12:15 Uhr
Heute durften wir etwas länger
schlafen. Der Bus fuhr erst um zehn. Sehr schön.
Wir haben heute das Programm
gemacht, das ursprünglich für den ersten Tag geplant war. Zuerst stand der
Zitadellenhügel auf dem Plan. Heike, Steffi und ich waren mit unserem Referat
dran. Allerdings schienen nicht alle Sachen zu stimmen, die ich mir für das
Referat angelesen hatte. Zum Herkules-Tempel (drei Säulen und ein Steinbalken)
ergänzte Frau G., dass dort zuerst ein anderer Gott verehrt wurde, der dann mit
Herkules gleich gesetzt wurde (Kultkontinuität nennt man das). Zum Theater und
Odeum sagte Ahmad, dass das Odeum nicht nur für musikalische Darbietungen
sondern auch für besondere Gäste war und dass das Theater ursprünglich
griechisch war, aber von den Römern wieder aufgebaut wurde. Das, was noch da
ist, ist überwiegend römisch, aber es gibt auch ein paar griechische Elemente
(Muscheln, Altarstein). Na ja, ich muss ihm ja auch etwas überlassen. Wenn er
nichts erzählen könnte, bräuchten wir ihn ja nicht. Ich hätte vielleicht noch
ein paar mehr Fehler einbauen sollen. Das wäre vielleicht überhaupt eine ganz
gute Idee. Vorher ankündigen, dass man ein paar Lügen im Referat erzählt und
die anderen sollen die aufdecken. „Und in diesem Theater fand eine
Schüleraufführung von Antigone statt,
in der die 13-jährige Kleopatra die Hauptrolle spielte…“ Dann hören sie
wenigstens zu. Oder sie schalten erst recht ab.
| omayyadische Audienzhalle |
Auf dem Zitadellenhügel, auf
dem der Herkules-Tempel steht und von wo aus wir auf das Theater herunter
blicken konnten, stehen noch die Reste einer byzantinischen Basilika und
omayyadischer Bauten (die Wand einer Moschee und eine Audienzhalle). Die Kuppel
der Halle wurde von spanischen Spezialisten rekonstruiert, weil die Spanier
durch 700 Jahre Al-Andaluz mehr Erfahrung mit den Omayyaden haben als die
Jordanier. Das fand ich toll. Durch mein Studium identifiziere ich mich ja mit
Spanien.
Außerdem waren wir im
archäologischen Museum von Amman. Das ist sehr klein, denn viele Sachen stehen
in anderen Museen. Die Mescha-Stele ist nur als Replik zu sehen, weil das
Original im Louvre steht. Wir haben ein paar der Statuen aus Ain Ghazal
gesehen. Das sind steinzeitliche Statuen aus gebranntem Kalk, die Menschen
darstellen. Die Augen sind aus Bitumen (sowas ähnliches wie Teer), sehen aber
aus wie mit Edding aufgemalt. Die Statuen zeigen, dass es schon früh (zu Zeiten
des Alten Testaments) einen Totenkult gab und dass die Idee, dass nach dem Tod
noch etwas ist, keine Idee der Zeit des Neuen Testaments war.
Ansonsten waren in dem Museum
Statuenteile und kleinere Gegenstände von der Steinzeit bis zur islamischen
Zeit. Die islamische Ecke fand ich am nettesten dargestellt. Dort konnte man
auch eine Art Rüstung und Münzen aus verschiedenen Epochen sehen. Auf der
Erklärungstafel stand, dass in drei Schritten die christlichen Symbole
verdrängt wurden. Ich kriege nicht mehr alle auf die Reihe, aber zuerst wurden
die Münzen mit christlichen Symbolen aus dem Verkehr gezogen und arabische
Wörter wurden auf Münzen geprägt. Im dritten Schritt kamen dann ganze
Koranzitate auf das Geld.
12.55 Uhr
Der nächste Stopp nach dem
Zitadellenhügel war nach einer ca. 7-minütigen Busfahrt (bzw. Busstand) das
Theater und das Odeum. Frau G. ist in ein, zwei Leuten zu Fuß gegangen und
Ahmad erzählte ihr nochmal, was er im Bus gesagt hat.
Ich kann mit Zahlen immer
wenig anfangen. Dass 6000 Personen (ihrer Zeit ganz Philadelphia (also Amman),
laut Ahmad) in das Theater passten, fand
ich aber schon viel. Als ich dann im Theater stand, stellte ich fest, dass es
wirklich riesig war. Das Odeum wirkte im Vergleich dazu nochmal kleiner als es
ohnehin schon war.
Im Odeum fragte Frau G. mich,
wo denn das Schutzzeichen sei, von dem ich im Referat gesprochen hatte. An der
Außenwand sollte ein Zeichen sein, dass die Darsteller vor dem bösen Blick der
Zuschauer schützen sollte. Weil ich es nicht wusste, fragte sie Ahmad. Der meinte, der Stein wäre nicht da. Als ich
gedanklich schon völlig frustriert die Reiseführer, in denen ich das gelesen
hatte, in die Tonne kloppen wollte, sagte Ahmad, die Information wäre schon
richtig, nur sei der Stein eben nicht mehr da. Das kann man dann aber auch dazu
schreiben! Auch das Kreuz, das im Theater angeblich die Stelle mit der besten
Akustik markieren sollte, habe ich nicht gesehen. So ein Mist. Andrerseits
haben wir auch vor dem archäologischen Museum zwei Referate über etwas gehört,
das gar nicht (mehr) in diesem Museum ist.
15:33 Uhr
Wir sind auf dem Weg zu den
Wüstenschlössern. Gerade hatten wir eine Mittagspause, aber ich hatte keinen
Hunger.
16:10 Uhr
Huch, da waren wir schon am
ersten Wüstenschloss. Es war aber irgendwie nicht das, was ich erwartet hatte.
Ich finde „Wüstenschloss“ klingt so toll und irgendwie märchenhaft, aber ein
bisschen mehr Wüste und ein bisschen mehr Schloss hätten diesem hier nicht weh
getan. (Na ja, das „Schloss“ stand in einer Oase. Geschenkt. Aber die Straße
lief direkt daran vorbei. Wie unromantisch.) Da half es auch nicht, dass
Lawrence von Arabien mal hier gelebt hat. Ich muss sowieso erst mal rausfinden,
wer das nochmal war (und wieso alle den so toll finden). In der letzten
Spotlight war ein Text über ihn, aber den habe ich nur überflogen.
| Hof des ersten Wüstenschloss (Azraq) |
Also, er war ein Brite, der Anfang des 20. Jahrhunderts bei der
Arabischen Revolte gegen die Osmanen beteiligt war. Wenn man dem
Spotlight-Artikel trauen darf, hat er sich stark mit der arabischen Bevölkerung
identifiziert. Er hat auch zumindest ein Buch geschrieben. Es gibt auch einen
Film über ihn mit Peter O’Toole in der Hauptrolle. Aber ob das die Lösung des
Rätsels ist? Vielleicht dann doch eher die Ankündigung einer Neuverfilmung mit
Robert Pattinson als Lawrence. Na dann wissen immerhin die Twilight-Fans bald,
wer Lawrence von Arabien war…
Beim nächsten Wüstenschloss
muss ich wohl meine Fantasie ein bisschen spielen lassen, um das zu sehen, was
ich unter einem Wüstenschloss erwarte…
17:05 Uhr
| Qusayr Amra |
Wüstenschloss Nummer 2 traf
meine Erwartungen schon eher. Auch ohne Fantasie. Der arabische Name drückt
allerdings schon aus, dass Qusayr Amra ein „Schlösschen“ ist (das wurde im
Referat gesagt, ich habe noch kein Arabisch gelernt). Ahmad erklärte uns auch, dass von den 23 Wüstenschlössern nur
drei wirkliche Schlösser sind. Voll die Verarsche! Azraq (Wüstenschloss Nummer
1) war eine Festung, dieses hier ist zu klein und Nummer drei ist eine
Karawanserei.
Qusayr Amra war ein kleines
Lust- und Jagdschloss, in das sich Adelige zurückzogen um der Jagd und den
Frauen zu frönen. Es gibt eine Audienzhalle und ein Bad (mit Lauwarm- und
Warmwasserräumen). An den Wänden sind Wandgemälde, die Jagdszenen und
halbnackte Menschen beim Baden und Tanzen zeigen. Ahmad betonte nochmal, dass
das gegen die Regeln des „echten Islam“ verstieße.
Ich bin irgendwie gerädert.
Auf dem Weg zum Mittagessen habe ich geschlafen. Seitdem bin ich nicht richtig
fit. Dabei sollte schlafen doch das Gegenteil bewirken. Mein Kopf fühlt sich
heiß an. Ich habe mich schon gefragt, ob ich einen Sonnenbrand habe, aber
Carina meinte, mein Gesicht wäre nicht besonders rot. Vielleicht habe ich zu
wenig getrunken.
18:00 Uhr
Das dritte Wüstenschloss sah
zumindest von außen so aus, wie ich mir ein Wüstenschloss vorstelle. Pech nur,
dass auch Quasr al-Kharana kein richtiges Schloss war, sondern eine Karawanserei.
Es gibt einen Innenhof, und drum herum sind auf zwei Etagen Zimmer. Unten
schliefen die Diener und einfachen Händler, oben die Reichen und Aristokraten.
Für ein richtiges Wüstenschloss hätten noch ein paar Wandbilder gefehlt, finde
ich. Oder Kacheln. Dann hätte man das Ganze noch mit Tüchern und Möbeln
einrichten müssen…
| Quasr al-Kharana |
Schon im ersten Wüstenschloss
hat Klaus erzählt, dass die muslimischen Herrscher großes Interesse an
Wissenschaften hatten und Bücher sammelten und übersetzten. Viele Schriften der
Römer und Griechen (z.B. Aristoteles) kamen so von Bagdad über Nordafrika nach
Al-Andaluz und von da weiter nach Europa (vermutlich auch über die
Übersetzerschule von Alfonso el Sabio, ja, ich habe bei der spanischen
Sprachgeschichte mal aufgepasst). Ohne diese Herrscher wären die Texte verloren
gegangen. Und ich wäre um das Latinum herum gekommen…
In der Karawanserei zeigte
Ahmad uns einen Raum, in dem die Decke durch gotische Bögen gehalten wurde. Der
Bau ist aus dem 7. Jahrhundert also lange vor den gotischen Kirchen in Europa.
Allerdings war der Raum nicht besonders hoch. Aber ich kenne mich auch nicht
mit dem Bauen aus. Vielleicht wurde die Wand und die Decke zuerst gebaut und
dann der Fußboden eingezogen, der die erste von der zweiten Etage trennt.
Allerdings finde ich das eher unpraktisch. Ich dachte eben nur, dass gerade die
hohen Decken eine Errungenschaft der Gotik gewesen seien und nicht nur die Form
der Bögen.
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