Samstag, 19. November 2011

All we have left is the voice of the wind - Katzenjammer in Dortmund

Manchmal muss man Glück im Leben haben. Ich hatte Anfang der Woche sehr viel Glück und habe spontan eine Karte für das Katzenjammer Konzert in Dortmund am Donnerstag bekommen. Die Band habe ich ja bei Essen Original zum ersten Mal gesehen und habe mir zum Geburtstag dann auch die Alben gewünscht. Nachdem ich die CDs ein paar Mal gehört hatte, dachte ich, es wäre doch nett, auf eins ihrer Konzerte zu gehen. Das Problem war, dass das Konzert, das mir gut in den Kram gepasst hätte, ausverkauft war. Aber dann hat Lisa mich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Fan auf dem offiziellen Katzenjammer-Facebook-Profil seine Karte anbot. Er hatte nämlich Pech und konnte nicht zu dem Konzert gehen, hat mir aber seine Karte überlassen.

Mit der Karte und zwei Mandarinen im Gepäck bin ich dann vorgestern mit Lisa, ihrer Mutter und Sandra nach Dortmund gefahren. Zeitig natürlich, denn wir wollten in die erste Reihe. Lisa hatte sich die Wegbeschreibung ausgedruckt und nachdem Sandra und ich uns in Dortmund am Hauptbahnhof noch was zu essen geholt hatten, jagte Lisa uns in Richtung FZW.
Als wir da ankamen, stand schon eine kleine Gruppe Katzenjammer-Fans vor der Tür. Uns fiel direkt auf, dass wir den Altersdurchschnitt leicht senkten, trafen dann aber auf zwei Kölnerinnen in unserem Alter, mit denen wir uns auch gleich verständigten, uns Plätze in der ersten Reihe freizuhalten. Es war aber auch schön zu sehen, dass Fans aus jeder Altersgruppe zu dem Konzert angereist waren. Beim Konzert später standen einige etwas ältere Menschen hinter uns. ;-)
Wir mussten noch gut eine Stunde warten, bis Einlass war. Die Wartezeit wurde uns aber dadurch versüßt, dass wir zusehen konnte, wie gegenüber ein Film mit Mario Adorf gedreht wurde. Wir haben uns überlegt, wovon der wohl handelt (wir sahen nur wie Mario Adorf gefühlte dreißig Mal in "cooler" Detektiv-Stellung um eine Ecke huschte und ein argloses Mädchen verfolgte) und ob wir nicht mal lautstark Katzenjammer-Lieder anstimmen sollten. Leider wurden wir regelmäßig von einer Frau der Crew zur Stille aufgerufen. Blöd. Die hätten sich vielleicht einen anderen Tag zum Drehen suchen sollen. Mein persönliches Hightlight bei der Filmerei war, dass am Ende der Fotoautomat, den sie anscheinend als Kulisse mitgebracht hatten, in einen LKW verladen wurde und der Mann hinter mir meinte: "Ich glaube, ich rufe mal die Polizei an, die stehlen den Fotoautomaten!" :-D

Gegen 19 Uhr wurden wir reingelassen und unsere Taschen wurden kontrolliert. Dabei wurden meine Mandarinen konfisziert. Sehr ärgerlich! Ich habe sie auch nach dem Konzert nicht zurück gebracht. Ich denke, die Security hatte Hunger...
Wir (die vier Essenerinnen und die beiden Kölnerinnen) haben dann tatsächlich einen Platz in der ersten Reihe bekommen und konnten zusammen auch gut die Plätze verteidigen, wenn eine oder zwei mal was zu trinken holen oder aufs Klo gehen wollten.
Kurz nach acht ging dann das Konzert mit dem Vorprogramm, Unni Wilhelmsen, ebenfalls eine norwegische Künstlerin, und ihrer Band los. Unni erklärte uns auch direkt den Grund ihres Auftritts. "You know, the girls are very beautiful and beauty needs time. That's why I'm here!" Aber sie hat auch so schöne Musik gemacht, dass der lange Schminkzeit von Katzenjammer nicht der einzige Grund gewesen sein kann.
In einem Lied legte sie uns ausführlich dar, dass ein Mädchen sehr wohl eifersüchtig auf eine Frucht sein kann. Zu dem Lied erzählte sie uns auch die Geschichte, dass sie eines morgens nach einem Albtraum aufgewacht ist, ihr Freund aber lieber eine Orange essen wollte, als sie zu trösten (wahrscheinlich durfte ich deswegen meine Mandarinen nicht mit rein nehmen). Außerdem hat sie ein Lied von Joni Mitchell gesungen. Ich kannte die Sängerin bisher nur als "Love actually", weil Emma Thompson da zu Weihnachten eine ihrer CDs geschenkt bekommt, aber eigentlich eine Halskette erwartet und dann das Lied "Both Sides Now" hört. Genau das Lied hat Unni auch gesungen. Was für ein Zufall!

Nachdem Unni noch ein bisschen Werbung für ihre CD gemacht hat, wurde die Bühne für Katzenjammer umgebaut. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis sie auftraten. Die Security verteilte in der Zeit Getränke an das Publikum. Das war wirklich nett, denn es war sehr warm in der Halle (Unni hatte schon gesagt, am Ende des Konzert wären wir alle so durchgeschwitzt, dass wir uns am Merchandise-Stand ein Katzenjammer-T-Shirt kaufen müssten. :-D). Von jetzt an habe ich hohe Ansprüche an Sicherheitskräfte. Wehe, ich kriege jetzt nicht bei jedem Konzert was zu trinken, dann beschwere ich mich!
Dann betraten - endlich - Katzenjammer die Bühne. Es war super! Sie haben mit "A Kiss Before You Go" angefangen und sofort sangen alle um mich herum mit. Ich muss ja gestehen, dass ich auch bei Katzenjammer noch ein bisschen textschwach bin. Die Refrains kriege ich meistens noch hin, aber der Rest war wieder Silben anpassen. ;-) Das hat meine Begeisterung aber nicht geschmälert. Man kann ja auch so Spaß an der Musik haben. Ich bin immer noch beeindruckt, wie viele verschiedene Instrumente sie spielen können und wie viel Leidenschaft sie in die Musik stecken.












Es war auch toll in der ersten Reihe zu stehen. Wir waren so nah an den Sängerinnen dran, das war unglaublich! Man konnte ihre Gesichtsausdrücke beim Singen sehen und alles... Bei Essen Original war der Sicherheitsabstand zur Bühne größer und die Bühne war höher, da waren wir einfach nicht so nah dran.
Durch das Konzert kann ich jetzt auch ganz andere Lieder von Katzenjammer schätzen. "Lady Marlene" hatte ich bisher zwar immer wohlwollend zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Live bei dem Konzert war ich aber richtig verzaubert von dem Lied. Klar, wahrscheinlich lag es auch an der Beleuchtung, es war sehr dunkel auf der Bühne, Solveig und Anne Marit wurden am Klavier mit blauem Licht angestrahlt und es sah so aus, als würden Sterne leuchten, aber die ganze Atmosphäre bei dem Lied war total schön und es wirkte ganz anders, als wenn man es von der CD beim Chatten hört. Hinterher haben sie sich auch bedankt, dass wir bei den Liedern auch wirklich zuhören. Das ist doch selbstverständlich, wenn sie so toll singen.
Auch "A Bar In Amsterdam" gefällt mir live besser. Das ist zwar ein ganz anderes Lied als "Lady Marlene", aber es gefällt mir, wie da auf der Bühne die Post abgeht. Außerdem mag ich die Trompete (ja, ich weiß, dass die auch auf der CD dabei ist, aber das Auge hört mit :-P).
Und sie haben wieder das Lied gesungen, das bei Ronja Räubertochter im Intro ist. Diesmal haben sie es als "Norwegian tune" bezeichnet, dabei war es bei Essen Original noch ein skandinavisches Lied, das aber nicht norwegisch war. :-D
Bei "To The Sea" waren wir auch wieder gefordert, mit zu singen. "Aaaaaall I have leeeeft is the voooooice of the wind, blowing through the dooooor of our house". Anne Marit meinte, der große Weihnachtsbaum in Dortmund hätte sie in Weihnachtsstimmung versetzt, und alles, was sie sich zu Weihnachten wünschen würde, wäre, dass wir mitsängen. Das frühe Weihnachtsgeschenk konnten wir ihr machen, auch wenn sie einige von uns etwas anspornen musste. "Hey, I can see you!" und als dann immer noch nicht alle mitsangen "And you on the balcony, I can see you, too!"

Die Anmoderationen waren sowieso sehr lustig. Turid hat auf Deutsch angekündigt, dass sie eine kleine Autogrammstunde am Ende des Konzerts machen würden, musste dafür aber auf ihren Spickzettel gucken. Sie meinte, sie könne nicht so viel Deutsch, aber Solveig könne es, worauf Sol nur sagte: "Das ist korrekt" und die ganze Halle klatschte. Sie freute sich dann darüber, dass sie für ganze drei Wörter so viel Beifall bekommen hatte.

Nach dem Konzert war ich total euphorisch und stand irgendwie neben mir. Ich habe am Merchandise-Stand zwar ein Poster für den Typen, der mir die Karte gegeben hat, gekauft und auch ein Autogramm von Anne Marit und Marianne auf meine Eintrittskarte bekommen, aber vergessen, mir ein eigenes Poster zu kaufen (Lisa hat das für mich erledigt). Außerdem habe ich auch nur ein Foto mit Marianne, aber keins mit Anne Marit gemacht.
Ich war auch noch völlig aufgedreht, als ich wieder zuhause war und habe bis halb drei Uhr morgens keine Müdigkeit gespürt. Das Konzert war einfach klasse und ich hoffe, bald wieder eins besuchen zu können.

Dienstag, 15. November 2011

Kölner Plastiknasen

So wirklich jeck bin ich ja nicht. Ich verkleide mich gerne und da man an anderen Tagen als Karneval wird merkwürdig angesehen, wenn man als Rotkäppchen, Vampir oder Miezekatze durch die Stadt läuft, ist Karneval schon ein guter Alibi-Tag. Bisher kannte ich den Kölner Karneval aber nur aus dem Fernsehen, weil ich in den letzten Jahren - wenn überhaupt - nur zum heimatlichen Karnevalszug gegangen bin und den auch zur Identifikation durch Abgrenzung genutzt habe. ;-) Dieses Jahr war es dann aber so, dass Lisa und ihr Vater eine Karte für die Veranstaltung in der Lanxessarena am 11.11. übrig hatten und so bin ich mitgekommen. Damit ich mir keine Feinde mache, hatte ich auch ein kurzes Verhaltensbriefing von meiner Mutter bekommen: "Ruf nicht 'Helau' und bestell kein Altbier!" Wenn's weiter nichts ist.

Eigentlich hatten wir überlegt, schon um 11:11 Uhr bei der großen Eröffnung dabei zu sein, haben uns dann aber doch dagegen entschieden, um abends nicht schon müde zu sein. Lisa hat mich dazu gebracht, als Alternative um 11 Uhr den Fernseher anzumachen, um mich auf den Abend einzustimmen. Das war auch nicht ganz unpraktisch, so konnten zumindestens ein paar der kölschen und deutschen Texte in mein Kurzzeitgedächtnis wandern. Nachmittags habe ich mich dann in mein Kostüm (Pippi Langstrumpf) geworfen und wir sind zeitig nach Köln aufgebrochen. Und sind prompt im Berufsverkehrstau gelandet. Trotzdem haben wir es rechtzeitig geschafft.

Am 11.11. darf man keinen Proviant mit in die Kölnarena (Lanxessarena, was auch immer) nehmen und so trafen wir vor dem Eingang eine Gruppe, die großzügig ihre Klopfer und Brezeln an die anderen Wartenden verteilten. Dann ging die Tür auf und nach einer Taschenkontrolle durften wir rein.
Ich war vorher noch nie in der Kölnarena, also habe ich eine Führung bekommen. Außerdem haben wir uns etwas zu Essen und den Mottoschal dieser Session gekauft. "Jedem Jeck Sing Pappnas" Der Schal ist sehr süß: Rot mit Clowns-Taschen, wo kleine Hände oder auch Kölschgläser reinpassen (wobei es sehr merkwürdig aussieht, wenn man seine Händen in den Taschen hat, die so mehr oder weniger direkt über der Brust sind...) Dazu gab es zwei "Pappnasen", aber das "Papp" ist wohl eher symbolisch gemeint, denn diese Pappenheimer haben die Nasen aus Plastik gemacht. Die Nasen stinken auch entsetzlich. Lisa und ich haben sie nur einmal für's Foto aufgesetzt.

Wir hatten von unseren Plätzen aus einen sehr guten Blick auf die Bühne. Vor uns saß ein Mann aus Mecklenburg-Vorpommern, der sehr begeistert davon war, dass Lisa meinte, sie könne alle Lieder mitsingen und wollte uns unbedingt etwas zu trinken besorgen. Weil Lisa und ich aber kein Bier trinken, kam er mit Cola und einem kleinen Feigling zurück. Seine Nachbarn waren auch sehr pflegeleicht und haben sich hinterher sogar bedankt, dass wir sie nicht mit Bier beschüttet hatten. Gern geschehen.
Die Menschen hinter uns - oder viel mehr einer von ihnen war weniger angenehm. Zuerst erzählte er allen, die es hören wollten (und auch den anderen auch), dass er aus Ostberlin komme und Karneval voll toll fände. Dann versuchte er eins der 5l-Fässer Bier aufzumachen, die man in der Arena kaufen konnte, und machte dabei Lisa und ihren Vater nass. Zum Schluss stellte er fest, dass er in der falschen Reihe saß und bestand darauf, mit der Hilfe von Lisas Vater in unsere Reihe zu klettern. Das Beste war dann aber, dass er 20 Minuten nach Beginn des Konzerts einschlief und irgendwann noch vor der Pause verschwand. Immer diese Touristen!




Die Stimmung war aber sehr gut, obwohl ich das Gefühl hatte, dass wir (wir drei und die Leute, die um uns rum saßen) vor der Pause alle mehr Power hatten und danach nicht mehr ganz so entusiatisch waren. Viele bekannten Karneval-Bands und eine Nachwuchsgruppe sind aufgetreten und haben je ein paar Lieder gespielt. Die meisten davon waren wohl die neuen, aber da ich die alten meistens auch nicht kannte, hat das für mich keinen Unterschied gemacht. Ich habe einfach das mitgesungen, was ich noch aus dem Fernsehen (bzw. als Import in den Weltstadt-Karneval in der "Provinz") kannte, oder auch einfach das, was ich gehört habe. So hat es auch einige Zeit gedauert, bis ich gemerkt habe, dass es nicht "Ich brauche Sex und acht Stunden Schlaf" heißt, sondern viel mehr "Ich brauche sechs bis acht Stunden Schlaf". Kann passieren.
Besonders süß fand ich die kleinen Mädchen, die bei dem Mottolied mitgetanzt haben. Aber auch die Laternen, die bei "Rabimmel Rabammel Rabumm" von den Cöllnern an den Posaunen der Musiker hingen, waren nett. Ebenfalls bei den Cöllnern war, glaube ich, das goldene Konfetti, das in die Luft geblasen wurde. Das war auch ein sehr schöner Effekt. Am besten hat mir dann aber doch "Viva Colonia" von den Höhnern gefallen. Da konnte ich wenigstens wirklich mitsingen. Also... den Refrain. ;-) Die Fernsehzuschauer, für die das Event live übertragen wurde, haben das aber nicht mehr mitbekommen, weil sie schon in die Pause entlassen wurden, bevor das Publikum im Saal (übrigens überwiegend Nicht-Kölner) noch eine Zugabe bekam. Der Abend endete mit den Bläck Fööss und einem Luftballon-Regen. Leider kamen die Ballons nur über der Mitte herunten, nicht über den Rängen am Rand, wo wir saßen. Alles in allem war das eine gute Einstimmung in die fünfte Jahreszeit. In dem Sinne "Denn ohne Karneval da können wir nicht sein..."

Mittwoch, 2. November 2011

Zwischen Alltag und Traum

Was verbindet man mit Varieté? Glanz, Glitzer, Glamour … Wenn man sich Roncalli’s APOLLO Varieté in Düsseldorf nähert, wird diese Erwartung zunächst enttäuscht. Unter einer Autobahnbrücke direkt am Rheinufer steht ein moderner Glasbau, den man gar nicht mit einem so glamourösen Programm verbinden würde. Nähert man sich jedoch dem Gebäude, sieht man, dass da mehr sein muss, denn ein Mann in einer rot-goldenen Uniform bittet die Besucher herein. Und im Inneren fällt der Blick sofort auf die rote Wand des Vorstellungsraumes, die umringt ist von Büsten wichtiger Clowns. Eine Besinnung auf die Tradition des Varietés ist unübersehbar.
Vor Beginn der Aufführung können die Zuschauer noch eine Stärkung im Foyer des Varietés einnehmen. Je nach Geschmack und Glück bei der Platzwahl kann man entweder den Blick auf den Rhein oder auf besagt Autobahnbrücke genießen.
Im Saal hat man das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen. Die Großstadt, der Rhein, ja eigentlich die ganze Außenwelt wird beim Anblick der roten Wände, der Discokugel und den kleinen Tischen ganz vergessen. Trotz der modernen Discokugel fühlt man sich an Oscar Wilde erinnert und stellt sich vor, man säße gemeinsam mit einer Gruppe viktorianischer Gentlemen an einem dieser Vergnügungsorte, die den Reiz, etwas Außergewöhnliches zu tun, ausstrahlen. Es gibt sogar eine Muschel, in der die Musiker sitzen könnten, aber Live-Musik werde nicht mehr gespielt, da die Artisten ihre eigene Musik mitbrächten.

Die Mischung aus Moderne und Varieté-Tradition, die das Gebäude ausstrahlt, findet sich auch in dem Programm „Allein unter Frauen“, das von August bis Oktober aufgeführt wurde, wieder. Neben den klassischen Akrobatik-Darbietungen findet auch das Kabarett seinen Platz: Während die Artistinnen des Circus-Theaters BINGO die Zuschauer in eine unwirkliche Traumwelt entführen, richtet der Kabarettist Kai Magnus Sting den Blick auf den alltäglichen Wahnsinn.
Er stellt den Konflikt zwischen dem rüstigen Rentner mit dem Laubsauger und dem Schüler, der Google Earth braucht, um zu wissen, wo er ist, sowie zwischen Mann und Frau dar. Sting gibt einen Überblick über die Feinheiten der Ruhrpott-Sprache (beginnend mit „Hömma“ und abschließend „Weisse Bescheid“) und über politische Wiedergänger.
Demgegenüber stehen die Artistinnen von BINGO. Sie verbiegen ihre Körper, führen in halsbrecherischer Höhe Kunststücke an einem Tuch vor oder jonglieren mit mehreren Bällen auf einmal. Begleitet werden sie dabei von zwei Geigerinnen und einer Gitarristin. Im zweiten Teil des Programms beteiligen sich auch zwei Männer an der Akrobatik, sodass Kai Magnus Sting nicht mehr ganz alleine unter Frauen ist.
Zuerst fragt man sich: Wo ist da der Zusammenhang? Wie kann man handfestes Kabarett mit schwer fassbarer, flatterhafter Akrobatik kombinieren? Nach der ersten Verwunderung sieht man aber, dass diese beiden Elemente sehr wohl zueinanderpassen. Die Akrobatik und die Tänze beziehen sich auf ihre Weise nämlich genauso auf den Alltag, wie es das Kabarett tut. Die Tuchakrobatin stürzt sich in die Tiefe, während im Hintergrund ein Lied über die große Liebe gespielt wird und scheint so die Risiken des Verliebens zu verkörpern und an anderer Stelle zeigen die Tänzerinnen die Ausgelassenheit einer Feier.

Am Ende des Programms wird der Vorhang hinter der Bühne aufgezogen, sodass die Sicht auf den Rhein und die Düsseldorfer Lichter frei wird. Vor dieser wunderschönen Kulisse präsentieren die Künstler noch eine letzte Nummer, mit der sie sich von den Zuschauern und voneinander verabschieden. Spätestens in diesem Moment versteht auch der Letzte im Saal, warum die Organisatoren des Varietés so für die Lage am Rhein gekämpft haben – trotz der Autobahnbrücke. Der Blick auf den Rhein entschädigt alles.