine Stelle, wo Oregano wächst. Wir sollten dann getrockneten Oregano und etwas
Essig in einem Mörser zerstampfen und mit Salz mischen. Das war schon sehr
lustig. Was dabei rauskam (oder rauskommen sollte), war Zatar. Wir durften uns
etwas in kleine Tütchen abfüllen, der Rest wurde gesammelt.
15:15 Uhr: Ronit hat uns in ihre Sukka (Laubhütte)
eingeladen. Das hat mich total gefreut. Schon seit ein paar Tagen sehen wir
hier Hütten, im Entstehungsprozess oder schon fertig (in Vorbereitung auf das
Laubhüttendfest, das heute beginnt), und ich wollte immer schon mal eine näher
unter die Lupe nehmen.
Ronits Hütte besteht aus einem
Gestell, die Wände bestehen aus Decken, die mit Wäscheklammern festgemacht
sind. Das Dach besteht aus Palmenblättern, damit man die Sterne dadurch sehen
kann. Innen hängen verschiedene Dekorationen: Bilder, Papierketten und so
glitzernde Plastikgirlanden, die es bei uns auch für Weihnachtsbäume gibt. In
der Mitte liegen Bastmatten und Kissen, ringsherum stehen Stühle.
Wir haben Pita-Brot mit Öl und dem
Zatar, das wir selber hergestellt haben (und zu dem Ronit noch Salz hinzufügen
musste), gegessen. Wir sollten das Brot aufklappen, es mit Öl vollsaugen lassen
und es dann mit Zatar bestreuen. Das war eine ziemliche Sauerei. Ich hatte
hinterher sicher mehr Öl an den Händen, auf der Hose und an den Schuhen als auf
dem Brot.
Danach sollten wir eine Papierkette
basteln (Papierringe ineinander tackern) und sollten alle etwas zu der Reise
sagen.
Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel
Aviv/ Jaffa. Ich habe überhaupt keine Lust mehr, etwas zu machen. Wir haben uns
schon von Ronit verabschiedet und der Besuch in der Sukka war irgendwie so
abschließend, dass es nicht mehr passt, jetzt noch Programm zu machen.
16:50 Uhr: Wir hatten ganze 45 Minuten Auslauf in
Alt-Jaffa. Die Luft außerhalb des klimatisierten Busses ist furchtbar. Wie im
Tropenhaus. Ich sehne mich nach einer Dusche, aber werde erst in 24 Stunden
wieder die Möglichkeit dazu haben. Die Aussicht hebt meine Laune nicht
besonders. Für mich ist gerade die Luft ziemlich raus aus der Fahrt.
Heike und ich haben uns eben die
Peterskirche angeguckt. Sie war nicht so überlaufen oder kitschig (oder beides)
wie die Kirchen, die ich in den letzten Tagen gesehen habe. Ich fand das mal
ganz angenehm und auch im Allgemeinen fand ich die Kirche ganz nett. Gut
gefallen haben mir die Taube im Strahlenkranz über dem Altar und die Zweige auf
dem Dach der Kanzel. Nervig war auf die Dauer der kitschige Gesang vom Band.
Heike fand die Kirche schrecklich, weil sie sie an so Moralpriester mit
erhobenem Zeigefinge erinnert hat.
Danach sind wir in Richtung Meer
gelaufen, haben da Anna getroffen und uns zu ihr auf die Stufen einer Treppe
gesetzt. Es war ein bisschen Wind, der uns etwas abgekühlt hat. Ich habe mich
irgendwann an die Mauer am Meer gestellt und habe mir das Wasser angeguckt. Ich
wäre so gerne rein gesprungen, aber für 45 Minuten war der Strand zu weit weg
(und mein Badeanzug ist im Koffer).
Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel
Aviv. Noch ein Programmpunkt, dann gibt es Essen und dann dauert es hoffentlich
nicht mehr lange bis wir uns auf den Weg zum Flughafen machen. Ich würde
wirklich noch ein bisschen hier bleiben, aber das Programm im Moment wirkt so,
als solle es Zeit überbrücken, aber gleichzeitig haben wir zu wenig Zeit,
wirklich was in Jaffa bzw. Tel Aviv zu machen und das nervt mich.
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