Sonntag, 30. September 2012

Ab ins Grüne… (Israel Tag 11)




10 Uhr:           Heute ist unser letzter Tag. Wir fliegen zwar erst morgen Früh, aber die nächste Nacht wird mehr oder weniger durchgemacht (wir fahren gegen Mitternacht zum Flughafen).


Unser erstes Ziel heute war die Knesset und die Menora davor. An der Knesset haben wir ein Referat gehört. Vor der Menora hat Ronit uns ausführlich die Symbole darauf erklärt. Diese Statue wurde Israel vom UK zur Parlamentseröffnung geschenkt. Zu sehen sind Episoden aus der jüdischen Geschichte und Tradition: Mose, Jesaja, David und Goliath, Römer, Juden in Spanien, Shoah etc. Leider konnte ich mir nicht alles merken. Am „Stamm“ des Leuchters steht jedenfalls das „Shema Israel“. Es hat mich gefreut, dass wieder eine Abbildung von Rut dabei war. Sie teilt sich einen Platz mit Rahel, weil beide in Verbindung mit Bethlehem stehen.

13:41 Uhr:      Wir kommen gerade aus den biblischen Gärten von Neot Kedumin. Das ist ein bisschen wie ein Erlebnismuseum. Es gibt Pflanzen, die in der Bibel eine Bedeutung haben und ein paar archäologische Steine.
Zuerst kamen wir an eine Stelle, an der Wein hergestellt wurde (Trauben zertrampeln, der Saft fließt in eine Kuhle, wo er gereinigt wird und dann in eine andere Kuhle zum gären). Ohne uns zu sagen, worauf es hinauslaufen würde, hat Ronit ein paar Freiwillige gesucht und als nur Maria nach vorne ging, bin ich ihr gefolgt. Ronit fragte uns, ob wir wüssten, wie der Wein gemacht wird und Maria meinte: „ja, also erstmal die Füße waschen…“. Maria und ich haben uns die Füße dann aber nicht gewaschen, als das Trauben zerstmpfen pantomimisch vorspielen mussten, während die anderen uns mit etwas, das wie „Haida“ klang, anfeuerten. Es gibt vermutlich viele peinliche Fotos davon.
Auf dem weiteren Verlauf des Weges trafen wir auf eine Zisterne. Rebekka und Stefan mussten das Treffen von Rebekka und Abrahams Knecht nachspielen (der Knecht soll eine Frau für Isaak suchen, er soll die wählen, die auf seine Frage, ob sie ihm Wasser schöpfen könnte, antwortet: Ich schöpfe Wasser für dich und deine [10] Kamele“). Rebekka hat dann auch einen Eimer Wasser hochgeholt, aber das Ganze 300 Mal (für die Kamele) zu wiederholen, wollte ihr keiner antun. Ronit hat uns dann noch gezeigt, wie das Wasser in die Zisterne fließt.
                        Bei unserem nächsten Halt haben wir einen Gottesdienst gefeiert. Justine hat Querflöte gespielt. Es war gut, ein Instrument dabei zu haben. Einmal natürlich, weil es schön klang. Aber auch, weil die Melodie der Lieder einmal vorgespielt wurde und ich das Gefühl hatte, dass diesmal mehr Leute mitgesungen haben als beim letzten Gottesdienst. Bei der Kommunion hat sie „Ihr Mächtigen“ gespielt und ich habe mich wieder gefragt, warum das Lied eigentlich nicht in unserem Liederheft steht.
Nach dem Gottesdienst kamen wir an eine Stelle, wo Oregano wächst. Wir sollten dann getrockneten Oregano und etwas Essig in einem Mörser zerstampfen und mit Salz mischen. Das war schon sehr lustig. Was dabei rauskam (oder rauskommen sollte), war Zatar. Wir durften uns etwas in kleine Tütchen abfüllen, der Rest wurde gesammelt.
                       
15:15 Uhr:      Ronit hat uns in ihre Sukka (Laubhütte) eingeladen. Das hat mich total gefreut. Schon seit ein paar Tagen sehen wir hier Hütten, im Entstehungsprozess oder schon fertig (in Vorbereitung auf das Laubhüttendfest, das heute beginnt), und ich wollte immer schon mal eine näher unter die Lupe nehmen.

Ronits Hütte besteht aus einem Gestell, die Wände bestehen aus Decken, die mit Wäscheklammern festgemacht sind. Das Dach besteht aus Palmenblättern, damit man die Sterne dadurch sehen kann. Innen hängen verschiedene Dekorationen: Bilder, Papierketten und so glitzernde Plastikgirlanden, die es bei uns auch für Weihnachtsbäume gibt. In der Mitte liegen Bastmatten und Kissen, ringsherum stehen Stühle.
Wir haben Pita-Brot mit Öl und dem Zatar, das wir selber hergestellt haben (und zu dem Ronit noch Salz hinzufügen musste), gegessen. Wir sollten das Brot aufklappen, es mit Öl vollsaugen lassen und es dann mit Zatar bestreuen. Das war eine ziemliche Sauerei. Ich hatte hinterher sicher mehr Öl an den Händen, auf der Hose und an den Schuhen als auf dem Brot.
Danach sollten wir eine Papierkette basteln (Papierringe ineinander tackern) und sollten alle etwas zu der Reise sagen.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel Aviv/ Jaffa. Ich habe überhaupt keine Lust mehr, etwas zu machen. Wir haben uns schon von Ronit verabschiedet und der Besuch in der Sukka war irgendwie so abschließend, dass es nicht mehr passt, jetzt noch Programm zu machen.

16:50 Uhr:    Wir hatten ganze 45 Minuten Auslauf in Alt-Jaffa. Die Luft außerhalb des klimatisierten Busses ist furchtbar. Wie im Tropenhaus. Ich sehne mich nach einer Dusche, aber werde erst in 24 Stunden wieder die Möglichkeit dazu haben. Die Aussicht hebt meine Laune nicht besonders. Für mich ist gerade die Luft ziemlich raus aus der Fahrt.
Heike und ich haben uns eben die Peterskirche angeguckt. Sie war nicht so überlaufen oder kitschig (oder beides) wie die Kirchen, die ich in den letzten Tagen gesehen habe. Ich fand das mal ganz angenehm und auch im Allgemeinen fand ich die Kirche ganz nett. Gut gefallen haben mir die Taube im Strahlenkranz über dem Altar und die Zweige auf dem Dach der Kanzel. Nervig war auf die Dauer der kitschige Gesang vom Band. Heike fand die Kirche schrecklich, weil sie sie an so Moralpriester mit erhobenem Zeigefinge erinnert hat.
Danach sind wir in Richtung Meer gelaufen, haben da Anna getroffen und uns zu ihr auf die Stufen einer Treppe gesetzt. Es war ein bisschen Wind, der uns etwas abgekühlt hat. Ich habe mich irgendwann an die Mauer am Meer gestellt und habe mir das Wasser angeguckt. Ich wäre so gerne rein gesprungen, aber für 45 Minuten war der Strand zu weit weg (und mein Badeanzug ist im Koffer).

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel Aviv. Noch ein Programmpunkt, dann gibt es Essen und dann dauert es hoffentlich nicht mehr lange bis wir uns auf den Weg zum Flughafen machen. Ich würde wirklich noch ein bisschen hier bleiben, aber das Programm im Moment wirkt so, als solle es Zeit überbrücken, aber gleichzeitig haben wir zu wenig Zeit, wirklich was in Jaffa bzw. Tel Aviv zu machen und das nervt mich.

Samstag, 29. September 2012

Alte Gemäuer und alte Texte (Israel Tag 10)



8:10 Uhr:       Heute muss ich mit ein paar anderen den Eintrag für das gemeinsame Reisetagebuch schreiben und wäre fast zu spät gekommen. Der Bus hatte sich schon in Bewegung gesetzt, als wir (zum Glück war ich nicht die einzige Spätkommerin) angerannt kamen, aber Frau G. kam uns entgegen und winkte uns zu der richtigen Stelle. Auch im Bus haben alle gewunken. Das wäre ja noch ein lustiger Reisebucheintrag geworden: „Ich habe heute Morgen den Bus verpasst und musste den ganzen Tag im Hotel bleiben.“ :-D

10:38 Uhr:    Wir waren zuerst am Ölberg. Von da aus hat man eine gute Sicht auf Jerusalem. Wir haben alle das ungefähr 1000. Foto vom Felsendom gemacht (die Kuppel sieht man immer so gut). Außerdem standen da ein Kamel und ein Esel, auf denen man eine Runde reiten konnte. Als Frau G. und alle, alle zum Referat zusammengerufen hat, fragte Frodo: „Das Kamel auch?“
                        Im Referat haben wir gelernt, dass der Ölberg eine Art Grenze zwischen der Stadt und der Wüste ist. Wer aus der Wüste kam, sah vom Ölberg aus die Stadt. Andersrum konnte man in der Wüste bzw. auf dem Ölberg Einsamkeit und Ruhe suchen.
                       Mit Ruhe ist heute nicht mehr viel los. Von der Spitze des Ölbergs aus liefen wir zu der Kirche Dominus Flevit. Auf dem Gelände haben wir zuerst Grotten mit Kästen gesehen, in denen früher die Knochen der Verstorbenen gesammelt wurden. Die Toten kamen ein Jahr lang in eine Höhle, danach kamen die Knochen in so eine Box. Natürlich haben die einen bestimmten Namen, aber den habe ich direkt wieder vergessen.
                      Ich fand die Kirche ohnehin interessanter. Jesus steht auf diesem Berg, an der Stelle, wo die Kirche steht, und  spricht von der Zerstörung Jerusalems. Die Kirche hat ein Fenster, durch das man die Stadt sieht und – wie sollte es auch anders sein – den Felsendom. Zu Jesu Zeiten stand da natürlich noch der Tempel (der Felsendom ist ja auf dem Tempelberg gebaut), Jesus spricht also mit Blick auf den Tempel von der Zerstörung, was dem Ganzen nochmal mehr Würze gibt.
                  Die aktuelle Kirche steht auf den Resten einer byzantinischen. Auf dem Dach stehen Tränenvasen. In solchen Gefäßen bewahrt man in bestimmten Kulturen die letzten Tränen von Sterbenden auf. Passt also zu Dominus Flevit.
                       Auch bei dieser Kirche war es sehr voll: Wir mussten warten, bis wir rein kamen und noch bevor wir ganz fertig waren, drängte schon die nächste Gruppe rein.

                     Von dieser Kirche aus sind wir dem Weg der Palmsonntagsprozession gefolgt, kamen am Stein des Judas vorbei (keine Ahnung, was der Stein mit ihm zu tun hat, aber Ronit sagte, es wäre sein Stein, deswegen erwähne ich das hier :-D) und endeten am Garten Gethsemane. Der Garten ist ganz schön! Sehr viele knorrige Olivenbäume und Blumen. Ich habe beschlossen, dass mein Zauberstab aus Olivenholz sein soll. :-D Ich muss noch mal Pottermore checken, ob JKR was zu diesem Holz gesagt hat (Mittlerweile habe ich nachgeguckt: Nein, sie erwähnt dieses Holz nicht. Zypressen und Pinien schon, aber kein Olivenbaumholz. Na ja, das heißt ja erst mal nur, dass Mr Ollivander das Holz nicht verwendet.)
                       Es ist unklar, wie alt die Bäume sind. Aber es kann sein, dass die Wurzeln – auch wenn die Bäume selbst verbrannt wurden – sehr alt sind und dass aus den Wurzeln neue Zweige kommen. Aus dem Baumstamm Isais halt… Diese Bibelstellt verfolgt mich. Mein Reli-Lehrer hat schon in der 5. Klasse versucht, sie uns näher zu bringen.
                      Neben dem Garten Gethsemane steht die Kirche der Nationen und erinnert an Jesus, der im Garten betet. Vor der Kirche hat Klaus die entsprechende Bibelstelle vorgelesen. Dann durften wir in die Kirche. Sie ist sehr dunkel und hat 12 Kuppeln, die blau angestrichen sind und mit goldenen Sternen und Olivenbaumzweigen verziert sind. Jede Kuppel steht für ein Land, das sich an der Kirche beteiligt hat und so hat jede noch eigene Symbole und Verzierungen. Die deutsche Kuppel „schmückt“ z.B. der Bundesadler. Ich musste prompt an die nicht besonders positiven Bemerkungen eines meiner Englischdozenten zu diesem Vogel denken… Abgesehen von Deutschland habe ich die Kuppeln Frankreich, Spanien und ich glaube den USA gesehen. Hinter dem Altar ist ein Bild von Jesus, der betet. Die Kirche war nicht so überlaufen wie die Grabeskirche, aber es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Ich frage mich, wie der Gottesdienst, der ganz vorne um den Altar herum stand fand, sich davon nicht stören lassen konnte.
                    Auf dem Dach der Kirche der Nationen stehen rechts und links vom Kreuz übrigens zwei röhrende Hirsche neben einem Kreuz. Ich habe keine Ahnung, was die da oben verloren haben und als ich Ronit gefragt habe, hat die meine Frage falsch verstanden und mir etwas ganz anderes erzählt. Ich argwöhne ja, dass die Deutschen nicht nur eine Kuppel haben wollten, und deswegen noch die beiden Hirsche aufs Dach geschmuggelt haben…

13:30 Uhr:      Wir kommen gerade aus dem Israel-Museum. Zuerst haben wir gefühlte Stunden in der Sonne gestanden. Ich hatte meine Sonnenbrille und den Hut im Bus gelassen, weil ich dachte, wir gingen INS Museum. Außerhalb des Museums haben wir zunächst ein Modell Jerusalems zu der Zeit von Herodes und den Shrine of the Book von außen gesehen. Der Schrein sieht ist weiß und sieht aus wie der Deckel von einem Tonkrug, in dem die Rollen in Qumran gefunden worden sind. Gegenüber vom Schrein ist eine schwarze Wand. Das steht für die Söhne des Lichts, die gegen die Söhne der Dunkelheit kämpfen. Ich hatte gleich einen Ohrwurm von „Krieger des Lichts“ von Silbermond.
Das Dach wird mit Wasser besprengt. Gar keine Verschwendung...
                  Im Schrein haben wir dann Teile der Rollen gesehen. Die Jesaja-Rolle ist nicht im Original zu sehen, sie ist irgendwo in einem Bunker eingeschlossen, damit ihr nichts passiert. Außerdem konnte man im Schrein Gegenstände aus Qumran sehen.Vor einer der Rollen hat Johanna gesagt: „Das ist die Rolle, mit der Kandu ankam und sagte: ‚Hey, ich habe noch eine gefunden, gebt mir doch nochmal ein paar Millionen Dollar!‘“ Ich meinte, dass er damit ja ausgesorgt habe. Daraufhin haben wir überlegt, wie man so eine Rolle fälschen könnte. Papier ein bisschen anfackeln oder so.
                        Nach dem Besuch im Shrine of the Book hatten wir eine Stunde Zeit, alleine durch das Museum zu gehen. Johanna und ich wollten eigentlich alleine die 15 musts aus unserem Reiseführer machen. Aber wir haben den Anfang nicht gefunden. Stattdessen sahen wir Frau G. mit einer Gruppe, der wir uns dann anschlossen. Das war ganz gut. Sie hat auch immer gesagt, wo die Sachen her kamen, die wir gesehen haben.

16:32 Uhr: Wir sind jetzt in Bethlehem. Ronit durfte nicht mit, weil Israelis nicht ins Autonomiegebiet dürfen. An der Grenze wurden wir erstaunlicherweise nicht kontrolliert. Wir sollten alle unsere Pässe bereithalten, aber niemand wollte sie sehen. Klaus war überrascht, normalerweise müsse man 30 Minuten für die Kontrolle einrechnen.
                        In Bethlehem haben wir einen neuen Reiseführer, Jakob, bekommen. Zuerst haben wir Mittagspause in einem Lokal namens Ruth’s Field Restaurant gemacht (dass die meinen Namen aber auch nie richtig hinkriegen! ;-)). Ich habe aber nichts gegessen, weil ich keine Lust auf Falafel bzw. Schawarma hatte.
                       Nach der Pause sind wir zu den Hirtenfeldern gegangen. Man weiß nicht genau, wo sie sind, aber irgendwo das. Von den Feldern aus hat Jakob uns in eine Grottenkirche geführt, anhand der er uns erklärt hat, wie man sich den Stall vorstellen soll: Niedrige Felsendecke, dunkel, dicke Wände… Diese Grotten sind im Sommer kühl (wobei ich es auch etwas stickig fand) und im Winter warm. Ich nehme an, die Plastikengel und Schneeflocken sollten ein bisschen (europäisches?) Weihnachtsfeeling in die Grotte bringen, aber das fand ich doch fehl am Platz…
                        Auf dem Gelände der Hirtenfelder steht auch eine Kapelle. Von den Feldern kommend muss man über eine Treppe zu ihr heraufsteigen. In dem Treppengeländer sind Umrisse von Schafen eingearbeitet. Die meisten sind weiß, aber zwei (eins rechts, eins links) sind schwarz. Das fand ich sehr lustig. An der Fassade der Kirche ist oben ein Engel und auch drinnen sind Engelfiguren. Die Bänke stehen in einem Kreis um den Altar herum und an den Wänden sind Bilder von der Verkündigung an die Hirten und der Krippenszene. Wie St. Anna soll auch diese Kapelle eine gute Akustik haben. Nach einigem Hin und her, ob wir singen sollen oder nicht, hat Steffi „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ angestimmt. Das war auch wieder schön. Schade, dass wir so wenig singen auf der Fahrt (außerhalb des Busses meine ich).
              Als nächstes wurden wir zu einem Laden gefahren, in dem man Schnitzereien aus Olivenbaumholz kaufen kann. Wir haben uns schon an eine Kaffeefahrt erinnert gefühlt, aber letztendlich haben sich die meisten doch etwas gekauft.

17:50 Uhr:    Der letzte Halt in Bethlehem war die Geburtskirche. Sie hat mich nicht überzeugt. Griechisch-Orthodoxe, Armenier und Katholiken müssen sich die Kirchen teilen und die Katholiken haben den kleinsten Teil abbekommen: Die Grotte, in der die Krippe steht. – Achtung! Dies ist nicht die Grotte der Geburt! :-D Wie erfinderisch man manchmal sein muss, um auch ein Stück vom Kuchen der heiligen Orte abzukriegen…
                   Mir hat die Geburtskirche aber wirklich nicht gefallen, was größtenteils wieder an meinem Problem mit orthodoxen Kirchen liegt. An der festgelegten Geburtsstelle Jesu ist heute ein 14-zackiger Stern. Die Zacken stehen für die Vorfahren Jesu. Das ist die einzige Idee, die ich noch gelungen finde. Auf jeden Fall besser als die kitschige Krippe in der Grotte, die wir bei den Hirtenfeldern gesehen haben.
                    Übrigens gab es an der Stelle der Geburtskirche schon eine byzantinische Kirche, die zerstört wurde. Die Kreuzfahrer bauten die heute noch bestehende, aber man sieht noch Teile des Fußbodenmosaiks der byzantinischen Kirche. Jakob meinte, die Tatsache, dass die Kreuzfahrerkirche immer noch steht, sei doch ein Zeichen Gottes, dass er will, dass sie an dieser Stelle steht.

                        Jetzt nähern wir uns der Grenze. Gleich sollen wir aussteigen, um diesmal wirklich die Kontrolle zu erleben. Klingt stark nach Touri-Programm.

18:45 Uhr:    Die Grenzkontrolle war ein bisschen unspektakulär, wenn man an den Ablauf denkt: Durch ein Gewirr von Stangen laufen, Taschen durchleuchten lassen, Metalldetektor, Pass vorzeigen… wie am Flughafen eigentlich, nur dass die Kontrolleure noch gelangweilter waren als die an den Flughäfen, die ich bisher gesehen habe.
                        Wenn man allerdings bedenkt, dass man das alles nur durchlaufen muss, um die Straße zu überqueren, innerhalb eines Landes, das aus zwei Nationen besteht, wird das Ganze etwas absurder. Wir haben auf dem Weg zur Grenze auch die Mauer gesehen, die die Israelis und Palästinenser trennt. Im Grunde ist sie das, was die Soldaten in Jerusalem ist: ein Mittel, von dem die Verantwortlichen glauben, es garantiere die Sicherheit der Bürger (oder erhöhe zumindest die Wahrscheinlichkeit des Schutzes). Ob sie das tut, weiß ich nicht. Die Mauer in Belfast, die Katholiken und Protestanten trennt, scheint mittlerweile eher zur Touristenattraktion geworden zu sein (jedenfalls haben wir bei der Taxi-Stadtrundfahrt dort gehalten und haben Eddings bekommen, mit denen wir die Mauer bemalen durften). Vielleicht geschieht das mit dieser Mauer ja auch irgendwann. Aber das wird wohl leider ein langer Prozess sein, wenn man bedenkt, welch strenge Regeln es für das Betreten oder Verlassen der Gebiete gibt…
                        In Bethlehem hat Jakob uns auch seine Sicht der Wasserversorgung im Westjordanland erzählt. Er meinte, in den israelischen Siedlungen gäbe es viel mehr Wasser als in den palästinensischen. Alle 10 Tage bekämen die Palästinenser eine Wasserration für 3 Tage. Er selber lebe auf dem Weg zu einer israelischen Siedlung und habe deswegen immer genug Wasser (ich habe mich gefragt, ob er die Leitungen abzapft, oder ob das Wasser „offiziell“ bei ihm ankommt). Es sind so kleine, für uns selbstverständliche Sachen wie immer genug Wasser oder gehen, wohin man will (mittlerweile), die zeigen, dass in dem Land etwas nicht in Ordnung ist, auch wenn wir keine Kämpfe gesehen haben.

Mitternacht:   Johanna, Melanie und ich waren mit ein paar anderen Leuten heute Nacht noch auf dem Ölberg und haben uns Jerusalem bei Nacht angesehen. Sehr schön, aber der Aufstieg war schon anstrengend. Und dann hätte ich fast noch meine Wasserflasche verloren, weil die Plastiktüte riss und meine Flasche Anstalten machte, den Berg wieder herunter zu rollen als wir fast ganz oben waren. Das wäre es ja noch gewesen, wenn ich ihr hätte hinterher laufen müssen!
                    Während wir auf dem Berg waren ist auch etwas passiert, was während unseres gesamten Aufenthaltes noch nie passiert ist: Es hat geregnet! Zwar war es nicht viel (was auch ganz gut war, weil wir alle keine Regenausrüstung dabei hatten), aber immerhin ein paar Tropfen.

Freitag, 28. September 2012

In der Dunkelheit (Israel Tag 9)



Heute Nacht war Feueralarm. Zweimal kurz hintereinander. Beim zweiten Mal ist Melanie zur Rezeption gegangen und hat gefragt, was los sei. Es war nur falscher Alarm, wahrscheinlich von dem Arbeiten beim Pool ausgelöst, aber es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich wieder beruhigt hatte.
           
Heute hatte wieder jemand Geburtstag. Wir haben es im Bus tatsächlich geschafft, „Viel Glück und viel Segen“ vierstimmig zu singen. Wir sind gut.
Heute Vormittag waren zuerst die Davidsstadt und der Hiskija-Tunnel dran. Eine israelische Archäologin (Eilat Mazar) ist der Meinung, dort die Reste des Palasts von König David gefunden zu haben. Es wurden viele Siegel gefunden, die teilweise aus der Bibel bekannte Namen tragen. Wir haben von einer Plattform, die wohl mal einen Wachturm war, über die Stadt gesehen. Außerdem hat Ronit uns eine Stützmauer gezeigt. An der Mauer war ein Vierkammernhaus, das eine eigene Toilette hatte (das wurde uns übrigens als Überraschung angekündigt). 
Zu vermieten: 4 Zimmer/ Küche/ Bad!
In dem Haus werden wohl Reiche gewohnt haben (Nähe zum Palast). Katrin und ich dachten erst, dass es Arme gewesen sein müssten, weil wir gedacht hatte, das wäre schon außerhalb der Stadt. Aber wenn dieser Ort wirklich mal Davids Palast beherbergt hat, dann hatte der Gute tatsächlich einen netten Ausblick auf die Wohnungen ringsherum (siehe Batseba).
Es ist schon deutlich zu sehen, dass für die Juden David eine wichtige Identifikationsfigur und ein National Icon ist, schließlich sieht man Überall Anspielungen auf ihn (und ich meine auch, dass ihm die Vereinigung von Nord- und Südreich zugeschrieben wird). Deswegen kann ich schon den Wunsch verstehen, seinen Palast zu finden, aber die Ir David ist schon sehr kitschig. Am Eingang ist eine große, goldene Harfe und auf dem ganzen Ausgrabungsgebiet ertönen zarte Harfenklänge, die mich langsam aber sicher in den Wahnsinn getrieben haben. Am liebsten hätte ich den CD-Player gesucht, ihn ausgestellt und die CD versteckt.
           
Der Hiskija-Tunnel wurde auf Befehl von König Hiskija gegraben, um die Quelle, die außerhalb der Stadt lag, nach innen zu leiten, damit die Feinde nicht dran kamen. Durch den Tunnel kann man heute durchgehen, aber es steht immer Wasser drin und er ist teilweise sehr eng. Wir sind natürlich durchgegangen. Zuerst hat es mich etwas Überwindung gekostet, in das kalte Wasser und ins Dunkel zu steigen und mein Puls hat wie verrückt geschlagen, aber nach ein paar Metern hat sich das gelegt und ich fand es richtig lustig. Allerdings war ich froh, meinen Rucksack auf Klaus‘ Anraten im Bus gelassen zu haben, denn ich denke, bei einigen engen Stellen hätte ich wahrscheinlich doch Panik gekriegt, stecken zu bleiben.
Wir hatten alle Taschen- oder Kopflampen dabei (und sei es so kleine Dinger, die es am Touri-Stand gab) und irgendwann hat jemand (im Zweifelsfalle einer der Jungs) angefangen „Ich geh mit meiner Laterne“ zu singen und wir haben mitgesungen. Außerdem haben wir zwischendurch so Witze gemacht, dass wir nochmal zurück müssten (der Tunnel war so eng, dass es nur in eine Richtung ging). Als wir wieder raus kamen, waren wir alle irgendwie aufgekratzt. Und nass. Das Wasser hat mir fast bis zum Po gereicht.
Der Weg zurück zur Davidsstadt ging auch durch einen Tunnel, aber der war längst nicht so cool wie der Hiskija-Tunnel. Ich war froh, als ich wieder draußen war, denn da bin ich auch ständig gestolpert.

Von der Davidsstadt aus sind wir zur Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem gefahren. Das ganze Gelände ist sehr groß und wir hatten nur für das Museum und ein paar ausgewählte Orte draußen Zeit.
Das Museum allein ist schon sehr groß. Es beschäftigt sich mit Antisemitismus im Allgemeinen und der Nazi-Judenverfolgung im Besonderen. Dabei haben die Macher des Museums versucht, nicht nur Informationen zu der Verfolgung in Deutschland (und eventuell Polen) sondern in ganz Europa (ich wusste z.B. bis dahin gar nicht, dass Norwegen oder Griechenland da auch involviert waren) zu geben. Außerdem sind viele persönliche Gegenstände und Dokumente ausgestellt und es werden unglaublich viele Videos mit Interviews gezeigt, die alle sehr bewegend sind (z.B. beschreibt ein Mann aus einem Ghetto, dass er 2000 seiner Mitmenschen zum Abtransport auswählen musste, darunter alle Kinder unter 10 Jahren).
Das Museum ist sehr dunkel und besteht eigentlich aus 2 Wänden, die nach oben hin immer enger zusammen laufen. Es sieht ein bisschen wie ein lang gezogenes Dreieck aus. Einerseits ist es so dunkel, damit man die Videos besser sehen kann, andrerseits erweckt es auch ein sehr bedrückendes Gefühl. Als ich am Ende des Museums angekommen war, habe ich gemerkt, dass mir richtig kalt geworden ist, das mag zwar auch aber sicherlich nicht nur an der Klimaanlage gelegen haben.
Viele der Hintergrundinformationen zu den Nazis wusste ich schon (Bücherverbrennung, Gesetze gegen Juden, Wannseekonferenz…), weil wir das bei dem Auschwitz-Projekt an unserer Schule auch schon besprochen hatten. Andere Sachen, insbesondere Erschießungen auf Aufstände in Ghettos der osteuropäischen Länder außer Polen, waren mir neu. Aber vor allem habe ich mir die Einzelschicksale durchgelesen und angehört. Meistens ähneln sich die Geschichten ja irgendwie und trotzdem berühren sie einen immer wieder.
           
Nach dem Museumsbesuch hat Ronit uns noch ein paar Denkmäler aus dem Außengelände gezeigt. Das erste war eine Halle, in der ein ewiges Licht brennt und die Leute beten können. Die Halle hat ein Dach wie ein Zelt. Als nächstes zeigte sie uns eine Säule für die Helden bei den Ghettoaufständen.
Dann eine Erinnerungsstätte für die 1,3 Millionen ermordeten Kinder. Das war wirklich nahegehend. Man geht in einen Raum, der fast komplett dunkel ist. Es gibt nur ein paar Kerzen, die brennen, und weil der ganze Raum mit Spiegeln ausgestattet ist, werden die Kerzen ins Unendliche gespiegelt. Dazu werden in einer Dauerschleife die Namen und das Alter der Kinder vorgelesen. In dem Raum hätte ich fast angefangen zu weinen.
Außerdem gibt es in Yad Vashem ein Denkmal für Janusz Korczak und ein Beet mit Bäumen für die Menschen, die den Juden geholfen haben (wie z.B. Schindler).
Am Ausgang der Gedenkstätte hat Klaus noch ein Gebet gesprochen.

Wir sind zurück in die Innenstadt gefahren und hatten etwas Freizeit, für den Abend wurde noch angeboten, die Shabbateröffnung entweder an der Westmauer oder in einer Synagoge mitzuerleben.
Johanna, Laura, Heike, Magdalena und ich waren etwas bummeln. Wir sind über – wie ich glaube – Umwege ins christliche Viertel gekommen und ich musste meine Lateinkenntnisse wieder auskramen, als Magdalena wissen wollte, was auf der einen Kirche stand. Kaum zu glauben, aber auch sie existieren noch.
Ich wollte eigentlich kein Geld mehr ausgeben, habe dann aber für 5 Schekel einen kleinen Teller, für 12 eine Tasse und für 10 einen Armreif gekauft. Das mit dem Armreifen war lustig: Ich hatte mir auf dem Basar welche angeguckt, weil Laura noch in einem Geschäft aufgehalten wurde. Der Verkäufer hat mich direkt angesprochen, ob ich ihn kaufen möchte, wollte aber 25 Schekel dafür haben. Die wollte ich nicht bezahlen und weil Laura entkommen war, wollten wir weiter gehen. Der Mann rief mir dann irgendwann 10 Schekel hinterher. Also habe ich umgedreht und bis zurückgegangen, weil ich dachte 10 Schekel sind total okay. Für den Preis wollte er mir dann aber einen kleineren und in meinen Augen sehr hässlichen Armreifen andrehen, den ich nicht wollte. Also bin ich wieder gegangen, obwohl der Verkäufer mit hinterher rief, er habe auch andere Farben. Am Ende des Basars habe ich dann einen anderen Händler mit Armreifen gesehen und die waren erstens viel schöner und kosteten zweitens ohne zu handeln nur 10 Schekel. Also habe ich einen gekauft. Wahrscheinlich hätte ich da noch versuchen können, runterzugehen, aber ich fand den Preis schon angemessen dafür.
           
Heike und ich haben uns der Gruppe angeschlossen, die mit Frau G. zur Shabbateröffnung in die Synagoge wollte. Wir sind wieder fast eine Stunde durch Jerusalem gerannt. Allerdings hatte Frau G. sich auch zwischendurch verlaufen und wir mussten uns wirklich beeilen.
Die Gemeinde, in der wir waren, war wie die an Yom Kippur reformiert: Männer und Frauen saßen zusammen und rein theoretisch gäbe es auch Rabbinerinnen, zufälligerweise hat diese Gemeinde aber zwei männliche. Sie engagiert sich auch sozial, unterstützt Flüchtlinge und hat eine Art Nachmittagsbetreuung für alleinerziehende Mütter.
Im Gottesdienst fiel mir auf, dass außer dem Rabbi niemand den Tallit trug (das war in der College-Gemeinde schon der Fall) und nur die Männer trugen Kippot. Im Gottesdienst wurde viel gesungen (die Frau, die vorher die Einführung gemacht hat, meinte, mache sängen etwas besser, manche etwas schlechter) aber ohne Instrumente. Nur der Rhythmus wurde mitgeklopft.
Wir haben zweisprachige Gebetbücher bekommen, in denen auch die Lautschrift drin stand. So konnten (und durften) wir auch mitsingen. Trotzdem habe ich zwischendurch den Faden verloren, weil sie manchmal Zeilen völlig unerwartet wiederholten. Frau G. meinte nach dem Gottesdienst, ich könne ja auch noch ganz gut Hebräisch lesen. Ich habe ihr gesagt, dass ich die Lautschrift mitgelesen habe. Aber sie meinte, sie habe gesehen, dass ich auf auch auf dem hebräischen Text geguckt habe. Das stimmt auch, zwischendurch habe da immer wieder mal einen Blick drauf geworfen, aber mitsingen konnte ich dann nicht. Der Gottesdienst war auch fast ausschließlich auf Hebräisch und es gab keine Predigt, die ich als solche identifiziert hätte (im Gegensatz zu dem Gottesdienst an Yom Kippur).
Sehr süß war, dass gegen Ende des Gottesdienstes zwei Kinder zum Rabbi gelaufen sind und er das Mädchen auch auf den Schoß genommen hat. Ich nehme an, es waren seinen Kinder. Im Übrigen sind wir ganz am Ende auch offiziell als Gäste vorgestellt worden.