Heute haben wir zunächst zwei Tells
besucht. Ein Tell ist ein Hügel, der durch wiederholte
Besiedlung und Zerfall der Besiedlung entsteht.
10:40
Uhr: In der Nacht wurde die Uhr
umgestellt. In Israel beginnt jetzt die Winterzeit. Prompt sind wir um halb 8
anstatt um 8 Uhr losgefahren. Der Stimmung der Jungs hat das keinen Abbruch
getan; sie haben die ganze Zeit auf dem Weg zu unserem ersten Ziel verschiedene
Lieder von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ bis „In der Weihnachtsbäckerei“
gesungen.
Zuerst waren wir auf dem
Tell Hazor. Hazor wird mehrmals in der Bibel erwähnt: Landnahme/ -gabe (Josua
besiegt den König von Hazor) und verschiedene Kriege gegen den König von Hazor
von unterschiedlichen Richtern ausgehend. Archäologisch ist das mal wieder
nicht richtig haltbar (Zwei Richter kämpfen im Abstand von 100 Jahren gegen den
gleichen König) oder es passt nur dann, wenn man die Scherben, die man gefunden
hat sehr früh datiert. Eine spätere Datierung ist auch möglich und dann stimmen
die ganzen Ereignisse nicht mehr übereinander – und Jericho gab es zu Josuas
Zeiten ja auch nicht. Allerdings gibt es auf dem Tell Hazor auch Brandspuren,
von denen man nicht weiß, woher sie kommen.
Es gab alte Steine zu
sehen: eine Treppe, die eine obere Stadt mit der unteren verband, ein
Vierkammerhaus, ein Sechskammertor (von dem auf dem Schild stand, es sei aus
dem salomonischen Zeitalter, natürlich super genau datiert :-P), einen Palast
(bzw. jedenfalls ein großes Gebäude und große Gebäude sind immer Tempel oder
Paläste) mit Säulen aus Zedernholz, einen Turm und eine Tunnel, der zu einem
Wasserbrunnen führte. Früher konnten Esel herunter geführt werden, um Wasser zu
holen. Neben den ursprünglichen Stufen ist auch eine Rinne für Regen, der den
Grundwasservorrat ergänzt hat. Wir haben die moderne Treppe runtergenommen, die
voller Taubenmist war. Bei der Hitze war es irgendwie anstrengend, die Treppen
zu steigen.
Abgesehen von den
Steinen haben wir auch zwei Eidechsen gesehen. Die eine sonnte sich auf einem
Stein. Die andere schien in der Treppe festzustecken. Aber wahrscheinlich
wollte sie sich einfach nur vor uns vielen Menschen verstecken. Einige aus der
Gruppe haben versucht, sie zu retten, aber erfolglos.
Übrigens hatte
ich die ganze Zeit auf Hazor Assoziationen mit dem Herrn der Ringe: Die Stadt
Gilgal hat mich an Gil-galad, den Elbenfürsten, erinnert und als von dem Bündnis
der Königreiche gegen Josua gesprochen wurde, dachte ich sowohl an Sauron und
seine Verbündeten als auch an das Bündnis von Elben und Menschen im ersten
Zeitalter und die Verbündeten im dritten Zeitalter. Und bei der Geschichte von
einer kleinen Gruppe gegen ein großes Heer (Israeliten gegen die Königreiche)
natürlich an die letzte Schlacht, als Sauron vom Schicksalsberg abgelenkt
werden soll und Aragorn mit einer eher bescheidenen Truppe ans Schwarze Tor
zieht. Isabel hat übrigens auch solche Assoziationen, wie z.B. Nimrod (Burg in
den Golanhöhen) und Nimrodel (Fluss, der Lórien begrenzt, und Name einer
Elbin).
14:40
Uhr: Als nächstes waren im Tel Dan
Naturreservat (Dan im Alten Testament: Jerobeam errichtet eine Alternativ-Kultstätte zu
Jerusalem, Abraham sucht Lot, der Stamm Dan siedelt in Lajisch an und benennt
es in Dan um). Der Dan ist außerdem ein Quellfluss des Jordan. Das Ganze ist
ein Park, in dem die Pflanzen wild wachsen. Es gibt kleinere Wasserfälle und
auch zwischen den Steinen, über die man läuft, fließt Wasser. Das Naturreservat
ist schon eine Art Dschungel. Ich fand es richtig schön. Leider sind wie – wie
so oft – ziemlich durch den Park gehetzt.
| Dan |
Einige von denen, die
sich etwas mehr Zeit gelassen haben, sind gleich abgehängt worden. Zum Glück
waren sie mit Klaus zusammen und er hat sich mit Ronit wieder zusammen
telefoniert. Trotzdem war es für den Teil der Gruppe doof, weil sie ein ganzes
Stück wieder zurück laufen mussten.
In dem Park gibt es auch
ein paar archäologische Funde. Zum einen gibt es einen Opferplatz. Durch ein
Metallgestell wird der Ort für die Brandopfer gekennzeichnet. Es war so heiß,
dass man das Feuer fast nachempfinden konnte. ;-) Von dem Platz aus konnten wir
auch schon den Libanon sehen, weil die Grenze ganz nah verläuft (außerdem hält
Israel ja die Golanhöhen besetzt). Zu den ganzen Konflikten hat sich Ronit sehr
vorsichtig geäußert.
Außer
dem Opferplatz wurde ein Tor aus der Bronzezeit gefunden, das „Abrahams Tor“
genannt wird, weil – wie Ronit meinte – die Juden ihre Funde gerne mit der
Bibel in Bezug setzen und sich vorstellen, dass Abraham durch dieses Tor die
Stadt betritt.
Es gab auch ein
weiteres Tor zu sehen. Das stammt aus der Eisenzeit und ist ein
Sechskammerntor. An den Wänden sind Sitzbänke, was ja schon nahe legt, dass das
Tor nicht nur zum Durchgehen gedacht war. In der Bibel sind Tore auch Ort der
Rechtsprechung. An diesem Tor in Dan hängt auch eine Tafel, die das am Beispiel
vom Buch Rut erklärt (Boas berät sich mit den Ältesten im Tor, wie er Rut
loslösen soll). Heike hat mich neben dem Zitat aus dem Buch fotografiert. Wer
weiß, vielleicht wird das mein neues Profilbild. Nur doof, dass Rut da wieder
mit „h“ geschrieben wird. Ich hätte mich vielleicht vor den hebräischen Text
stellen sollen…
Von Dan aus sind
wir nach Banyas (Cäsarea Philippi) gefahren und haben da erst mal
Mittaggegessen. Es haben sich wieder einige beschwert, dass es zu teuer sei.
Ich fand es auch etwas unverschämt, für die doch recht kleine Portion + Getränk
10€ bezahlen zu müssen. Andrerseits ist uns vorher gesagt worden, dass wir für
das Essen ca. 10€ pro Tag rechnen sollten… Trotzdem wirkt es so, als würden wir
immer zu irgendwelchen Touristenlokalen gefahren, in denen es wahrscheinlich
teurer ist als anderswo.
Nach dem
Mittagessen sind wir etwas an dem Fluss Banyas (auch ein Jordanzufluss) entlang
gegangen. Es hat mir da nicht ganz so gut gefallen wie in Dan, aber es war
trotzdem ganz schön. Der Fluss war befestigt, aber dahinter erhebt sich ein
riesiger Felsen. Außerdem haben wir einen Klippdachs gesehen. Von diesen Tieren
hatte Frau G. im Seminar so geschwärmt.
In Banyas gab es
früher ein Pan-Heiligtum. Pan ist ein griechischer Halbgott und steht in
Verbindung mit Hirten. Von seinem Namen leiten sich die Wörter Panik (seine
Mutter bekam Panik, als er geboren wurde) und Panflöte (er will was von einer
Nymphe, die dann zu ihrem Schutz in Schilf verwandelt wird, aus dem er dann aus
Trauer eine Flöte bastelt – bisschen frustrierend diese Geschichte, am Ende
kriegt Pan sie dann ja eigentlich doch gegen ihren Willen…) ab. Als das
Heiligtum noch verwendet wurde, stürzte der Banyas noch aus einer Höhle neben
dem Tempel herunter. Zusammen mit dem Berg muss das sehr beeindruckend gewesen
sein. Schade, dass der Wasserfall nicht mehr da ist.
| Banyas |
Laut Neuem
Testament sagt Jesus an dieser Stelle zu Petrus, dass er auf diesen Felsen
seine Kirche bauen wird und gibt ihm die Schlüssel zum Himmelreich. Ronit
verglich Jesus‘ Aussage damit, dass sich heute jemand in eine Kirche stellt und
ruft, dass der Islam die beste Religion sei. Ich hatte die Stelle mit dem Fels,
auf dem die Kirche gebaut werden soll, immer eher metaphorisch verstanden, dass
Petrus der Fels ist (wie sein Name es auch andeutet). Natürlich kann man das
auch wörtlich nehmen, aber bis heute kam niemand auf die Idee, da eine
Erinnerungs-Kirche an Jesus-Aussage zu bauen. Vielleicht liegt es auch daran,
dass Deutsch nicht Ronits Muttersprache ist, denn manchmal, wenn sie sich auf
die Bibel bezieht, klingt es so, als würde sie fest daran glauben oder
zumindest hoffen, dass die Geschichten historisch zu verstehen sind. Sie und
Frau G. stehen sich da immer so etwas gegenüber. Frau G. kommt immer mit
irgendwelchen archäologischen Funden an, die was anderes sagen und Ronit sagt
dann immer „Das ist jetzt zwar nicht archäologisch, aaaaaber…“
In Banyas habe
ich heute auch meine doch vorhandene linguistische Ader entdeckt. Ronit
erzählte, dass die Drusen etwas namens Al Jader (oder so ähnlich), „der Grüne“,
verehren. Da habe ich mich gefragt, ob das spanische „el jardín“ (Garten) davon
abgeleitet wurde. Die Verbindung grün – Garten liegt ja irgendwie nahe. Mir
fiel ein, dass es im Französischen „le jardin“ heißt und habe mich gefragt, ob
es dementsprechend aus dem Lateinischen kommt. Latein war ja nie meine
Lieblingssprache und ich wusste nicht, was „Garten“ auf Latein heißt, also habe
ich ein bisschen rumgefragt (keiner wusste es) und Frau G. konnte mir
schließlich sagen, dass es „hortus“ ist. Da erinnerte ich mich, dass es ja auch
noch das Wort „huerto“ gibt. Das kommt dann sicherlich von „hortus“! Wieder mal
zwei Wörter für einen Begriff. Wenn „huerto“ von „hortus“ kommt, spräche doch
vielleicht etwas dafür, dass „jardín“ ein Lehnwort aus dem Arabischen ist,
obwohl – und daran wird meine Theorie vermutlich scheitern – der Artikel nicht,
wie eigentlich üblich, mit dem Wort verschmolzen ist (wie bei „azucar“).
Außerdem bleibt das Rätsel, wie die Franzosen an „le jardin“ gekommen sind und,
wenn man es weiter spinnt, ob es bis ins Deutsche und Englische gewandert ist.
Schließlich haben „Garten“ und „garden“ mehr Ähnlichkeiten mit „jardín“ als mit
„hortus“. Allerdings sind die Mauren nie so weit gekommen. Ich kann mir noch
vorstellen, dass das Wort nach Frankreich getragen wurde (z.B. über den
Jakobsweg, darüber wurden ja französische Wörter nach Spanien gebracht, warum
also nicht andersrum?), aber ich bezweifele, dass es weiter ging.
Nachtrag 05.10.: Also laut Wikipedia-Recherche kommt
zumindest das deutsche Wort aus dem Indogermanischen stammt.
17:52
Uhr: Wir sind auf dem Rückweg von
Safed zur Jugendherberge. Die Stadt ist fast ausschließlich jüdisch. Und es ist
viel blau angestrichen, weil die Farbe das Böse abwenden soll.
Im Referat haben wir
gehört, dass im 15./16. Jahrhundert viele der Juden, die eingewandert sind, aus
Spanien kamen. Das deckt sich in etwa mit dem, was ich im Studium über die
Judenvertreibung unter den Reyes Católicos gelernt habe.
Nach dem Referat zum
Judentum waren wir in einer Synagoge. Die Jungen mussten alle den Kopf bedecken
und wir Mädchen haben uns alle Tücher umgelegt. Meine Schultern waren zwar auch
so bedeckt, aber ich war mir nicht sicher, ob mein Ausschnitt angemessen war
und angesichts der Tatsache, dass sogar Heike, die wirklich nicht freizügig
angezogen war, ein Tuch umlegen sollte, waren meine Bedenken auch wohl
berechtigt.
In der Synagoge hat
Ronit uns noch ein bisschen was erzählt. Der Toraschrank ist von einem Künstler
aus Spanien gebaut worden. Er ist sehr bunt, der Davidstern ist natürlich drauf
und oben ist Mose als Löwe zu sehen. Außerdem haben wir erfahren, dass
verschiedene Ausprägungen vom Judentum zwar die gleichen Texte vorlesen, sie
aber anders intonieren. Viel Zeit in der Synagoge hatten wir nicht, denn wir
hatten sie kurz vor Beginn des Gebets betreten.
Ich hatte aber ein
kleines Erfolgserlebnis in der Synagoge: Es waren natürlich überall Plakate mit
Zitaten aus der Tora und ich habe die Worte „und Mose sagte“ verstanden. So
ganz vergessen habe ich die Hebräischstunden also doch nicht.
| Kunst in Safed |
Danach hatten wir
Freizeit. Wir sind rum gegangen und haben die Bilder der Künstler in der
Künstlergasse angeguckt. Ich habe mir eine Mesurah zum Zeigen in
Reli-Unterricht (jaa, ich plane im Voraus ;-)) gekauft. Während ich davor
stand, gingen hinter mir zwei orthodoxe Juden vorbei, die sich auf Englisch
unterhielten und der eine sagte, das wäre doch nur Touristenkram und die
Touristen würden die Bedeutung doch eh nicht verstehen. Einerseits hatte er damit
ja Recht, viele sehen das wahrscheinlich als eine Art exotisches Souvenir, aber
andrerseits habe gerade ich es ja gekauft, um über eine andere Religion
erzählen zu können, es würde sich wahrscheinlich kein Jude dieses Modell an
seine Tür hängen, aber daran kann man schon erklären, worum es geht, finde ich.
Später: Nach dem Abendessen haben wir einen
Gottesdienst im Innenhof gefeiert. Das war sehr nett unter freiem Himmel und im
großen Kreis. Allerdings war unser Gesang etwas dünn. Entweder, weil nicht alle
die Lieder kannten, oder weil, wie Steffi jammerte, Klaus die Lieder zu hoch
angestimmt hat.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen