Es ist noch gar nicht so lange her, dass das diesjährige Dschungelcamp geendet hat. Der Aufriss darum war ja groß. Wer geht rein? Wer wird wohl DschungelkönigIn? Was nehmen die Leute mit ins Camp? Und kaum war die Sendung gestartet, wurde man ja nur so mit Berichten über Prüfungen und Lästerattacken zugeschüttet. Als alles vorbei war, gab es noch ein paar Abschlussinterviews, die Highlights wurden gezeigt und bald müssen wir uns vermutlich auf die neuste Ausgabe vom Dschungel-Promi-Dinner einstellen.
Ich gebe zu - ich habe es gesehen. Aber es wurde mir gegen Ende doch langweilig. Ich habe mich nicht einmal bei den Dschungelprüfungen geekelt, immerhin lagen ein Bildschirm und viele Kilometer zwischen mir und den Insekten. Stattdessen ist mir aufgefallen, wie gut Suzanne Collins diesen Medienwahnsinn in den Hunger Games darstellt.
Sie selber gibt an, dass sie die Idee zu den Büchern beim Zappen hatte und zwischen eine Dokumentation über einen Krieg und einer Realityshow hin und her gesprungen ist. Welche Realityshow es war, weiß ich nicht, aber ich finde der Dschungel und die Hunger Games haben einige Gemeinsamkeiten. Ein (bzw. zwei) Luxusgegenstand, der mitgenommen werden darf, Hindernisse, die von einer Macht hinter der Kamera gebaut werden, und hatten wir nicht auch im Dschungel schon ein Pärchen, bei dem man nicht wusste, ob es nur gespielt ist oder nicht? Von den ganzen Interviews vor und nach der Show mal abgesehen. Gut, im Dschungel stirbt keiner (wobei ich der Meinung bin, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis da mal was passiert), aber auch da werden es immer weniger und die Zuschauer können sich für ihre Favoriten einsetzen.
So weit weg sind wir nicht von den Hungerspielen, auch wenn die sogenannten Prominenten freiwillig in den Dschungel gehen und mittlerweile auch wissen sollten, wie der Hase in dieser Sendung läuft. Aber ja, dieser Schluss dreht sich im Kreis. Wenn die Hungerspiele auf einer existierenden Fernsehshow basieren, ist es kein Wunder, dass diese Art von Shows den Hungerspielen ähnelt.
Interessanter finde ich da dann doch das Beispiel "Fahrenheit 451". Geschrieben in den 50er Jahren von Ray Bradbury beschreibt es eine Welt, in der Bücher verbrannt werden, weil die Regierung der Meinung ist, dass es aus Gründen der Political Correctness am einfachsten ist, Bücher einfach komplett zu verbieten. Im November geisterte eine Nachricht durch das Internet, dass ein Politiker vorgeschlagen habe, St. Martin in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest umzubenennen, um die Gefühle muslimischer MitbürgerInnen nicht zu verletzen. "Negerkuss" und "Zigeunerschnitzel" konnte ich ja noch nachvollziehen, aber von der Idee war ich dann doch geschockt. Letztendlich hatte dann wieder irgendwen falsch verstanden, aber wenn man so darüber nachdenkt, ist Bradburys Idee, die er vor fünfzig Jahren hatte, gar nicht so weit hergeholt. Ein bisschen erschreckend ist das schon.
Dystopien haben die letzten Jahre auf dem Buchmarkt geboomt. Ich habe längst nicht alle gelesen. Nach "Brave New World" war ich erst ein bisschen traumatisiert, was Dystopien angeht. Mittlerweile habe ich einige gelesen und habe noch mehr auf meiner Leseliste stehen. In der Uni hatte ich letztes Jahr ein Seminar zu Dystopien und werde mich - wenn ich mal Zeit habe - doch mal an "A Handmaid's Tale" von Margaret Atwood wagen, auch wenn es zu meiner LK-Zeit hieß, das Buch sei furchtbar und wir sollten froh sein, dass wir "Brave New World" lesen mussten. Auch die "The Virgin Suicides" (Jeffrey Eugenides) wirkten im Seminar recht vielversprechend, auch wenn die Dystopie da eher eine innere ist. Und natürlich muss ich mal die Bücher antesten, von denen ich beim Bookfestival gehört habe.