Donnerstag, 3. Oktober 2013

Hin und wieder zurück (Jordanien Tag 10)


Sonst hätte ich ja nicht genug Tolkien-Referenzen


1:50 Uhr
Wir sind jetzt am Flughafen und ich bin wahaaaach! Im Bus habe ich noch vor mich hin gedämmert und war zwischen schlafen und wachen, aber jetzt bin ich wieder putzmunter. Frau G. hat mich vorhin gefragt, ob mein Blog jetzt fertig sei. Na ja, ich kann den Spaß beliebig lange fortführen und alle fünf Minuten aufschreiben, wie langweilig mir ist.

Aber zuerst kann ich noch etwas Richtiges schreiben und über unser Abschiedsessen berichten. Wir waren in einem arabischen Restaurant, das merkwürdigerweise nach Don Quijote benannt war. Al-Andalous Shoes in Petra konnte ich ja noch nachvollziehen, aber ein arabisches Restaurant nach der Hauptfigur eines spanischen Romans, der erst nach der Beendigung der gemeinsamen Geschichte (wenn man Melilla und Ceuta absieht) erschienen ist, benennen? Ich finde das komisch. Aber vielleicht gibt es ja arabische Bezüge im Quijote. Das müsste ich nochmal nachprüfen.
In diesem Restaurant jedenfalls (ich schweife schon ab wie Tristram Shandy) setzten wir uns an Tische, in die eine runde, goldene Platte eingelassen war. Zuerst bekamen wir viele kleine Schalen mit Vorspeisen (Humus in verschiedenen Varianten, Salat, eingelegtes Gemüse) und einen Teller Brot, die auf die goldene Platte gestellt wurden. Die Vorspeisen waren sehr lecker, vor allem das Brot, aber wir fühlten uns etwas gedrängt, weil die Kellner schon mit dem Hauptgericht ankamen. Sie waren sehr bemüht um uns: Sie taten uns Essen auf, reichten Heike Taschentücher, wenn sie nieste, und schälten das Obst, das es zum Nachtisch gab, und machten Muster rein.
Der Hauptgang war eine gemischte Grillplatte mit Pommes und Reis. Im Reis waren noch Mandeln. Das schmeckte auch gut, aber ich hatte schon bei den Vorspeisen einiges gegessen. Aber auch die konnten wir nicht ganz aufessen. Es ging ziemlich viel zurück.
Zum Nachtisch gab es wie gesagt Obst. Ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, sie selber zu schälen. Nach dem Essen haben die meisten sich noch Tee oder eine Wasserpfeife bestellt. Ich saß auch so benebelt auf meinem Platz und wartete, dass wir zum Flughafen fuhren.

Am Flughafen haben wir uns kurz frisch gemacht und etwas umgezogen (in Deutschland wird es ja kalt). Das Einchecken war irgendwie langwierig. Heike, Nadine und ich wollten zusammen sitzen, was den Mitarbeiter am Schalter zu überfordern schien. Jedenfalls dauerte es ewig. Ich weiß nicht, was so schwierig ist drei Leute in einer Reihe zu platzieren. Kann man nicht einfach der Reihe nach die Plätze verteilen? Wobei es dann natürlich blöd ist, wenn in einer Reihe schon zwei Plätze besetzt sind und der nächste dann drei zusammenhängende Plätze will…
Trotzdem hat es gereicht, mich zu nerven. Genauso wie die Leute bei der Passkontrolle und beim Sicherheits-Check. Manchmal wirken sie sehr umständlich.
Bei der Ankunft am Flughafen fiel mir eine Gruppe weiß gekleideter Männer auf. Als ich Klaus danach fragte, sagte er, das seinen Mekka-Pilger.

7:05 Uhr (Istanbul-Zeit, deutsche Zeit: 6:05)
Jetzt sitze ich in Istanbul am Flughafen an unserem Gate. Kaum zu glauben, was für ein Betrieb um halb sieben am Transfer war. Zwischenzeitlich standen ein paar ältere deutsche Damen neben mir, die stark nach Alkohol rochen (jippieh) und nicht verstanden, was gerade passierte („Müssen wir nochmal unser Visum vorzeigen?“). Dass wir nochmal durch einen Sicherheitscheck mussten, fand ich ziemlich lächerlich, weil wir direkt vom Flugzeug kamen, und dass manche Leute nicht in der Lage sind, sich in eine Schlange zu stellen, ist unglaublich.
Jetzt warten wir darauf, boarden zu können. Während ich in Amman am Flughafen noch hellwach war, bin ich im Flugzeug ziemlich schnell eingeschlafen und habe vom Flug an sich fast nichts mitbekommen. Mal sehen, ob ich jetzt schlafe.

13 Uhr
Ich bin wieder in meiner Wohnung angekommen, bin jetzt aber auch zu aufgedreht, um zu schlafen. Im Flugzeug habe ich den Film Dark Shadows gesehen, aber er hat mir nicht besonders gut gefallen. Vielleicht war ich aber auch nicht aufmerksam genug, um die Witze nachzuvollziehen.
Am Flughafen in Deutschland hat sich alles ziemlich schnell aufgelöst. Zum Glück sind wir zu einer Uhrzeit angekommen, zu der ich gut mit dem Nahverkehr nach Hause fahren konnte.


Rückblick (3.11.2013):
Ich habe diesen Blogeintrag nicht nur „Hin und wieder zurück“ genannt, weil ich noch einen Tolkien-Bezug mit reinbringen wollte, oder weil es ein netter Titel für einen Rückkehr-Text ist, sondern auch weil ich – im Rückblick auf die Reise – mir tatsächlich ein wenig wie Bilbo vorgekommen bin.
Vor der Israel-Reise letztes Jahr habe ich in einem Facebook-Status auf die Stelle im Kleinen Hobbit Bezug genommen, in der Bilbo sich ohne Hut und Taschentuch auf den Weg in ein Abenteuer macht. Ich wollte besser ausgerüstet in das Abenteuer Israel gehen und habe das auch wohl getan. Eher wie Sam, der eigentlich alles (außer einem Seil) mitschleppt, als er Frodo nach Mordor begleitet.
Dieses Jahr war ich dann wohl doch Bilbo. Ich hatte den Reiseführer und die Brillenputztücher vergessen, was mir schon am Flughafen einfiel, und meine Taschentücher reichten gerade mal die ersten zwei oder drei Tage. Und wie Bilbo hatte ich manchmal das Gefühl, nicht wirklich für dieses Abenteuer geeignet zu sein. Zwar bin ich nicht verloren gegangen, aber bei den grandiosen Wanderungen hatte ich doch das Gefühl, eher ein Hindernis für die anderen zu sein. Ich musste auch nicht getragen, aber doch zumindest an die Hand genommen werden. Bilbo kann am Ende der Reise auf einige Erfolge zurück blicken. Sei es, dass er die Zwerge aus der Gefangenschaft der Elben aus Düsterwald befreit hat, dass er mit Smaug gesprochen hat, ohne dabei von ihm gefressen zu werden, oder zumindest versucht hat, die Schlacht am Erebor zu verhindern. Ich habe es immerhin geschafft, ohne größere Verletzungen wieder nach Hause zu kommen. Aber wir hatten ja auch keine Quest, die wir lösen mussten. Alles in allem konnte ich mich auf dieser Reise schon gut mit Bilbo identifizieren.

Viele Leute, mit denen ich seit meiner Rückkehr gesprochen habe, sagen mir, dass ich mich bald nur noch an die positiven Erfahrungen dieser Fahrt erinnern werde, aber ich glaube nicht, dass ich das will. Ich möchte die Reise gerne so in Erinnerung behalten, wie ich sie erlebt habe.
Mir hat die Jordanienreise nicht so gut gefallen, wie die Israel-Reise. Das kann an verschiedenen Sachen gelegen haben, aber mit Sicherheit auch an dem Programm. Ich fand, in Israel war das Programm besser gemischt. Es gab „biblische“ und historische Orte. Wir haben herum liegende Steine und wunderbar intakte Gebäude gesehen. Und wir konnten an der jüdischen Kultur live teilnehmen, weil wir Yom Kippur und einen Sabbat erlebt haben und am Ende sogar eine Laubhütte besuchen konnten. Die Mitmach-Komponente war also auch noch dabei.
Ich bereue nicht, mitgefahren zu sein. Das mag ich an manchem Abend mal gedacht haben, aber insgesamt gesehen, ist das nicht der Fall. Schließlich habe ich Petra gesehen und rückblickend war der Tag in Istanbul einer der besten der Reise. Ich kann mich also mit einem lachenden und einem weinenden Auge an diese Reise erinnern.

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