Zwei
Leute haben Geburtstag: Wir singen im Bus und schaffen es sogar zweistimmig
10:45
Uhr: Natürlich waren Johanna und ich
dann heute Morgen doch nicht schwimmen. Als der Wecker um halb sechs klingelte,
hatten wir keine Lust, aufzustehen und schwimmen zu gehen. Es war draußen noch
dunkel und die Sterne standen noch am Himmel. Da wollten wir nicht mehr.
Allerdings waren wir dann auch so wach, dass wir nicht wieder wirklich schlafen
konnten. Hätten also genauso gut schwimmen gehen können.
Stattdessen haben wir
uns beim Duschen und Koffer packen Zeit gelassen und sind dann Frühstücken
gegangen.
Um 8 Uhr sollte es
eigentlich los gehen, aber weil auf dem Plan 8.30 Uhr stand, wurde es doch
etwas später. Im Bus mussten, Pia, Isabel und ich unser Referat zur Geschichte
Israels nochmal in Kurzform vortragen. Böööööse Erinnerung an die LK-Fahrt…
Dementsprechend kurz fiel mein Teil aus. :-D
Aber viel länger hätten
wir auch nicht reden können, denn als wir fertig waren, sagte Ronit, die
Reiseführerin noch kurz etwas und dann waren wir schon in Cäsarea Maritima.
Cäsarea ist eine
Küstenstadt, die verschiedene Besiedlungen miterlebt hat: Herodes baute die
Stadt inklusive Hafen (der heute größtenteils unter Wasser liegt) und ein
Schwimmbad für den privaten Gebrauch, in dem er das Meer rauschen hören konnte,
aber nicht im Meer saß. Aus der römischen Zeit stammen auch das Amphitheater
und eine Pferderennbahn. In der byzantinischen Zeit war die Stadt am größten
(größere Pferderennbahn). Die Kreuzfahrer eroberten die Stadt und bauten eine
Stadtmauer (kleiner als die zur
römischen und byzantinischen Zeit, weil sie nicht so viele Arbeiter hatten).
Die christliche
Bedeutung existiert in Bezug auf Petrus, dass er laut der Apostelgeschichte in dieser
Stadt einen Heiden tauft. Paulus wurde wahrscheinlich von dieser Stadt nach Rom
zu seinem Prozess verschifft. Außerdem gibt es einen Stein, auf dem der Name
von Pilatus steht. Darus kann man schließen, dass er seinen Amtssitz in Cäsarea
hat und zu Jesu Prozess nach Jerusalem reist.
| Eine spontane Musikeinlage im Theater in Cäsarea |
Im Theater in Cäsarea
werden auch heute noch Theaterstücke aufgeführt und Musik gespielt. Um als
Künstler anerkannt zu werden, muss man erst einmal dort auftreten. Während wir
im Theater saßen, kam auf einmal ein Mann mit einer Geige nach vorne auf die
Bühne und spielte drei Stücke. Sehr schön. Und dieser Mann hatte jetzt auch
seinen Auftritt in Cäsarea. ;-)
Obwohl Cäsearea so
wichtig war, sind viele der Steine, die ursprünglich dort verbaut wurden, nicht
mehr da, weil sie in späteren Jahren dort geklaut und woanders zum Bauen
verwendet wurde. Nachbemerkung im
Rückblick: Der Satz „Kommt bestimmt aus Cäsarea“ wird ein running gag auf
der Fahrt, denn fast jedes Mal, wenn wir gefragt wurden: „Und woher kommt der
Stein?“, war die Antwort „Cäsarea“.
Während der Führung
durch die Stadt hörten wir auf einmal ein lautes Knallen, wussten aber nicht,
was es ist.
Es ging zurück in den
Bus und wir fuhren fünf Minuten zum Aquädukt, das Cäsarea mit Wasser versorgt
hat. Aussteigen, Foto machen, weiterfahren.
Wegen des Wassers gibt
es auch in unserer Gruppe Diskussionen. Wir können Wasser im Bus kaufen, aber
es kostet 1€ pro 0,5 Liter-Flasche, was wir sehr unverschämt finden. Jetzt
sollen größere Flaschen besorgt werden, schließlich sollen wir 3 Liter pro Tag
trinken.
Im Bus haben wir eine
Einführung in jüdische und arabische Siedlungen bekommen: Die arabischen
erkennt man an dem Minarett (wer hätte das gedacht) und den Flachdächern. Die
jüdischen haben Giebeldächer (zumindest meistens).
11.30
Uhr: Gerade fahren wir durch den
Karmel, was „Weinberg Gottes“ bedeutet und auch oft für „fruchtbar“ bzw.
„frisch“ steht. Die Gegend hier ist auch sehr grün mit Eichen (natürlich
gewachsen – heißen auf Hebräisch Elon bzw. Alon, haben also den Gottesnamen in
sich) und Kiefern (gepflanzt).
Wir kommen an einem
Drusendorf vorbei (Drusen: Abspaltung von den Schiiten, leben ins Israel,
Libanon und Afghanistan).
Straßenverkauf
gesichtet: Es steht ein Küchentisch an der Straße, auf dem Suppe u.ä. verkauft
wird.
12:20
Uhr: Wir waren auf dem Karmel, wo die
Geschichte von Elijah und den Baals-Propheten verortet wird. Die Geschichte ist
die folgende: Im Land herrscht eine Dürre, König Ahab wendet sich daraufhin an
Baal (Wettergott), Elijah ist nicht begeistert davon und betet zu Jahwe. Das
Opfer der Baalspropheten wird zerstört, das von Elijah angenommen, eine
Regewolke kommt vom Mittelmeer. Elijah tötet die Baalspropheten. Frau G. hat
uns die Geschichte erzählt und religionsentwicklungstechnisch erklärt: die
Entwicklung vom Polytheismus zum Monotheismus.
Im Neuhebräischen heißt
„Baal“ Mann (der, der die Frau fruchtbar macht). Der Begriff wird aber auch im
landwirtschaftlichen Bereich genutzt, um eine Landwirtschaft, die nicht
künstlich bewässert wird, zu beschreiben.
Eine Elijah-Statue auf
dem Berg erinnert an die Geschichte der Bibel. Von einem Aussichtspunkt aus
kann man über die Jesreelebene blicken. In der Geschichte von Elijah und König
Ahab muss der letztere schleunigst über diese Ebene zurück nach Hause reiten,
um nicht vom Regen eingeschlossen zu werden, der die Ebene in einen Sumpf
verwandeln wird. Auch bei Deborah spielt die Ebene eine Rolle, da sich dort der
Kishon-Fluss befindet, in dem die Feinde ertrinken. Außerdem sieht man vom
Karmel aus mehrere andere Berge. Auf dem einem liegt Bethlehem, auf einem
anderen trifft Jesus Mose und Elijah.
17:30
Uhr: Ich bin total fertig. Nachdem
wir mittags in einem Drusenrestaurant Falafel gegen haben (im Hof des
Restaurants war ein Baum mit rosa Fusseln an den Zweigen; irgendwer meinte,
dass das vermutlich die abgeblühten Blüten sind), sind wir nach Akko gefahren.
| Bepflanzte Schuhe in Akko |
Das war früher eine wichtige Kreuzfahrerstadt. Es ist eine Stadt an der Küste
und unter den Gebäuden der Muslime sind die Rest der Kreuzfahrer zu finden. Für
uns bedeutete das, dass wir durch ziemlich viele Tunnel und enge Gassen
gelaufen sind. Ahmed Al Jezzar (oder so ähnlich), der Herrscher in Akko, hatte
die Gebäude der Kreuzfahrer mit Erde aufgeschüttet, damit die Fundamente seiner
Paläste stärker wurden. Deswegen hat man die Kreuzfahrerstadt erst nach und
nach und noch immer nicht ganz entdeckt.
Wir haben ehemalige
Speicher oder Ställe, einen Saal, das Refektorium und eine Krypta gesehen. In
den Speicherräumen werden heutzutage Theaterstücke aufgeführt. Zum
Laubhüttenfest gibt es ein Theaterfestival in Akko. Das muss echt spannend
sein! Es passen zwar nicht viele Zuschauer in die Räume (es würde also ähnlich
intensiv wie bei Trüffelschweine),
aber man kann den Ort sicher gut für Auftritte und Abtritte (hinter den Säulen
hervor, mitten durch die Bögen etc.) nutzen. Außerdem bietet er eine tolle
Kulisse. Nur wie man das mit der Beleuchtung macht, ist mir nicht ganz klar. Es
gibt keine Stange, an der man die Scheinwerfer befestigen könnte. Man müsste
also auf Standscheinwerfer ausweichen…
Außerdem konnten wird
die Klos der Kreuzfahrer bewundern. :-D Ein bisschen verrückt. Es sind nur
Steine mit Löchern. Und Steine haben wir heute wirklich genug gesehen Aber ich
nehme an, Ronit wollte einen Scherz machen, weil wir ständig bei irgendwelchen
Klos anhalten müssen und die Hälfte der Gruppe wieder losstürzt. Einer der
Jungs machte schon den Scherz, er habe das Gefühl, wir würden eigentlich eine
Tour zu den Klos Israels machen und nebenbei ein bisschen Sightseeing einbauen…
Ronit sprach bei den Klos übrigens von „Coffee out“, danach gingen wir zum
„Coffee in“, nämlich das Refektorium.
Die Tunnel, durch die
wir gelaufen sind, waren ganz unterschiedlich. Einer war eng und recht niedrig
und hatte grüne Wände, ein anderer war sehr breit aber teilweise war die Decke
da so tief, dass sogar ich den Kopf einziehen musste. Zur Kreuzfahrerzeit gab
es einen Tunnel, der direkt zum Hafen führte, aber der ist heute nicht mehr
komplett begehbar.
Irgendwo in dem
Kreuzfahrerkomplex lief auch eine Katze herum, die prompt mehr Aufmerksamkeit
als Ronit bekam. Das tat mir etwas Leid, aber wir waren alle wohl einfach
völlig durch. Wir haben ein ziemliches Mammutprogramm und irgendwann passen
keine Informationen mehr in den Kopf. Auch auf den Busfahrten bekommen wir
Infos über Infos: wie dieser oder jener Berg/ Baum/ Fluss/ Stadt/ Tal heißt,
was das auf Deutsch bedeutet und warum es wichtig ist, also welche biblische
Geschichte da verortet wird. Außerdem erfahren wir etwas über verschiedene
religiöse Gruppierungen und sie sich ihre heiligen Stätten befinden. Nebenbei
sollen wir uns den ältesten Olivenbaum oder ein bestimmtes Tell angucken. Und
ach ja: Die schönsten Mädchen kommen natürlich aus Haifa.
Gerade ist die Sonne
untergegangen und der Shabbat hat angefangen. In den Synagogen wird dann immer
ein Lied gesungen, um die Königin Shabbat zu empfangen.
Außerdem konnten wir
gerade schon einen Blick auf den See Genezareth werfen.
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