Diesen Tag wollten Hannah und
ich komplett auf dem Festival-Gelände verbringen. Aus dem Grund dachten wir
uns, das wäre der passende Tag, um ein warmes Frühstück im Hostel zu genießen.
Ich hatte ein Full English Breakfast und Hannah hatte ein American Breakfast
mit britischer Note. Es war gut, aber ich mag einfach keine Baked Beans.
Trotzdem war der Plan soweit ganz gut. Leider spielte das Wetter nicht richtig
mit. Es war richtig nebelig, die Spitze des Scott Monuments war kaum zu
erkennen, als wir daran vorbei gingen.
Auf dem Weg zum Book Festival
waren wir kurz beim Supermarkt, aber kamen dadurch so spät zu der Lesung von
Kate Mosse, dass wir nur einen Platz ziemlich weit am Rand bekamen, wo die Übertragung
nicht besonders gut war. Die Lesung fand ich nicht so spannend. Ich habe das
erste Buch der Languedoc-Trilogie angefangen, aber ich komme nicht richtig
voran, vielleicht weil ich zu wenig Zeit habe, um richtig reinzukommen,
vielleicht aber auch, weil mir momentan nicht nach Mittelalter ist. Hier ging
es um den dritten Band und der klingt etwas interessanter.
Die Trilogie (Labyrinth, Sepulchre und Citadel) widmet sich drei Wendepunkten
in der Geschichte der Region Languedoc: den Kreuzfahrern, dem Fin-de-siècle und
dem zweiten Weltkrieg und der Résistance. Kate Mosse sprach viel über die
französischen Widerstandskämpfer und darüber, dass auch Frauen dabei waren,
betonte aber auch, dass sie keine Historikerin ist.
In allen ihren Büchern hat sie
weibliche Helden. Die Heldin in Citadel ist
von Aragorn und Éowyn inspiriert. An einer Stelle sagt Éowyn, dass sie Angst
davor hat, eingesperrt zu sein und keine großen Taten vollbringen zu können und
Aragorn antwortet (im Film) darauf: „Ihr seid die Tochter von Königen, ich
glaube nicht, dass euch dieses Schicksal bestimmt ist“. Diese Haltung sei auch
die von Kate Mosses Heldinnen. Ich nehme ja mal an, dass sie Éowyns Haltung
meint, denn Aragorn lässt Éowyn danach trotzdem zurück. Aber an der Stelle war
ich auf einmal hellhörig.
Kate Mosses Heldinnen sollen
auf der einen Seite nicht auf Kinder und „finding, losing and keeping love“
beschränkt werden, aber gleichzeitig sollen sie keine Frauen sein, die Liebe
für ihre Bestimmung opfern. Deswegen haben ihre Heldinnen auch Geliebte in den
Büchern. (Bei Éowyn klappt das ja auch, nur eben nacheinander und ich hatte
immer das Gefühl, dass sie auch noch eben unter die Haube gebracht werden
musste.) Allerdings habe ich bei Labyrinth
im Moment noch das Gefühl, dass Alaïs eher auf ihren Vater fixiert ist und
ihren Gatten ein wenig links liegen lässt. Mal sehen, wie sich das noch
entwickelt. Außerdem sagte Kate Mosse, dass es bei ihr gute und schlechte
Frauen und Männer gibt. Wie im echten Leben.
Nach der Lesung waren wir in
den beiden Buchläden auf dem Festivalgelände. Zuerst haben Hannah und ich uns
im Kinderbuchladen mit Büchern eingedeckt. Ich habe den neusten Artemis Fowl-Band, First Aid for Fairies and Other Fabled Beasts und Exodus (das habe ich aber später mit
Hannah gegen eins von ihren über einen Golem getauscht) gekauft. Hannah hat sie
unter anderem Fortunately, the Milk von Neil
Gaiman gekauft. Das ist ein kurzes, bebildertes Buch über einen Vater, der
Milch kaufen geht und dabei aufregende Sachen erlebt. Wir haben es am gleichen
Tag durchgelesen und herzlich darüber gelacht. Im Buchladen für Erwachsene habe
ich noch What to Do When Someone Dies von
Nicci French und Hunters in the Snow von
Daisy Hildyard erstanden. Letzteres wollte ich eigentlich schon in Deutschland
bestellen, aber die Buchhändlerin meinte, dass es in Großbritannien vermutlich
billiger wäre. War es nicht.
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| Das Festival-Gelände |
Nach dem Bücherkauf habe ich
Postkarten geschrieben und als es draußen zu kalt und ungemütlich wurde, haben
wir uns in eins der Cafés auf dem Festival-Gelände gesetzt. Da saßen wir
ziemlich lange, haben Kakao getrunken und Scones gegessen und wurden für
Skandinavierinnen gehalten. Eine Frau, die mit uns am Tisch saß, fragte uns
irgendwann, woher wir kämen und war ganz überrascht, als wir Deutschland
sagten.
Nach unserer Pause gingen wir
zu einer Diskussion zu der Frage „Where have all the brave girls gone?“ Es ging
darum, dass es in Kinder- und Jugendbüchern viele starke Mädchen (wobei dieser
Ausdruck direkt als negative angeprangert wurde, weil das unterstellen würde,
dass Mädchen normalerweise nicht stark seien) gibt, aber in Büchern für Erwachsene
die Frauen zurück gedrängt und überwiegend im Bereich Liebe, Familie und Kinder
handeln würden.
Es waren drei
Kinderbuchautoren eingeladen: Julia Donaldson (die Autorin von The Gruffallo), John Marsden (Tomorrow when the war began) und Samantha Shannon (The Bone Season). Kate Mosse leitete das
Gespräch und ich fand sie da besser als morgens, vielleicht, weil sie nicht so viel Werbung
für Carcassonne gemacht hat. Insgesamt hat mich die Diskussion aber nicht
überzeugt. Sie kam zu keinem wirklichen Ergebnis. Am Ende stellt einer genau
die Frage, die die Gruppe die ganze Zeit beschäftigt hatte. Ich denke, die Zeit
(eine Stunde) war etwas knapp und man hätte vielleicht nicht nur
Kinderbuchautoren (plus Kate Mosse) einladen sollen.
Trotzdem war es interessant,
was die Autoren erzählt haben. Julia Donaldson sprach über ein Bilderbuch, in
dem eine Katze zu zwei Menschen kommt und da aufgenommen wird. Diese Menschen
heißen Petrunella und Pat. Pat wie Patrick. Aber der Illustrator hat aus Pat
eine Frau gemacht und die Autorin wurde von allen Seiten gefragt, in welcher
Beziehung die beiden Frauen zueinander stehen. In einem Jugendbuch (Running in the Crack) hat sie den Jungen
absichtlich jünger als das Mädchen gemacht, damit nicht erwartet wurde, dass
die beiden in einer Beziehung enden würden (was auch einiges über die Akzeptanz
von Beziehungen, in denen das Mädchen/ die Frau älter ist als der Junge/ der Mann,
aussagt…).
Samantha Shannon ist
vermutlich jünger als ich, hat aber schon ein Buch veröffentlicht und sechs
weitere geplant. Bei der Vorstellung sagte Kate Mosse, dass sich nun vermutlich
alle fragen würden, was sie eigentlich in ihrem Leben erreicht haben.
Jedenfalls sagte Samantha Shannon, dass sie aus einer weiblichen Perspektive
geschrieben habe, weil sie selber weiblich ist. Ihr Charakter sei aber
problematisch, weil sie in die Obhut eines männlichen Keepers gegeben wird und
eine Art Stockholm Syndrom entwickelt, aber die Protagonistin solle sich in den
nächsten Büchern noch entwickeln. Sie verglich zwei Typen von Heldinnen: Typ
Katniss, nicht über eine Liebesgeschichte definiert und Typ Bella, komplett
über ihr Objekt der Begierde definiert. Das einzige Mal, dass Bella nicht mit
Edward zusammen sei oder an ihn denke, mache sie sich ein Sandwich (Sandwiches
machen war ein regelmäßiger Scherz in der Runde, der immer wieder verwendet
wurde), fairerweise muss man sagen, dass das nicht ganz stimmt, aber die
Tendenz ist auf jeden Fall da.
Am interessantesten fand ich
in der Runde John Marsden, weil er auch als Lehrer gearbeitet hat. Er erzählte
von einer Begebenheit aus einem Internat, in dem er gearbeitet hat. Als er
morgens die Räume kontrollierte, bemerkte er, wie drei 14-jährige Jungen
zählten, um dem vierten Jungen auf dem Zimmer zu helfen, zeitgerecht
aufzuräumen (ich haben nicht so ganz verstanden, wie das funktioniert, aber
egal). Sie haben ihm das erklärt und auch erzählt, dass manchmal, wenn der
Junge vom Duschen kommt, die „bed-fairy“ schon sein Bett gemacht hat. John
Marsden hat die Geschichte erzählt, um zu zeigen, dass Jugendliche,
insbesondere männliche Jugendliche, nicht nur aggressiv, schwer zugänglich und
anstrengend sind. Er hatte vorher schon die Dämonisierung der Jugend
kritisiert. In seinen Büchern aber, so sagte er, gäbe es immer zwei Seiten bei
seinen Charakteren, egal ob männlich oder weiblich. Sie seien alle mutig, aber
das sei nicht die einzige Eigenschaft, die sie haben. Wenn er allerdings
psychologische Bücher schreibt, hätten die immer weibliche Protagonisten. Er
begründete das mit seiner Erziehung an einer Militärschule. Damit hat er ja
eigentlich den Finger auf einen der wunden Punkte gelegt: Wenn es um Emotionen
geht, dann muss die Perspektive eine weibliche sein. Aber darauf hat niemand
der anderen Diskussionsteilnehmer reagiert.
In der Diskussion kam auf,
dass die Verlage Druck ausüben, vor allem weil Kinderbücher als Vorbild dienen
sollen. Julia Donaldson berichtete von einem Buch, in dem ein Tier raucht, was
ihm nicht gut bekommt, und das Rauchen einen Waldbrand verursacht. Es ist also
offensichtlich negativ dargestellt. Trotzdem kriegte sie Ärger vom Verlag, weil
keine Zigaretten in Kinderbüchern vorkommen sollen. Zigarren waren dann
übrigens in Ordnung. Bei der Darstellung weiblicher Charaktere sei das so
ähnlich. Eine Oma müsse heute schon Motorrad fahren (da habe ich mich gefragt,
ob die Briten das Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ kennen) und
dürfe nicht mehr stricken, damit sie die jungen Leserinnen nicht negativ beeinflussen.
Die drei Autoren sprachen auch
über die „starken Mädchen“ der älteren Kinderbücher und nannten als Beispiele
George von den Fünf Freunden und Jo
March aus Little Women. Jo heiratet
später zwar, allerdings nicht den Mann, von dem die Leser gehofft haben, dass
sie ihn heiraten würde, aber – und das wurde hervor gehoben – sie schreibt
auch. George hingegen ist ein Tomboy und wird deswegen als abenteuerliches
Mädchen akzeptiert (Anne macht immer die Butterbrote). Ich muss gestehen, dass
ich bei George zuerst gar nicht wusste, wen sie meinten (was vermutlich daran
liegt, dass ich den Namen als Kind deutsch gelesen habe), aber ich habe sie
auch eigentlich immer mehr als Jungen verstanden – Tomboy eben. Und ja, es ist
Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Fünf
Freunde-Buch gelesen habe.
Als sie da ankamen, war die
Zeit aber schon fast abgelaufen und die Zuschauerfragen wurden zugelassen.
Wirklich interessant fand ich eigentlich nur die Frage nach Hermine. Es hat
mich auch ein bisschen gewundert, dass auf Harry
Potter gar nicht eingegangen wurde. Aber Julia Donaldson hat die Harry Potter-Bücher nur bis Band drei
gelesen und findet, dass Hermine in den Bänden nur eine Besserwisserin aber
keine Heldin ist, und John Marsden hat zwar alle sieben Bücher gelesen, ließ
sich aber nur zu der Aussage herab, dass die Nebencharaktere in Harry Potter spannender sind als der
Titelheld. Ich habe kurz überlegt, nach meiner Ankunft in Deutschland Julia
Donaldson meine Hausarbeit zu genau der Frage zu schicken, aber konnte mich
dann doch noch beherrschen.
Und ja, dann kam die Frage,
warum denn nun in Kinder- und Jugendbüchern Heldinnen stark vertreten sind, in
Büchern für Erwachsene aber nicht und ich dachte mir im ersten Moment: „Hallo?
Worüber haben die denn eine Stunde lang diskutiert?!“, aber es war ganz gut,
dass die Frage gestellt wurde, weil die Autoren dann mal gezwungen waren, sich
auf etwas festzulegen. Kate Mosse sagte, dass Kinderbücher breiter gefächert
wären, und Julia Donaldson erklärte, dass die Charaktere in Büchern für
Erwachsene subtiler wären als in Kinderbüchern. John Marsden unterschied
zwischen Literatur und „Airport fiction“ und meinte, dass in Literatur immer
schon Heldinnen vorgekommen wären. Damit hat er sich etwas aus der Affäre
gezogen, denn er hat nichts dazu gesagt, warum es bei der Airport fiction
anders ist. Samantha Shannon sagte etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann,
nämlich, dass wir nicht mehr überrascht sein dürfen, wenn starke
Frauencharaktere auftreten, denn dadurch würde nur betont, dass man das nicht
erwartet. Sie hat zwar auch nicht direkt das Warum erklärt, aber ich denke,
wenn wir das beherzigen würden, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit strickenden
Omas in Bilderbüchern. Denn dann könnten weibliche Charaktere alles sein.
Nach der Diskussion hatten wir
zwei Stunden Zeit, bis die Neil Gaiman-Lesung anfing. Ich wollte bis dahin noch
ein bisschen in The Ocean at the End of
the Lane lesen, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, es vorher zu lesen
und doch zumindest ein bisschen wissen wollte, worum es ging. Eine Stunde vor
Beginn begannen die Leute, sich anzustellen. Ich war ziemlich verwirrt
deswegen, aber wenn JKR gekommen wäre, hätte ich mich vermutlich auch Stunden
vorher angestellt.
Kurz nach acht kündigte eine
Mitarbeiterin des Book Festivals Neil Gaiman an und erwähnte seinen „incredible
body and range of his writing“. Das sorgte für Gelächter, weil der „incredible
body“ nicht auf seine Bücher, sondern seine Person bezogen wurde. Neil Gaiman
griff das auch nochmal auf, als er das Wort ergriff und meinte „it’s a good
body but not incredible“.
Er unterhielt sich mit Charles
Fernyhough, einem Psychologen und Schriftsteller über Erinnerungen. Das neue
Buch von Neil Gaiman ist im Grunde eine einzige Erinnerung des Protagonisten,
aber das war mir bei der Lesung noch nicht so ganz klar, weil ich nur die
ersten 40 Seiten gelesen hatte. Mir war zwar klar, dass der Protagonist sich
erinnert (wie hätte man sonst erklären sollen, dass er zuerst ein Erwachsener
und dann auf einmal ein Siebenjähriger ist?), aber erst als ich das Buch zu
Ende gelesen hatte, habe ich verstanden, warum das Thema absolut angemessen
war.
Netterweise hat Neil Gaiman
ziemlich zu Beginn nachgefragt, wer das Buch schon gelesen hatte und
überraschenderweise waren das gar nicht so viele (weniger als die Hälfte). Also
hat er eine Stelle vom Anfang des Buchs vorgelesen (die ich sogar schon gelesen
hatte) und ich weiß nicht, ob er sich im weiteren Gespräch auch zurück gehalten
hat, aber jedenfalls hat er mir den Lesespaß nicht verdorben und das Ende hat
mich ziemlich überrascht.
The Ocean at the End of the Lane sollte eigentlich eine
Kurzgeschichte für Neil Gaimans Frau werden (als “equivalent of sending flowers
but meaningful“) und er hat seine Kindheitserinnerungen für die Geschichte
bemüht, aber immer wenn er dachte, er wäre am Ende angekommen, war es doch noch
nicht das Ende. Beim Schreiben habe er sich auch an Sachen erinnert, an die er
seit 40 Jahren nicht mehr gedacht hatte. Er beschrieb es mit einem Spaziergang
im Nebel: Je näher man sich einem Objekt nähert, desto mehr Details sieht man.
Der Vergleich passte gut zu dem Wetter an diesem Tag.
Allerdings hat er auch nicht
alles im Nebel gefunden. Er erzählte, dass seine Schwester ihm Fotos aus ihrer
Kindheit schickte, nachdem sie das Manuskript gelesen hatte, und auf den Fotos
war ein Gewächshaus, an das er sich nicht erinnert hat, das er aber gut hätte
einen bauen können. Außerdem gäbe es Situationen, in denen seine Freunde ihm
etwas erzählen, was er mal gesagt haben soll, er das auch sehr gut durchdacht
findet, aber sich nicht daran erinnern kann, das mal gesagt zu haben.
Andrerseits könne er sich aber an alle Bücher erinnern, die er im Alter von
acht Jahren gelesen hat (das könnte ich nicht).
Beide Autoren sprachen
darüber, unangenehme Erinnerung zu löschen. An einer Stelle wird dem
Protagonisten angeboten, dass er ein unschönes Ereignis aus seiner Erinnerung
entfernen lassen könnte, aber er entscheidet sich dagegen. Laut Fernyhough
würden sich 80% gegen eine Löschung bestimmter Erinnerungen entscheiden, wenn
sie die Möglichkeit hätten. Auch Neil Gaiman betonte, dass auch schlechte
Erinnerungen gut sein können, weil man es beim nächsten Mal besser machen kann,
und wenn nicht, tragen sie zumindest zu der Identität des Einzelnen bei.
In The Ocean at the End of the Lane erinnert der Protagonist sich an
eine Frau, die als Untermieterin in sein Kinderzimmer zieht und alle außer ihm
nett behandelt. Zu ihm ist sie ausgesprochen fies und bringt auch andere gegen
ihn auf. Im Gespräch mit Charles Fernyhough sagte Neil Gaiman, dass man als
Kind den Erwachsenen nie erzählt hätte, wenn man in der Schule von den Lehrern
schlecht behandelt wurde, einmal weil das Wort eines Kindes gegen das eines
Erwachsenen stehen würde (wie es auch im Buch der Fall ist), aber auch weil die
Erwachsenen als zu unwissend über die Welt gesehen würden. Mit Blick auf die
Machtlosigkeit der Kinder beschrieb er die Welt als: „There are giants and you
have to learn their language“.
Bevor dann Fragen gestellt
werden durften, erklärte Neil Gaiman kurz, was Fragen sind: „A question is
short and an interrogative… with a question mark.“ Er wollte darauf hinaus,
dass keine langen Ausführungen über das Buch oder ein anderes Thema vorgetragen
werden sollten, denen er nichts mehr hinzufügen könnte. Die Leute haben sich
tatsächlich dran gehalten.
Eine Frage war, ob wir
vergessen haben, dass wir Märchen brauchen. Er antwortete, dass wir das nicht
vergessen hätten, schließlich seien die technischen Entwicklungen auch eine Art
Magie. Damit würde er zumindest das Lesen naturwissenschaftlicher Zeitschriften
rechtfertigen. Außerdem würden uns Märchen auch immer noch befriedigen.
Nach der Lesung stürmten alle
raus, weil sie sich eine Unterschrift holen wollten. Ich bin nicht gestürmt und
endete ziemlich weit hinten in der
Signierschlange. Aber die Organisation war gut. Als ich raus kam, zeigte ein
Mitarbeiter, wo wir uns anstellen sollten und dann kam eine vorbei, die
Zettelchen mit den Namen schrieb, die man ins Buch kleben konnte. Wir durften
zwei Bücher signieren lassen. Das neue und ein anderes. Aber nur eins der
beiden Bücher würde mit Widmung sein. Ich habe beschlossen, Lisa die Widmung zu
überlassen, weil sie so aufgeregt war, dass ich Neil Gaiman sehen würde.
Nach eineinhalb oder zwei
Stunden Warten stand ich dann tatsächlich vor Neil Gaiman. Er hat das Buch für
Lisa signiert und ich habe ihm erzählt, dass sie auch gerne gekommen wäre, aber
nicht konnte. Dann hat er mich gefragt, ob er in mein Buch auch einen Namen
reinschreiben sollte, hat mich beim Buchstabieren aber falsch verstanden. Bei der Familie vor
mir, die ihr Buch ihrer Baby-Tochter widmen lassen wollten, hatte er sich auch
schon verschrieben und schrieb noch „Sorry about the spelling“ dazu. Es war
einfach spät.
Als ich aus dem Signierzelt
kam, warteten die anderen noch auf mich. Wir konnten ein bisschen was vom
Feuerwerk des Tattoo sehen (der Nebel hatte sich so einigermaßen verzogen). Wir sind zum Abschluss noch ein einen Pub gegangen. Ich hatte irgendwie gar
nicht auf dem Schirm, dass es der letzte gemeinsame Abend war. Die Zeit ist so
schnell rumgegangen und Hannah und ich flogen am Freitag auch erst später
zurück und hatten für den Vormittag noch viel vor.