Donnerstag, 27. September 2012

Freiwillig bis zum Umfallen laufen (Israel Tag 8)



Heute war unsere freier Tag. Eigentlich hatten wir geplant, den Tag ganz ruhig angehen zu lassen. Im Endeffekt sind wir aber fast genauso viel gelaufen wie mit der Gruppe und es war nicht unbedingt weniger anstrengend.
Immerhin haben wir eine Stunde länger geschlafen als sonst. Nach dem Frühstück sind wir in die Innenstadt gefahren. Wir haben die Straßenbahn genommen. Ronit hatte uns gestern oder vorgestern gesagt, dass es uns ja leicht fallen müsste, damit zu fahren, weil wir das auch Deutschland kennen. Für die Jerusalemer ist das Konzept wohl neu und laut Ronit wissen sie nicht genau, wie man sie nutzt. Es war auch tatsächlich so, dass einige Leute überrascht schienen, dass sie aussteigen mussten. Aber ich weiß nicht, ob das vielleicht einfach nur Schusseligkeit war.
Felsendom
Zuerst hat Magdalena die Führung übernommen. Wir anderen (Miriam, Laura, Heike, Melanie, Johanna und ich) sind im Gänsemarsch hinterher gelaufen. Unser Plan war eigentlich, zuerst zur Grabeskirche und dann zum Tempelberg zu gehen. Aber irgendwie sind wir auf den Basaren versumpft und kamen ins jüdische Viertel Wir haben beschlossen, zum Tempelberg zu gehen und mussten einige Zeit nach dem Eingang für Nicht-Muslime suchen. Dann mussten wir noch eine halbe Stunde warten, bis wir rein durften.
Ich hatte vorher keine konkreten Vorstellungen vom Tempelberg, aber das, was ich gesehen habe, hätte ich nicht erwartet: Zwischen dem Felsendom und der Al Aksa-Moschee erstreckt sich ein riesiger Platz. Einige Kinder spielten Fußball. Es gibt schattige Plätze unter Bäumen, wo Gruppen saßen und redeten, und einen Springbrunnen, an dem die Gläubigen sich waschen können. Zum Felsendom kommt man über ein paar Stufen. Auch der Felsendom ist von einem riesigen Platz umgeben. Wahnsinn. Aber in die Gebäude durften wir nicht rein. Das ist nur Muslimen erlaubt. Es mussten auch alle nicht-muslimischen Symbole am Eingang abgegeben werden.

In der Altstadt haben wir heute mehrere Bar Mitzwa-Feiern gesehen. Bei der ersten Gruppen waren wir noch überrascht von der Prozession mit Baldachin, unter dem der Junge lief. Er wurde von Trommeln und teilweise auch Oboen begleitet. Das Schofar wurde auch geblasen. Das war sehr interessant anzusehen. Weil wir nicht wussten, was es war, habe ich eine Frau gefragt, die es mir dann gesagt hat. 
Von der großen Anzahl der Feiern (wir haben während wir am Tempelberg gewartet haben, gleich zwei oder drei gesehen) war ich etwas überrascht und habe am nächsten Tag Ronit gefragt, die mir gesagt hat, dass Bar Mitzwa-Feiern immer montags und donnerstags seien, weil früher an den Tagen immer Markt war und dann aus der Tora gelesen wurde.
           
Außerdem haben wir sehr viele Soldaten gesehen. Frau G. hatte mir vor Beginn der Reise gesagt, ich würde mich an den Anblick von Soldatinnen in meinem Alter gewöhnen müssen, die mit Maschinengewehren durch die Gegend laufen. Bis gestern hatte ich eher ältere Soldaten gesehen und auch nicht so viele, aber heute schien irgendwie eine Art Versammlung zu sein. Und da wirkten sie wirklich eher wie eine Schulklasse als Soldaten. Am Ausgang des Tempelbergs stand ein Junge, der aussah wie 15. Ich nehme aber an, dass er älter war. Allerdings verstehe ich Frau G.s  Warnung nicht: Soldaten, die so alt sind wie ich, gibt es in Deutschland ja auch (so jung bin ich ja nicht mehr). Aber in einem Punkt hatte sie recht: Die ständige Präsenz von teilweise sehr jungen Soldaten ist schon etwas verstörend. Es sind auch überall Überwachungskameras. Bisher ist während unseren Aufenthaltes nichts passiert (und ich hoffe, dass es so bleibt), aber die Kameras und die Soldaten zeigen doch, dass etwas passieren könnte bzw. dass die Regierung vorbereitet sein möchte, wenn etwas passiert. Und traurig, dass es die jungen Leute sind, die so früh eine so große Verantwortung übernehmen müssen.

Wir haben heute aber nicht nur Kulturprogramm gemacht, sondern waren auch shoppen. Auf dem Basar haben Heike, Johanna und ich uns Ketten mit unserem Namen auf Hebräisch machen lassen. Melanie hat es geschafft, den Preis von 150 auf 100 Schekel zu drücken. Wir haben auch ganz genau hingeguckt, ob die Buchstaben richtig waren und Heike hat gedroht, wieder zu kommen, sollte etwas nicht stimmen. :-D
Ich hatte mir vorher schon eine Kette mit meinem Namen gekauft, bei der die Buchstaben auf Holzperlen sind, aber da geht die Farbe schon fast ab. Wir waren aber nicht nur auf dem Souk (arabisch) sondern auch auf dem Shuk (israelischer Markt). Es gab Lebensmittel und Gewürze, aber auch viele andere Dinge. Ich habe da eine Kippa, eine Art Nugat und eine Kette gekauft. Aber irgendwann taten mir die Füße weh und ich war froh, als wir zurück ins Hotel gefahren sind.
Gewürzstand auf dem Souk

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