Montag, 24. September 2012

Like Ice in the Sunshine (Israel Tag 5)


8:15 Uhr:      „Bist du wahnsinnig?“ „Das ist sooo früh!“ „Du musst dahin laufen!“ Das waren in etwa die Reaktionen von Johanna, als ich sagte, ich würde überlegen, das Angebot von Frau G. anzunehmen und heute Morgen zu Laudes in Benediktinerkloster in Tabgha zu gehen.
                 Ein bisschen verrückt war es schon. Mein Handy hat mich heute Morgen um halb 5 geweckt. Um 5 Uhr haben wir uns mit Frau G. an der Rezeption getroffen und sind losgelaufen.

Gerade sind wir über den Jordan gefahren. Das haben wir gestern auch schon einmal gemacht, aber angehalten haben wir nie. Das ist etwas schade, finde ich. Aber der Jordan hat mich auch  etwas enttäuscht. Es ist eine grüne Suppe und auch nicht besonders breit. Nicht einmal an der Stelle, wo er in den See Genezareth mündet. Ich hatte einen Fluss von der Breite des Rheins erwartet, aber der Jordan ist vielleicht gerade mal halb so breit wenn überhaupt. Ich gehe davon aus, dass der Fluss früher breiter war und das Wasser verloren hat, weil die Leute immer mehr Wasser abzweigen.

Der Weg zu den Benediktinern war teilweise schon etwas fies.  Es ging hoch und runter, war steinig und es gab ein paar Dornenranken. Außerdem hat Frau G. ein ziemliches Tempo vorgelegt. Wehe meine Eltern werfen mir noch einmal vor, ich würde zu schnell laufen!
                      Als wir bei der Kirche ankamen (die Brotvermehrungskirche, die diesmal angenehm leer war), meinte Stefan zu Frau G.: „Jetzt zeigen Sie mir bitte mal die Stelle in der Bibel, wo steht ‚Und er rannte mit seinen Jüngern…‘“ Wir waren sogar noch vor den Mönchen da! Und als Frau G. nach der Laudes einem der Mönche sagte, wir hätten den Weg in 40 Minuten hinter uns gebracht, guckte der sehr entsetzt und beeindruckt zugleich. Ich nehme an, wir haben einen neuen Rekord aufgestellt.
                        Die Laudes selber hat mir gut gefallen. Erst mal war sie auf Deutsch und wir hatten Bücher, so dass wir auch mitsingen konnten. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich das Prinzip durchschaut hatte. Eigentlich war es ganz simpel: ein Kehrvers zur Eröffnung, ein Psalm im Wechsel mit dem Vorsänger und der Kehrvers noch mal – aber hey, es war Viertel vor 6! Ich war am Abend  vorher auch erst gegen 23 Uhr im Bett (noch recht früh), weil ich mit Johanna, Melanie, Heike, Laura, Maria, Katrin und Jean noch im Innenhof Tee getrunken hatte. Auf jeden Fall war die Laudes ein guter Start in den Morgen. Zwischen den Psalmen hörte man draußen die Vögel singen. Ich hatte auch keine Probleme damit, wach zu bleiben. 
                   Nach der Laudes wollte Frau G. nochmal an den See und nach den Klippdachsen gucken. Die waren nicht da, aber hatten die tolle Kulisse eines Altars mit Kreuz und Blumen vor dem See Genezareth im Morgenlicht.
                      

12 Uhr:           Wir fahren gerade durch das Westjordanland um nach Masada zu kommen. Wir dürfen hier nur fahren, weil die Straße eine Siedlerstraße ist. Uns ist gesagt worden, wir müssten nonstop fahren. Ich weiß nicht, ob aus dem Grund, Zeit aufzuholen, oder weil wir in dem Gebiet nicht anhalten dürfen. Allerdings gibt es hier auch nichts, wo man anhalten könnte. Rechts und links der Straße sind überwiegend Felsen, die mit gelben Gräsern bewachsen sind, und hohe Zäune.
                      Jetzt gerade fahren wir aber an einer Plantage vorbei. Vorhin haben wir auch ein Referat über den Nahostkonflikt gehört, in dem gesagt wurde, dass es in den palästinensischen Gebieten und Jordanien kaum Wasser gäbe. Im Anschluss hat Ronit sich nochmal dazu geäußert und gesagt, dass es ja einen Wasserversorgungsplan gäbe und Israel Wasser an Jordanien abgeben müsse. Außerdem seien die Plantagen alle im palästinensischen Besitz, also müsse es ja schon Wasser geben. Wir sähen ja, wie grün es überall wäre (sie hat definitiv eine andere Definition von grün als ich). Aber es war ja klar, dass sie das nicht so gerne hören würde. Was nun stimmt, weiß ich nicht. Natürlich sieht man Stellen, an denen Obst und Gemüse angebaut werden und dafür braucht man Wasser, keine Frage. Aber es gibt auch Abschnitte, die so vertrocknet aussehen, dass es sich nicht mal anbieten würde, anzuhalten, um vor Blicken geschützt Freiluft zu pinkeln (so, Bogen zum Anfang wieder geschlagen). Wasser ist hier einfach extrem kostbar. Wie sehr man es braucht, merken wir ja auch jeden Tag hier, wenn wir etwas trinken wollen oder uns nach einer Dusche sehnen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Israelis das Gefühl haben, viel Wasser abzugeben, dass es aber gleichzeitig eben nicht genug ist.

                    Aber zum ersten offiziellen Programmpunkt heute: Wir waren in Bet She’an. Das ist auch ein Tell, aber zugleich eine hellenistische/ römische Stadt: Skythopolis. Die Skythen waren ein Reitervolk und „polis“ ist halt eine Stadt. Ich habe natürlich direkt wieder den Herr der Ringe-Bezug gefunden: Rohan. Nichts liegt näher, oder? Dabei ist mir dann auch aufgefallen, dass bei Rohirrim der hebräische Plural „-im“ drin steckt. Ich muss doch nochmal nachforschen, ob Tolkien doch irgendwelche Verbindungen mit Israel hat…
                  In Skythopolis konnten wir ein römisches Badehaus, eine Straße, Geschäfte mit Mosaiken (eins war rekonstruiert), Latrinen und ein Theater gesehen. Gefallen haben mir die zweidimensionalen Metallfiguren in schwarz, die auf der Straße aufgestellt waren. Bei den Latrinen haben wir uns natürlich alle auf die Steine gesetzt, was natürlich falsch war, weil die Steine keine Löcher haben. Man setzte sich damals zwischen zwei Steine (frau musste übrigens zuhause gehen, ganz ungünstig aus der heutigen Perspektive).
Skythopolis vom Tell aus gesehen

               Auf dem Tell war es furchtbar heiß. Es gab überhaupt keinen Schatten. Unten in Skythopolis standen noch ein paar Bäume, aber oben war nichts außer alten Steinen und Gestellen, auf denen man Sonnensegel hätten spannen können (die betonen liegt auch „hätte“). Wir haben ein Eisenzeit-Vierkammernhaus und Bronzezeit-Rest gesehen. Darunter war das Haus eines ägyptischen Gouverneurs. Deshalb gab es da auch Tafeln mit Hieroglyphen. Man merkt, ich habe da super aufgepasst. Aber es war wirklich so warm, ich konnte gar nicht mitdenken. Es war so unglaublich warm. Ich hatte letztens schon das Gefühl zu zergehen, aber heute ist es noch schlimmer. Vor meinem Inneren Auge sah ich schon, wie meine Haut von mir abtropfte wir Kerzenwachs.

14:45 Uhr:      Nach einigem Hin und Her und Umplanungen waren wir über Mittag in Qumran und nicht in Masada. In Qumran wurden Schriftrollen mit biblischen und anderen religiösen Texten gefunden. Auf dem Weg nach Qumran sahen wir schon das Tote Meer und konnte auch nach Jordanien herüber sehen. Frau G. erwähnte, dass da auch Moab (die Heimat der biblischen Rut) läge und wiederholte das noch mal, als wir in Qumran standen und in die Richtung blickten.
                  Es gibt verschiedene Theorien, wer in Qumran gelebt hat. Einige sagen, es wäre ein einfaches Bauerndorf gewesen (unter der Annahme, dass es dort damals mehr Wasser gab), aber dann ist nicht klar, warum die Rollen in den umliegenden Höhlen gefunden wurden.
Spürt ihr die Hitze?
               Eine andere Theorie ist, dass eine Gruppe von Essenern dort lebte, was die vielen Ritualbäder erklären würde. Dann muss man nur gucken, wie man die Landwirtschaft da mit einbringt. Der Info-Film im Museum vertritt diese Theorie. Ronit meinte, wir sollten uns ein eigenes Bild machen; sie denkt, dass auch eine Kombination aus beidem möglich ist. Ich fand es schwer, mir eigenes Bild zu machen. Es war zu warm. :-D Aber wir waren auch in der Mittagshitze da. Vermutlich war es deswegen auch so leer, wobei ich bisher nicht das Gefühl hatte, dass die Menschen hier Siesta machen. Jedenfalls halten sich unsere Reiseleiter nicht daran. Wohlmöglich sehen sie es als Zeitverschwendung an, weil es hier ja so viel zu sehen gibt. Ich war aber im Grunde den halben Tag damit beschäftigt, mich neu einzucremen. Das hat sich dann auch ausgezahlt; ich bin nur an einer Stelle etwas rot und das tut auch nicht weh.

20:40 Uhr: Wir sind jetzt in einem Kibbuz am Toten Meer. Heike und Ilona, ihre Zimmermitbewohnerin, haben gerade herausgefunden, dass wir uns im Westjordanland befinden. Und ich dachte, wir würden hier nicht rein gehen. Dann sind wir heute durchgefahren und jetzt übernachten wir sogar hier. Irgendwie beunruhigt mich das jetzt schon ein bisschen… Trotz oder vielleicht sogar wegen der Soldatin, die den Schlagbaum bewacht, durch den wir ins Kibbuz gefahren sind.

                        Nach Qumran waren wir im Toten Meer baden. Das war anders als ich gedacht hatte. Ich hatte es mir wie das Mittelmeer vorgestellt, nur mit mehr Salz Aber es ist unendlich viel mehr Salz und jede Menge Schlamm. Der Schlamm aus dem Toten Meer soll gut für die Haut sein. Es gibt viele Kosmetikartikel damit. Wir hatten erst mal nur viel Spaß damit, uns einzusauen: Einen Klumpen Schlamm aus dem Wasser fischen und sich damit einreiben. Das hat so viel Spaß gemacht!
                        Und das mit dem auf dem Wasser liegen und Zeitung lesen klappt echt! Heike hat ein Foto von mir gemacht, weil Lisa Z. unbedingt ein Bild davon sehen wollte. Weil ich keine Zeitung dabei hatte, habe ich einfach unserem Seminar-Reiseführer genommen. Das Salz hat aber nicht nur getragen sondern auch furchtbar gebrannt. Das Meer hat kleine Wunden und Schrammen gefunden, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe (vor allem Kratzer, die die Ranken beim Dauerlauf nach Tabgha heute Morgen mir zugefügt haben). Leute mit empfindlicher Haut kamen mir schon aus dem Wasser entgegen, als ich zum ersten Mal reinging. Ich war auch nur einmal etwas länger und einmal kurz drin und habe zwischendurch eine lange Pause gemacht. Es tat doch weh, wenn ich drin war. Das Salzwasser ist auch so gefährlich, dass man sich nicht auf den Bauch legen oder mit Wasser spritzen darf, damit nichts in die Augen kommt.

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