Freitag, 27. September 2013

Under the sea (Jordanien Tag 4)



10:23 Uhr
Der Jordan
Um acht ging es heute wieder los. Unser erstes Ziel war eine Taufstelle am Jordan. Durch Israel war ich ja schon vorgewarnt, dass der nicht besonders breit ist und war von dem grünen Wassergraben nicht sonderlich überrascht.
Zuerst haben wir für unser erstes Geburtstagskind (es gibt vier auf der Fahrt) gesungen. Dann gab es eine Vorstellungsrunde, damit alle die Namen lernen. Frau G. stellte sich mit ihrem Vornamen vor. Heißt das, dass wir sie jetzt duzen dürfen?

Wie gingen weiter an die Stelle, an der die Taufe von Jesus verortet wird und hörten ein Referat plus Ergänzungen von Frau G. Weil Johannes der Täufer als der wiedergekehrte Elias verstanden wird/ wurde (Elias stirbt nicht, sondern wird entrückt),  ist diese Taufstelle am Jordan am Elias-Hügel in der Nähe angelehnt. Ein französischer Pilger hat den Hügel aufgrund einer Offenbarung identifiziert. Es gibt aber auch andere Taufstellen am Jordan.
Ein Stück weit von der Stelle, an der wir das Referat gehört haben, konnte man zum Fluss herunter. Auf der anderen Seite ist ja Israel, deswegen wird der Fluss bewacht, damit keiner rüber schwimmt (vermutlich könnte man aber sogar rüber waten). Besonders auf der israelischen Seite haben viele Menschen eine Taufnachempfindung gemacht. Richtig mit Taufgewand und so. Ich bin nur zum Wasser gegangen, um meine Hand reinzuhalten. Alternativ gab es eine große Steinschale mit gesäubertem Jordanwasser (auf einmal war es nicht mehr grün). Davon haben einige sich etwas abgefüllt. Cinderella hat etwas in ihre leere Wasserflasche gefüllt und musste sich von mehreren Seiten die Warnung anhören, diese nicht mit ihrer eigentlichen Trinkflasche zu verwechseln. Vielleicht wäre es da doch sinnvoller gewesen, das grüne Wasser zu wählen... Aber sie hat die Flasche sofort beschriftet, also alles kein Problem.
Auf der Fahrt zur Taufstelle hat Ahmad etwas über das Wochenende in Jordanien erzählt. Heute ist Freitag, deswegen mussten wir das Programm anpassen, denn die Muslime haben freitags frei. Es gibt aber unterschiedliche Wochenendtage, angepasst an die Muslime (Donnerstag und Freitag), die Christen (Freitag und Samstag – wobei ich mich da frage, ob ich das richtig mitgeschrieben habe, denn es sollte doch eigentlich der Sonntag sein…) und normale Menschen.

17:00 Uhr
Wir sind jetzt am Toten Meer. Ich hatte mich schon darauf gefreut und wollte auch gerne baden, aber ich war noch nicht einmal richtig drin, da haben meine Knie wie bescheuert gebrannt und ich habe das Vorhaben abgebrochen. Ich war ja schon mal im Toten Meer (und habe ein Erinnerungsfoto), da muss ich ja nicht unnötig tapfer sein. Trotzdem finde ich es sehr ärgerlich. Ich habe vor der Reise darauf geachtet, mir keine Macken zu holen und dann machten wir heute den Siq Trail im Wadi Mujib…

Lots Frau
Aber alles der Reihe nach: Vor dem Trail haben wir an einer Stelle halt gemacht, von der man das Tote Meer sehen konnte. Auf der anderen Seite, also in unseren Rücken, wenn wir auf das Meer geguckt haben, waren Felsen und darauf eine Steinformation, die „Lots Frau“ genannt wird. Als kurze Erinnerung: Bevor Sodom zerstört wird, flieht Lot mit seiner Familie aus der Stadt. Sie dürfen sich aber nicht umdrehen. Lots Frau tut das trotzdem und erstarrt zur Steinsäule/ Salzsäule. Diese Steinformation sah meiner Meinung nach aber eher nach einer Käsestange als nach eine Salzsäule aus. Frau G. wies noch darauf hin, dass „Wer sich umdreht, dem passiert was Schlimmes“ auch in anderen Traditionen zu finden ist, z.B. bei Orpheus und Euridike.

Nach Lots Frau kam also der Trail des Schicksals. Eigentlich hieß es, wir würden eine Wanderung durch das Wadi machen und wir sollten ausreichend zu trinken mitnehmen. Im Besucherzentrum wurden wir aber aufgefordert, Taschen, Kameras, Sonnenbrillen und auch Flaschen im Bus zu lassen, denn wir würden nass werden und könnten die Sachen verlieren. Nass wurden wir dann auch: Wasser, Schweiß und – in meinem Fall – Tränen.
Wir haben alles brav in den Bus gebracht, aber ich habe meine Sonnenbrille behalten, weil ich mir dachte, deren Verlust konnte ich eher verschmerzen als den meiner normalen Brille. Wir bekamen Schwimmwesten und ich dachte an das Video, das Ann-Kathrin mir vor der Fahrt geschickt hatte (Klettern und Abseilen am Wasserfall) und wurde etwas nervös. Falls jetzt jemand das Video sucht: So schlimm, wie in dem Video wurde es nicht. Nichts mit Abseilen. Aber es war auch alles andere als harmlos.
Wir gingen los und mussten direkt ins Wasser. Das war etwa knöcheltief. Also lief mir direkt das Wasser in die Schuhe. Na ja, ein bisschen Schwund ist immer und ich war ja darauf eingestellt, nass zu werden. Wir mussten gegen die Strömung laufen, was ich zwischenzeitlich sehr anstrengend fand. Außerdem hatte ich das Problem, dass ich nicht sehen konnte, wo die dicken Steine lagen und teilweise Schwierigkeiten hatte, mit meinem immer noch etwas kaputten Fuß das Gleichgewicht zu halten, wenn ich auf einen losen Stein oder die Kante eines Steins trat. Ich sah mich schon als Erste einmal komplett im Wasser liegen.
Wir kamen tatsächlich zu Stellen, bei denen wir mithilfe eines Seils klettern mussten, aber nicht an der Wand hoch mit Seil um den Bauch und einem der unten sichert, sondern anders. Bei der ersten Stelle ging es noch ganz gut. Man musste über eine Leiter einen Stein hoch, über diesen Stein klettern und dann über drei Sprossen, die im Fels befestigt waren, mit einem Seil als Absicherung in der Hand (denn die Sprossen waren recht weit auseinander, die hätten ruhig noch in eine vierte investieren können) auf die nächste Ebene steigen. Der Wadi-Guide, Ahmad und verschiedene männliche Teilnehmer der Fahrt halfen dabei, in dem sie die Hand ausstrecken und uns hochzogen oder sagte, wo wir hintreten sollten. Diese erste Stelle habe ich sogar geschafft. Es ging weiter gegen die Strömung und über Felsen bzw. wenn es ging an ihnen vorbei.
Dann kamen wir zu einem zweiten Wasserfall. Ich bin so schlecht im Schätzen, aber ich denke, der war zwei Meter hoch. Vielleicht drei. Da musste man sich mit einem Seil hochziehen, aber so dass man aufgerichtet über den schräg ansteigenden Felsen lief. Dafür musste man beide Füße auf den Fels stellen und sich dann mit dem Seil in den Stand ziehen, um dann laufen zu können. So ähnlich wie auf dem Kinderspielplatz, wenn man am Klettergerüst mit einem Seil die Rampe hochklettert. Es war nur steiler und glitschiger. Alle nacheinander nahmen das Seil und kamen auch alle hoch. Klaus und Ahmad standen unten und halfen den Leuten auf den Fels und der Guide stand oben und nahm sie in Empfang.
Ich war die Letzte und hatte unendlich Schiss. Nicht davor, runterzufallen und mit dem Kopf auf einem Felsen aufzuschlagen, sondern davor, nicht hochzukommen. Die ganze Situation erinnerte mich unangenehm an den Sportunterricht, was nicht geholfen hat, meine Stimmung zu heben. Dann kam ich an die Reihe. Ich habe es überhaupt nur zweimal geschafft überhaupt einen oder zwei Schritte zu machen. Beide Male bin ich abgerutscht und auf den Knien gelandet Mein Plan wäre gewesen, wie eine Schildkröte hochzukriechen, aber der Guide rief immer: „Stand up!“ und bei den Versuchen bin ich wieder nach unten gerutscht. Das waren aber die überhaupt die Fälle, in denen es gut lief. Meistens habe ich den linken Fuß gar nicht erst auf den Felsen bekommen und Klaus und Ahmad konnten mir da auch nicht helfen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe es nicht geschafft und erst mal geweint.
Klaus ist mit mir zurückgeblieben, während die Gruppe weiterging. Es hieß, sie wären in 20 Minuten wieder da. Wie lange sie tatsächlich weg waren, weiß ich nicht. 20 Minuten können sehr lang sein, wenn man in einer Schlucht darauf wartet, dass der Rest der Gruppe zurück kommt. Es tat mir leid, dass Klaus wegen mir den Rest der Tour nicht mitmachen konnte. Und ich war frustriert, dass ich nicht weitergekommen war und es als Einzige nicht geschafft hatte. Klaus meinte zu mir, dass der Aufstieg vom deutschen TÜV sicher nicht genehmigt worden wäre. Richtig aufgemuntert hat mich das aber nicht, weil alle anderen ja trotzdem hochgekommen sind, TÜV hin oder her. Ich dachte mir, dass ich gar nicht wusste, dass ein Sportabzeichen Voraussetzung für diese Fahrt war. Ja, ich war frustriert.
Irgendwann kamen die anderen zurück und haben erzählt, dass es weiter oben noch schwieriger geworden wäre. Zwei oder drei meinten, es wäre gut gewesen, dass ich unten geblieben wäre, eben weil es oben noch schlimmer war. Aber vor allem nach Ann-Kathrins Schilderungen war ich doch sehr froh, dass ich es nicht geschafft hatte, mit den anderen mitzukommen. Viele wollten wissen, ob mir was passiert sei. Offensichtlich hat mein misslungenes Klettern von oben schlimm ausgesehen. Oder die anderen haben sich an meinen Fuß erinnert und dass er recht leicht aus der Fassung zu bringen (mehr oder weniger wörtlich) ist. Zum Glück ist mir nichts passiert, wenn man von meinen angedötschten und aufgeschürften Knien und linkem Ellenbogen absieht. Und eben der Tatsache, dass ich nicht ins Tote Meer konnte, ohne dass es weh tat.

19:00 Uhr
Nach dem Toten Meer hatten wir noch einen Programmpunkt. Der Plan war eigentlich, eine Mosaik-Werkstatt zu besuchen. Aber als wir da ankamen, war sie schon geschlossen, also haben wir uns nur den Laden angeguckt. Es gab nicht nur Mosaike sondern eigentlich alles: Möbel, Totes Meer-Schönheitsprodukte, Teeservices, Taschen etc. Sebastian kriegte, als wir uns dem Laden näherten, schon einen Schreikrampf, als er das Plakat mit den Toten Meer-Produkten sah und sich an den Laden in Bethlehem erinnerte. Ich hatte auch wieder das unangenehme Gefühl, von einer Kaffeefahrt. Außerdem fand ich das meiste kitschig, zu teuer oder beides. Es wurde auch nur wenig gekauft.
Vermutlich wäre ich eher gewillt gewesen, eine der Mosaik-Fliesen zu kaufen, wenn ich gesehen hätte, wie die hergestellt werden. Viele der Souvenirs schienen ganz laut „Made in China“ zu rufen (vermutlich war das in Israel genauso, aber hier war es irgendwie offensichtlicher oder ich bin seit dem letzten Jahr weiser geworden). Sehr skurril fand ich kleine Schalen mit dem Brote-und-Fische-Mosaik aus Tabgha (zwei Fische, vier Brote und die Frage, wo das fünfte abgeblieben ist), über dem dann aber „Jordan“ stand. Habe ich irgendwas nicht mitgekriegt? Ode ist das der stille Wunsch der so friedlichen Jordanier, nicht nur das Westjordanland sondern auch die Region um den See Genezareth (wieder) ihr Eigen nennen zu können?

22:16
Eigentlich wollen wir in zwei weitere Geburtstage rein feiern, wissen im Moment aber nicht wo. Die Zimmer wären zu klein. Im Restaurant müssten wir aber sieben Dinare für jeden selbstmitgebrachten und geöffneten Liter zahlen und das will das eine Geburtstagskind nicht. An den Pool dürfen wir auch nicht. Eine Idee war noch, auf eine Wiese vor dem Hotel zu gehen. Die habe ich heute bei der Ankunft gesehen, da will ich nicht drauf. Sie ist so zugemüllt. Gerade haben wir aber überlegt, wir könnten ins Restaurant gehen und dem Geburtstagskind eine mitgenommene Flasche schenken.
Nachtrag: Wir waren dann oben im Restaurant, durften aber nur bis Mitternacht bleiben, was beim rein Feiern etwas dämlich ist, aber na ja. Wir haben ein paar Tische in eine große Runde gestellt. Marijana und Marco haben etwas vorgetanzt, was sehr kompliziert aussah, aber soweit ich das beurteilen konnte, haben die beiden das sehr gut gemacht. Um 12 haben wir dann beiden Geburtstagskindern gratuliert. Die Feier wurde dann doch auf ein Zimmer verlegt, aber Ann-Kathrin und ich haben es vorgezogen, schlafen zu gehen.







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