Montag, 1. Oktober 2012

Nächstes Jahr in Jerusalem? (Israel Tag 12)



2:45 Uhr:       Seit 23 Uhr warten wir am Flughafen, dass wir einchecken dürfen. Die Check-In-Zeit ist 3:30 Uhr. In Tel Aviv haben Johanna, Melanie, Heike und ich die Stunde Freizeit, die wir hatten, damit totgeschlagen, einen Briefkasten zu suchen und an einem Brunnen zu sitzen und zu warten. Wir hätten auch mit Frau G. zu Fuß nach Jaffa zurücklaufen können, aber da hatten wir auch keine Lust drauf.


            In Alt-Jaffa haben wir in einem Restaurant zu Abend gegessen. Das war echt cool. Es gab so kleine Teller mit verschiedenen Speisen und Fladenbrot zur Vorspeise und als wir uns daran fast satt gegessen hatten, kam der Hauptgang in Form eines Grilltellers bzw. Fisch. Aber diese kleine Tellerchen Vorspeise fand ich echt niedlich. Und die Klos waren toll. Da gab es ein Waschbecken mit einer Steinschale.
                        Nach dem Essen saßen wir am Strand von Tel Aviv bei einem Lagerfeuer. Stefan hat alle möglichen Lieder angestimmt und wir haben mit gesungen. Ich kannte nicht alle Lieder (da fehlt mir wohl die Ferienlagerbildung, auch wenn mir einige der Lieder durch meine Eltern dann doch bekannt waren), aber es war lustig. Irgendwann forderte Klaus Stefan aber auf, mal was Schönes zu singen. :-D

Jetzt sitzen wir am Flughafen, schlafen, lesen und warten. Noch 13 Stunden und dann sind wir wieder zurück. Ich will nicht mehr warten!

17:30 Uhr:     Zurück zuhause! In Tel Aviv wurde ich nach der Kofferkontrolle raus gewunken und dachte, ich müsse meine Tasche öffnen, aber dann musste ich nur die Fragen beantworten, die man mir vorher schon gestellt hatte. „Ist das Ihr Koffer?“, „Haben Sie ihn selber gepackt?“ etc.
                Im Flugzeug nach Berlin bin ich fast direkt eingeschlafen. Ich habe nicht mal mehr mitgekriegt, wie das Flugzeug zur Startbahn gerollt ist. Zu den Getränken bin ich wieder aufgewacht, aber das Brötchen habe ich leider verschlafen. Dabei sah es viel besser aus als das auf dem Hinflug. Mist!
                 Beim Zwischenstopp in Berlin habe ich die meiste Zeit bei Starbucks rumgehangen. Irgendwie musste man die dreieinhalb Stunden ja rumkriegen. Den größten Teil des Tages haben wir mit warten und dösen verbracht. Dann ging endlich der Flug in Richtung Heimat!
Und auf einmal standen wir am Gepäckband und waren nach 12 Tagen am Ende der gemeinsamen Reise angekommen. Ein Teil von uns wurde abgeholt, andere fuhren mit der Bahn in verschiedene Richtungen. Frau G. verabschiedete uns am Flughafen mit den Worten „Nächstes Jahr in Jerusalem“, ein jüdischer Abschiedsgruß. Ob ich ihn wörtlich nehme, weiß ich noch nicht. Ich muss erst mal diese Reise verarbeiten.



Sonntag, 30. September 2012

Ab ins Grüne… (Israel Tag 11)




10 Uhr:           Heute ist unser letzter Tag. Wir fliegen zwar erst morgen Früh, aber die nächste Nacht wird mehr oder weniger durchgemacht (wir fahren gegen Mitternacht zum Flughafen).


Unser erstes Ziel heute war die Knesset und die Menora davor. An der Knesset haben wir ein Referat gehört. Vor der Menora hat Ronit uns ausführlich die Symbole darauf erklärt. Diese Statue wurde Israel vom UK zur Parlamentseröffnung geschenkt. Zu sehen sind Episoden aus der jüdischen Geschichte und Tradition: Mose, Jesaja, David und Goliath, Römer, Juden in Spanien, Shoah etc. Leider konnte ich mir nicht alles merken. Am „Stamm“ des Leuchters steht jedenfalls das „Shema Israel“. Es hat mich gefreut, dass wieder eine Abbildung von Rut dabei war. Sie teilt sich einen Platz mit Rahel, weil beide in Verbindung mit Bethlehem stehen.

13:41 Uhr:      Wir kommen gerade aus den biblischen Gärten von Neot Kedumin. Das ist ein bisschen wie ein Erlebnismuseum. Es gibt Pflanzen, die in der Bibel eine Bedeutung haben und ein paar archäologische Steine.
Zuerst kamen wir an eine Stelle, an der Wein hergestellt wurde (Trauben zertrampeln, der Saft fließt in eine Kuhle, wo er gereinigt wird und dann in eine andere Kuhle zum gären). Ohne uns zu sagen, worauf es hinauslaufen würde, hat Ronit ein paar Freiwillige gesucht und als nur Maria nach vorne ging, bin ich ihr gefolgt. Ronit fragte uns, ob wir wüssten, wie der Wein gemacht wird und Maria meinte: „ja, also erstmal die Füße waschen…“. Maria und ich haben uns die Füße dann aber nicht gewaschen, als das Trauben zerstmpfen pantomimisch vorspielen mussten, während die anderen uns mit etwas, das wie „Haida“ klang, anfeuerten. Es gibt vermutlich viele peinliche Fotos davon.
Auf dem weiteren Verlauf des Weges trafen wir auf eine Zisterne. Rebekka und Stefan mussten das Treffen von Rebekka und Abrahams Knecht nachspielen (der Knecht soll eine Frau für Isaak suchen, er soll die wählen, die auf seine Frage, ob sie ihm Wasser schöpfen könnte, antwortet: Ich schöpfe Wasser für dich und deine [10] Kamele“). Rebekka hat dann auch einen Eimer Wasser hochgeholt, aber das Ganze 300 Mal (für die Kamele) zu wiederholen, wollte ihr keiner antun. Ronit hat uns dann noch gezeigt, wie das Wasser in die Zisterne fließt.
                        Bei unserem nächsten Halt haben wir einen Gottesdienst gefeiert. Justine hat Querflöte gespielt. Es war gut, ein Instrument dabei zu haben. Einmal natürlich, weil es schön klang. Aber auch, weil die Melodie der Lieder einmal vorgespielt wurde und ich das Gefühl hatte, dass diesmal mehr Leute mitgesungen haben als beim letzten Gottesdienst. Bei der Kommunion hat sie „Ihr Mächtigen“ gespielt und ich habe mich wieder gefragt, warum das Lied eigentlich nicht in unserem Liederheft steht.
Nach dem Gottesdienst kamen wir an eine Stelle, wo Oregano wächst. Wir sollten dann getrockneten Oregano und etwas Essig in einem Mörser zerstampfen und mit Salz mischen. Das war schon sehr lustig. Was dabei rauskam (oder rauskommen sollte), war Zatar. Wir durften uns etwas in kleine Tütchen abfüllen, der Rest wurde gesammelt.
                       
15:15 Uhr:      Ronit hat uns in ihre Sukka (Laubhütte) eingeladen. Das hat mich total gefreut. Schon seit ein paar Tagen sehen wir hier Hütten, im Entstehungsprozess oder schon fertig (in Vorbereitung auf das Laubhüttendfest, das heute beginnt), und ich wollte immer schon mal eine näher unter die Lupe nehmen.

Ronits Hütte besteht aus einem Gestell, die Wände bestehen aus Decken, die mit Wäscheklammern festgemacht sind. Das Dach besteht aus Palmenblättern, damit man die Sterne dadurch sehen kann. Innen hängen verschiedene Dekorationen: Bilder, Papierketten und so glitzernde Plastikgirlanden, die es bei uns auch für Weihnachtsbäume gibt. In der Mitte liegen Bastmatten und Kissen, ringsherum stehen Stühle.
Wir haben Pita-Brot mit Öl und dem Zatar, das wir selber hergestellt haben (und zu dem Ronit noch Salz hinzufügen musste), gegessen. Wir sollten das Brot aufklappen, es mit Öl vollsaugen lassen und es dann mit Zatar bestreuen. Das war eine ziemliche Sauerei. Ich hatte hinterher sicher mehr Öl an den Händen, auf der Hose und an den Schuhen als auf dem Brot.
Danach sollten wir eine Papierkette basteln (Papierringe ineinander tackern) und sollten alle etwas zu der Reise sagen.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel Aviv/ Jaffa. Ich habe überhaupt keine Lust mehr, etwas zu machen. Wir haben uns schon von Ronit verabschiedet und der Besuch in der Sukka war irgendwie so abschließend, dass es nicht mehr passt, jetzt noch Programm zu machen.

16:50 Uhr:    Wir hatten ganze 45 Minuten Auslauf in Alt-Jaffa. Die Luft außerhalb des klimatisierten Busses ist furchtbar. Wie im Tropenhaus. Ich sehne mich nach einer Dusche, aber werde erst in 24 Stunden wieder die Möglichkeit dazu haben. Die Aussicht hebt meine Laune nicht besonders. Für mich ist gerade die Luft ziemlich raus aus der Fahrt.
Heike und ich haben uns eben die Peterskirche angeguckt. Sie war nicht so überlaufen oder kitschig (oder beides) wie die Kirchen, die ich in den letzten Tagen gesehen habe. Ich fand das mal ganz angenehm und auch im Allgemeinen fand ich die Kirche ganz nett. Gut gefallen haben mir die Taube im Strahlenkranz über dem Altar und die Zweige auf dem Dach der Kanzel. Nervig war auf die Dauer der kitschige Gesang vom Band. Heike fand die Kirche schrecklich, weil sie sie an so Moralpriester mit erhobenem Zeigefinge erinnert hat.
Danach sind wir in Richtung Meer gelaufen, haben da Anna getroffen und uns zu ihr auf die Stufen einer Treppe gesetzt. Es war ein bisschen Wind, der uns etwas abgekühlt hat. Ich habe mich irgendwann an die Mauer am Meer gestellt und habe mir das Wasser angeguckt. Ich wäre so gerne rein gesprungen, aber für 45 Minuten war der Strand zu weit weg (und mein Badeanzug ist im Koffer).

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Tel Aviv. Noch ein Programmpunkt, dann gibt es Essen und dann dauert es hoffentlich nicht mehr lange bis wir uns auf den Weg zum Flughafen machen. Ich würde wirklich noch ein bisschen hier bleiben, aber das Programm im Moment wirkt so, als solle es Zeit überbrücken, aber gleichzeitig haben wir zu wenig Zeit, wirklich was in Jaffa bzw. Tel Aviv zu machen und das nervt mich.

Samstag, 29. September 2012

Alte Gemäuer und alte Texte (Israel Tag 10)



8:10 Uhr:       Heute muss ich mit ein paar anderen den Eintrag für das gemeinsame Reisetagebuch schreiben und wäre fast zu spät gekommen. Der Bus hatte sich schon in Bewegung gesetzt, als wir (zum Glück war ich nicht die einzige Spätkommerin) angerannt kamen, aber Frau G. kam uns entgegen und winkte uns zu der richtigen Stelle. Auch im Bus haben alle gewunken. Das wäre ja noch ein lustiger Reisebucheintrag geworden: „Ich habe heute Morgen den Bus verpasst und musste den ganzen Tag im Hotel bleiben.“ :-D

10:38 Uhr:    Wir waren zuerst am Ölberg. Von da aus hat man eine gute Sicht auf Jerusalem. Wir haben alle das ungefähr 1000. Foto vom Felsendom gemacht (die Kuppel sieht man immer so gut). Außerdem standen da ein Kamel und ein Esel, auf denen man eine Runde reiten konnte. Als Frau G. und alle, alle zum Referat zusammengerufen hat, fragte Frodo: „Das Kamel auch?“
                        Im Referat haben wir gelernt, dass der Ölberg eine Art Grenze zwischen der Stadt und der Wüste ist. Wer aus der Wüste kam, sah vom Ölberg aus die Stadt. Andersrum konnte man in der Wüste bzw. auf dem Ölberg Einsamkeit und Ruhe suchen.
                       Mit Ruhe ist heute nicht mehr viel los. Von der Spitze des Ölbergs aus liefen wir zu der Kirche Dominus Flevit. Auf dem Gelände haben wir zuerst Grotten mit Kästen gesehen, in denen früher die Knochen der Verstorbenen gesammelt wurden. Die Toten kamen ein Jahr lang in eine Höhle, danach kamen die Knochen in so eine Box. Natürlich haben die einen bestimmten Namen, aber den habe ich direkt wieder vergessen.
                      Ich fand die Kirche ohnehin interessanter. Jesus steht auf diesem Berg, an der Stelle, wo die Kirche steht, und  spricht von der Zerstörung Jerusalems. Die Kirche hat ein Fenster, durch das man die Stadt sieht und – wie sollte es auch anders sein – den Felsendom. Zu Jesu Zeiten stand da natürlich noch der Tempel (der Felsendom ist ja auf dem Tempelberg gebaut), Jesus spricht also mit Blick auf den Tempel von der Zerstörung, was dem Ganzen nochmal mehr Würze gibt.
                  Die aktuelle Kirche steht auf den Resten einer byzantinischen. Auf dem Dach stehen Tränenvasen. In solchen Gefäßen bewahrt man in bestimmten Kulturen die letzten Tränen von Sterbenden auf. Passt also zu Dominus Flevit.
                       Auch bei dieser Kirche war es sehr voll: Wir mussten warten, bis wir rein kamen und noch bevor wir ganz fertig waren, drängte schon die nächste Gruppe rein.

                     Von dieser Kirche aus sind wir dem Weg der Palmsonntagsprozession gefolgt, kamen am Stein des Judas vorbei (keine Ahnung, was der Stein mit ihm zu tun hat, aber Ronit sagte, es wäre sein Stein, deswegen erwähne ich das hier :-D) und endeten am Garten Gethsemane. Der Garten ist ganz schön! Sehr viele knorrige Olivenbäume und Blumen. Ich habe beschlossen, dass mein Zauberstab aus Olivenholz sein soll. :-D Ich muss noch mal Pottermore checken, ob JKR was zu diesem Holz gesagt hat (Mittlerweile habe ich nachgeguckt: Nein, sie erwähnt dieses Holz nicht. Zypressen und Pinien schon, aber kein Olivenbaumholz. Na ja, das heißt ja erst mal nur, dass Mr Ollivander das Holz nicht verwendet.)
                       Es ist unklar, wie alt die Bäume sind. Aber es kann sein, dass die Wurzeln – auch wenn die Bäume selbst verbrannt wurden – sehr alt sind und dass aus den Wurzeln neue Zweige kommen. Aus dem Baumstamm Isais halt… Diese Bibelstellt verfolgt mich. Mein Reli-Lehrer hat schon in der 5. Klasse versucht, sie uns näher zu bringen.
                      Neben dem Garten Gethsemane steht die Kirche der Nationen und erinnert an Jesus, der im Garten betet. Vor der Kirche hat Klaus die entsprechende Bibelstelle vorgelesen. Dann durften wir in die Kirche. Sie ist sehr dunkel und hat 12 Kuppeln, die blau angestrichen sind und mit goldenen Sternen und Olivenbaumzweigen verziert sind. Jede Kuppel steht für ein Land, das sich an der Kirche beteiligt hat und so hat jede noch eigene Symbole und Verzierungen. Die deutsche Kuppel „schmückt“ z.B. der Bundesadler. Ich musste prompt an die nicht besonders positiven Bemerkungen eines meiner Englischdozenten zu diesem Vogel denken… Abgesehen von Deutschland habe ich die Kuppeln Frankreich, Spanien und ich glaube den USA gesehen. Hinter dem Altar ist ein Bild von Jesus, der betet. Die Kirche war nicht so überlaufen wie die Grabeskirche, aber es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Ich frage mich, wie der Gottesdienst, der ganz vorne um den Altar herum stand fand, sich davon nicht stören lassen konnte.
                    Auf dem Dach der Kirche der Nationen stehen rechts und links vom Kreuz übrigens zwei röhrende Hirsche neben einem Kreuz. Ich habe keine Ahnung, was die da oben verloren haben und als ich Ronit gefragt habe, hat die meine Frage falsch verstanden und mir etwas ganz anderes erzählt. Ich argwöhne ja, dass die Deutschen nicht nur eine Kuppel haben wollten, und deswegen noch die beiden Hirsche aufs Dach geschmuggelt haben…

13:30 Uhr:      Wir kommen gerade aus dem Israel-Museum. Zuerst haben wir gefühlte Stunden in der Sonne gestanden. Ich hatte meine Sonnenbrille und den Hut im Bus gelassen, weil ich dachte, wir gingen INS Museum. Außerhalb des Museums haben wir zunächst ein Modell Jerusalems zu der Zeit von Herodes und den Shrine of the Book von außen gesehen. Der Schrein sieht ist weiß und sieht aus wie der Deckel von einem Tonkrug, in dem die Rollen in Qumran gefunden worden sind. Gegenüber vom Schrein ist eine schwarze Wand. Das steht für die Söhne des Lichts, die gegen die Söhne der Dunkelheit kämpfen. Ich hatte gleich einen Ohrwurm von „Krieger des Lichts“ von Silbermond.
Das Dach wird mit Wasser besprengt. Gar keine Verschwendung...
                  Im Schrein haben wir dann Teile der Rollen gesehen. Die Jesaja-Rolle ist nicht im Original zu sehen, sie ist irgendwo in einem Bunker eingeschlossen, damit ihr nichts passiert. Außerdem konnte man im Schrein Gegenstände aus Qumran sehen.Vor einer der Rollen hat Johanna gesagt: „Das ist die Rolle, mit der Kandu ankam und sagte: ‚Hey, ich habe noch eine gefunden, gebt mir doch nochmal ein paar Millionen Dollar!‘“ Ich meinte, dass er damit ja ausgesorgt habe. Daraufhin haben wir überlegt, wie man so eine Rolle fälschen könnte. Papier ein bisschen anfackeln oder so.
                        Nach dem Besuch im Shrine of the Book hatten wir eine Stunde Zeit, alleine durch das Museum zu gehen. Johanna und ich wollten eigentlich alleine die 15 musts aus unserem Reiseführer machen. Aber wir haben den Anfang nicht gefunden. Stattdessen sahen wir Frau G. mit einer Gruppe, der wir uns dann anschlossen. Das war ganz gut. Sie hat auch immer gesagt, wo die Sachen her kamen, die wir gesehen haben.

16:32 Uhr: Wir sind jetzt in Bethlehem. Ronit durfte nicht mit, weil Israelis nicht ins Autonomiegebiet dürfen. An der Grenze wurden wir erstaunlicherweise nicht kontrolliert. Wir sollten alle unsere Pässe bereithalten, aber niemand wollte sie sehen. Klaus war überrascht, normalerweise müsse man 30 Minuten für die Kontrolle einrechnen.
                        In Bethlehem haben wir einen neuen Reiseführer, Jakob, bekommen. Zuerst haben wir Mittagspause in einem Lokal namens Ruth’s Field Restaurant gemacht (dass die meinen Namen aber auch nie richtig hinkriegen! ;-)). Ich habe aber nichts gegessen, weil ich keine Lust auf Falafel bzw. Schawarma hatte.
                       Nach der Pause sind wir zu den Hirtenfeldern gegangen. Man weiß nicht genau, wo sie sind, aber irgendwo das. Von den Feldern aus hat Jakob uns in eine Grottenkirche geführt, anhand der er uns erklärt hat, wie man sich den Stall vorstellen soll: Niedrige Felsendecke, dunkel, dicke Wände… Diese Grotten sind im Sommer kühl (wobei ich es auch etwas stickig fand) und im Winter warm. Ich nehme an, die Plastikengel und Schneeflocken sollten ein bisschen (europäisches?) Weihnachtsfeeling in die Grotte bringen, aber das fand ich doch fehl am Platz…
                        Auf dem Gelände der Hirtenfelder steht auch eine Kapelle. Von den Feldern kommend muss man über eine Treppe zu ihr heraufsteigen. In dem Treppengeländer sind Umrisse von Schafen eingearbeitet. Die meisten sind weiß, aber zwei (eins rechts, eins links) sind schwarz. Das fand ich sehr lustig. An der Fassade der Kirche ist oben ein Engel und auch drinnen sind Engelfiguren. Die Bänke stehen in einem Kreis um den Altar herum und an den Wänden sind Bilder von der Verkündigung an die Hirten und der Krippenszene. Wie St. Anna soll auch diese Kapelle eine gute Akustik haben. Nach einigem Hin und her, ob wir singen sollen oder nicht, hat Steffi „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ angestimmt. Das war auch wieder schön. Schade, dass wir so wenig singen auf der Fahrt (außerhalb des Busses meine ich).
              Als nächstes wurden wir zu einem Laden gefahren, in dem man Schnitzereien aus Olivenbaumholz kaufen kann. Wir haben uns schon an eine Kaffeefahrt erinnert gefühlt, aber letztendlich haben sich die meisten doch etwas gekauft.

17:50 Uhr:    Der letzte Halt in Bethlehem war die Geburtskirche. Sie hat mich nicht überzeugt. Griechisch-Orthodoxe, Armenier und Katholiken müssen sich die Kirchen teilen und die Katholiken haben den kleinsten Teil abbekommen: Die Grotte, in der die Krippe steht. – Achtung! Dies ist nicht die Grotte der Geburt! :-D Wie erfinderisch man manchmal sein muss, um auch ein Stück vom Kuchen der heiligen Orte abzukriegen…
                   Mir hat die Geburtskirche aber wirklich nicht gefallen, was größtenteils wieder an meinem Problem mit orthodoxen Kirchen liegt. An der festgelegten Geburtsstelle Jesu ist heute ein 14-zackiger Stern. Die Zacken stehen für die Vorfahren Jesu. Das ist die einzige Idee, die ich noch gelungen finde. Auf jeden Fall besser als die kitschige Krippe in der Grotte, die wir bei den Hirtenfeldern gesehen haben.
                    Übrigens gab es an der Stelle der Geburtskirche schon eine byzantinische Kirche, die zerstört wurde. Die Kreuzfahrer bauten die heute noch bestehende, aber man sieht noch Teile des Fußbodenmosaiks der byzantinischen Kirche. Jakob meinte, die Tatsache, dass die Kreuzfahrerkirche immer noch steht, sei doch ein Zeichen Gottes, dass er will, dass sie an dieser Stelle steht.

                        Jetzt nähern wir uns der Grenze. Gleich sollen wir aussteigen, um diesmal wirklich die Kontrolle zu erleben. Klingt stark nach Touri-Programm.

18:45 Uhr:    Die Grenzkontrolle war ein bisschen unspektakulär, wenn man an den Ablauf denkt: Durch ein Gewirr von Stangen laufen, Taschen durchleuchten lassen, Metalldetektor, Pass vorzeigen… wie am Flughafen eigentlich, nur dass die Kontrolleure noch gelangweilter waren als die an den Flughäfen, die ich bisher gesehen habe.
                        Wenn man allerdings bedenkt, dass man das alles nur durchlaufen muss, um die Straße zu überqueren, innerhalb eines Landes, das aus zwei Nationen besteht, wird das Ganze etwas absurder. Wir haben auf dem Weg zur Grenze auch die Mauer gesehen, die die Israelis und Palästinenser trennt. Im Grunde ist sie das, was die Soldaten in Jerusalem ist: ein Mittel, von dem die Verantwortlichen glauben, es garantiere die Sicherheit der Bürger (oder erhöhe zumindest die Wahrscheinlichkeit des Schutzes). Ob sie das tut, weiß ich nicht. Die Mauer in Belfast, die Katholiken und Protestanten trennt, scheint mittlerweile eher zur Touristenattraktion geworden zu sein (jedenfalls haben wir bei der Taxi-Stadtrundfahrt dort gehalten und haben Eddings bekommen, mit denen wir die Mauer bemalen durften). Vielleicht geschieht das mit dieser Mauer ja auch irgendwann. Aber das wird wohl leider ein langer Prozess sein, wenn man bedenkt, welch strenge Regeln es für das Betreten oder Verlassen der Gebiete gibt…
                        In Bethlehem hat Jakob uns auch seine Sicht der Wasserversorgung im Westjordanland erzählt. Er meinte, in den israelischen Siedlungen gäbe es viel mehr Wasser als in den palästinensischen. Alle 10 Tage bekämen die Palästinenser eine Wasserration für 3 Tage. Er selber lebe auf dem Weg zu einer israelischen Siedlung und habe deswegen immer genug Wasser (ich habe mich gefragt, ob er die Leitungen abzapft, oder ob das Wasser „offiziell“ bei ihm ankommt). Es sind so kleine, für uns selbstverständliche Sachen wie immer genug Wasser oder gehen, wohin man will (mittlerweile), die zeigen, dass in dem Land etwas nicht in Ordnung ist, auch wenn wir keine Kämpfe gesehen haben.

Mitternacht:   Johanna, Melanie und ich waren mit ein paar anderen Leuten heute Nacht noch auf dem Ölberg und haben uns Jerusalem bei Nacht angesehen. Sehr schön, aber der Aufstieg war schon anstrengend. Und dann hätte ich fast noch meine Wasserflasche verloren, weil die Plastiktüte riss und meine Flasche Anstalten machte, den Berg wieder herunter zu rollen als wir fast ganz oben waren. Das wäre es ja noch gewesen, wenn ich ihr hätte hinterher laufen müssen!
                    Während wir auf dem Berg waren ist auch etwas passiert, was während unseres gesamten Aufenthaltes noch nie passiert ist: Es hat geregnet! Zwar war es nicht viel (was auch ganz gut war, weil wir alle keine Regenausrüstung dabei hatten), aber immerhin ein paar Tropfen.