8:10
Uhr: Heute muss ich mit ein paar
anderen den Eintrag für das gemeinsame Reisetagebuch schreiben und wäre fast zu
spät gekommen. Der Bus hatte sich schon in Bewegung gesetzt, als wir (zum Glück
war ich nicht die einzige Spätkommerin) angerannt kamen, aber Frau G. kam uns
entgegen und winkte uns zu der richtigen Stelle. Auch im Bus haben alle
gewunken. Das wäre ja noch ein lustiger Reisebucheintrag geworden: „Ich habe
heute Morgen den Bus verpasst und musste den ganzen Tag im Hotel bleiben.“ :-D
10:38
Uhr: Wir waren zuerst am Ölberg. Von
da aus hat man eine gute Sicht auf Jerusalem. Wir haben alle das ungefähr 1000.
Foto vom Felsendom gemacht (die Kuppel sieht man immer so gut). Außerdem
standen da ein Kamel und ein Esel, auf denen man eine Runde reiten konnte. Als
Frau G. und alle, alle zum Referat zusammengerufen hat, fragte Frodo: „Das
Kamel auch?“
Im Referat haben wir
gelernt, dass der Ölberg eine Art Grenze zwischen der Stadt und der Wüste ist.
Wer aus der Wüste kam, sah vom Ölberg aus die Stadt. Andersrum konnte man in
der Wüste bzw. auf dem Ölberg Einsamkeit und Ruhe suchen.
Mit Ruhe ist heute nicht
mehr viel los. Von der Spitze des Ölbergs aus liefen wir zu der Kirche Dominus
Flevit. Auf dem Gelände haben wir zuerst Grotten mit Kästen gesehen, in denen
früher die Knochen der Verstorbenen gesammelt wurden. Die Toten kamen ein Jahr
lang in eine Höhle, danach kamen die Knochen in so eine Box. Natürlich haben
die einen bestimmten Namen, aber den habe ich direkt wieder vergessen.
Ich fand die Kirche
ohnehin interessanter. Jesus steht auf diesem Berg, an der Stelle, wo die
Kirche steht, und spricht von der
Zerstörung Jerusalems. Die Kirche hat ein Fenster, durch das man die Stadt
sieht und – wie sollte es auch anders sein – den Felsendom. Zu Jesu Zeiten
stand da natürlich noch der Tempel (der Felsendom ist ja auf dem Tempelberg
gebaut), Jesus spricht also mit Blick auf den Tempel von der Zerstörung, was
dem Ganzen nochmal mehr Würze gibt.
Die aktuelle Kirche
steht auf den Resten einer byzantinischen. Auf dem Dach stehen Tränenvasen. In
solchen Gefäßen bewahrt man in bestimmten Kulturen die letzten Tränen von
Sterbenden auf. Passt also zu Dominus Flevit.
Auch bei dieser Kirche war es sehr voll: Wir mussten warten, bis wir rein kamen und noch bevor wir ganz fertig waren, drängte schon die nächste Gruppe rein.
Von dieser Kirche aus
sind wir dem Weg der Palmsonntagsprozession gefolgt, kamen am Stein des Judas
vorbei (keine Ahnung, was der Stein mit ihm zu tun hat, aber Ronit sagte, es
wäre sein Stein, deswegen erwähne ich das hier :-D) und endeten am Garten
Gethsemane. Der Garten ist ganz schön! Sehr viele knorrige Olivenbäume und
Blumen. Ich habe beschlossen, dass mein Zauberstab aus Olivenholz sein soll.
:-D Ich muss noch mal Pottermore checken, ob JKR was zu diesem Holz gesagt hat (Mittlerweile habe ich nachgeguckt: Nein,
sie erwähnt dieses Holz nicht. Zypressen und Pinien schon, aber kein
Olivenbaumholz. Na ja, das heißt ja erst mal nur, dass Mr Ollivander das Holz nicht
verwendet.)
Es ist unklar, wie alt
die Bäume sind. Aber es kann sein, dass die Wurzeln – auch wenn die Bäume
selbst verbrannt wurden – sehr alt sind und dass aus den Wurzeln neue Zweige
kommen. Aus dem Baumstamm Isais halt… Diese Bibelstellt verfolgt mich. Mein Reli-Lehrer hat schon in der 5. Klasse versucht, sie uns näher zu bringen.
Neben dem Garten
Gethsemane steht die Kirche der Nationen und erinnert an Jesus, der im Garten
betet. Vor der Kirche hat Klaus die entsprechende Bibelstelle vorgelesen. Dann
durften wir in die Kirche. Sie ist sehr dunkel und hat 12 Kuppeln, die blau
angestrichen sind und mit goldenen Sternen und Olivenbaumzweigen verziert sind.
Jede Kuppel steht für ein Land, das sich an der Kirche beteiligt hat und so hat
jede noch eigene Symbole und Verzierungen. Die deutsche Kuppel „schmückt“ z.B.
der Bundesadler. Ich musste prompt an die nicht besonders positiven Bemerkungen
eines meiner Englischdozenten zu diesem Vogel denken… Abgesehen von Deutschland
habe ich die Kuppeln Frankreich, Spanien und ich glaube den USA gesehen. Hinter
dem Altar ist ein Bild von Jesus, der betet. Die Kirche war nicht so überlaufen
wie die Grabeskirche, aber es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Ich
frage mich, wie der Gottesdienst, der ganz vorne um den Altar herum stand fand,
sich davon nicht stören lassen konnte.
Auf dem Dach der Kirche
der Nationen stehen rechts und links vom Kreuz übrigens zwei röhrende Hirsche
neben einem Kreuz. Ich habe keine Ahnung, was die da oben verloren haben und
als ich Ronit gefragt habe, hat die meine Frage falsch verstanden und mir etwas
ganz anderes erzählt. Ich argwöhne ja, dass die Deutschen nicht nur eine Kuppel
haben wollten, und deswegen noch die beiden Hirsche aufs Dach geschmuggelt
haben…
13:30
Uhr: Wir kommen gerade aus dem
Israel-Museum. Zuerst haben wir gefühlte Stunden in der Sonne gestanden. Ich
hatte meine Sonnenbrille und den Hut im Bus gelassen, weil ich dachte, wir
gingen INS Museum. Außerhalb des Museums haben wir zunächst ein Modell
Jerusalems zu der Zeit von Herodes und den Shrine of the Book von außen
gesehen. Der Schrein sieht ist weiß und sieht aus wie der Deckel von einem
Tonkrug, in dem die Rollen in Qumran gefunden worden sind. Gegenüber vom
Schrein ist eine schwarze Wand. Das steht für die Söhne des Lichts, die gegen
die Söhne der Dunkelheit kämpfen. Ich hatte gleich einen Ohrwurm von „Krieger
des Lichts“ von Silbermond.
| Das Dach wird mit Wasser besprengt. Gar keine Verschwendung... |
Im Schrein haben wir
dann Teile der Rollen gesehen. Die Jesaja-Rolle ist nicht im Original zu sehen,
sie ist irgendwo in einem Bunker eingeschlossen, damit ihr nichts passiert.
Außerdem konnte man im Schrein Gegenstände aus Qumran sehen.Vor einer der Rollen hat Johanna gesagt: „Das ist die Rolle,
mit der Kandu ankam und sagte: ‚Hey, ich habe noch eine gefunden, gebt mir doch
nochmal ein paar Millionen Dollar!‘“ Ich meinte, dass er damit ja ausgesorgt
habe. Daraufhin haben wir überlegt, wie man so eine Rolle fälschen könnte.
Papier ein bisschen anfackeln oder so.
Nach dem Besuch im
Shrine of the Book hatten wir eine Stunde Zeit, alleine durch das Museum zu
gehen. Johanna und ich wollten eigentlich alleine die 15 musts aus unserem Reiseführer
machen. Aber wir haben den Anfang nicht gefunden. Stattdessen sahen wir Frau
G. mit einer Gruppe, der wir uns dann anschlossen. Das war ganz gut. Sie hat
auch immer gesagt, wo die Sachen her kamen, die wir gesehen haben.
16:32
Uhr: Wir sind jetzt in Bethlehem.
Ronit durfte nicht mit, weil Israelis nicht ins Autonomiegebiet dürfen. An der
Grenze wurden wir erstaunlicherweise nicht kontrolliert. Wir sollten alle
unsere Pässe bereithalten, aber niemand wollte sie sehen. Klaus war überrascht,
normalerweise müsse man 30 Minuten für die Kontrolle einrechnen.
In Bethlehem haben wir
einen neuen Reiseführer, Jakob, bekommen. Zuerst haben wir Mittagspause in
einem Lokal namens Ruth’s Field Restaurant gemacht (dass die meinen Namen aber
auch nie richtig hinkriegen! ;-)). Ich habe aber nichts gegessen, weil ich
keine Lust auf Falafel bzw. Schawarma hatte.
Nach der Pause sind wir
zu den Hirtenfeldern gegangen. Man weiß nicht genau, wo sie sind, aber irgendwo
das. Von den Feldern aus hat Jakob uns in eine Grottenkirche geführt, anhand
der er uns erklärt hat, wie man sich den Stall vorstellen soll: Niedrige
Felsendecke, dunkel, dicke Wände… Diese Grotten sind im Sommer kühl (wobei ich
es auch etwas stickig fand) und im Winter warm. Ich nehme an, die Plastikengel
und Schneeflocken sollten ein bisschen (europäisches?) Weihnachtsfeeling in die
Grotte bringen, aber das fand ich doch fehl am Platz…
Auf dem Gelände der
Hirtenfelder steht auch eine Kapelle. Von den Feldern kommend muss man über
eine Treppe zu ihr heraufsteigen. In dem Treppengeländer sind Umrisse von
Schafen eingearbeitet. Die meisten sind weiß, aber zwei (eins rechts, eins
links) sind schwarz. Das fand ich sehr lustig. An der Fassade der Kirche ist
oben ein Engel und auch drinnen sind Engelfiguren. Die Bänke stehen in einem
Kreis um den Altar herum und an den Wänden sind Bilder von der Verkündigung an
die Hirten und der Krippenszene. Wie St. Anna soll auch diese Kapelle eine gute
Akustik haben. Nach einigem Hin und her, ob wir singen sollen oder nicht, hat
Steffi „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ angestimmt. Das war auch wieder
schön. Schade, dass wir so wenig singen auf der Fahrt (außerhalb des Busses
meine ich).
Als nächstes wurden wir
zu einem Laden gefahren, in dem man Schnitzereien aus Olivenbaumholz kaufen
kann. Wir haben uns schon an eine Kaffeefahrt erinnert gefühlt, aber
letztendlich haben sich die meisten doch etwas gekauft.
17:50
Uhr: Der letzte Halt in Bethlehem war
die Geburtskirche. Sie hat mich nicht überzeugt. Griechisch-Orthodoxe, Armenier
und Katholiken müssen sich die Kirchen teilen und die Katholiken haben den
kleinsten Teil abbekommen: Die Grotte, in der die Krippe steht. – Achtung! Dies
ist nicht die Grotte der Geburt! :-D Wie erfinderisch man manchmal sein muss,
um auch ein Stück vom Kuchen der heiligen Orte abzukriegen…
Mir hat die
Geburtskirche aber wirklich nicht gefallen, was größtenteils wieder an meinem
Problem mit orthodoxen Kirchen liegt. An der festgelegten
Geburtsstelle Jesu ist heute ein 14-zackiger Stern. Die Zacken stehen für die
Vorfahren Jesu. Das ist die einzige Idee, die ich noch gelungen finde. Auf
jeden Fall besser als die kitschige Krippe in der Grotte, die wir bei den
Hirtenfeldern gesehen haben.
Übrigens gab es an der
Stelle der Geburtskirche schon eine byzantinische Kirche, die zerstört wurde.
Die Kreuzfahrer bauten die heute noch bestehende, aber man sieht noch Teile des
Fußbodenmosaiks der byzantinischen Kirche. Jakob meinte, die Tatsache, dass die
Kreuzfahrerkirche immer noch steht, sei doch ein Zeichen Gottes, dass er will,
dass sie an dieser Stelle steht.
Jetzt nähern wir uns der
Grenze. Gleich sollen wir aussteigen, um diesmal wirklich die Kontrolle zu
erleben. Klingt stark nach Touri-Programm.
18:45
Uhr: Die Grenzkontrolle war ein
bisschen unspektakulär, wenn man an den Ablauf denkt: Durch ein Gewirr von
Stangen laufen, Taschen durchleuchten lassen, Metalldetektor, Pass vorzeigen…
wie am Flughafen eigentlich, nur dass die Kontrolleure noch gelangweilter waren
als die an den Flughäfen, die ich bisher gesehen habe.
Wenn man allerdings
bedenkt, dass man das alles nur durchlaufen muss, um die Straße zu überqueren,
innerhalb eines Landes, das aus zwei Nationen besteht, wird das Ganze etwas
absurder. Wir haben auf dem Weg zur Grenze auch die Mauer gesehen, die die
Israelis und Palästinenser trennt. Im Grunde ist sie das, was die Soldaten in
Jerusalem ist: ein Mittel, von dem die Verantwortlichen glauben, es garantiere
die Sicherheit der Bürger (oder erhöhe zumindest die Wahrscheinlichkeit des
Schutzes). Ob sie das tut, weiß ich nicht. Die Mauer in Belfast, die Katholiken
und Protestanten trennt, scheint mittlerweile eher zur Touristenattraktion geworden
zu sein (jedenfalls haben wir bei der Taxi-Stadtrundfahrt dort gehalten und
haben Eddings bekommen, mit denen wir die Mauer bemalen durften). Vielleicht
geschieht das mit dieser Mauer ja auch irgendwann. Aber das wird wohl leider
ein langer Prozess sein, wenn man bedenkt, welch strenge Regeln es für das Betreten oder Verlassen der Gebiete gibt…
In Bethlehem hat Jakob
uns auch seine Sicht der Wasserversorgung im Westjordanland erzählt. Er meinte,
in den israelischen Siedlungen gäbe es viel mehr Wasser als in den
palästinensischen. Alle 10 Tage bekämen die Palästinenser eine Wasserration für
3 Tage. Er selber lebe auf dem Weg zu einer israelischen Siedlung und habe
deswegen immer genug Wasser (ich habe mich gefragt, ob er die Leitungen abzapft,
oder ob das Wasser „offiziell“ bei ihm ankommt). Es sind so kleine, für uns
selbstverständliche Sachen wie immer genug Wasser oder gehen, wohin man will
(mittlerweile), die zeigen, dass in dem Land etwas nicht in Ordnung ist, auch
wenn wir keine Kämpfe gesehen haben.
Mitternacht:
Johanna, Melanie und ich waren mit ein
paar anderen Leuten heute Nacht noch auf dem Ölberg und haben uns Jerusalem bei
Nacht angesehen. Sehr schön, aber der Aufstieg war schon anstrengend. Und dann
hätte ich fast noch meine Wasserflasche verloren, weil die Plastiktüte riss und
meine Flasche Anstalten machte, den Berg wieder herunter zu rollen als wir fast
ganz oben waren. Das wäre es ja noch gewesen, wenn ich ihr hätte hinterher
laufen müssen!
Während wir auf dem Berg
waren ist auch etwas passiert, was während unseres gesamten Aufenthaltes noch
nie passiert ist: Es hat geregnet! Zwar war es nicht viel (was auch ganz gut
war, weil wir alle keine Regenausrüstung dabei hatten), aber immerhin ein paar
Tropfen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen