10:23 Uhr
| Der Jordan |
Um acht ging es heute wieder
los. Unser erstes Ziel war eine Taufstelle am Jordan. Durch Israel war ich ja
schon vorgewarnt, dass der nicht besonders breit ist und war von dem grünen
Wassergraben nicht sonderlich überrascht.
Zuerst haben wir für unser
erstes Geburtstagskind (es gibt vier auf der Fahrt) gesungen. Dann gab es eine
Vorstellungsrunde, damit alle die Namen lernen. Frau G. stellte sich mit ihrem
Vornamen vor. Heißt das, dass wir sie jetzt duzen dürfen?
Wie gingen weiter an die
Stelle, an der die Taufe von Jesus verortet wird und hörten ein Referat plus
Ergänzungen von Frau G. Weil Johannes der Täufer als der wiedergekehrte Elias
verstanden wird/ wurde (Elias stirbt nicht, sondern wird entrückt), ist diese Taufstelle am Jordan am Elias-Hügel
in der Nähe angelehnt. Ein französischer Pilger hat den Hügel aufgrund einer
Offenbarung identifiziert. Es gibt aber auch andere Taufstellen am Jordan.
17:00 Uhr
Wir sind jetzt am Toten Meer.
Ich hatte mich schon darauf gefreut und wollte auch gerne baden, aber ich war
noch nicht einmal richtig drin, da haben meine Knie wie bescheuert gebrannt und
ich habe das Vorhaben abgebrochen. Ich war ja schon mal im Toten Meer (und habe
ein Erinnerungsfoto), da muss ich ja nicht unnötig tapfer sein. Trotzdem finde
ich es sehr ärgerlich. Ich habe vor der Reise darauf geachtet, mir keine Macken
zu holen und dann machten wir heute den Siq Trail im Wadi Mujib…
| Lots Frau |
Aber alles der Reihe nach: Vor
dem Trail haben wir an einer Stelle halt gemacht, von der man das Tote Meer
sehen konnte. Auf der anderen Seite, also in unseren Rücken, wenn wir auf das
Meer geguckt haben, waren Felsen und darauf eine Steinformation, die „Lots
Frau“ genannt wird. Als kurze Erinnerung: Bevor Sodom zerstört wird, flieht Lot
mit seiner Familie aus der Stadt. Sie dürfen sich aber nicht umdrehen. Lots
Frau tut das trotzdem und erstarrt zur Steinsäule/ Salzsäule. Diese
Steinformation sah meiner Meinung nach aber eher nach einer Käsestange als nach
eine Salzsäule aus. Frau G. wies noch darauf hin, dass „Wer sich umdreht, dem
passiert was Schlimmes“ auch in anderen Traditionen zu finden ist, z.B. bei
Orpheus und Euridike.
Nach Lots Frau kam also der
Trail des Schicksals. Eigentlich hieß es, wir würden eine Wanderung durch das
Wadi machen und wir sollten ausreichend zu trinken mitnehmen. Im Besucherzentrum
wurden wir aber aufgefordert, Taschen, Kameras, Sonnenbrillen und auch Flaschen
im Bus zu lassen, denn wir würden nass werden und könnten die Sachen verlieren.
Nass wurden wir dann auch: Wasser, Schweiß und – in meinem Fall – Tränen.
Wir haben alles brav in den
Bus gebracht, aber ich habe meine Sonnenbrille behalten, weil ich mir dachte,
deren Verlust konnte ich eher verschmerzen als den meiner normalen Brille. Wir
bekamen Schwimmwesten und ich dachte an das Video, das Ann-Kathrin mir vor der
Fahrt geschickt hatte (Klettern und Abseilen am Wasserfall) und wurde etwas
nervös. Falls jetzt jemand das Video
sucht: So schlimm, wie in dem Video wurde es nicht. Nichts mit Abseilen. Aber
es war auch alles andere als harmlos.
Wir gingen los und mussten
direkt ins Wasser. Das war etwa knöcheltief. Also lief mir direkt das Wasser in
die Schuhe. Na ja, ein bisschen Schwund ist immer und ich war ja darauf
eingestellt, nass zu werden. Wir mussten gegen die Strömung laufen, was ich
zwischenzeitlich sehr anstrengend fand. Außerdem hatte ich das Problem, dass
ich nicht sehen konnte, wo die dicken Steine lagen und teilweise
Schwierigkeiten hatte, mit meinem immer noch etwas kaputten Fuß das
Gleichgewicht zu halten, wenn ich auf einen losen Stein oder die Kante eines
Steins trat. Ich sah mich schon als Erste einmal komplett im Wasser liegen.
Wir kamen tatsächlich zu
Stellen, bei denen wir mithilfe eines Seils klettern mussten, aber nicht an der
Wand hoch mit Seil um den Bauch und einem der unten sichert, sondern anders.
Bei der ersten Stelle ging es noch ganz gut. Man musste über eine Leiter einen
Stein hoch, über diesen Stein klettern und dann über drei Sprossen, die im Fels
befestigt waren, mit einem Seil als Absicherung in der Hand (denn die Sprossen
waren recht weit auseinander, die hätten ruhig noch in eine vierte investieren
können) auf die nächste Ebene steigen. Der Wadi-Guide, Ahmad und verschiedene
männliche Teilnehmer der Fahrt halfen dabei, in dem sie die Hand ausstrecken
und uns hochzogen oder sagte, wo wir hintreten sollten. Diese erste Stelle habe
ich sogar geschafft. Es ging weiter gegen die Strömung und über Felsen bzw.
wenn es ging an ihnen vorbei.
Dann kamen wir zu einem
zweiten Wasserfall. Ich bin so schlecht im Schätzen, aber ich denke, der war
zwei Meter hoch. Vielleicht drei. Da musste man sich mit einem Seil hochziehen,
aber so dass man aufgerichtet über den schräg ansteigenden Felsen lief. Dafür
musste man beide Füße auf den Fels stellen und sich dann mit dem Seil in den
Stand ziehen, um dann laufen zu können. So ähnlich wie auf dem Kinderspielplatz,
wenn man am Klettergerüst mit einem Seil die Rampe hochklettert. Es war nur
steiler und glitschiger. Alle nacheinander nahmen das Seil und kamen auch alle
hoch. Klaus und Ahmad standen unten und halfen den Leuten auf den Fels und der
Guide stand oben und nahm sie in Empfang.
Ich war die Letzte und hatte
unendlich Schiss. Nicht davor, runterzufallen und mit dem Kopf auf einem Felsen
aufzuschlagen, sondern davor, nicht hochzukommen. Die ganze Situation erinnerte
mich unangenehm an den Sportunterricht, was nicht geholfen hat, meine Stimmung
zu heben. Dann kam ich an die Reihe. Ich habe es überhaupt nur zweimal geschafft
überhaupt einen oder zwei Schritte zu machen. Beide Male bin ich abgerutscht
und auf den Knien gelandet Mein Plan wäre gewesen, wie eine Schildkröte
hochzukriechen, aber der Guide rief immer: „Stand up!“ und bei den Versuchen
bin ich wieder nach unten gerutscht. Das waren aber die überhaupt die Fälle, in
denen es gut lief. Meistens habe ich den linken Fuß gar nicht erst auf den
Felsen bekommen und Klaus und Ahmad konnten mir da auch nicht helfen. Lange
Rede, kurzer Sinn: Ich habe es nicht geschafft und erst mal geweint.
Klaus ist mit mir
zurückgeblieben, während die Gruppe weiterging. Es hieß, sie wären in 20
Minuten wieder da. Wie lange sie tatsächlich weg waren, weiß ich nicht. 20
Minuten können sehr lang sein, wenn man in einer Schlucht darauf wartet, dass
der Rest der Gruppe zurück kommt. Es tat mir leid, dass Klaus wegen mir den
Rest der Tour nicht mitmachen konnte. Und ich war frustriert, dass ich nicht
weitergekommen war und es als Einzige nicht geschafft hatte. Klaus meinte zu
mir, dass der Aufstieg vom deutschen TÜV sicher nicht genehmigt worden wäre.
Richtig aufgemuntert hat mich das aber nicht, weil alle anderen ja trotzdem
hochgekommen sind, TÜV hin oder her. Ich dachte mir, dass ich gar nicht
wusste, dass ein Sportabzeichen Voraussetzung für diese Fahrt war. Ja, ich
war frustriert.
Irgendwann kamen die anderen
zurück und haben erzählt, dass es weiter oben noch schwieriger geworden wäre.
Zwei oder drei meinten, es wäre gut gewesen, dass ich unten geblieben wäre,
eben weil es oben noch schlimmer war. Aber vor allem nach
Ann-Kathrins Schilderungen war ich doch sehr froh, dass ich es nicht geschafft
hatte, mit den anderen mitzukommen. Viele wollten wissen, ob mir was passiert
sei. Offensichtlich hat mein misslungenes Klettern von oben schlimm ausgesehen.
Oder die anderen haben sich an meinen Fuß erinnert und dass er recht leicht aus
der Fassung zu bringen (mehr oder weniger wörtlich) ist. Zum Glück ist mir
nichts passiert, wenn man von meinen angedötschten und aufgeschürften Knien und
linkem Ellenbogen absieht. Und eben der Tatsache, dass ich nicht ins Tote Meer
konnte, ohne dass es weh tat.
19:00 Uhr
Nach dem Toten Meer hatten wir
noch einen Programmpunkt. Der Plan war eigentlich, eine Mosaik-Werkstatt zu
besuchen. Aber als wir da ankamen, war sie schon geschlossen, also haben wir
uns nur den Laden angeguckt. Es gab nicht nur Mosaike sondern eigentlich alles:
Möbel, Totes Meer-Schönheitsprodukte, Teeservices, Taschen etc. Sebastian
kriegte, als wir uns dem Laden näherten, schon einen Schreikrampf, als er das
Plakat mit den Toten Meer-Produkten sah und sich an den Laden in Bethlehem
erinnerte. Ich hatte auch wieder das unangenehme Gefühl, von einer Kaffeefahrt.
Außerdem fand ich das meiste kitschig, zu teuer oder beides. Es wurde auch nur
wenig gekauft.
Vermutlich wäre ich eher
gewillt gewesen, eine der Mosaik-Fliesen zu kaufen, wenn ich gesehen hätte, wie
die hergestellt werden. Viele der Souvenirs schienen ganz laut „Made in China“
zu rufen (vermutlich war das in Israel genauso, aber hier war es irgendwie
offensichtlicher oder ich bin seit dem letzten Jahr weiser geworden). Sehr
skurril fand ich kleine Schalen mit dem Brote-und-Fische-Mosaik aus Tabgha
(zwei Fische, vier Brote und die Frage, wo das fünfte abgeblieben ist), über
dem dann aber „Jordan“ stand. Habe ich irgendwas nicht mitgekriegt? Ode ist das
der stille Wunsch der so friedlichen Jordanier, nicht nur das Westjordanland
sondern auch die Region um den See Genezareth (wieder) ihr Eigen nennen zu
können?
22:16
Eigentlich wollen wir in zwei
weitere Geburtstage rein feiern, wissen im Moment aber nicht wo. Die Zimmer
wären zu klein. Im Restaurant müssten wir aber sieben Dinare für jeden
selbstmitgebrachten und geöffneten Liter zahlen und das will das eine
Geburtstagskind nicht. An den Pool dürfen wir auch nicht. Eine Idee war noch,
auf eine Wiese vor dem Hotel zu gehen. Die habe ich heute bei der Ankunft
gesehen, da will ich nicht drauf. Sie ist so zugemüllt. Gerade haben wir aber
überlegt, wir könnten ins Restaurant gehen und dem Geburtstagskind eine
mitgenommene Flasche schenken.
Nachtrag: Wir waren dann oben im Restaurant, durften aber nur bis
Mitternacht bleiben, was beim rein Feiern etwas dämlich ist, aber na ja. Wir
haben ein paar Tische in eine große Runde gestellt. Marijana und Marco haben
etwas vorgetanzt, was sehr kompliziert aussah, aber soweit ich das beurteilen
konnte, haben die beiden das sehr gut gemacht. Um 12 haben wir dann beiden
Geburtstagskindern gratuliert. Die Feier wurde dann doch auf ein Zimmer verlegt,
aber Ann-Kathrin und ich haben es vorgezogen, schlafen zu gehen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen