Samstag, 28. September 2013

Steine, die die Welt bedeuten (Jordanien Tag 5)


8:10 Uhr
„Manche Leute stehen saufrüh auf/ und dann klettern sie nen Berg hinauf.“ Dieses Lied von den Wise Guys („Der Berg ruft“) passt zu dem Tag heute vermutlich ganz gut, denn wir sind heute wieder (zu) früh aufgestanden und als erstes steht der Berg Nebo auf dem Plan. Ich weiß allerdings nicht, ob wir hochlaufen, aber ich hoffe, dass wir ein Stück mit dem Bus machen. Von gestern habe ich nämlich total Muskelkater. Außerdem konnte ich diese Nacht nicht gut schlafen, weil meine Einschlafposition nicht möglich war, weil meine Knie und Ellenbogen unter Druck schmerzen.
Die letzte Reihe im Bus läuft wie schon in Israel gerade zu gesanglichen Hochleistungen auf. Der ganze Bus wackelt. Von „Der Hahn ist tot“ (auf allen Sprachen – sogar Latein) bis zu „Vater Abraham“ ist alles dabei. Ich warte immer noch auf die „Weihnachtsbäckerei“. Unter den anderen kam schon die Vermutung auf, dass die Jungs doch das Leitungswasser getrunken haben, was wir eigentlich nicht tun sollen, und dass das jetzt die Folgen sind.

Jetzt spricht Ahmad gerade von der Arbeitslosigkeit in Jordanien. Die wirkliche Zahl übersteigt die offizielle, aber es gibt auch keine staatliche Hilfe. Wenn jemand arbeitslos wird, muss die Familie ihn auffangen (wenn die das nicht kann, ist es die Moschee/ Glaubensgemeinschaft). Die Frauen sprechen miteinander, wenn sie Geld brauchen. Das Problem wird dann an die Ehemänner/ Brüder weitergeleitet, die dann die Angelegenheit regeln.
Außerdem hat Ahmad uns die Farben der jordanischen Männerkopftücher erklärt. Die rot-weißen werden von Beduinen getragen. Die schwarz-weißen waren ursprünglich die der Bauern, haben aber seit Arafat eine politische Bedeutung (Palästinenser). Dann gibt es noch weiße Kopftücher, die von den Sunniten oder der Stadtbevölkerung getragen werden.

9:42 Uhr
Der Besuch auf dem Berg Nebo war zum Glück keine Bergwanderung. Wir sind mit dem Bus ziemlich weit gekommen und der Rest des Weges war befestigt und nicht steil. Zuerst kamen wir an einem weißen Stein in Gedenken an Moses, der in der Bibel vom Nebo aus ins gelobte Land blicken darf, dann aber stirbt. Ein Grab wurde dort aber nicht gefunden, obwohl man danach gesucht hat.
Memorial of Moses
Eigentlich hätte ich mir denken können, dass der Nebo nicht mehr in seinem natürlichen Zustand existiert. Die Stelle, an der Moses gestorben ist/ sein soll, muss Gläubige der drei monotheistischen Religionen anziehen und nicht nur eine Horde wild gewordener Theologiestudenten. Schon im 4. Jahrhundert wurde eine christliche Kirche auf diesem Berg gebaut. Der Schwerpunkt des Referats, das wir auf dem Nebo hörten, lag aber auf einem Mosaik aus dem 6. Jahrhundert, das wir allerdings nur als Abbildung sehen konnten, weil Bauarbeiten auf dem Berg stattfanden. Das Mosaik hat vier Reihen übereinander. In der ersten sieht man Menschen, die gegen einen Löwen kämpfen, in der zweiten sind Jäger auf Pferden zu sehen, dann kommen Menschen unter Palmen und den Schluss bilden Menschen unterschiedlicher Hautfarben mit einem Dromedar und einem Zebra. Ahmad ergänzte zum Referat, dass dieses Mosaik die Zeitalter der Sammler, Jäger, Bauern und Karawanen symbolisiert.

Der Blick vom Nebo
Nach dem Referat durften wir auch nach Israel herüber schauen. Nach 40 Jahren in der Wüste muss der grüne Fleck um Jericho wirklich wie das Paradies aussehen (vermutlich schon nach einer Woche Wüste). Viel Zeit zum Gucken oder Fotografieren hatten wir aber nicht. Wir haben eine weitere Namensrunde gemacht und den beiden Geburtstagskindern ein Ständchen gesungen (alle drei Strophen von „Heute kann es regnen, stürmen oder schnein“). Immerhin haben wir es geschafft, ein Gruppenfoto zu machen.



10:30 Uhr
Nach dem Nebo sind wir in die griechisch-orthodoxe Georgskirche in Madaba. In dieser Kirche gibt es ein Mosaik, das eine Landkarte von Ägypten, Israel, Jordanien und dem Libanon zeigt. Wichtige Städte sind dargestellt. Von Jerusalem ist der Cardo zu sehen, darüber und darunter sind Häuser abgebildet, auch die Grabeskirche. Ich meine, wir hätten eine Abbildung dieses Mosaik-Teils auch in Jerusalem gesehen.
Jedenfalls war es mal schön, eine Kirche zu sehen, die noch ein Dach hatte und auch sonst so ziemlich ganz aussah. Und es war mal eine orthodoxe Kirche, die mir ganz gut gefallen hat. Sie war zwar immer noch sehr bunt, aber nicht so Gold-überladen wie die anderen orthodoxen Kirchen, die ich bisher gesehen habe.
Vor der Kirche wurden wir noch von dem Verkäufer aus dem Souvenirladen angesprochen, ob wir seine Euro-Münzen in Scheine umtauschen könnten. Ich habe erst nicht verstanden, was er wollte und habe auch nicht getauscht, was aber auch daran lag, dass ich nur zwei kleine Scheine hatte und die gerne aufheben wollte. Zwei andere aus der Gruppe haben aber getauscht. Viele Jordanier nehmen Euro an, müssen das aber eben umtauschen und Münzen können sie nicht tauschen. Deswegen werden an manchen Stellen nur Euro-Scheine angenommen.

Wieder im Bus hat Ahmad uns etwas über jordanische Hochzeiten erzählt. Es gibt Ehen, in denen die Partner sich von alleine gefunden haben, und es gibt arrangierte Ehen. Bei letzterem spricht der Mann, der gerne heiraten würde, mit seiner Mutter, die wiederum mit dem Vater redet. Der muss sein Einverständnis geben, damit der Sohn heiraten kann.
Ist die Zustimmung vorhanden, setzt sich die Mutter mit weiblichen Verwandten zusammen und bildet eine Art Auswahlkomitee. Sie setzen eine Liste mit Familien auf und besuchen diese nach und nach. Die Kandidatin muss kleinere Aufgaben lösen, z.B. etwas lesen oder mit dem Kind spielen, das eine der Frauen dabei hat (ein Kind muss in dieser „Jury“ dabei sein), oder dem Kind etwas zu essen kochen. Außerdem kann das Kind als Alibi genutzt werden, um die Sauberkeit der Wohnung zu überprüfen (in dem die Mutter sich zum Wickeln zurückzieht). Es gibt einen Kriterienkatalog, anhand dessen die Frauen die Kandidatinnen bewerten und die Liste der potenziellen Bräute verkleinern.
Erst dann kommt der heiratswillige Mann wieder ins Spiel. Er besucht die ausgewählten Familien, aber keineswegs alleine. Beim ersten Mal sind alle anwesend, es wird Tee getrunken und der Mann darf nicht mit der Frau reden. Wenn er will, kann er sich ein zweites Mal mit ihr treffen und dann auch mit ihr reden, aber nur unter Aufsicht der Schwiegermutter in spe und für begrenzte Zeit. Bei einem dritten Treffen (wenn gewünscht) ist ein Kind zwischen acht und dreizehn als Aufpasser dabei.
Nach dem dritten Treffen muss der Mann sich entscheiden, ob er diese Frau heiraten möchte. Die Entscheidung teilt er wieder seiner Mutter mit, die sich um den Rest kümmert. Die Auserwählt darf den Mann ablehnen, aber er darf noch zwei weitere Male nachfragen, je im Abstand von drei Monaten. Wenn die Frau beim dritten Mal immer noch nein sagt, ist das dann aber endgültig.
Wenn die Frau ja sagt, schließen die Väter einen Ehevertrag und es wird schnell die Verlobung gefeiert. Die Zeit der Verlobung dauert meist um die drei Monate, in denen der Mann und die Frau sich nur unter Bewachung eines Kindes treffen dürfen. Es gibt aber auch Tricks, den Aufpasser auszutricksen (z.B. beim Kinobesuch eine Karte für einen anderen Saal für das Kind kaufen).
Zehn Tage vor der Hochzeit kann die Braut es sich nochmal anders überlegen, danach aber nicht mehr. Die Familie des Bräutigams muss die Hochzeitsfeier bezahlen. Die dauert zwei Tage und kann bis zu 10.000 Dinare kosten.


12:17 Uhr
Wir kommen gerade von einer Ausgrabung in Umm Al Rasas. Im 6. oder 7. Jahrhundert wurden da mehrere Kirchen mit Mosaiken (heute scheint Mosaik-Tag zu sein) gebaut. Es steht dort auch noch eine Kirche mit einem Turm ohne Fenster aber mit Versorgungsschacht, in dem zwar nicht Rapunzel, aber ein Eremit lebte (also im Turm, nicht im Schacht). Den Turm haben wir nicht gesehen, aber die Mosaike. Sie zeigen Blumenranken und Tiere. Es sind auch Stadtdarstellungen dabei, ähnlich wie in Madaba.

13:35 Uhr
Es gab zu einer vernünftigen Zeit Mittagessen! Yippie! Ich habe mir mit Nadine das Buffet geteilt, weil ich nur Salat und sie nur Hauptgang wollte.
Wir fahren jetzt zu der Burg Machärus. Als Besitzer wird Herodes angenommen und in der Burg soll Johannes der Täufer gefangen gehalten und hingerichtet worden sein. Da muss ich doch glatt an meine Salomé-Hausarbeit denken.
Gerade hören wir schon das Referat zu Machärus. Herodes der Große ließ die zu seiner Zeit zerstörte Burg als Sommerschloss wieder aufbauen und hinterließ sie nach seinem Tod seinem Sohn. Später besetzten Rebellen die Burg. Das erinnert doch ein bisschen an Masada, natürlich ohne den dramatischen Selbstmord. Wenn Herodes gewusst hätte, dass Rebellen verschiedene seiner Burgen besetzen, hätte er sich vermutlich im Grab gedreht.

Nach dem Referat scheint niemand mehr Lust zu haben, zu reden. Stattdessen sehen wir einen Film – ich glaube, der soll über Jordanien sein, aber im Moment berichtet er nur aus dem Leben von König Abdullah. Vermutlich zeigt der Busfahrer uns nur den Film, um die hinterste Reihe vom Singen abzuhalten.
Ah, okay, der König soll einem amerikanischen Journalisten seine liebsten Orte in Jordanien zeigen. Wirkt aber wie ein Propaganda-Film des Königs. So nachdem Motto: Guckt mal, wie cool der König ist, der fliegt selber Helikopter.

15:15 Uhr
Bei Machärus rief der Berg dann zumindest ein bisschen mehr als der Nebo. Zuerst mussten wir aber ein paar Stufen herunter steigen. Allein die wären schon Schutz genug vor Feinden gewesen, weil sie sehr ungleich hoch meistens zu hoch für meine kurzen Beine waren. Und waren die Menschen früher nicht kleiner als heute?
Blick von Machärus auf das Tote Meer
Als die Stufen endeten, gab es einen Pfad, der den Berg herauf führte. Gegen Ende wurde es ziemlich steil, was ich auch anstrengend fand, aber da war es nicht mehr weit und im Ganzen war der Weg in Ordnung. Oben angekommen und auch schon auf dem Weg ab einer bestimmten Höhe hatten wir eine tolle Sicht auf das Tote Meer.
Von der Burg ist aber nicht mehr viel übrig und das was man sieht wirkt viel bescheidener als Masada. Außerdem hatte ich gedacht, dass wenn es schon der mutmaßliche Hinrichtungsort von Johannes dem Täufer ist, warum haben sie ihm dann nicht auch ein Gedenksteinchen hingestellt?
Wir sind oben ein bisschen rumgelaufen und haben vor allem die Aussicht genossen. Judith und Nadine haben sich auf eine halbe Säule gestellt und haben posiert. Das war eine lustige Aktion.

Aus irgendwelchen Gründen brannten meine Knie nach dem Aufstieg wieder. Ich vermute, dass die Hose über die Abschürfung gescheuert hat. Vielleicht sollte ich sie doch mal mit Heilsalbe einschmieren. Im Moment brennt nur mein Ellenbogen. Dabei ist der gar nicht bedeckt.
Im Bus mussten wir zuerst den König-Abdullah-zeigt-uns-sein-Land-Film beenden. Ich war froh, als es endlich vorbei war, aber jetzt müssen wir den Film „Die zehn Gebote“ auf Englisch (macht mir ja nichts) mit arabischen Untertiteln ansehen. Die Bildqualität beim ersten Film war schon schlecht, aber die hier unterbietet das noch. Und manche Dialoge sind einfach nur schrecklich. Als die ägyptische Prinzessin Moses an seine Mutter zum Stillen gibt, sagt die Mutter zu ihr: „When I give him back, make sure he knows who his people are!“ Hallo? Die Mutter (eine Sklavin) gibt der Prinzessin Befehle?! Und überhaupt: Sie hat das Kind ausgesetzt und ist damit das Risiko eingegangen, dass es niemals seine wahre Identität kennen wird – wenn es überhaupt überlebt. Da war es ihr doch auch nicht wichtig. Warum auf einmal jetzt? Gut, in der Bibel steht nicht, wie Moses von seiner Herkunft erfährt (eine Leerstelle, hihi), aber diese plumpe Aufforderung der Mutter hat dem Film den Todesstoß verpasst.
Vielleicht sollte ich ein bisschen schlafen, um dem Elend ein Ende zu setzen. Warum lassen sie uns nicht einfach etwas Ruhe, wenn sie nichts zu erzählen haben? Noch nie was von der Bottleneck-Theory gehört? Irgendwann geht kein Input mehr rein. Dann doch lieber die Musik, die in den letzten Tagen lief, wenn es im Bus zu still ist. Allerdings schlafen sowieso geschätzte 90% des Busses.

16:27 Uhr
Ich hatte gerade beschlossen, ein bisschen zu dösen, da wurden wir kurz aus dem Bus geworfen, um uns Dibon anzusehen. Die Stadt wird an unterschiedlichen Stellen in der Bibel genannt, aber irgendwie nicht so, dass ich mir den Namen gemerkt hätte. Eigentlich bietet der Hügel sich nicht für Besiedelungen an, aber die Königsstraße (eine wichtige Handelsroute) verläuft an der Stadt entlang, so dass Handel getrieben wurde.
Im 19. Jahrhundert wurde in Dibon die Mescha-Stele gefunden, auf der Mescha, der König von Moab von seinem Sieg über Israel berichtet. Ähnliches wird auch in einem der Königsbücher erzählt. Aus diesem Grund ist die Stele bedeutsam: Sie ist eine außerbiblische Quelle für israelische Könige, die in der Bibel erwähnt werden. Beim Referat waren wir aber etwas abgelenkt, weil auf einmal eine Schafs- und Ziegenherde auf uns zu kam. Da mussten wir natürlich alle gucken. Vielleicht sollte die nächste Studienfahrt auf einen Bauernhof gehen.
Als wir in Dibon losfuhren, rief Cinderella auf einmal ganz laut: „Ein Einhorn!“ Ich frage mich immer noch, was sie da gesehen hat. Cinderella und Sonja sitzen im Bus auf der anderen Seite des Gangs. Ihre Gespräche mit Sebastian und Ingo sind ein super Unterhaltungsprogramm.
Man hatte Erbarmen mit uns! Der Moses-Film ist aus!

17:37 Uhr
Nach einer kurzen Toilettenpause sind wir immer noch unterwegs. Ich weiß nicht, wo es hingeht. Das Programm steht nach den Änderungen gestern und dem Tag in Istanbul Kopf. Draußen ziehen Felder, Schafe, Ziegen, Dromedare, Zelte, Olivenbäume und ab und zu eine Moschee vorbei.
Klaus hat in dem Restaurant, in dem die Leute aufs Klo gegangen sind, einen Mann getroffen, der vor 16 Jahren sein Reiseführer war. Er hat Klaus schon damals erzählt, dass er unbedingt ein Restaurant eröffnen wolle. Jetzt haben die zwei sich wieder getroffen – im Restaurant des einen. So ein Zufall.

18:01 Uhr
Das unbekannte Ziel war Rabba. Hinfahren, Aussteigen, vor der Kulisse einer Kirchenruine ein Referat über die Christianisierung hören, wegfahren. Das Referat in Kürze: Es gab zwei Strömungen als das Christentum stärker wurde. Ein Miteinander der Religionen (Basilika neben Tempel und Synagoge) und die Verdrängung der anderen (Wir nehmen die Steine des Zeus-Tempels und bauen uns eine nette Kirche).
Die alten Steine konnten wir uns nicht angucken, weil ein Zaun drum war. So ein Pech aber auch! Wir haben heute ja noch nicht genug davon gesehen. Nachdem wir gestern einen Wasser-Tag hatten (Jordan, Wadi Mujib, Totes Meer), ist das heute wohl ein Stein-Tag (eher als ein Mosaik-Tag, aber Mosaike bestehen ja auch aus kleinen Steinchen).

21:15 Uhr
Oh mein Gott! Ich habe gerade geduscht und hätte einen Zivi brauchen können, der mir dabei hilft. Ich konnte die Arme vor Muskelkater kaum über den Kopf heben. Das Wadi hat mich gefühlte 60 Jahre älter gemacht. Mindestens.
Ich frage mich, wie ich die Wanderungen, die noch anstehen, bewältigen soll. Ich weiß noch nicht mal, wie viele es noch sind, aber ich glaube zwei. Plus eine freiwillige (die ich nie vorhatte mitzumachen). Ach nee, die freiwillige fällt ja aus. Ich frage mich auch, ob von Anfang an klar war, dass wir so viel wandern würden. Klar, Frau G. hatte gesagt mehr als in Israel, aber da war auch nicht wirklich eine erwähnenswerte Wanderung bei. Das vom Berg der Seligpreisungen runter und von Tabgha nach Kafarnaum waren ja eher ausgedehnte Spaziergänge und Masada war ein notwendiges Übel – wobei man ja auch mit der Seilbahn wieder hätte runterfahren können.
Das mit Machärus heute war wohl auch ein notwendiges Übel. Das Wadi Mujib scheint allen außer mir gefallen zu haben. Denn auch schon vor meinem Scheitern am Felsen war ich viel zu angespannt und angestrengt, um die Schlucht zu genießen. Aber wenn ich an zwei weitere Wanderungen denke… Meine Wanderschuhe sind immer noch nass und ich fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht. Ich meckere zwar viel über alte Steine, aber die sind mir im Moment lieber als Wanderungen. Meine Hose reibt sogar an meinen Knien, wenn ich nur Treppen steige. Ich muss mal gucken, ob ich morgen eine Hose anziehe, bei der ich die Hosenbeine kürzer machen kann.

Im Moment bin ich einfach etwas unzufrieden. Das kann an meinem momentanen körperlichen Zustand liegen, aber mir gefällt auch das Programm insgesamt nicht so gut. Vielleicht war das mit dem Vorbereitungsseminar vor Israel doch nicht so schlecht, auch wenn man das mit den Referaten hätte geschickter lösen können. So wusste ich wenigstens schon, was mich erwartet. Auf Jordanien war ich trotz des Infotages sehr unvorbereitet. Der Tag in Istanbul hat mich total rausgebracht, weil ich auf die Türkei nicht eingestellt war und weil ich nicht das Gefühl hatte, angekommen zu sein. Trotzdem ist Istanbul das, was mir abgesehen von den Beduinen mit Dudelsack bisher am besten gefallen hat.
Mit dem Programm in Israel konnte ich viel mehr anfangen und mehr verbinden. Vielleicht weil es abwechslungsreicher war. Obwohl Israel anstrengend war und ich abends auch oft völlig fertig ins Bett gefallen bin, bin ich sehr froh, die Reise gemacht zu haben. In Bezug auf Jordanien frage ich mich gerade, ob ich mich zu sehr da habe rein quatschen lassen, und ob diese Reise überhaupt etwas für mich ist.

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