Donnerstag, 19. Dezember 2013

Auf den Spuren der Täufer oder: Die Käfige hängen da immer noch?!



Dieses Semester besuche ich ein Seminar über da Münsteraner Täuferreich. Da durfte eine Exkursion zu deren Wirkungsstätten natürlich nicht fehlen. Deswegen rannte ich am Freitag zur Bahn (weil ich selbstverständlich mal wieder zu spät dran war), um am Bahnhof von Münster von meinem Dozenten in Empfang genommen zu werden. Man stelle sich das ungefähr so vor: 60 Leute irren über den Bahnsteig und suchen ihren Prof. Sehr zu unserem Leidwesen hatte er nämlich kein Schild mit der Aufschrift „Täufer“ dabei. Auch keinen Touristenführer-Regenschirm. Trotzdem schafften wir es, (fast) ohne uns zu verlaufen und ohne von Fahrrädern überrollt zu werden, zum Stadtmuseum zu kommen.

Die Mitarbeiter des Museums schienen von unserer Gruppe leicht überfordert. Es dauerte auch schon ewig, bis wir alle durch die Drehtür gekommen waren. Wir wurden in den Keller geführt, wo wir unsere Jacken und Taschen in „sargähnliche Holzkisten“ (O-Ton Herr L.) ablegen sollten. Etwa die Hälfte der Mädchen stürmte bei der Gelegenheit auch die Toiletten. Man kennt das ja von Israel und Jordanien…
Die Ausstellung zu der Geschichte Münsters steht im ersten Stock. Leider durften wir nicht fotografieren. Das sei nur in der Playmobilausstellung erlaubt, wurde uns gesagt. Die besuchten wir aber nicht. War ja klar.
Der erste Raum des Museums deckt den Zeitraum von der Steinzeit bis zur Karolinger Zeit (8./ 9. Jahrhundert n. Chr.) ab. Dort steht ein Haus aus der Karolinger Zeit. Es hat nur einen Raum und besteht aus Holzbalken und ist mit Reed bedeckt. Herr L. erzählte die Anekdote, dass er mit einer Gruppe Kindergartenkinder im Museum gewesen sei und ihnen gedroht habe, dass wer nicht brav sei, in diesem Haus übernachten müsse. Die Kinder seien daraufhin sofort still gewesen. Eigentlich unverständlich, schließlich wäre das nach Karolinger Verhältnissen ein Fünf Sterne-Hotel gewesen. Die meisten Häuser zu der Zeit waren nämlich Grubenhäuser, was bedeutet, dass ein Loch in den Boden gegraben wurde, über das ein halbhoher Aufbau gebaut wurde.
Das Holzpfahlhausmodell ist einem der großen Bauernhöfe in der Umgebung nachempfunden. Die heutigen Stadtteile Gievenbeck, Kinderhaus und noch ein dritter waren ursprünglich Bauernhöfe, die für die Versorgung Münsters zuständig.
Münster hatte früher andere Namen. Der eine war Monasterium, der andere Mimigernaford. Monasterium ist klar (Kloster), der andere Name bezieht sich auf die Sippe der Mimigerna. Der erste Name nimmt also auf die geistige Familie, der zweite auf die Blutsippe Bezug.

Im zweiten Raum des Museums begegneten wir Liudger, dem ersten Bischof von Münster, der aus dem angelsächsischen Bereich stammte. Der heilige Liudger ist (laut Gotteslob) übrigens auch der zweite Patron des Bistums Essen.
Der erste Dom zu Münster war aus Holz und im Vergleich zu den Grubenhäusern riesig. Unser Dozent verklärte uns den inneren Schauder, den die Menschen beim Anblick des Doms verspürt haben müssen, in dem er die Größenverhältnisse mit einem 80-Stockwerke-Hochhaus neben unserer Uni verglich.
Wir arbeiteten uns durch weitere Räume, die uns dem Leben im mittelalterlichen Münster näher bringen sollten. Die Täufer hatten ein eigenes Münzsystem entwickelt, das für alle Getauften gültig sein sollte. Das hatte einmal einen praktischen Grund, weil im Mittelalter jede Stadt eine eigene Währung hatte und man, wenn man Handel trieb, die Münzen immer erst umtauschen musste. Außerdem schaffte die Täufer-Währung einen Zusammenhalt der Gruppe, ähnlich wie der Euro das in der EU im Idealfall tun sollte.
Es gab zwei liebevoll ausgestattete Modelle: ein Giebelhaus und die Lambertikirche. Die Giebelhäuser waren ursprünglich Lagerhäuser, aber in dem Modell im Museum standen auch kleine Möbel. Ob nun Lager- oder Wohnhaus, das Gebäude ist auf jeden Fall chic und zeigt, dass Münster im 16. Jahrhundert keine arme Stadt war. Herr L. betonte, dass die Täufer Reichtum und Infrastruktur vorfanden, auf die sie zurückgreifen konnten, um ihre Ideen zu verbreiten.
Das Modell von der Lambertikirche hat bei mir den Wunsch geweckt, Playmobil möge die doch auch einmal herstellen (nein, das wird nichts mit der Playmobil-Ausstellung zu tun gehabt habe…). Zusammen mit Daniel und Jan habe ich dann weitere Playmobil-Kollektionen geplant.
Daniel: „Die Playmobil Inquisitions-Edition ist jetzt draußen. Quälen Sie Ungläubige!“
Rut: „Ja, mit einem Playmobil-Scheiterhaufen.“
Jan: „Und die Sonderedition „Ratzinger“. Oh, wir ziehen ihm rote Schuhe an – jetzt ist er Papst!“

Danach wurden wir aber wieder ernst, als wir uns den Ausstellungsraum mit religiösen Bildern ansahen. Die Katholiken nutzen Bilder wie z.B. eine Krippendarstellung, um Kontakt mit den dargestellten Personen (Heiligen) aufzunehmen und mit ihnen zu kommunizieren. Die Lutheraner beschränkten diese Kommunikation auf die Figur Jesu, was nach Ansicht der Täufer aber nur die halbe Sache war. Sie wollten die Kommunikation komplett unterbinden und zerstörten Augen und Hände auf den Gemälden. Die Ergebnisse konnten wir dann im Museum sehen. Das Ziel der Täufer war, den Kirchenraum zu beruhigen, um das Innere der Gläubigen zu beruhigen, denn für sie war die Innenschau das wichtigste.
Ein weiteres ausgestelltes Bild stellte eine Gregorsmesse dar. Die Gregorsmesse ist eine visuelle Verdeutlichung der Realpräsenz. Papst Gregor ist nach der Legende während einer Messe der leidende Jesus erschienen, um zu zeigen, dass er tatsächlich in Brot und Wein gegenwärtig ist. Im Mittelalter ist die Gregorsmesse ein verbreitetes Bildmotiv. Herr L. fügte noch an, dass man davon ausging, dass Jesus sich verberge, wenn der Priester nicht zölibatär lebte. Oder – wie Jan es in einem Merkspruch zusammenfasste: Wenn der Priester nicht mit Frauen swingt, der Jesus aus der Hostie springt.

Der letzte und wichtigste Raum, den wir uns im Museum angesehen habe, war der, der sich direkt mit den Täufern beschäftigt. Magentarote Wände und keine rechter Winkel. Der Raum hebt sich von allen anderen Räumen ab, so wie auch die Täufer alles aus den Angeln gehoben haben. In dem Raum werden Modelle der Käfige und der Folterwerkzeuge ausgestellt. Mittelalterliche Methoden in der frühen Neuzeit, wenn man bedenkt, dass der Körper für die Täufer weniger wichtig war als die Innenschau, wie Herr L. betont. Trotzdem müssen die Qualen unfassbar groß gewesen sein.

Lambertikirche mit Täuferkörben
Das Museum ging noch weiter, aber wir hatten alles für uns Relevante gesehen und gingen wieder in Richtung Ausgang. Wieder durch die Drehtür und dann auf zu unserem nächsten Ziel: dem Dom.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Lambertikirche vorbei und ich, bestens informiert durch diverse Grundschulwandertage, meinte zu Johanna: „Guck mal, da hängen die Käfige!“ Johanna war gelinde gesagt entsetzt. „Wie? Die hängen da immer noch?! Das kann man doch nicht machen! Wie kann man darauf stolz sein?“ Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich kenne die Geschichte der Käfige seit ich neun Jahre alt bin und habe sie vermutlich schon länger da oben hängen sehen. Für mich sind sie ein Stück Geschichte, etwas das übrig geblieben ist und den Menschen heute noch sagt, dass da etwas war und dass etwas passiert ist. Dass jemand sich über die Existenz der Käfige an der Kirche aufregen könnte, war mir bisher völlig fremd. Lustigerweise denkt meine Mutter genauso. Ich habe nach der Exkursion einen Artikel über die Diskussion, ob man die Käfige abhängen sollte, gelesen und meiner Mutter davon erzählt. Sie meinte nur völlig entgeistert: „Wer kommt denn auf so eine Schnapsidee?“

Münsteraner Dom - man sieht die Unterschiede im Stil
Am Dom gekommen sprach Herr L. mit uns zunächst über die Bauart des Doms. Die ältesten Teile, die Turmfenster und das Mittelschiff, stammen aus dem 12., das meiste aber aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Dementsprechend weist der Dom Elemente der Romanik (dicke Lehmwände, aus denen Rundungen ausgeschnitten wurden) und der Gotik (lichtdurchflutet, Wände wurden durch Säulenbau gebaut) auf. Wie wir später im Dom sehen konnten, stammt der Chorraum aus dem 20. Jahrhundert. Er wurde nach den Maßstäben gebaut, die erst später durch das Zweite Vatikanische Konzil festgelegt wurden, z.B. war hier schon vorgesehen, dass der Priester zur Gemeinde schaute anstatt nach Osten. Der Liturgie-Professor der Uni, der beim Bau des Chorraumes beratend zur Seite stand, wusste nämlich schon, worüber beim Konzil gesprochen wurde.
Wir betraten den Dom durch das Paradies, wie man den Vorbau nennt. In den Dreiecksdächern befinden sich Reliquienbalkone und ein richtender Jesus sowie die klugen und törichten Jungenfrauen empfangen den Besucher. Diese räumliche Distanz zum richtigen Eingang der Kirche dient als Mahnung, damit die Gläubigen mit reinem Herzen eintreten.
Das Patrozinium (also die Schutzherrschaft) des Doms ist das des Paulus. Aus diesem Grund liegen Paulus-Reliquien im Dom. Allerdings befinden sich dort auch noch Jesus-Reliquien und Reliquien aller Apostel. Da fragt man sich doch, wo die alle her kommen… Generell wird zwischen Körperteilen und Berührungsreliquien unterschieden. Dass Knochen, von denen man glaubt, dass sie Heiligen gehört haben, als Reliquien gelten, wissen vermutlich die meisten. Bei Jesus-Reliquien ist das mit den Knochen schwierig, weil wir ja glauben, dass er komplett in den Himmel aufgefahren ist, aber es gibt ja auch Körperteile, die nachwachsen (Fingernägel, Haare etc.). Bei den Berührungsreliquien handelt es sich um Gegenstände, die der Heilige entweder schon zu Lebzeiten berührt hat oder die mit den Knochen es Heiligen in Berührung gekommen sind (z.B. das Turiner Grabtuch). Münster hat jedenfalls eine ganze Menge Reliquien, ob sie alle echt sind oder nicht, sei mal dahin gestellt, was die Stadt im Mittelalter sehr attraktiv gemacht hat. Während Menschen heute ihren Wohnort nach Verkehrsanbindung, Schulen oder Grünanlagen wählen, wurde im Mittelalter danach geguckt, welcher Ort die beste Kirche und stärksten Reliquien hatte.
Im Dom konnten wir uns frei bewegen und Johanna und ich stellten fest, dass bei den Kreuzwegstationen ein Mann mit Brille abgebildet ist. Außerdem habe ich ihr die Christophorus-Statue und das Glockenspiel im Chorumgang gezeigt. Es ist nur schade, dass wir sie nicht in Aktion sehen konnten. Ich hätte das gerne mal wieder verfolgt. Kindheitserinnerungen und so.
Herr L. erklärte uns, dass die wichtigsten Orte des Doms nicht unbedingt der Altarraum oder eine der Kapellen war, sondern die Nebengebäude, in denen caritative Arbeit betrieben wurden. Die Armen bekamen dort etwas zu essen, für das sie im Gegenzug kleinere Aufgaben erledigten, wie das Öl in den Lampen nachfüllen.
Außerdem lenkte Herr L. unsere Aufmerksamkeit darauf, dass anstelle des Schlusssteins eine Luke in der Decke eingelassen ist. Einerseits half die beim Feuer löschen, andrerseits konnten durch solche Luken aber auch Heiligenfiguren heruntergelassen werden und an Seilbahnen durch die Kirche fahren gelassen werden. Im Mittelalter gab es viel mehr liturgisches Spiel in den Gottesdiensten. Die Täufer haben damit gebrochen. Die Vorstellung, dass Figuren durch die Kirche gefahren werden, finde ich nach wie vor, sehr interessant und fände es gar nicht mal so schlecht, wenn es das heute immer noch geben würde. Auf diese Weise könnte der Gottesdienst greifbarer werden und mehr Sinne ansprechen. Allerdings würde es dann vielleicht auch auf zu viel Effekthascherei hinauslaufen. Wer weiß, wo wir heute wären, wenn man das mit den Heiligenfiguren durchgezogen hätte. Blinkende Engel, die mit den Flügeln schlagen und mit Computerstimmen sprechen, an der Krippe? Lieber nicht.
Über den Dom zur Zeit der Täufer haben wir gelernt, dass sie ihn in etwa so sahen, wie wir ihn heute sehen. Der Dom war zu der damaligen Zeit eine erstklassige Kathedrale (man denke an die ganzen Reliquien), die dann aber von den Täufern entweiht wurde.

Die letzte offizielle Station war die Lambertikirche, die Kirche der Händler (der Patron ist der heilige Lambert, aber auch der heilige Nikolaus, der für die Kaufleute und Fernfahrer zuständig ist). St. Lamberti war aber auch die Kirche der Täufer. Dort predigte Rothmann, dort wurde die erste Erwachsenentaufe durchgeführt und es war die erste Kirche, in der die Kindstaufe rigoros abgelehnt wurde. Die Theologie der Täufer war auf die Reichen in der Bevölkerung ausgelegt, weswegen sie auch in der Kirche der Kaufleute ihr Zentrum hatten.

In Münster fährt auch der Nikolaus mit dem Rad
Nach dem Besuch in der Lambertikirche stand es uns frei, noch über den Weihnachtsmarkt zu gehen. Herr L. gab uns zum Abschied allen die Hand und dann verlief sich die Gruppe etwas. Johanna, zwei Kommilitoninnen und ich sind zwar auch über den Weihnachtsmarkt gegangen, aber haben uns dabei auch immer schon in Richtung Bahnhof bewegt.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Hin und wieder zurück (Jordanien Tag 10)


Sonst hätte ich ja nicht genug Tolkien-Referenzen


1:50 Uhr
Wir sind jetzt am Flughafen und ich bin wahaaaach! Im Bus habe ich noch vor mich hin gedämmert und war zwischen schlafen und wachen, aber jetzt bin ich wieder putzmunter. Frau G. hat mich vorhin gefragt, ob mein Blog jetzt fertig sei. Na ja, ich kann den Spaß beliebig lange fortführen und alle fünf Minuten aufschreiben, wie langweilig mir ist.

Aber zuerst kann ich noch etwas Richtiges schreiben und über unser Abschiedsessen berichten. Wir waren in einem arabischen Restaurant, das merkwürdigerweise nach Don Quijote benannt war. Al-Andalous Shoes in Petra konnte ich ja noch nachvollziehen, aber ein arabisches Restaurant nach der Hauptfigur eines spanischen Romans, der erst nach der Beendigung der gemeinsamen Geschichte (wenn man Melilla und Ceuta absieht) erschienen ist, benennen? Ich finde das komisch. Aber vielleicht gibt es ja arabische Bezüge im Quijote. Das müsste ich nochmal nachprüfen.
In diesem Restaurant jedenfalls (ich schweife schon ab wie Tristram Shandy) setzten wir uns an Tische, in die eine runde, goldene Platte eingelassen war. Zuerst bekamen wir viele kleine Schalen mit Vorspeisen (Humus in verschiedenen Varianten, Salat, eingelegtes Gemüse) und einen Teller Brot, die auf die goldene Platte gestellt wurden. Die Vorspeisen waren sehr lecker, vor allem das Brot, aber wir fühlten uns etwas gedrängt, weil die Kellner schon mit dem Hauptgericht ankamen. Sie waren sehr bemüht um uns: Sie taten uns Essen auf, reichten Heike Taschentücher, wenn sie nieste, und schälten das Obst, das es zum Nachtisch gab, und machten Muster rein.
Der Hauptgang war eine gemischte Grillplatte mit Pommes und Reis. Im Reis waren noch Mandeln. Das schmeckte auch gut, aber ich hatte schon bei den Vorspeisen einiges gegessen. Aber auch die konnten wir nicht ganz aufessen. Es ging ziemlich viel zurück.
Zum Nachtisch gab es wie gesagt Obst. Ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, sie selber zu schälen. Nach dem Essen haben die meisten sich noch Tee oder eine Wasserpfeife bestellt. Ich saß auch so benebelt auf meinem Platz und wartete, dass wir zum Flughafen fuhren.

Am Flughafen haben wir uns kurz frisch gemacht und etwas umgezogen (in Deutschland wird es ja kalt). Das Einchecken war irgendwie langwierig. Heike, Nadine und ich wollten zusammen sitzen, was den Mitarbeiter am Schalter zu überfordern schien. Jedenfalls dauerte es ewig. Ich weiß nicht, was so schwierig ist drei Leute in einer Reihe zu platzieren. Kann man nicht einfach der Reihe nach die Plätze verteilen? Wobei es dann natürlich blöd ist, wenn in einer Reihe schon zwei Plätze besetzt sind und der nächste dann drei zusammenhängende Plätze will…
Trotzdem hat es gereicht, mich zu nerven. Genauso wie die Leute bei der Passkontrolle und beim Sicherheits-Check. Manchmal wirken sie sehr umständlich.
Bei der Ankunft am Flughafen fiel mir eine Gruppe weiß gekleideter Männer auf. Als ich Klaus danach fragte, sagte er, das seinen Mekka-Pilger.

7:05 Uhr (Istanbul-Zeit, deutsche Zeit: 6:05)
Jetzt sitze ich in Istanbul am Flughafen an unserem Gate. Kaum zu glauben, was für ein Betrieb um halb sieben am Transfer war. Zwischenzeitlich standen ein paar ältere deutsche Damen neben mir, die stark nach Alkohol rochen (jippieh) und nicht verstanden, was gerade passierte („Müssen wir nochmal unser Visum vorzeigen?“). Dass wir nochmal durch einen Sicherheitscheck mussten, fand ich ziemlich lächerlich, weil wir direkt vom Flugzeug kamen, und dass manche Leute nicht in der Lage sind, sich in eine Schlange zu stellen, ist unglaublich.
Jetzt warten wir darauf, boarden zu können. Während ich in Amman am Flughafen noch hellwach war, bin ich im Flugzeug ziemlich schnell eingeschlafen und habe vom Flug an sich fast nichts mitbekommen. Mal sehen, ob ich jetzt schlafe.

13 Uhr
Ich bin wieder in meiner Wohnung angekommen, bin jetzt aber auch zu aufgedreht, um zu schlafen. Im Flugzeug habe ich den Film Dark Shadows gesehen, aber er hat mir nicht besonders gut gefallen. Vielleicht war ich aber auch nicht aufmerksam genug, um die Witze nachzuvollziehen.
Am Flughafen in Deutschland hat sich alles ziemlich schnell aufgelöst. Zum Glück sind wir zu einer Uhrzeit angekommen, zu der ich gut mit dem Nahverkehr nach Hause fahren konnte.


Rückblick (3.11.2013):
Ich habe diesen Blogeintrag nicht nur „Hin und wieder zurück“ genannt, weil ich noch einen Tolkien-Bezug mit reinbringen wollte, oder weil es ein netter Titel für einen Rückkehr-Text ist, sondern auch weil ich – im Rückblick auf die Reise – mir tatsächlich ein wenig wie Bilbo vorgekommen bin.
Vor der Israel-Reise letztes Jahr habe ich in einem Facebook-Status auf die Stelle im Kleinen Hobbit Bezug genommen, in der Bilbo sich ohne Hut und Taschentuch auf den Weg in ein Abenteuer macht. Ich wollte besser ausgerüstet in das Abenteuer Israel gehen und habe das auch wohl getan. Eher wie Sam, der eigentlich alles (außer einem Seil) mitschleppt, als er Frodo nach Mordor begleitet.
Dieses Jahr war ich dann wohl doch Bilbo. Ich hatte den Reiseführer und die Brillenputztücher vergessen, was mir schon am Flughafen einfiel, und meine Taschentücher reichten gerade mal die ersten zwei oder drei Tage. Und wie Bilbo hatte ich manchmal das Gefühl, nicht wirklich für dieses Abenteuer geeignet zu sein. Zwar bin ich nicht verloren gegangen, aber bei den grandiosen Wanderungen hatte ich doch das Gefühl, eher ein Hindernis für die anderen zu sein. Ich musste auch nicht getragen, aber doch zumindest an die Hand genommen werden. Bilbo kann am Ende der Reise auf einige Erfolge zurück blicken. Sei es, dass er die Zwerge aus der Gefangenschaft der Elben aus Düsterwald befreit hat, dass er mit Smaug gesprochen hat, ohne dabei von ihm gefressen zu werden, oder zumindest versucht hat, die Schlacht am Erebor zu verhindern. Ich habe es immerhin geschafft, ohne größere Verletzungen wieder nach Hause zu kommen. Aber wir hatten ja auch keine Quest, die wir lösen mussten. Alles in allem konnte ich mich auf dieser Reise schon gut mit Bilbo identifizieren.

Viele Leute, mit denen ich seit meiner Rückkehr gesprochen habe, sagen mir, dass ich mich bald nur noch an die positiven Erfahrungen dieser Fahrt erinnern werde, aber ich glaube nicht, dass ich das will. Ich möchte die Reise gerne so in Erinnerung behalten, wie ich sie erlebt habe.
Mir hat die Jordanienreise nicht so gut gefallen, wie die Israel-Reise. Das kann an verschiedenen Sachen gelegen haben, aber mit Sicherheit auch an dem Programm. Ich fand, in Israel war das Programm besser gemischt. Es gab „biblische“ und historische Orte. Wir haben herum liegende Steine und wunderbar intakte Gebäude gesehen. Und wir konnten an der jüdischen Kultur live teilnehmen, weil wir Yom Kippur und einen Sabbat erlebt haben und am Ende sogar eine Laubhütte besuchen konnten. Die Mitmach-Komponente war also auch noch dabei.
Ich bereue nicht, mitgefahren zu sein. Das mag ich an manchem Abend mal gedacht haben, aber insgesamt gesehen, ist das nicht der Fall. Schließlich habe ich Petra gesehen und rückblickend war der Tag in Istanbul einer der besten der Reise. Ich kann mich also mit einem lachenden und einem weinenden Auge an diese Reise erinnern.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Der Kreis schließt sich (Jordanien Tag 9)



12:15 Uhr
Heute durften wir etwas länger schlafen. Der Bus fuhr erst um zehn. Sehr schön.
Wir haben heute das Programm gemacht, das ursprünglich für den ersten Tag geplant war. Zuerst stand der Zitadellenhügel auf dem Plan. Heike, Steffi und ich waren mit unserem Referat dran. Allerdings schienen nicht alle Sachen zu stimmen, die ich mir für das Referat angelesen hatte. Zum Herkules-Tempel (drei Säulen und ein Steinbalken) ergänzte Frau G., dass dort zuerst ein anderer Gott verehrt wurde, der dann mit Herkules gleich gesetzt wurde (Kultkontinuität nennt man das). Zum Theater und Odeum sagte Ahmad, dass das Odeum nicht nur für musikalische Darbietungen sondern auch für besondere Gäste war und dass das Theater ursprünglich griechisch war, aber von den Römern wieder aufgebaut wurde. Das, was noch da ist, ist überwiegend römisch, aber es gibt auch ein paar griechische Elemente (Muscheln, Altarstein). Na ja, ich muss ihm ja auch etwas überlassen. Wenn er nichts erzählen könnte, bräuchten wir ihn ja nicht. Ich hätte vielleicht noch ein paar mehr Fehler einbauen sollen. Das wäre vielleicht überhaupt eine ganz gute Idee. Vorher ankündigen, dass man ein paar Lügen im Referat erzählt und die anderen sollen die aufdecken. „Und in diesem Theater fand eine Schüleraufführung von Antigone statt, in der die 13-jährige Kleopatra die Hauptrolle spielte…“ Dann hören sie wenigstens zu. Oder sie schalten erst recht ab.
omayyadische Audienzhalle
Auf dem Zitadellenhügel, auf dem der Herkules-Tempel steht und von wo aus wir auf das Theater herunter blicken konnten, stehen noch die Reste einer byzantinischen Basilika und omayyadischer Bauten (die Wand einer Moschee und eine Audienzhalle). Die Kuppel der Halle wurde von spanischen Spezialisten rekonstruiert, weil die Spanier durch 700 Jahre Al-Andaluz mehr Erfahrung mit den Omayyaden haben als die Jordanier. Das fand ich toll. Durch mein Studium identifiziere ich mich ja mit Spanien.
Außerdem waren wir im archäologischen Museum von Amman. Das ist sehr klein, denn viele Sachen stehen in anderen Museen. Die Mescha-Stele ist nur als Replik zu sehen, weil das Original im Louvre steht. Wir haben ein paar der Statuen aus Ain Ghazal gesehen. Das sind steinzeitliche Statuen aus gebranntem Kalk, die Menschen darstellen. Die Augen sind aus Bitumen (sowas ähnliches wie Teer), sehen aber aus wie mit Edding aufgemalt. Die Statuen zeigen, dass es schon früh (zu Zeiten des Alten Testaments) einen Totenkult gab und dass die Idee, dass nach dem Tod noch etwas ist, keine Idee der Zeit des Neuen Testaments war.
Ansonsten waren in dem Museum Statuenteile und kleinere Gegenstände von der Steinzeit bis zur islamischen Zeit. Die islamische Ecke fand ich am nettesten dargestellt. Dort konnte man auch eine Art Rüstung und Münzen aus verschiedenen Epochen sehen. Auf der Erklärungstafel stand, dass in drei Schritten die christlichen Symbole verdrängt wurden. Ich kriege nicht mehr alle auf die Reihe, aber zuerst wurden die Münzen mit christlichen Symbolen aus dem Verkehr gezogen und arabische Wörter wurden auf Münzen geprägt. Im dritten Schritt kamen dann ganze Koranzitate auf das Geld.

12.55 Uhr
Der nächste Stopp nach dem Zitadellenhügel war nach einer ca. 7-minütigen Busfahrt (bzw. Busstand) das Theater und das Odeum. Frau G. ist in ein, zwei Leuten zu Fuß gegangen und Ahmad erzählte ihr nochmal, was er im Bus gesagt hat.
Ich kann mit Zahlen immer wenig anfangen. Dass 6000 Personen (ihrer Zeit ganz Philadelphia (also Amman), laut Ahmad)  in das Theater passten, fand ich aber schon viel. Als ich dann im Theater stand, stellte ich fest, dass es wirklich riesig war. Das Odeum wirkte im Vergleich dazu nochmal kleiner als es ohnehin schon war.
Im Odeum fragte Frau G. mich, wo denn das Schutzzeichen sei, von dem ich im Referat gesprochen hatte. An der Außenwand sollte ein Zeichen sein, dass die Darsteller vor dem bösen Blick der Zuschauer schützen sollte. Weil ich es nicht wusste, fragte sie Ahmad. Der meinte, der Stein wäre nicht da. Als ich gedanklich schon völlig frustriert die Reiseführer, in denen ich das gelesen hatte, in die Tonne kloppen wollte, sagte Ahmad, die Information wäre schon richtig, nur sei der Stein eben nicht mehr da. Das kann man dann aber auch dazu schreiben! Auch das Kreuz, das im Theater angeblich die Stelle mit der besten Akustik markieren sollte, habe ich nicht gesehen. So ein Mist. Andrerseits haben wir auch vor dem archäologischen Museum zwei Referate über etwas gehört, das gar nicht (mehr) in diesem Museum ist.


15:33 Uhr
Wir sind auf dem Weg zu den Wüstenschlössern. Gerade hatten wir eine Mittagspause, aber ich hatte keinen Hunger.

16:10 Uhr
Huch, da waren wir schon am ersten Wüstenschloss. Es war aber irgendwie nicht das, was ich erwartet hatte. Ich finde „Wüstenschloss“ klingt so toll und irgendwie märchenhaft, aber ein bisschen mehr Wüste und ein bisschen mehr Schloss hätten diesem hier nicht weh getan. (Na ja, das „Schloss“ stand in einer Oase. Geschenkt. Aber die Straße lief direkt daran vorbei. Wie unromantisch.) Da half es auch nicht, dass Lawrence von Arabien mal hier gelebt hat. Ich muss sowieso erst mal rausfinden, wer das nochmal war (und wieso alle den so toll finden). In der letzten Spotlight war ein Text über ihn, aber den habe ich nur überflogen.
Hof des ersten Wüstenschloss (Azraq)
Also, er war ein Brite, der Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Arabischen Revolte gegen die Osmanen beteiligt war. Wenn man dem Spotlight-Artikel trauen darf, hat er sich stark mit der arabischen Bevölkerung identifiziert. Er hat auch zumindest ein Buch geschrieben. Es gibt auch einen Film über ihn mit Peter O’Toole in der Hauptrolle. Aber ob das die Lösung des Rätsels ist? Vielleicht dann doch eher die Ankündigung einer Neuverfilmung mit Robert Pattinson als Lawrence. Na dann wissen immerhin die Twilight-Fans bald, wer Lawrence von Arabien war…
Beim nächsten Wüstenschloss muss ich wohl meine Fantasie ein bisschen spielen lassen, um das zu sehen, was ich unter einem Wüstenschloss erwarte…

17:05 Uhr
Qusayr Amra
Wüstenschloss Nummer 2 traf meine Erwartungen schon eher. Auch ohne Fantasie. Der arabische Name drückt allerdings schon aus, dass Qusayr Amra ein „Schlösschen“ ist (das wurde im Referat gesagt, ich habe noch kein Arabisch gelernt). Ahmad erklärte uns  auch, dass von den 23 Wüstenschlössern nur drei wirkliche Schlösser sind. Voll die Verarsche! Azraq (Wüstenschloss Nummer 1) war eine Festung, dieses hier ist zu klein und Nummer drei ist eine Karawanserei.
 Qusayr Amra war ein kleines Lust- und Jagdschloss, in das sich Adelige zurückzogen um der Jagd und den Frauen zu frönen. Es gibt eine Audienzhalle und ein Bad (mit Lauwarm- und Warmwasserräumen). An den Wänden sind Wandgemälde, die Jagdszenen und halbnackte Menschen beim Baden und Tanzen zeigen. Ahmad betonte nochmal, dass das gegen die Regeln des „echten Islam“ verstieße.

Ich bin irgendwie gerädert. Auf dem Weg zum Mittagessen habe ich geschlafen. Seitdem bin ich nicht richtig fit. Dabei sollte schlafen doch das Gegenteil bewirken. Mein Kopf fühlt sich heiß an. Ich habe mich schon gefragt, ob ich einen Sonnenbrand habe, aber Carina meinte, mein Gesicht wäre nicht besonders rot. Vielleicht habe ich zu wenig getrunken.

18:00 Uhr
Das dritte Wüstenschloss sah zumindest von außen so aus, wie ich mir ein Wüstenschloss vorstelle. Pech nur, dass auch Quasr al-Kharana kein richtiges Schloss war, sondern eine Karawanserei. Es gibt einen Innenhof, und drum herum sind auf zwei Etagen Zimmer. Unten schliefen die Diener und einfachen Händler, oben die Reichen und Aristokraten. Für ein richtiges Wüstenschloss hätten noch ein paar Wandbilder gefehlt, finde ich. Oder Kacheln. Dann hätte man das Ganze noch mit Tüchern und Möbeln einrichten müssen…
Quasr al-Kharana
Schon im ersten Wüstenschloss hat Klaus erzählt, dass die muslimischen Herrscher großes Interesse an Wissenschaften hatten und Bücher sammelten und übersetzten. Viele Schriften der Römer und Griechen (z.B. Aristoteles) kamen so von Bagdad über Nordafrika nach Al-Andaluz und von da weiter nach Europa (vermutlich auch über die Übersetzerschule von Alfonso el Sabio, ja, ich habe bei der spanischen Sprachgeschichte mal aufgepasst). Ohne diese Herrscher wären die Texte verloren gegangen. Und ich wäre um das Latinum herum gekommen…
In der Karawanserei zeigte Ahmad uns einen Raum, in dem die Decke durch gotische Bögen gehalten wurde. Der Bau ist aus dem 7. Jahrhundert also lange vor den gotischen Kirchen in Europa. Allerdings war der Raum nicht besonders hoch. Aber ich kenne mich auch nicht mit dem Bauen aus. Vielleicht wurde die Wand und die Decke zuerst gebaut und dann der Fußboden eingezogen, der die erste von der zweiten Etage trennt. Allerdings finde ich das eher unpraktisch. Ich dachte eben nur, dass gerade die hohen Decken eine Errungenschaft der Gotik gewesen seien und nicht nur die Form der Bögen.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Dromedare und Seeigel (Jordanien Tag 8)



8:38 Uhr
Wir haben gerade an einem Aussichtspunt angehalten, von dem wir noch einmal auf Petra blicken konnten. Wir haben den Berg gesehen, auf dem das Aaronsgrab verortet wird (der Berg auf dem die Gruppe von Frau G. gestern gewandert ist). Mirjams Grab wird in dem Kloster verortet, zu dem die andere Gruppe gewandert ist, weil der Ort, der in der Bibel als ihr Sterbeort genannt wird, mit Petra identifiziert wird und weil man zum Grab von Aaron das von Mirjam noch gut gebrauchen konnte (männlich – weiblich und so).

12:38 Uhr
Wir sind von der Jeep-Tour aus dem Wadi Rum zurück. Das war extrem cool. Wir wurden auf verschiedene Jeeps aufgeteilt und saßen jeweils zu sechst auf einem. Die Jeeps waren offen, hatten aber einen Baldachin, der Schatten spendete.
Die Pillars of Wisdom
Nach der Verteilung ging es ab in die Wüste. Zuerst war es steinig, dann wurde es sandig. Rechts und links von uns erhoben sich ein paar Berge, aber insgesamt konnte man eine weite Fläche überblicken. An einer Düne stiegen wir aus und gingen nach oben. 
Von dort konnten wir noch ein wenig weiter sehen. Tareg hat sein Referat über die Geographie Jordaniens mithilfe einer in den Sand gemalten Karte gehalten.
Danach fuhren wir weiter zu einem Beduinenzelt. Bevor wir aber herein durften, zeigte Ahmad uns ein paar Zeichnungen an einer Felswand. Nicht alle davon sind Originale, aber früher kommunizierten die Karawanen über solche Zeichnungen mit einander. Im Zelt erklärte Ahmad, dass ein Teil des Zeltes offen ist. Dieser Teil ist für Männer und Gäste. Frauen und Kinder unter 13 Jahren blieben in einem abgetrennten und abgeschirmten Bereich des Zelts. In der Mitte des offenen Bereichs gibt es ein Feuer, auf dem (Tee) gekocht wird.
Dromedare
Motorisierte Karawane
Wir bekamen Tee und wer wollte, konnte auf einem Dromedar reiten. Ich habe mich dagegen entschieden, aber ich habe mir einen Schal gekauft. Die Entscheidung war ganz gut, denn als Geburtstagsgeschenk für Frodo fahren wir gerade nach Aqaba, wo wir für 10 Dinar im Roten Meer schwimmen können. Mein erster Impuls war, nicht zu schwimmen, weil ich es doof finde, Geld für den Strand zu bezahlen und keine Lust habe, gleich in meinem Koffer zu graben. Schwimmen war für mich eigentlich abgeschlossen. Aber es wäre ja blöd, ans Meer zu fahren und nicht zu schwimmen. Und vor allem: Wann komme ich schon mal wieder ans Rote Meer?
Nach dem Beduinenzelt hielten wir noch an einem Felsen, in den Bilder von Lawrence von Arabien und Prinz Abdullah gehauen waren, allerdings sind diese Bilder auch keine Originale. An diesen Felsen sammelten wir auch die Dromedarreiter wieder ein. Danach ging es zurück zum Besucherzentrum.
Die Fahrt war wirklich lustig. Alles wackelte und staubte und die Fahrer versuchten sich gegenseitig zu überholen. Ein Fahrer (zum Glück nicht unserer) wirkte kaum älter als zwölf. Der schien ganz besonders viel Spaß zu haben. Weil unser Polizist bei ihm auf dem Beifahrersitz saß, haben wir auch gelästert, dass der Kleine gerade seine Fahrprüfung machte. Zurück am Bus musste ich erst mal meine Schuhe ausleeren, weil so viel Sand darin war.

15:30 Uhr
Schwimmen im Roten Meer war toll. Die zehn Dinare mussten alle zahlen, auch die, die nicht ins Wasser wollten. Für die wurde aber raus gehandelt, dass sie für den Eintrittspreis etwas zu essen bekamen. Ich habe mich für das Schwimmen entschieden.
Es war wunderbar erfrischend und schön, mal wieder richtig im Meer zu schwimmen. Allerdings habe ich mich ziemlich am Rand gehalten, weil die Felsen recht nah an der Wasseroberfläche waren und ich Schiss hatte, dagegen zu kommen und mich zu verletzen. Vermutlich führte deswegen ein Steg ins Wasser. Den habe ich aber ignoriert, weil ich Wasser-technisch durch das Mittelmeer sozialisiert bin und mir dachte, dass ich wegen der kleinen Steinchen am Rand doch nicht über den Steg laufen müsste. Weiter hinten wäre vermutlich mehr Wasser zwischen den Felsen und mir gewesen, aber ich war auch eigentlich ganz glücklich im flachen Wasser mal mit Kristina, mal alleine hin und her zu schwimmen und zu entspannen.
Annikas Schwimmvergnügen endete sehr schnell, weil sie auf einen Seeigel trat. Sie hat auf dieser Fahrt echt Pech. Zuerst hat sie sich das Knie verletzt, dann kam noch der Seeigel dazu! Ab dem Moment haben wir auch alle genau aufgepasst, war unter uns war (gut, ich habe fast nichts gesehen, aber ich habe dann einfach Nicht-den-Boden-berühren gespielt). Carina ging mit Annika an Land und Daniela hat sich um ihren Fuß gekümmert. Carina, Ann-Kathrin und ich (als ich dann irgendwann mal aus dem Wasser kam) haben Annika etwas erzählt, um sie abzulenken, als sich Daniela mit einer Pinzette an Annikas Fuß zu schaffen machen. Annika meinte: „Und meinte Mutter hat gesagt: ‚Komm gesund wieder!‘“ Na ja, streng genommen ist Annika ja auch nicht krank…
Den restlichen Tag werden wir im Bus verbringen und nach Amman fahren. Morgen darf ich mein Referat halten. Meine Vorfreude ist grenzenlos. Ich könnte mir meine Notizen durchlesen, aber ich glaube, ich schreibe erst mal Postkarten.