Sonntag, 29. September 2013

Immer an den Kodex halten (Jordanien Tag 6)

Ein Filmzitat aus dem Film Fluch der Karibik.
Auf dem Piratenschiff
Gibbs: „Captain, was ist, wenn der schlimmste Fall eintritt?“
Captain Jack Sparrow: „Immer an den Kodex hatten!“
Gibbs: „Aye, der Kodex.“

Will und Jack im Beiboot
Will: „An welchen Kodex soll sich Gibbs halten, wenn das Schlimmste passiert?“
Jack: „An den Piratenkodex. Jeder Mann, der zurück bleibt, wird zurück gelassen.“

9.30 Uhr
Wir sitzen im Bus und warten. Klaus und Frau G. kaufen gerade Mittagessen. Ich habe die ersten Postkarten erstanden. Fünf, weil sie nicht so schön waren. Den Rest muss ich in Petra oder so besorgen. Trotzdem hat mich das Postkarten Kaufen kurzfristig erfreut.

Wir waren schon auf der Kreuzfahrerburg in Kerak. In dieser Stadt haben wir heute auch übernachtet. Direkt vor der Burg. Eigentlich hätten wir auch in der Burg schlafen können. Von der Ausstattung her, hätte er vermutlich kaum einen Unterschied gemacht. Heute Morgen war ich noch ein bisschen unmotiviert. Es war sehr kühl und ich habe es mit dem T-Shirt zwar ausgehalten, aber eine Jacke wäre auch nicht schlecht gewesen.
An der Burg kann man verschiedene Bauphasen erkennen: Die unregelmäßig großen dunkleren Steine sind von den Kreuzfahrern, die gleichmäßigen und helleren sind von den Mamlukken. Als die Kreuzritter noch in der Burg lebten, versuchte Saladin mehrmals, sie einzunehmen, schaffte es aber erst nach einigen Fehlschlägen. Ahmad erzählte, dass die christlichen Befehlshaber so schreckliche waren, dass auch Christen auf Saladins Seite gestanden hätten. Er erzählte weiter, dass die Kreuzritter für verschiedene Überfälle verantwortlich waren und dass Saladins Schwester bei einem dieser Überfälle getötet worden sei.
In der Bibel wird die Stadt Kerak als Kir-Moab, als moabitische Stadt, erwähnt. Auch auf der Mescha-Stele wird der Name der Stadt genannt.

11:26 Uhr
Wir fahren durch Berge und kommen gerade von einem Aussichtspunkt auf das Wadi al-Hasa. Ganz weit unten sah man einen Stausee und einer der Berge drum herum war schwarz, alle anderen aber hell. Außerdem war da ein Khirbet (eine Art Tell aber mit weniger Besiedlung), auf dem ein Nabatäer-Heiligtum stand. Die Nabatäer sind das Volk, das in Petra gelebt hat. Petra sehen wir morgen.

Im Bus hat Ahmad uns etwas über den „echten Islam“ erzählt. Er hat die fünf Säulen genannt und erklärt, dass Gott im Islam keine Familie hat. Die drei wichtigsten Menschen sind Adam (der keine Eltern hat), Eva (die nur einen Vater – Adam – hat) und Jesus (der nur eine Mutter hat). Außerdem sagte Ahmad, dass viele Sachen, die im Namen des Islam gesagt oder getan werden, nicht im Sinne des echten Islam sind. Das beginnt bei der Heirat mehrerer Frauen, die nur erlaubt ist, wenn beide Frauen genau das gleiche bekommen (also auch Liebe und andere nicht materielle Sachen), bis hin zu Terroranschlägen (das konnten sich die meisten vermutlich schon vorher denken), denn Muslime dürfen niemanden töten, keinen Krieg an Feiertagen führen (auch nicht an jüdischen oder christlichen Feiertagen) und keine Gotteshäuser anderer Religionen zerstören.
Als Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten erklärte er uns, dass es bei den Sunniten eine direkte Verbindung zu Gott geben würde und ähnlich wie bei den Protestanten keine weiteren Instanzen dazwischen sind. Außerdem seien die Sunniten toleranter. Bei den Schiiten müsse immer alles vom Ober-Iman abgesegnet werden.

13:21 Uhr
Wadi Dana
Wir haben eine Mittagspause am Wadi Dana gemacht. Das Mittagessen mussten wir uns aber wohl erst verdienen, denn wir haben vorher ein Referat über den Kupferabbau gehört, den schon lange vor Christus stattfand. Auch in Hiob wird der Abbau von Erzen schon erwähnt. Der Abbauverlauf war ähnlich zu dem heute (es wurde eine Stollen gegraben), auch wenn technisch natürlich Welten und über 2000 Jahre dazwischen liegen.
Zum Mittagessen unterm freien Himmel gab es Fladenbrot, Gurken, Tomaten, Käse und Äpfel. Ich fand das Picknick toll. Das könnten wir ruhig öfter machen.
So langsam versöhne ich mich wieder etwas mit dem Programm. Heute Morgen war ich noch etwas müde, aber bisher gefällt mir der Tag ganz gut Allerdings kommt die Wanderung ja noch. Bisher sind wir fast nur im Bus rumgefahren und haben jede Menge Blödsinn gemacht: Geübt, die Zunge einzuklappen und den Dirt Style, einen neuen Mode-Stil entwickelt (die Hose sieht aus wie frisch eingestaubt). Ein bisschen Klassenfahrtsfeeling kommt auf.


16:46 Uhr
Nach der Wanderung zur Burg Shoreq und den Besuch dieser Burg sitzen wir wieder im Bus und sind unterwegs nach Klein Petra.
Die Wanderung war so na ja. Am Anfang lief die Gruppe einigermaßen zusammen, aber schnell ergaben sich wieder große Lücken. Eine Zeit lang liefen wir über eine Straße. Dann bogen wir von der Straße ab und gingen auf den Berg, auf dem viele lose Steine lagen und Disteln wuchsen. Die Disteln haben mir nicht so viel aus gemacht (Steffi hatte allerdings Probleme, weil sie Wandersandalen trug), aber die Steine waren fies. Mein Fuß tut jetzt wieder weh, weil das Ausbalancieren eben immer noch Mist ist. Wenn das Ganze eine gerade Fläche gewesen wäre, wäre das ja noch gegangen. Aber es ging bergab.
Ziemlich am Anfang des Berges habe ich auf Steffi gewartet, die ein Pflaster auf ihren Fuß kleben wollte. Zusammen mit Nadine und Marlene haben wir die Schlussgruppe gebildet. Wir kamen nicht besonders schnell voran, wollten aber auch nichts überstürzen, weil wir nicht wussten, wie wir vom Berg runterkommen sollte, wenn eine von uns hinfiele und nicht mehr weitergehen könnte. Ich hatte zwar ein Handy dabei, aber wir wussten noch nicht mal, ob wir auf dem Berg überhaupt Empfang haben würden. Ich habe mich zwischendurch sogar mal auf den Hintern gesetzt und in die Disteln gefasst, aber ich konnte danach noch weiterlaufen. Der Rest der Gruppe war so weit vor uns, dass wir sie gar nicht mehr sehen konnten.
Irgendwann kamen wir an eine Stelle mit weniger losen Steinen, die aber steiler war. Da warteten Daniela und Hanns auf uns. Sie zeigten uns, wo wir lang laufen sollten und als ich an einer Stelle etwas Panik bekommen habe, hat Daniela mich an die Hand genommen. Dann kam Ahmad und hat mir gesagt, dass ich mich an ihm festhalten soll. Er hat mich dann runter geführt. Wenn wir an der Stelle nur zu viert gewesen wären, hätte ich mich vermutlich irgendwann hingesetzt und hätte die Strecke auf dem Po rutschend hinter mich gebracht. Da hätte ich dann nur auf die Disteln aufpassen müssen…
Wir kamen zur Straße, wo der Bus und ungefähr die Hälfte unserer Gruppe standen. Frau G. war mit den anderen schon weitergegangen. Ahmad ging mit einigen den leichteren aber längeren Weg (Frau G. hatte den schwierigeren aber kürzeren) und ein paar von uns entschieden sich, das letzte Stück mit Klaus im Bus zu fahren. Ich war bei den Busfahrern, weil ich keine Lust mehr hatte. Vor allem waren wir ja gerade den Berg herunter gekraxelt nur um jetzt wieder hochklettern zu müssen. Im Bus haben sich eigentlich alle darüber aufgeregt, dass so wenig Rücksicht genommen und teilweise nicht einmal gewartet wurde. Ahmad ist wohl deswegen zurück gekommen, weil Heike dachte, ich hätte mir wieder den Fuß umgeknickt.
Caro warf dann noch die Frage auf, warum  wir überhaupt zu der Burg laufen mussten. Ob da jemand Berühmtes lang gelaufen wäre. Also habe ich ihr die rührende Geschichte eines Knappen aus Essen erzählt, der jeden Tag Wasser für die Kreuzritter auf den Berg hochschleppen musste. Aber ich glaube, Caro hat mir die Geschichte nicht ganz abgenommen.

Die Burg selber haben wir uns nur ganz kurz angesehen. Es gab nicht einmal ein Referat dazu. Nur im Referat zur Königsstraße wurde sie kurz erwähnt. Ich war auf der Burg völlig frustriert. Nachdem ich im Wadi Mujib schon nicht mithalten konnte, musste ich hier auch vom Berg gepflückt werden, um dann auf der Burg, die das Ziel sein sollte, nur kurz etwas zu der Geschichte zu hören (das übliche) und aufgefordert zu werden, die Aussicht zu genießen. Meinetwegen ist der Weg das Ziel, aber wie eine Ziege auf einem Berg herumzustolpern (wobei die Ziege das sehr viel besser kann als ich), macht mir keinen Spaß. Ich verstehe nicht einmal den Sinn dahinter. Den Blick während der Wanderung konnte ich auch kaum genießen, weil ich mich darauf konzentrieren musste, nicht zu fallen und deswegen überwiegend auf meine Füße geguckt habe. Und die Aussicht… so langsam wird mir der karge Stein etwas dran über. Gut, dass ich „Steine – 100 mal anders“ (oder auch nicht) gebucht hatte, war mir vorher klar, aber ich merke gerade, wie sehr ich vernünftige, grüne Pflanzen vermisse.

Ich habe schon überlegt, das Wadi Rum ausfallen zu lassen, weil ich nicht nochmal wandern will. Allerdings sagte Carina dann, dass das eine Jeep Tour sein wird (ich sollte das Programm genauer lesen) und Daniela meinte, da ich auch als langsamer Mensch Teil der Fahrt bin, sollte ich nicht an einem Programmpunkt nicht teilnehmen, weil ich denke, dass ich zu langsam bin.

23:00 Uhr
Nach der frustrierenden Wanderung und dem Besuch auf der Burg kam für mich ein Hoch, als wir nach Klein Petra kamen. Ich konnte schon mal einen Eindruck von dem bekommen, was mich morgen erwartet und ich war begeistert. So kunstvolle Fassaden vor den Höhlen in den Bergen. Und das ist alles so groß! Man kann auch über Treppen zu den oberen Etagen gelangen.
Ich bin zweimal hochgestiegen, aber die Stufen sind ziemlich ausgetreten, weil die Berge aus Sandstein sind, der sehr empfindlich ist und abgetragen wird, wenn die ganzen Touristen darüber trampeln. Bei den einen Höhle wäre auf dem Weg nach unten fast auf den Beduinen gefallen, der mit die Hand gab, gerade damit ich nicht falle – wobei ich mir aber auch denke, dass ich es alleine besser geschafft hätte, weil er nämlich genau da stand, wo ich beim Aufstieg hingetreten war.
Beim zweiten Mal ging es zu einer Zisterne, aber ich bin gar nicht bis ganz oben gegangen. Auf dem Rückweg ging Carina vor und Annika hinter mir her und haben mir ihre Hilfe angeboten, obwohl Annika sich auch irgendwie am Knie verletzt hat. Sollte ich nochmal eine Studienfahrt mit der Theologie machen, schnappe ich mir in den Monaten davor Charly und übe wandern!

Nach dem Abendessen kam das Gespräch auf die Wanderung. Frau G. hat sich entschuldigt, dass sie nicht gewartet hat, aber die Begeisterung wäre mit ihr durchgegangen. Klaus hat gesagt, dass er es nicht gut findet, dass manche Leute aus der schnellen Gruppe in Bezug auf die anderen wohl „Pech gehabt“ gesagt haben, dass er es aber auch verstehen kann, wenn sich manche Leute aufregen, dass die Gruppe zu langsam ist. Er nannte als Beispiel wieder das Fotografieren (auch in Israel ein heiß diskutiertes Thema). Ich war kurz davor zu sagen, dass ich auf diesem dämlichen Berg ein einziges Foto gemacht habe, aber das habe ich dann doch gelassen. Ich sollte nicht immer alles auf mich beziehen. Ich bin auch ohne Fotografieren lahm. Allerdings finde sogar ich die Gruppe manchmal etwas langsam (vor allem wenn wir auf der Straße laufen oder so).

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