Weil
heute Yom Kippur war, hatten wir keinen Bus und mussten zu Fuß durch die Stadt
laufen (unpraktisch zum Tagebuch schreiben). Leider liegt unser Hotel etwas
außerhalb. Auf dem Weg hat uns Ronit auf wichtige Gebäude aufmerksam gemacht,
aber ich war heute nicht so ganz auf der Höhe und habe nicht richtig
mitgekriegt, worum es ging. Es war irgendwas mit Einwanderern aus verschiedenen
Ländern, die jetzt eine Art internationale Nachbarschaft bilden.
Durch
das Löwentor (bzw. Stephanstor wie Frau G. meinte – vermutlich weil wir einen
Stefan in der Gruppe haben) haben wir die Altstadt betreten und sind zur St.
Anna Kirche und Bethesda gegangen. Im Teich von Bethesda waren im
Johannesevangelium Menschen geheilt. Jesus heilt einen Mann, der da schon ewig
wartet und nie in den Teich kommt. Zur byzantinischen Zeit stand da eine Kirche
von der heute nur noch ein paar Steine
übrige sind. Die Kreuzfahrer bauten die St. Anna Kirche (nach Marias Mutter
benannt). Diese Kirche ist noch gut erhalten, weil sie zwischenzeitlich als
Moschee genutzt wurde. Über der Tür steht noch die arabische Inschrift.
Die
Kirche soll eine außergewöhnlich gute Akustik haben. Davon verstehe ich nichts,
aber wir als Gruppe haben zusammen ein Halleluja gesungen, bzw. den Refrain und
eine Strophe, bei der wir mindestens zwei Strophen gemischt haben. Das ist ja
egal, aber wir haben bei Beginn der Fahrt doch extra ein Liederheft bekommen
und haben das bisher nur einmal (beim Gottesdienst) verwendet…
Vor
der Kirche haben wir einen Priester getroffen, der uns gerne singen gehört
hätte (puh, Glück gehabt). Er konnte kaum glauben, dass wir von der Uni sind
und meinte, wir sähen so nach Primary School aus. :-D Der war süß. Er meinte auch,
wir sollten ihm Bescheid sagen, wenn wir ein Wunder sähen. Einige sahen wohl
etwas verwirrt aus, woraufhin er ein „I’m only joking“ hinterher schob.
In
Bethesda haben wir auch zur Abwechslung mal wieder ein Referat gehört, das für
etwas Erheiterung sorgte, weil eine aus der Gruppe verstanden hatte, dass Jesus
ein Lama anstelle einen Lahmen heilt.
Als
nächstes sind wir zur Via Dolorosa gegangen. Das ist der Kreuzweg durch
Jerusalem, der angeblich dem „echten“ Weg entspricht. Historisch haltbar sind
wohl die Verurteilung (die Station ist da, wo die Antonia-Festung von Herodes
stand – dort wurden Urteile aller Art gefällt) und die Kreuzigung (zu Zeiten
Jesu war der Hügel außerhalb der Stadt, da wurden Verbrecher gekreuzigt).
Die
Verurteilung Jesu wird in einer Kirche der Franziskaner dargestellt. In die Kirche der ersten Station sind wir aber nicht gekommen,
dafür aber zur zweiten Station, im gleichen Kloster.
In
der Nähe des Franziskanerklosters steht der Ecce Homo-Bogen. Der ist
interessant, weil er nur halb ist, so als wäre die Straße zu schmal: Also der
Bogen ist nicht symmetrisch und die eine Seite ist nicht abgerundet. Da ist
auch die Ecce Homo-Basilika. Wenn ich mich richtig erinnere (heute war echt
nicht mein Tag) war darunter auch ein Teil der Antonia-Festung. Wir sind durch
ein paar unterirdische Gänge gegangen und waren an einer Stelle, an der man
Ritzereien im Boden sehen konnte. Aus dem Bild schließen Forscher, dass die
römischen Soldaten unter Hadrian öfter mal Spiele à la Jesus gespielt haben.
Also einen Sklaven reingeholt, mit Dornenkrone und Mantel ausgestattet und ihn
dann umgebracht. Da hatte wohl jemand seine Soldaten nicht unter Kontrolle und
die Soldaten hatten zu viel Zeit… Ich habe aus den Linien auf dem Boden
übrigens nichts erkennen können.
| Souvenirs auf der Via Dolorosa |
Auf
dem Weg der Via Dolorosa liegt das österreichische Hospiz. Dort sind wir aufs
Dach gestiegen, von wo man einen wunderbaren Blick über die Stadt hat. Dort
haben wir auch das Referat zum Islam gehört. Frau G. kündete „die drei
Referentinnen“ an und machte Freddy damit kurzerhand zur Frau.
In
dem Hospiz haben wir auch Mittagspause gemacht. Ich habe einen Apfelstrudel
gegessen, aber der war nicht so gut. Ich hätte misstrauisch werden sollen, als
sie den in die Mikrowelle gesteckt haben.
Nach
der Pause ging es weiter auf der Via Dolorosa Richtung Grabeskirche. Teilweise
verläuft der Weg über einen Basar. So viel zu Besinnlichkeit. Lustig wird das
wohl dann, wenn die Kreuzprozession der Franziskaner da durch geht.
| Grabeskirche von außen |
Die
Grabeskirche ist ein Irrgarten aus verschiedenen Kapellen und beherbergt sechs
Konfessionen (römisch-katholisch, griechisch-orthodox, koptisch, armenisch,
äthiopisch und die sechste habe ich vergessen). Die äthiopischen Christen
wohnen sogar auf dem Dach! Allerdings hat mir die Grabeskirche nicht gefallen.
Einerseits liegt es daran, dass so viele Menschen da waren, aber es ist auch
so, dass ich, je länger ich hier bin, merke, dass ich keine Verortung der
biblischen Geschehnisse braucht. Ich finde es zwar interessant, aber es bringt
mich in meinem Glauben nicht weiter, zu wissen, wo das Kreuz von Jesus
gestanden habt bzw. gestanden haben soll, oder den Salbungsstein abzuwischen.
Außerdem ist die
Grabeskirche überwiegend griechisch-orthodox und diese Kirchen sind mir einfach
zu überladen, vielleicht weil ich es nicht gewöhnt bin.
Auf
der Treppe neben der Grabeskirche haben wir ein Gruppenfoto gemacht. Es war
sehr lustig. Auf der Treppe saß ein Mann, der den Platz einfach nicht verlassen
wollte, weil er ihn freihalten würde. Jetzt ist er auf dem Foto mit drauf. :-D
Unsere Gruppe – überwiegend in weiß – und dann ist da so ein uralter Typ in
blau, der ein bisschen misstrauisch guckt. :-D
Im
Anschluss sind wir zum Zionsberg gelaufen. Auf dem Weg dahin sind wir auch in den Vorhof einer armenischen Kirche gelaufen. Um den Hof herum waren Wohnhäuser und auf einmal kam ein kleines Mädchen, vielleicht zwei, drei Jahre auf den Balkon gelaufen, winkte uns und rief Hallo. Dann kam die Mutter (oder Oma?) der Kleinen dazu und wollte sie wieder mit rein nehmen. Das Kind hat uns allen noch mal gewunken und Kusshände zugeworfen, bevor sie wieder reingetragen wurde. Die war so süß!
Auf dem Zionsberg ist das Davidsgrab verortet
(es
gibt auch eine Davidsstatue), sowie das letzte Abendmahl (und Pfingsten), aber
den Abendmahlsaal haben wir nicht gesehen. Von dem Berg aus sind wir dann in
die Dormitio-Kirche gegangen. Die Kirche an sich fand ich nicht so
beeindruckend, aber die Krypta darunter schon. Sie steht für den Ort, an dem
Maria gestorben ist. Mitten in der Krypta steht eine Art Statue von einer
liegenden Frau. Darüber ist eine Kuppel, in der wichtige Frauen aus dem Alten
Testament abgebildet sind: Eva, Mirjam, Esther, Rut, Judith, Jael.
Ich
habe ein bisschen das Gefühl, dass mich das Studium und die Israelfahrt meiner
Namensgeberin näher bringen, was ich sehr schön finde. Früher war es eher so
ein gleichgültiges Gefühl. Mamas Begeisterung war ansteckend, aber eher in dem
Sinne, dass ich die biblische Figur gut fand, weil Mama das auch tat.
Inzwischen weiß ich die Figur Rut aber mehr zu schätzen.
Abgesehen
von der Kuppel gab es rings um die Wände Mariendarstellungen aus verschiedenen
Ländern (z.B. La Virgen de Guadalupe). Ähnlich wie in Nazareth.
Zum
Schluss des Tages waren wir an der Klagemauer, die man – wie ich heute gelernt
habe – lieber Westmauer nennen sollte, weil Klagemauer eine anti-jüdische
Konnotation hat (--> Die Juden klagen, weil sie sich nicht rechtzeitig zu Jesus
bekannt haben oder so ähnlich). Das Ende von Yom Kippur wurde durch das Blasen
des Schofar verkündet.
Danach
sind wir mit Taxen zurück zum Hotel gefahren. Weil Feiertag war, waren die
Preise doppelt so hoch wie sonst, aber wir wollten nicht laufen. Die Fahrt war
recht abenteuerlich: Teilweise Tempo über 100 km/h und mit 80 durch die Kurven.
Wir waren auch fast nur Mädels im Taxi und haben ziemlich viel gegiggelt. Der
Taxifahrer schien seinen Spaß zu haben.
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