Freitag, 21. September 2012

Alle Wege führen nach Rom, alle Steine kommen aus Cäsarea (Israel Tag 2)



Zwei Leute haben Geburtstag: Wir singen im Bus und schaffen es sogar zweistimmig

10:45 Uhr:     Natürlich waren Johanna und ich dann heute Morgen doch nicht schwimmen. Als der Wecker um halb sechs klingelte, hatten wir keine Lust, aufzustehen und schwimmen zu gehen. Es war draußen noch dunkel und die Sterne standen noch am Himmel. Da wollten wir nicht mehr. Allerdings waren wir dann auch so wach, dass wir nicht wieder wirklich schlafen konnten. Hätten also genauso gut schwimmen gehen können.
                     Stattdessen haben wir uns beim Duschen und Koffer packen Zeit gelassen und sind dann Frühstücken gegangen.
                       
                       Um 8 Uhr sollte es eigentlich los gehen, aber weil auf dem Plan 8.30 Uhr stand, wurde es doch etwas später. Im Bus mussten, Pia, Isabel und ich unser Referat zur Geschichte Israels nochmal in Kurzform vortragen. Böööööse Erinnerung an die LK-Fahrt… Dementsprechend kurz fiel mein Teil aus. :-D
                   Aber viel länger hätten wir auch nicht reden können, denn als wir fertig waren, sagte Ronit, die Reiseführerin noch kurz etwas und dann waren wir schon in Cäsarea Maritima.

                    Cäsarea ist eine Küstenstadt, die verschiedene Besiedlungen miterlebt hat: Herodes baute die Stadt inklusive Hafen (der heute größtenteils unter Wasser liegt) und ein Schwimmbad für den privaten Gebrauch, in dem er das Meer rauschen hören konnte, aber nicht im Meer saß. Aus der römischen Zeit stammen auch das Amphitheater und eine Pferderennbahn. In der byzantinischen Zeit war die Stadt am größten (größere Pferderennbahn). Die Kreuzfahrer eroberten die Stadt und bauten eine Stadtmauer (kleiner als die  zur römischen und byzantinischen Zeit, weil sie nicht so viele Arbeiter hatten).
                  Die christliche Bedeutung existiert in Bezug auf Petrus, dass er laut der Apostelgeschichte in dieser Stadt einen Heiden tauft. Paulus wurde wahrscheinlich von dieser Stadt nach Rom zu seinem Prozess verschifft. Außerdem gibt es einen Stein, auf dem der Name von Pilatus steht. Darus kann man schließen, dass er seinen Amtssitz in Cäsarea hat und zu Jesu Prozess nach Jerusalem reist.
Eine spontane Musikeinlage im Theater in Cäsarea
                    Im Theater in Cäsarea werden auch heute noch Theaterstücke aufgeführt und Musik gespielt. Um als Künstler anerkannt zu werden, muss man erst einmal dort auftreten. Während wir im Theater saßen, kam auf einmal ein Mann mit einer Geige nach vorne auf die Bühne und spielte drei Stücke. Sehr schön. Und dieser Mann hatte jetzt auch seinen Auftritt in Cäsarea. ;-)
                    Obwohl Cäsearea so wichtig war, sind viele der Steine, die ursprünglich dort verbaut wurden, nicht mehr da, weil sie in späteren Jahren dort geklaut und woanders zum Bauen verwendet wurde. Nachbemerkung im Rückblick: Der Satz „Kommt bestimmt aus Cäsarea“ wird ein running gag auf der Fahrt, denn fast jedes Mal, wenn wir gefragt wurden: „Und woher kommt der Stein?“, war die Antwort „Cäsarea“.

                      Während der Führung durch die Stadt hörten wir auf einmal ein lautes Knallen, wussten aber nicht, was es ist.

                      Es ging zurück in den Bus und wir fuhren fünf Minuten zum Aquädukt, das Cäsarea mit Wasser versorgt hat. Aussteigen, Foto machen, weiterfahren.
                     Wegen des Wassers gibt es auch in unserer Gruppe Diskussionen. Wir können Wasser im Bus kaufen, aber es kostet 1€ pro 0,5 Liter-Flasche, was wir sehr unverschämt finden. Jetzt sollen größere Flaschen besorgt werden, schließlich sollen wir 3 Liter pro Tag trinken.
                       
                     Im Bus haben wir eine Einführung in jüdische und arabische Siedlungen bekommen: Die arabischen erkennt man an dem Minarett (wer hätte das gedacht) und den Flachdächern. Die jüdischen haben Giebeldächer (zumindest meistens).

11.30 Uhr:      Gerade fahren wir durch den Karmel, was „Weinberg Gottes“ bedeutet und auch oft für „fruchtbar“ bzw. „frisch“ steht. Die Gegend hier ist auch sehr grün mit Eichen (natürlich gewachsen – heißen auf Hebräisch Elon bzw. Alon, haben also den Gottesnamen in sich) und Kiefern (gepflanzt).
                       Wir kommen an einem Drusendorf vorbei (Drusen: Abspaltung von den Schiiten, leben ins Israel, Libanon und Afghanistan).
                   Straßenverkauf gesichtet: Es steht ein Küchentisch an der Straße, auf dem Suppe u.ä. verkauft wird.

12:20 Uhr:    Wir waren auf dem Karmel, wo die Geschichte von Elijah und den Baals-Propheten verortet wird. Die Geschichte ist die folgende: Im Land herrscht eine Dürre, König Ahab wendet sich daraufhin an Baal (Wettergott), Elijah ist nicht begeistert davon und betet zu Jahwe. Das Opfer der Baalspropheten wird zerstört, das von Elijah angenommen, eine Regewolke kommt vom Mittelmeer. Elijah tötet die Baalspropheten. Frau G. hat uns die Geschichte erzählt und religionsentwicklungstechnisch erklärt: die Entwicklung vom Polytheismus zum Monotheismus.
                       Im Neuhebräischen heißt „Baal“ Mann (der, der die Frau fruchtbar macht). Der Begriff wird aber auch im landwirtschaftlichen Bereich genutzt, um eine Landwirtschaft, die nicht künstlich bewässert wird, zu beschreiben.
              Eine Elijah-Statue auf dem Berg erinnert an die Geschichte der Bibel. Von einem Aussichtspunkt aus kann man über die Jesreelebene blicken. In der Geschichte von Elijah und König Ahab muss der letztere schleunigst über diese Ebene zurück nach Hause reiten, um nicht vom Regen eingeschlossen zu werden, der die Ebene in einen Sumpf verwandeln wird. Auch bei Deborah spielt die Ebene eine Rolle, da sich dort der Kishon-Fluss befindet, in dem die Feinde ertrinken. Außerdem sieht man vom Karmel aus mehrere andere Berge. Auf dem einem liegt Bethlehem, auf einem anderen trifft Jesus Mose und Elijah.

17:30 Uhr:    Ich bin total fertig. Nachdem wir mittags in einem Drusenrestaurant Falafel gegen haben (im Hof des Restaurants war ein Baum mit rosa Fusseln an den Zweigen; irgendwer meinte, dass das vermutlich die abgeblühten Blüten sind), sind wir nach Akko gefahren. 
Bepflanzte Schuhe in Akko
                    Das war früher eine wichtige Kreuzfahrerstadt. Es ist eine Stadt an der Küste und unter den Gebäuden der Muslime sind die Rest der Kreuzfahrer zu finden. Für uns bedeutete das, dass wir durch ziemlich viele Tunnel und enge Gassen gelaufen sind. Ahmed Al Jezzar (oder so ähnlich), der Herrscher in Akko, hatte die Gebäude der Kreuzfahrer mit Erde aufgeschüttet, damit die Fundamente seiner Paläste stärker wurden. Deswegen hat man die Kreuzfahrerstadt erst nach und nach und noch immer nicht ganz entdeckt.
                      Wir haben ehemalige Speicher oder Ställe, einen Saal, das Refektorium und eine Krypta gesehen. In den Speicherräumen werden heutzutage Theaterstücke aufgeführt. Zum Laubhüttenfest gibt es ein Theaterfestival in Akko. Das muss echt spannend sein! Es passen zwar nicht viele Zuschauer in die Räume (es würde also ähnlich intensiv wie bei Trüffelschweine), aber man kann den Ort sicher gut für Auftritte und Abtritte (hinter den Säulen hervor, mitten durch die Bögen etc.) nutzen. Außerdem bietet er eine tolle Kulisse. Nur wie man das mit der Beleuchtung macht, ist mir nicht ganz klar. Es gibt keine Stange, an der man die Scheinwerfer befestigen könnte. Man müsste also auf Standscheinwerfer ausweichen…
                    Außerdem konnten wird die Klos der Kreuzfahrer bewundern. :-D Ein bisschen verrückt. Es sind nur Steine mit Löchern. Und Steine haben wir heute wirklich genug gesehen Aber ich nehme an, Ronit wollte einen Scherz machen, weil wir ständig bei irgendwelchen Klos anhalten müssen und die Hälfte der Gruppe wieder losstürzt. Einer der Jungs machte schon den Scherz, er habe das Gefühl, wir würden eigentlich eine Tour zu den Klos Israels machen und nebenbei ein bisschen Sightseeing einbauen… Ronit sprach bei den Klos übrigens von „Coffee out“, danach gingen wir zum „Coffee in“, nämlich das Refektorium.
                      Die Tunnel, durch die wir gelaufen sind, waren ganz unterschiedlich. Einer war eng und recht niedrig und hatte grüne Wände, ein anderer war sehr breit aber teilweise war die Decke da so tief, dass sogar ich den Kopf einziehen musste. Zur Kreuzfahrerzeit gab es einen Tunnel, der direkt zum Hafen führte, aber der ist heute nicht mehr komplett begehbar.
                 Irgendwo in dem Kreuzfahrerkomplex lief auch eine Katze herum, die prompt mehr Aufmerksamkeit als Ronit bekam. Das tat mir etwas Leid, aber wir waren alle wohl einfach völlig durch. Wir haben ein ziemliches Mammutprogramm und irgendwann passen keine Informationen mehr in den Kopf. Auch auf den Busfahrten bekommen wir Infos über Infos: wie dieser oder jener Berg/ Baum/ Fluss/ Stadt/ Tal heißt, was das auf Deutsch bedeutet und warum es wichtig ist, also welche biblische Geschichte da verortet wird. Außerdem erfahren wir etwas über verschiedene religiöse Gruppierungen und sie sich ihre heiligen Stätten befinden. Nebenbei sollen wir uns den ältesten Olivenbaum oder ein bestimmtes Tell angucken. Und ach ja: Die schönsten Mädchen kommen natürlich aus Haifa.

                     Gerade ist die Sonne untergegangen und der Shabbat hat angefangen. In den Synagogen wird dann immer ein Lied gesungen, um die Königin Shabbat zu empfangen.
                        Außerdem konnten wir gerade schon einen Blick auf den See Genezareth werfen.

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