Heute war unsere freier Tag. Eigentlich
hatten wir geplant, den Tag ganz ruhig angehen zu lassen. Im Endeffekt sind wir
aber fast genauso viel gelaufen wie mit der Gruppe und es war nicht unbedingt
weniger anstrengend.
Immerhin haben wir eine Stunde länger
geschlafen als sonst. Nach dem Frühstück sind wir in die Innenstadt gefahren.
Wir haben die Straßenbahn genommen. Ronit hatte uns gestern oder vorgestern
gesagt, dass es uns ja leicht fallen müsste, damit zu fahren, weil wir das auch
Deutschland kennen. Für die Jerusalemer ist das Konzept wohl neu und laut Ronit
wissen sie nicht genau, wie man sie nutzt. Es war auch tatsächlich so, dass
einige Leute überrascht schienen, dass sie aussteigen mussten. Aber ich weiß
nicht, ob das vielleicht einfach nur Schusseligkeit war.
| Felsendom |
Zuerst hat Magdalena die Führung
übernommen. Wir anderen (Miriam, Laura, Heike, Melanie, Johanna und ich) sind
im Gänsemarsch hinterher gelaufen. Unser Plan war eigentlich, zuerst zur
Grabeskirche und dann zum Tempelberg zu gehen. Aber irgendwie sind wir auf den
Basaren versumpft und kamen ins jüdische Viertel Wir haben beschlossen, zum
Tempelberg zu gehen und mussten einige Zeit nach dem Eingang für Nicht-Muslime
suchen. Dann mussten wir noch eine halbe Stunde warten, bis wir rein durften.
Ich hatte vorher keine konkreten
Vorstellungen vom Tempelberg, aber das, was ich gesehen habe, hätte ich nicht
erwartet: Zwischen dem Felsendom und der Al Aksa-Moschee erstreckt sich ein
riesiger Platz. Einige Kinder spielten Fußball. Es gibt schattige Plätze unter
Bäumen, wo Gruppen saßen und redeten, und einen Springbrunnen, an dem die
Gläubigen sich waschen können. Zum Felsendom kommt man über ein paar Stufen.
Auch der Felsendom ist von einem riesigen Platz umgeben. Wahnsinn. Aber in die
Gebäude durften wir nicht rein. Das ist nur Muslimen erlaubt. Es mussten auch
alle nicht-muslimischen Symbole am Eingang abgegeben werden.
In der Altstadt haben wir heute mehrere
Bar Mitzwa-Feiern gesehen. Bei der ersten Gruppen waren wir noch überrascht von
der Prozession mit Baldachin, unter dem der Junge lief. Er wurde von Trommeln
und teilweise auch Oboen begleitet. Das Schofar wurde auch geblasen. Das war
sehr interessant anzusehen. Weil wir nicht wussten, was es war, habe ich eine
Frau gefragt, die es mir dann gesagt hat.
Von der großen Anzahl der Feiern (wir
haben während wir am Tempelberg gewartet haben, gleich zwei oder drei gesehen)
war ich etwas überrascht und habe am nächsten Tag Ronit gefragt, die mir gesagt
hat, dass Bar Mitzwa-Feiern immer montags und donnerstags seien, weil früher an
den Tagen immer Markt war und dann aus der Tora gelesen wurde.
Außerdem haben wir sehr viele Soldaten
gesehen. Frau G. hatte mir vor Beginn der Reise gesagt, ich würde mich an den
Anblick von Soldatinnen in meinem Alter gewöhnen müssen, die mit
Maschinengewehren durch die Gegend laufen. Bis gestern hatte ich eher ältere
Soldaten gesehen und auch nicht so viele, aber heute schien irgendwie eine Art
Versammlung zu sein. Und da wirkten sie wirklich eher wie eine Schulklasse als
Soldaten. Am Ausgang des Tempelbergs stand ein Junge, der aussah wie 15. Ich
nehme aber an, dass er älter war. Allerdings verstehe ich Frau G.s Warnung nicht: Soldaten, die so alt sind wie
ich, gibt es in Deutschland ja auch (so jung bin ich ja nicht mehr). Aber in
einem Punkt hatte sie recht: Die ständige Präsenz von teilweise sehr jungen
Soldaten ist schon etwas verstörend. Es sind auch überall Überwachungskameras.
Bisher ist während unseren Aufenthaltes nichts passiert (und ich hoffe, dass es
so bleibt), aber die Kameras und die Soldaten zeigen doch, dass etwas passieren
könnte bzw. dass die Regierung vorbereitet sein möchte, wenn etwas passiert.
Und traurig, dass es die jungen Leute sind, die so früh eine so große
Verantwortung übernehmen müssen.
Wir haben heute aber nicht nur
Kulturprogramm gemacht, sondern waren auch shoppen. Auf dem Basar haben Heike,
Johanna und ich uns Ketten mit unserem Namen auf Hebräisch machen lassen. Melanie
hat es geschafft, den Preis von 150 auf 100 Schekel zu drücken. Wir haben auch
ganz genau hingeguckt, ob die Buchstaben richtig waren und Heike hat gedroht,
wieder zu kommen, sollte etwas nicht stimmen. :-D
Ich hatte mir vorher schon eine Kette mit
meinem Namen gekauft, bei der die Buchstaben auf Holzperlen sind, aber da geht
die Farbe schon fast ab. Wir waren aber nicht nur auf dem Souk (arabisch)
sondern auch auf dem Shuk (israelischer Markt). Es gab Lebensmittel und
Gewürze, aber auch viele andere Dinge. Ich habe da eine Kippa, eine Art Nugat und eine Kette gekauft. Aber irgendwann
taten mir die Füße weh und ich war froh, als wir zurück ins Hotel gefahren
sind.
| Gewürzstand auf dem Souk |
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