Sonst hätte ich ja nicht genug Tolkien-Referenzen
1:50 Uhr
Wir sind jetzt am Flughafen
und ich bin wahaaaach! Im Bus habe ich noch vor mich hin gedämmert und war
zwischen schlafen und wachen, aber jetzt bin ich wieder putzmunter. Frau G. hat
mich vorhin gefragt, ob mein Blog jetzt fertig sei. Na ja, ich kann den Spaß
beliebig lange fortführen und alle fünf Minuten aufschreiben, wie langweilig
mir ist.
Aber zuerst kann ich noch
etwas Richtiges schreiben und über unser Abschiedsessen berichten. Wir waren in
einem arabischen Restaurant, das merkwürdigerweise nach Don Quijote benannt
war. Al-Andalous Shoes in Petra konnte ich ja noch nachvollziehen, aber ein
arabisches Restaurant nach der Hauptfigur eines spanischen Romans, der erst
nach der Beendigung der gemeinsamen Geschichte (wenn man Melilla und Ceuta
absieht) erschienen ist, benennen? Ich finde das komisch. Aber vielleicht gibt
es ja arabische Bezüge im Quijote. Das müsste ich nochmal nachprüfen.
In diesem Restaurant
jedenfalls (ich schweife schon ab wie Tristram Shandy) setzten wir uns an
Tische, in die eine runde, goldene Platte eingelassen war. Zuerst bekamen wir
viele kleine Schalen mit Vorspeisen (Humus in verschiedenen Varianten, Salat,
eingelegtes Gemüse) und einen Teller Brot, die auf die goldene Platte gestellt
wurden. Die Vorspeisen waren sehr lecker, vor allem das Brot, aber wir fühlten
uns etwas gedrängt, weil die Kellner schon mit dem Hauptgericht ankamen. Sie
waren sehr bemüht um uns: Sie taten uns Essen auf, reichten Heike
Taschentücher, wenn sie nieste, und schälten das Obst, das es zum Nachtisch
gab, und machten Muster rein.
Der Hauptgang war eine
gemischte Grillplatte mit Pommes und Reis. Im Reis waren noch Mandeln. Das
schmeckte auch gut, aber ich hatte schon bei den Vorspeisen einiges gegessen.
Aber auch die konnten wir nicht ganz aufessen. Es ging ziemlich viel zurück.
Zum Nachtisch gab es wie
gesagt Obst. Ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, sie selber zu schälen.
Nach dem Essen haben die meisten sich noch Tee oder eine Wasserpfeife bestellt.
Ich saß auch so benebelt auf meinem Platz und wartete, dass wir zum Flughafen
fuhren.
Am Flughafen haben wir uns
kurz frisch gemacht und etwas umgezogen (in Deutschland wird es ja kalt). Das
Einchecken war irgendwie langwierig. Heike, Nadine und ich wollten zusammen
sitzen, was den Mitarbeiter am Schalter zu überfordern schien. Jedenfalls
dauerte es ewig. Ich weiß nicht, was so schwierig ist drei Leute in einer Reihe
zu platzieren. Kann man nicht einfach der Reihe nach die Plätze verteilen?
Wobei es dann natürlich blöd ist, wenn in einer Reihe schon zwei Plätze besetzt
sind und der nächste dann drei zusammenhängende Plätze will…
Trotzdem hat es gereicht, mich
zu nerven. Genauso wie die Leute bei der Passkontrolle und beim
Sicherheits-Check. Manchmal wirken sie sehr umständlich.
Bei der Ankunft am Flughafen
fiel mir eine Gruppe weiß gekleideter Männer auf. Als ich Klaus danach fragte,
sagte er, das seinen Mekka-Pilger.
7:05 Uhr (Istanbul-Zeit,
deutsche Zeit: 6:05)
Jetzt sitze ich in Istanbul am
Flughafen an unserem Gate. Kaum zu glauben, was für ein Betrieb um halb sieben
am Transfer war. Zwischenzeitlich standen ein paar ältere deutsche Damen neben
mir, die stark nach Alkohol rochen (jippieh) und nicht verstanden, was gerade
passierte („Müssen wir nochmal unser Visum vorzeigen?“). Dass wir nochmal durch
einen Sicherheitscheck mussten, fand ich ziemlich lächerlich, weil wir direkt
vom Flugzeug kamen, und dass manche Leute nicht in der Lage sind, sich in eine
Schlange zu stellen, ist unglaublich.
Jetzt warten wir darauf,
boarden zu können. Während ich in Amman am Flughafen noch hellwach war, bin ich
im Flugzeug ziemlich schnell eingeschlafen und habe vom Flug an sich fast
nichts mitbekommen. Mal sehen, ob ich jetzt schlafe.
13 Uhr
Ich bin wieder in meiner
Wohnung angekommen, bin jetzt aber auch zu aufgedreht, um zu schlafen. Im
Flugzeug habe ich den Film Dark Shadows gesehen,
aber er hat mir nicht besonders gut gefallen. Vielleicht war ich aber auch
nicht aufmerksam genug, um die Witze nachzuvollziehen.
Am Flughafen in Deutschland
hat sich alles ziemlich schnell aufgelöst. Zum Glück sind wir zu einer Uhrzeit
angekommen, zu der ich gut mit dem Nahverkehr nach Hause fahren konnte.
Rückblick (3.11.2013):
Ich habe diesen Blogeintrag
nicht nur „Hin und wieder zurück“ genannt, weil ich noch einen Tolkien-Bezug
mit reinbringen wollte, oder weil es ein netter Titel für einen Rückkehr-Text
ist, sondern auch weil ich – im Rückblick auf die Reise – mir tatsächlich ein
wenig wie Bilbo vorgekommen bin.
Vor der Israel-Reise letztes
Jahr habe ich in einem Facebook-Status auf die Stelle im Kleinen Hobbit Bezug genommen, in der Bilbo sich ohne Hut und
Taschentuch auf den Weg in ein Abenteuer macht. Ich wollte besser ausgerüstet
in das Abenteuer Israel gehen und habe das auch wohl getan. Eher wie Sam, der eigentlich
alles (außer einem Seil) mitschleppt, als er Frodo nach Mordor begleitet.
Dieses Jahr war ich dann wohl
doch Bilbo. Ich hatte den Reiseführer und die Brillenputztücher vergessen, was
mir schon am Flughafen einfiel, und meine Taschentücher reichten gerade mal die
ersten zwei oder drei Tage. Und wie Bilbo hatte ich manchmal das Gefühl, nicht
wirklich für dieses Abenteuer geeignet zu sein. Zwar bin ich nicht verloren
gegangen, aber bei den grandiosen Wanderungen hatte ich doch das Gefühl, eher
ein Hindernis für die anderen zu sein. Ich musste auch nicht getragen, aber
doch zumindest an die Hand genommen werden. Bilbo kann am Ende der Reise auf
einige Erfolge zurück blicken. Sei es, dass er die Zwerge aus der
Gefangenschaft der Elben aus Düsterwald befreit hat, dass er mit Smaug
gesprochen hat, ohne dabei von ihm gefressen zu werden, oder zumindest versucht
hat, die Schlacht am Erebor zu verhindern. Ich habe es immerhin geschafft, ohne
größere Verletzungen wieder nach Hause zu kommen. Aber wir hatten ja auch keine
Quest, die wir lösen mussten. Alles in allem konnte ich mich auf dieser Reise
schon gut mit Bilbo identifizieren.
Viele Leute, mit denen ich
seit meiner Rückkehr gesprochen habe, sagen mir, dass ich mich bald nur noch an
die positiven Erfahrungen dieser Fahrt erinnern werde, aber ich glaube nicht,
dass ich das will. Ich möchte die Reise gerne so in Erinnerung behalten, wie
ich sie erlebt habe.
Mir hat die Jordanienreise
nicht so gut gefallen, wie die Israel-Reise. Das kann an verschiedenen Sachen
gelegen haben, aber mit Sicherheit auch an dem Programm. Ich fand, in Israel
war das Programm besser gemischt. Es gab „biblische“ und historische Orte. Wir
haben herum liegende Steine und wunderbar intakte Gebäude gesehen. Und wir
konnten an der jüdischen Kultur live teilnehmen, weil wir Yom Kippur und einen
Sabbat erlebt haben und am Ende sogar eine Laubhütte besuchen konnten. Die
Mitmach-Komponente war also auch noch dabei.
Ich bereue nicht, mitgefahren
zu sein. Das mag ich an manchem Abend mal gedacht haben, aber insgesamt
gesehen, ist das nicht der Fall. Schließlich habe ich Petra gesehen und
rückblickend war der Tag in Istanbul einer der besten der Reise. Ich kann mich
also mit einem lachenden und einem weinenden Auge an diese Reise erinnern.
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