Weil wir erst abends nach
Amman fliegen können, verbringen wir diesen Tag in Istanbul.
13:20 Uhr
Gülsah hat die Führung
übernommen. Sie hat uns die Stadt gezeigt, beginnend am Taksim-Platz, in dessen
Nähe auch unser Hotel liegt (ja, dass ich mal dahin kommen würde, hätte ich
auch nicht gedacht, als ich die Nachrichten gesehen habe) und durch die
Fußgängerzone. Da habe ich mir direkt den Fuß umgeknickt, als ich in die
Straßenbahnschienen getreten bin. Diese Reise steht unter keinem guten Stern.
Zum Glück tut der Fuß nicht sehr weh und ich kann einigermaßen Schritt halten.
Mit dem Knöchel habe ich schon was ganz anderes erlebt. Auf dem Weg konnten wir
auch in kleinen Gruppen ein bisschen Geld umtauschen (und dann dem Rest der
Gruppe, der weitergegangen war, hinterher hechten). Wir brauchen ja nicht viel
Geld, aber ein bisschen schon.
Wir kamen am Galata-Turm
vorbei. Vom Turm aus soll man eine schöne Aussicht haben, aber wir waren nicht
oben. Der Turm ist außerdem der stabilste in Istanbul, weil er schon diverse
Erdbeben überstanden hat.
Istanbul liegt ja am Bosporus
(Meerenge zwischen Mittel- und Schwarzem Meer) und so kamen wir auch irgendwann
am Wasser an. Da haben wir zwei bunt-goldene und stark dekorierte Schiffchen
gesehen. Gülsah hat erzählt, dass die Türken ein poetisches aber auch armes
Volk sind. Also haben die Männer die Frauen, für die sie schwärmten auf diesen
Booten zum Fischbrot essen eingeladen, weil das lecker aber günstig war.
Über die Galata-Brücke ging es
weiter durch die Stadt. Tempomäßig steht Gülsah frau G. und Klaus in nichts
nach. Wir wurden auch heute Morgen von Klaus dazu aufgefordert, nicht in dem
Tempo der Senioren, mit denen er auch schon mal unterwegs war, zu laufen. Das
war auch noch, bevor ich mir den Fuß umgeknickt habe.
Gerade waren wir in der Hagia
Sophia. Die ehemalige Kirche wurde in eine Moschee verwandelt und ist heute ein
Museum. Als die Kirche von den muslimischen Herrschern übernommen wurde, sind
aber nicht alle Mosaike, die Menschen darstellen, zerstört worden, aber es
wurden große Tafeln (vermutlich mit Koran-Zitaten oder dem Glaubensbekenntnis)
aufgehängt. Auch wenn der muslimische Einfluss deutlich zu sehen ist (es wurde
auch ein Minarett angebaut), sind eben auch christliche Elemente erhalten bzw.
wahrscheinlich wieder freigelegt worden. Wir konnten auch auf eine Balustrade
steigen und uns das Ganze von oben angucken.
Christentumsgeschichtlich ist
die Hagia Sophia bzw. Istanbul wichtig, weil sich dort der erste große Bruch
der Kirche ereignet hat: die Teilung in das westliche und östliche (orthodoxe)
Christentum. Im Verlauf der Kreuzzüge hatten die Christen die Venezianer
gebeten, ihnen Schiffe zu geben. Die willigten ein unter der Voraussetzung, auf
dem Weg ins Heilige Land Konstantinopel (Istanbul) zu plündern. Also kämpften
Christen gegen Christen und das östliche Christentum fühlte sich verraten.
15:40 Uhr
Wir sitzen jetzt in einem
kleinen Café in einem Park und genießen die Aussicht auf den Bosporus.
Nach der Hagia Sophia waren
wir in der Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee). Wir mussten warten, bis die
Gebetszeiten rum waren, bis wir sie besuchen konnten. Das kann ich gut
verstehen, denn nervige Touristen will ja niemand während des Gebets um sich
haben.
| Blaue Moschee - blauer Himmel |
Die Moschee ist von innen mit
ganz vielen Kacheln ausgestattet. Das muss viel Arbeit gewesen sein. Bei großen
Kathedralen denke ich mir oft, was für ein Kraftakt es damals gewesen sein
muss, ohne die heutigen Maschinen die Kirchen so hoch zu bauen. Die Moschee ist
nicht weniger hoch als manche Kathedrale, aber die erste Frage, die ich hatte
war: „Wer hat diese ganzen Kacheln angemalt?“
Von der Moschee aus gingen wir
zu dem Park, in dem wir jetzt sind. Einige wenige wollten sich noch eine
Zisterne ansehen und trennten sich von uns. Ich dachte, der Park wäre in der
Nähe. Das war er vermutlich auch, aber der Weg kam mir endlos lang vor. Zum
Teil lag das wohl an meinem Fuß, zum Teil an dem Schlafmangel. Aber ich war
schon den ganzen Tag nicht wirklich motiviert. Nach all den Tagen, die ich
wegen der Hausarbeit oder des Examens am Schreibtisch verbracht habe, muss ich
mich wohl erst wieder daran gewöhnen, so viel zu laufen. Das Laufen in
Edinburgh war irgendwie anders und angenehmer (wahrscheinlich, weil es da
weniger warm war). Ich hatte auch das Gefühl, dass einige andere aus der Gruppe
auch kurz vor einer Meuterei standen.
Wir haben gerade auch ganz
rebellisch beschlossen, mit der Tram zurück zum Hotel zu fahren. Die meisten
finden den Plan gut. Nur Frau G. und eine kleine Gruppe Hochmotivierter haben
beschlossen, zu laufen.
Später:
Tram fahren war abenteuerlich.
Wir mussten Tickets kaufen, die nicht aus Papier sind, sondern so aussehen wie
diese Plastikmünzen, die man beim Karussell Fahren manchmal bekommt. Diese
Münzen mussten wir dann in eine Maschine werfen, um durch ein Drehkreuz zu
gehen. Wir haben ziemlich lange gebraucht, um rauszufinden, welche Bahn wir
nehmen mussten. Bzw. habe ich gar nichts herausgefunden und das den anderen
überlassen. Gülsah war nicht da, aber Karo schaffte es durch eine Mischung aus
Türkisch und Verstand die richtige Bahn für uns zu wählen. An der Haltestelle
vor dem Taksim-Platz mussten wir umsteigen und trafen Gülsah, die uns zeigte,
wie wir umsteigen mussten (es ging nämlich in die U-Bahn). Die Bahnen waren so
richtig voll. Wir haben uns teilweise schon Sorgen gemacht, nicht mehr
reinzukommen. Außerdem wurden die Bahnen nicht wirklich leerer als es in
Richtung Endstation ging.
Auf dem Weg zum Hotel haben
wir noch kurz unsere Wasservorräte aufgestockt. In dem Moment kam auch die
Wandergruppe an. Die waren echt flott.
18:42 Uhr
Wir sitzen im Bus zum
Flughafen. Ich hatte ganz vergessen, dass wir heute nochmal fliegen müssen. In
einer Stunde beginnt das Boarden. Ich weiß nicht, wie weit wir noch vom
Flughafen entfernt sind, aber der Verkehr ist Wahnsinn.
Im Hotel haben wir (nach
einigem Hin und Her) noch etwas zu essen bekommen. Danach konnten wir nochmal
an unsere Koffer und dann hieß es warten auf den Bus. Ich habe mittlerweile
meinen Fuß in die Bandage gequetscht. Vor allem um die besorgte Nachfragen, ob
ich denn laufen könne, zu beschwichtigen. Und weil ich überrascht war, als mich
ein Mädchen auf dem Weg ins Hotel ansprach und meinte, ich würde noch stark
humpeln. Ich hatte mir da wohl schon eine Schonhaltung angewöhnt, denn ich
hatte kaum Schmerzen. Allerdings überlege ich mir, ob ich mir wohl mal eine
neue Bandage kaufen sollte, weil ich das Gefühl habe, dass diese zu eng ist.
Heute Nacht sind wir dann
(hoffentlich) in Jordanien. Ich bin mal gespannt, wie das Programm jetzt
angepasst wird. Ich habe verschiedene Gerüchte gehört, aber es wird wohl erst
heute Nacht oder morgen Früh beschlossen. Dann entscheidet sich wohl auch, ob
Heike, Steffi und ich unser Referat halten. Wir wären eigentlich heute dran
gewesen. Ich glaube ja nicht, dass es uns erlassen wird, aber warten wir mal
ab.
20:15 Uhr
Wir sitzen wieder mal am
Flughafen. Bei der Passkontrolle und beim Betreten des Gates wurde fleißig
gestempelt. Nicht nur in unseren Pass (ein Stempel) sondern auch auf unserem
Boarding Pass (drei Stempel). Verrückt. Die haben wohl ein neues Stempelset und
wollten das mal ausprobieren… Der Stempel am Gate hatte eine Minnie
Mouse-Stempelhülle. So viel dazu.
1:50 Uhr
Ich sitze in Amman im Hotel
und warte, dass Ann-Kathrin im Bad fertig wird (sie ist gerade erst gegangen –
nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich würde schon ewig und drei Tage warten).
Der Flug war furchtbar.
Zunächst ging es ganz gut. Das Flugzeug war nicht so schön wir auf dem Hinflug
und auch das Essen war nicht so gut, wie gestern. Aber das beides hat mich
weniger gestört (schließlich war das Essen immer noch besser als bei anderen
Flügen). Der Flug nach Istanbul war schön ruhig, weil nur wenige Leute im
Flugzeug waren und die meisten schliefen. Diesmal war das Flugzeug voll und
alle waren nicht nur wach sondern auch sehr lebhaft. Ich hatte Kopfschmerzen,
kriegte den Druck gar nicht mehr aus meinen Ohren und mein Fuß tat weh. Also
alles doof. Auch nach der Landung hatte ich das Gefühl, es würde am Flughafen
ewig dauern, bis wir endlich in die Busse stiegen und zum Hotel fuhren.
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