Donnerstag, 22. August 2013

Auld Lang Syne (Schottland Tag 4)



Diesen Tag wollten Hannah und ich komplett auf dem Festival-Gelände verbringen. Aus dem Grund dachten wir uns, das wäre der passende Tag, um ein warmes Frühstück im Hostel zu genießen. Ich hatte ein Full English Breakfast und Hannah hatte ein American Breakfast mit britischer Note. Es war gut, aber ich mag einfach keine Baked Beans. Trotzdem war der Plan soweit ganz gut. Leider spielte das Wetter nicht richtig mit. Es war richtig nebelig, die Spitze des Scott Monuments war kaum zu erkennen, als wir daran vorbei gingen.
Auf dem Weg zum Book Festival waren wir kurz beim Supermarkt, aber kamen dadurch so spät zu der Lesung von Kate Mosse, dass wir nur einen Platz ziemlich weit am Rand bekamen, wo die Übertragung nicht besonders gut war. Die Lesung fand ich nicht so spannend. Ich habe das erste Buch der Languedoc-Trilogie angefangen, aber ich komme nicht richtig voran, vielleicht weil ich zu wenig Zeit habe, um richtig reinzukommen, vielleicht aber auch, weil mir momentan nicht nach Mittelalter ist. Hier ging es um den dritten Band und der klingt etwas interessanter.
Die Trilogie (Labyrinth, Sepulchre und Citadel) widmet sich drei Wendepunkten in der Geschichte der Region Languedoc: den Kreuzfahrern, dem Fin-de-siècle und dem zweiten Weltkrieg und der Résistance. Kate Mosse sprach viel über die französischen Widerstandskämpfer und darüber, dass auch Frauen dabei waren, betonte aber auch, dass sie keine Historikerin ist.
In allen ihren Büchern hat sie weibliche Helden. Die Heldin in Citadel ist von Aragorn und Éowyn inspiriert. An einer Stelle sagt Éowyn, dass sie Angst davor hat, eingesperrt zu sein und keine großen Taten vollbringen zu können und Aragorn antwortet (im Film) darauf: „Ihr seid die Tochter von Königen, ich glaube nicht, dass euch dieses Schicksal bestimmt ist“. Diese Haltung sei auch die von Kate Mosses Heldinnen. Ich nehme ja mal an, dass sie Éowyns Haltung meint, denn Aragorn lässt Éowyn danach trotzdem zurück. Aber an der Stelle war ich auf einmal hellhörig.
Kate Mosses Heldinnen sollen auf der einen Seite nicht auf Kinder und „finding, losing and keeping love“ beschränkt werden, aber gleichzeitig sollen sie keine Frauen sein, die Liebe für ihre Bestimmung opfern. Deswegen haben ihre Heldinnen auch Geliebte in den Büchern. (Bei Éowyn klappt das ja auch, nur eben nacheinander und ich hatte immer das Gefühl, dass sie auch noch eben unter die Haube gebracht werden musste.) Allerdings habe ich bei Labyrinth im Moment noch das Gefühl, dass Alaïs eher auf ihren Vater fixiert ist und ihren Gatten ein wenig links liegen lässt. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt. Außerdem sagte Kate Mosse, dass es bei ihr gute und schlechte Frauen und Männer gibt. Wie im echten Leben.  

Nach der Lesung waren wir in den beiden Buchläden auf dem Festivalgelände. Zuerst haben Hannah und ich uns im Kinderbuchladen mit Büchern eingedeckt. Ich habe den neusten Artemis Fowl-Band, First Aid for Fairies and Other Fabled Beasts und Exodus (das habe ich aber später mit Hannah gegen eins von ihren über einen Golem getauscht) gekauft. Hannah hat sie unter anderem Fortunately, the Milk von Neil Gaiman gekauft. Das ist ein kurzes, bebildertes Buch über einen Vater, der Milch kaufen geht und dabei aufregende Sachen erlebt. Wir haben es am gleichen Tag durchgelesen und herzlich darüber gelacht. Im Buchladen für Erwachsene habe ich noch What to Do When Someone Dies von Nicci French und Hunters in the Snow von Daisy Hildyard erstanden. Letzteres wollte ich eigentlich schon in Deutschland bestellen, aber die Buchhändlerin meinte, dass es in Großbritannien vermutlich billiger wäre. War es nicht.
Das Festival-Gelände
Nach dem Bücherkauf habe ich Postkarten geschrieben und als es draußen zu kalt und ungemütlich wurde, haben wir uns in eins der Cafés auf dem Festival-Gelände gesetzt. Da saßen wir ziemlich lange, haben Kakao getrunken und Scones gegessen und wurden für Skandinavierinnen gehalten. Eine Frau, die mit uns am Tisch saß, fragte uns irgendwann, woher wir kämen und war ganz überrascht, als wir Deutschland sagten.
Nach unserer Pause gingen wir zu einer Diskussion zu der Frage „Where have all the brave girls gone?“ Es ging darum, dass es in Kinder- und Jugendbüchern viele starke Mädchen (wobei dieser Ausdruck direkt als negative angeprangert wurde, weil das unterstellen würde, dass Mädchen normalerweise nicht stark seien) gibt, aber in Büchern für Erwachsene die Frauen zurück gedrängt und überwiegend im Bereich Liebe, Familie und Kinder handeln würden.
Es waren drei Kinderbuchautoren eingeladen: Julia Donaldson (die Autorin von The Gruffallo), John Marsden (Tomorrow when the war began) und Samantha Shannon (The Bone Season). Kate Mosse leitete das Gespräch und ich fand sie da besser als morgens,  vielleicht, weil sie nicht so viel Werbung für Carcassonne gemacht hat. Insgesamt hat mich die Diskussion aber nicht überzeugt. Sie kam zu keinem wirklichen Ergebnis. Am Ende stellt einer genau die Frage, die die Gruppe die ganze Zeit beschäftigt hatte. Ich denke, die Zeit (eine Stunde) war etwas knapp und man hätte vielleicht nicht nur Kinderbuchautoren (plus Kate Mosse) einladen sollen.
Trotzdem war es interessant, was die Autoren erzählt haben. Julia Donaldson sprach über ein Bilderbuch, in dem eine Katze zu zwei Menschen kommt und da aufgenommen wird. Diese Menschen heißen Petrunella und Pat. Pat wie Patrick. Aber der Illustrator hat aus Pat eine Frau gemacht und die Autorin wurde von allen Seiten gefragt, in welcher Beziehung die beiden Frauen zueinander stehen. In einem Jugendbuch (Running in the Crack) hat sie den Jungen absichtlich jünger als das Mädchen gemacht, damit nicht erwartet wurde, dass die beiden in einer Beziehung enden würden (was auch einiges über die Akzeptanz von Beziehungen, in denen das Mädchen/ die Frau älter ist als der Junge/ der Mann, aussagt…).
Samantha Shannon ist vermutlich jünger als ich, hat aber schon ein Buch veröffentlicht und sechs weitere geplant. Bei der Vorstellung sagte Kate Mosse, dass sich nun vermutlich alle fragen würden, was sie eigentlich in ihrem Leben erreicht haben. Jedenfalls sagte Samantha Shannon, dass sie aus einer weiblichen Perspektive geschrieben habe, weil sie selber weiblich ist. Ihr Charakter sei aber problematisch, weil sie in die Obhut eines männlichen Keepers gegeben wird und eine Art Stockholm Syndrom entwickelt, aber die Protagonistin solle sich in den nächsten Büchern noch entwickeln. Sie verglich zwei Typen von Heldinnen: Typ Katniss, nicht über eine Liebesgeschichte definiert und Typ Bella, komplett über ihr Objekt der Begierde definiert. Das einzige Mal, dass Bella nicht mit Edward zusammen sei oder an ihn denke, mache sie sich ein Sandwich (Sandwiches machen war ein regelmäßiger Scherz in der Runde, der immer wieder verwendet wurde), fairerweise muss man sagen, dass das nicht ganz stimmt, aber die Tendenz ist auf jeden Fall da.
Am interessantesten fand ich in der Runde John Marsden, weil er auch als Lehrer gearbeitet hat. Er erzählte von einer Begebenheit aus einem Internat, in dem er gearbeitet hat. Als er morgens die Räume kontrollierte, bemerkte er, wie drei 14-jährige Jungen zählten, um dem vierten Jungen auf dem Zimmer zu helfen, zeitgerecht aufzuräumen (ich haben nicht so ganz verstanden, wie das funktioniert, aber egal). Sie haben ihm das erklärt und auch erzählt, dass manchmal, wenn der Junge vom Duschen kommt, die „bed-fairy“ schon sein Bett gemacht hat. John Marsden hat die Geschichte erzählt, um zu zeigen, dass Jugendliche, insbesondere männliche Jugendliche, nicht nur aggressiv, schwer zugänglich und anstrengend sind. Er hatte vorher schon die Dämonisierung der Jugend kritisiert. In seinen Büchern aber, so sagte er, gäbe es immer zwei Seiten bei seinen Charakteren, egal ob männlich oder weiblich. Sie seien alle mutig, aber das sei nicht die einzige Eigenschaft, die sie haben. Wenn er allerdings psychologische Bücher schreibt, hätten die immer weibliche Protagonisten. Er begründete das mit seiner Erziehung an einer Militärschule. Damit hat er ja eigentlich den Finger auf einen der wunden Punkte gelegt: Wenn es um Emotionen geht, dann muss die Perspektive eine weibliche sein. Aber darauf hat niemand der anderen Diskussionsteilnehmer reagiert.
In der Diskussion kam auf, dass die Verlage Druck ausüben, vor allem weil Kinderbücher als Vorbild dienen sollen. Julia Donaldson berichtete von einem Buch, in dem ein Tier raucht, was ihm nicht gut bekommt, und das Rauchen einen Waldbrand verursacht. Es ist also offensichtlich negativ dargestellt. Trotzdem kriegte sie Ärger vom Verlag, weil keine Zigaretten in Kinderbüchern vorkommen sollen. Zigarren waren dann übrigens in Ordnung. Bei der Darstellung weiblicher Charaktere sei das so ähnlich. Eine Oma müsse heute schon Motorrad fahren (da habe ich mich gefragt, ob die Briten das Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ kennen) und dürfe nicht mehr stricken, damit sie die jungen Leserinnen nicht negativ beeinflussen.
Die drei Autoren sprachen auch über die „starken Mädchen“ der älteren Kinderbücher und nannten als Beispiele George von den Fünf Freunden und Jo March aus Little Women. Jo heiratet später zwar, allerdings nicht den Mann, von dem die Leser gehofft haben, dass sie ihn heiraten würde, aber – und das wurde hervor gehoben – sie schreibt auch. George hingegen ist ein Tomboy und wird deswegen als abenteuerliches Mädchen akzeptiert (Anne macht immer die Butterbrote). Ich muss gestehen, dass ich bei George zuerst gar nicht wusste, wen sie meinten (was vermutlich daran liegt, dass ich den Namen als Kind deutsch gelesen habe), aber ich habe sie auch eigentlich immer mehr als Jungen verstanden – Tomboy eben. Und ja, es ist Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Fünf Freunde-Buch gelesen habe.
Als sie da ankamen, war die Zeit aber schon fast abgelaufen und die Zuschauerfragen wurden zugelassen. Wirklich interessant fand ich eigentlich nur die Frage nach Hermine. Es hat mich auch ein bisschen gewundert, dass auf Harry Potter gar nicht eingegangen wurde. Aber Julia Donaldson hat die Harry Potter-Bücher nur bis Band drei gelesen und findet, dass Hermine in den Bänden nur eine Besserwisserin aber keine Heldin ist, und John Marsden hat zwar alle sieben Bücher gelesen, ließ sich aber nur zu der Aussage herab, dass die Nebencharaktere in Harry Potter spannender sind als der Titelheld. Ich habe kurz überlegt, nach meiner Ankunft in Deutschland Julia Donaldson meine Hausarbeit zu genau der Frage zu schicken, aber konnte mich dann doch noch beherrschen.
Und ja, dann kam die Frage, warum denn nun in Kinder- und Jugendbüchern Heldinnen stark vertreten sind, in Büchern für Erwachsene aber nicht und ich dachte mir im ersten Moment: „Hallo? Worüber haben die denn eine Stunde lang diskutiert?!“, aber es war ganz gut, dass die Frage gestellt wurde, weil die Autoren dann mal gezwungen waren, sich auf etwas festzulegen. Kate Mosse sagte, dass Kinderbücher breiter gefächert wären, und Julia Donaldson erklärte, dass die Charaktere in Büchern für Erwachsene subtiler wären als in Kinderbüchern. John Marsden unterschied zwischen Literatur und „Airport fiction“ und meinte, dass in Literatur immer schon Heldinnen vorgekommen wären. Damit hat er sich etwas aus der Affäre gezogen, denn er hat nichts dazu gesagt, warum es bei der Airport fiction anders ist. Samantha Shannon sagte etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann, nämlich, dass wir nicht mehr überrascht sein dürfen, wenn starke Frauencharaktere auftreten, denn dadurch würde nur betont, dass man das nicht erwartet. Sie hat zwar auch nicht direkt das Warum erklärt, aber ich denke, wenn wir das beherzigen würden, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit strickenden Omas in Bilderbüchern. Denn dann könnten weibliche Charaktere alles sein.

Nach der Diskussion hatten wir zwei Stunden Zeit, bis die Neil Gaiman-Lesung anfing. Ich wollte bis dahin noch ein bisschen in The Ocean at the End of the Lane lesen, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, es vorher zu lesen und doch zumindest ein bisschen wissen wollte, worum es ging. Eine Stunde vor Beginn begannen die Leute, sich anzustellen. Ich war ziemlich verwirrt deswegen, aber wenn JKR gekommen wäre, hätte ich mich vermutlich auch Stunden vorher angestellt.
Kurz nach acht kündigte eine Mitarbeiterin des Book Festivals Neil Gaiman an und erwähnte seinen „incredible body and range of his writing“. Das sorgte für Gelächter, weil der „incredible body“ nicht auf seine Bücher, sondern seine Person bezogen wurde. Neil Gaiman griff das auch nochmal auf, als er das Wort ergriff und meinte „it’s a good body but not incredible“.
Er unterhielt sich mit Charles Fernyhough, einem Psychologen und Schriftsteller über Erinnerungen. Das neue Buch von Neil Gaiman ist im Grunde eine einzige Erinnerung des Protagonisten, aber das war mir bei der Lesung noch nicht so ganz klar, weil ich nur die ersten 40 Seiten gelesen hatte. Mir war zwar klar, dass der Protagonist sich erinnert (wie hätte man sonst erklären sollen, dass er zuerst ein Erwachsener und dann auf einmal ein Siebenjähriger ist?), aber erst als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, habe ich verstanden, warum das Thema absolut angemessen war.
Netterweise hat Neil Gaiman ziemlich zu Beginn nachgefragt, wer das Buch schon gelesen hatte und überraschenderweise waren das gar nicht so viele (weniger als die Hälfte). Also hat er eine Stelle vom Anfang des Buchs vorgelesen (die ich sogar schon gelesen hatte) und ich weiß nicht, ob er sich im weiteren Gespräch auch zurück gehalten hat, aber jedenfalls hat er mir den Lesespaß nicht verdorben und das Ende hat mich ziemlich überrascht.
The Ocean at the End of the Lane sollte eigentlich eine Kurzgeschichte für Neil Gaimans Frau werden (als “equivalent of sending flowers but meaningful“) und er hat seine Kindheitserinnerungen für die Geschichte bemüht, aber immer wenn er dachte, er wäre am Ende angekommen, war es doch noch nicht das Ende. Beim Schreiben habe er sich auch an Sachen erinnert, an die er seit 40 Jahren nicht mehr gedacht hatte. Er beschrieb es mit einem Spaziergang im Nebel: Je näher man sich einem Objekt nähert, desto mehr Details sieht man. Der Vergleich passte gut zu dem Wetter an diesem Tag.
Allerdings hat er auch nicht alles im Nebel gefunden. Er erzählte, dass seine Schwester ihm Fotos aus ihrer Kindheit schickte, nachdem sie das Manuskript gelesen hatte, und auf den Fotos war ein Gewächshaus, an das er sich nicht erinnert hat, das er aber gut hätte einen bauen können. Außerdem gäbe es Situationen, in denen seine Freunde ihm etwas erzählen, was er mal gesagt haben soll, er das auch sehr gut durchdacht findet, aber sich nicht daran erinnern kann, das mal gesagt zu haben. Andrerseits könne er sich aber an alle Bücher erinnern, die er im Alter von acht Jahren gelesen hat (das könnte ich nicht).
Beide Autoren sprachen darüber, unangenehme Erinnerung zu löschen. An einer Stelle wird dem Protagonisten angeboten, dass er ein unschönes Ereignis aus seiner Erinnerung entfernen lassen könnte, aber er entscheidet sich dagegen. Laut Fernyhough würden sich 80% gegen eine Löschung bestimmter Erinnerungen entscheiden, wenn sie die Möglichkeit hätten. Auch Neil Gaiman betonte, dass auch schlechte Erinnerungen gut sein können, weil man es beim nächsten Mal besser machen kann, und wenn nicht, tragen sie zumindest zu der Identität des Einzelnen bei.
In The Ocean at the End of the Lane erinnert der Protagonist sich an eine Frau, die als Untermieterin in sein Kinderzimmer zieht und alle außer ihm nett behandelt. Zu ihm ist sie ausgesprochen fies und bringt auch andere gegen ihn auf. Im Gespräch mit Charles Fernyhough sagte Neil Gaiman, dass man als Kind den Erwachsenen nie erzählt hätte, wenn man in der Schule von den Lehrern schlecht behandelt wurde, einmal weil das Wort eines Kindes gegen das eines Erwachsenen stehen würde (wie es auch im Buch der Fall ist), aber auch weil die Erwachsenen als zu unwissend über die Welt gesehen würden. Mit Blick auf die Machtlosigkeit der Kinder beschrieb er die Welt als: „There are giants and you have to learn their language“.
Bevor dann Fragen gestellt werden durften, erklärte Neil Gaiman kurz, was Fragen sind: „A question is short and an interrogative… with a question mark.“ Er wollte darauf hinaus, dass keine langen Ausführungen über das Buch oder ein anderes Thema vorgetragen werden sollten, denen er nichts mehr hinzufügen könnte. Die Leute haben sich tatsächlich dran gehalten.
Eine Frage war, ob wir vergessen haben, dass wir Märchen brauchen. Er antwortete, dass wir das nicht vergessen hätten, schließlich seien die technischen Entwicklungen auch eine Art Magie. Damit würde er zumindest das Lesen naturwissenschaftlicher Zeitschriften rechtfertigen. Außerdem würden uns Märchen auch immer noch befriedigen.
Nach der Lesung stürmten alle raus, weil sie sich eine Unterschrift holen wollten. Ich bin nicht gestürmt und endete  ziemlich weit hinten in der Signierschlange. Aber die Organisation war gut. Als ich raus kam, zeigte ein Mitarbeiter, wo wir uns anstellen sollten und dann kam eine vorbei, die Zettelchen mit den Namen schrieb, die man ins Buch kleben konnte. Wir durften zwei Bücher signieren lassen. Das neue und ein anderes. Aber nur eins der beiden Bücher würde mit Widmung sein. Ich habe beschlossen, Lisa die Widmung zu überlassen, weil sie so aufgeregt war, dass ich Neil Gaiman sehen würde.
Nach eineinhalb oder zwei Stunden Warten stand ich dann tatsächlich vor Neil Gaiman. Er hat das Buch für Lisa signiert und ich habe ihm erzählt, dass sie auch gerne gekommen wäre, aber nicht konnte. Dann hat er mich gefragt, ob er in mein Buch auch einen Namen reinschreiben sollte, hat mich beim Buchstabieren aber falsch verstanden. Bei der Familie vor mir, die ihr Buch ihrer Baby-Tochter widmen lassen wollten, hatte er sich auch schon verschrieben und schrieb noch „Sorry about the spelling“ dazu. Es war einfach spät.
Als ich aus dem Signierzelt kam, warteten die anderen noch auf mich. Wir konnten ein bisschen was vom Feuerwerk des Tattoo sehen (der Nebel hatte sich so einigermaßen verzogen). Wir sind zum Abschluss noch ein einen Pub gegangen. Ich hatte irgendwie gar nicht auf dem Schirm, dass es der letzte gemeinsame Abend war. Die Zeit ist so schnell rumgegangen und Hannah und ich flogen am Freitag auch erst später zurück und hatten für den Vormittag noch viel vor.

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