Montag, 27. Juni 2011

DEKT 2011 - Da wird auch dein Herz sein


Anfang Juni war der evangelische Kirchentag in Dresden. Ich bin hingefahren. Es lebe die Ökumene! (Und außerdem muss ich doch gucken, was die Konkurrenz so treibt :-P) Der ÖKT in München hatte mir schließlich auch sehr gut gefallen, außerdem hat die ESG die Fahrt organisiert.
Wir sind Mittwochmorgen um halb sechs in Essen losgefahren und haben zumindest den ersten Teil der Fahrt überwiegend schlafend verbracht (Lisa hatte z.B. vorher gar nicht geschlafen). Gegen drei kamen wir in Dresden an und hatten genug Zeit, unsere Klassenzimmer herzurichten, bevor wir zum Abend der Begegnung in die Innenstadt fuhren.
Beim Begrüßungsgottesdienst wurden auch wir Katholiken freundlich begrüßt ("Vielen Dank an alle, die ihre katholischen Freunde mitgebracht haben!"). Außerdem gab es verschiedene schauspielerische Annäherungen an das Motto des Kirchentags "Da wird den Herz auch sein" (entnommen aus Matthäus 6,21, als Jesus seinen Jüngern sagt, sie sollten keine Schätze auf der Erde anhäufen, wo sie vermodern oder geklaut werden könnten, sondern lieber im Himmel, weil da auch das Herz sein wird).
Der beste Moment des Gottesdienst war allerdings, als wir alle unsere Hände, die eine Herz formten, in den Himmel streckten und die Sonne nach einem grauen Tag hervorbrach. Das war eindeutig ein Magic Moment. Vielleicht klingt es kitschig, aber es passte einfach zu gut. Es war fast so, als würde Gott sich freuen, seine Kinder da unten an der Elbe versammelt zu sehen, und würde deswegen eine Zeichen geben.
Nach dem Gottesdienst begann der Abend der Begegnung. Im Stadtzentrum waren verschiedene Stände und Bühnen aufgebaut. Auf dem Dresdener Altmarkt sangen zum Beispiel die Prinzen. Abgeschlossen wurde der Abend von einem Lichtermeer auf beiden Seiten der Elbe. Das war wunderschön. Wir alle hatten brennende Kerzen in der Hand (die wir irgendwann in den Boden steckten, weil die Kirchtentagskerzen immer so schnell ablaufen), kamen zur Ruhe und lauschten den etwas merkwürdig sphärischem, schiefem Gesang eine Frau. Am Ende sagen wir alle zusammen "Kein schöner Land". Danach läuteten die Kirchenglocken und es trieben ganz viele Kerzen über das Wasser an uns vorbei. Ein toller Anblick.













In den folgenden Tagen haben Lisa und ich einen Promi-Kirchentag gemacht. Wir waren bei der Bibelarbeit von Frau Käßmann (wirklich interessant, ich habe ganz viel mitgeschrieben), bei dem Konzert der Wise Guys im Fußballstadion (aber obwohl das Wetter in Dresden besser war, hat mit das Konzert in München besser gefallen. Die Stimmung da war besser - trotz Laola-Wellen ums Stadion und Papierflieger (die wurden hinterher allerdings verboten)), bei der Bibelarbeit vom Hirschhausen und einem jüdisch-christlichen Freudenfest mit ihm und wir haben uns die Rede von Angela Merkel zu einer neuen Weltordnung angehört (kleine Frau in rosa vor einem rosa Hintergrund ;-)).
Außerdem haben wir in der ESG Dresden eine Bibelarbeit über Twitter gemacht. Technisch könnte das noch ausgebaut werden, aber irgendwie war es cool. Im Idealfall hätten wir alle einen Zugang zum Internet gehabt und hätte da die Diskussion mitverfolgen und zu ihr beisteuern können. Stattdessen bekamen wir Zettelchen, auf denen 140 Kästchen waren. Es gab Denkaufgaben zu der Bibelstelle (z.B. "Findet eine Metapher für Gott" - "Gott ist wie haltbare Vollmilch"), zu denen wir "twittern" konnten. Die Idee war nicht schlecht, aber es haperte wie gesagt an der Umsetzung.
Was ich auch sehr beeindruckend fand, war der ökumenische Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt im Fußballstadion. Überall auf den Tribünen waren Bläser verteilt, die den Gottesdienst musikalisch begleiteten. Das war schon sehr cool, weil man von allen Seiten beschallt wurde. Außerdem sangen die Dresdener Domchorknaben und ein Chor der griechisch orthodoxen Kirchen. Zum Domchor müsst ihr euch folgende Situation vorstellen:
Die ersten Kinder in roten Röcken und weißen Obergewändern betreten den Rasen.
Lisa: Rut, was sind das für Kinder?
Rut (im Brustton der Überzeugung): Messdiener.
Lisa (hell begeistert): Ach so, Weihrauchkinder? Strahlt.
Rut wirft nach kurzer Zeit einen Blick ins Programm, liest, wer an der musikalischen Gestaltung beteiligt ist.
Rut: Ähm, Lisa, ich glaube, das sind doch keine Messdiener... Das ist der Chor.

Insgesamt hat mir der Kirchentag gut gefallen. Es war auf jeden Fall interessant und ich habe einige nette Menschen getroffen. Das Wetter war auch nicht schlecht. Ab dem ersten Abend schien endlich die Sonne. Leider war es dann irgendwann etwas viel. An einem Nachmittag haben Lisa und ich unsere Füße in einen der Springbrunnen in der Innenstadt gehalten und haben die kleinen Kinder beneidet, die nur mit einer Windel am Po im Brunnen planschen konnten...