Mittwoch, 25. September 2013

Tausche: Amman gegen Istanbul (Jordanien Tag 2)



Weil wir erst abends nach Amman fliegen können, verbringen wir diesen Tag in Istanbul.

13:20 Uhr
Gülsah hat die Führung übernommen. Sie hat uns die Stadt gezeigt, beginnend am Taksim-Platz, in dessen Nähe auch unser Hotel liegt (ja, dass ich mal dahin kommen würde, hätte ich auch nicht gedacht, als ich die Nachrichten gesehen habe) und durch die Fußgängerzone. Da habe ich mir direkt den Fuß umgeknickt, als ich in die Straßenbahnschienen getreten bin. Diese Reise steht unter keinem guten Stern. Zum Glück tut der Fuß nicht sehr weh und ich kann einigermaßen Schritt halten. Mit dem Knöchel habe ich schon was ganz anderes erlebt. Auf dem Weg konnten wir auch in kleinen Gruppen ein bisschen Geld umtauschen (und dann dem Rest der Gruppe, der weitergegangen war, hinterher hechten). Wir brauchen ja nicht viel Geld, aber ein bisschen schon.
Wir kamen am Galata-Turm vorbei. Vom Turm aus soll man eine schöne Aussicht haben, aber wir waren nicht oben. Der Turm ist außerdem der stabilste in Istanbul, weil er schon diverse Erdbeben überstanden hat.
Istanbul liegt ja am Bosporus (Meerenge zwischen Mittel- und Schwarzem Meer) und so kamen wir auch irgendwann am Wasser an. Da haben wir zwei bunt-goldene und stark dekorierte Schiffchen gesehen. Gülsah hat erzählt, dass die Türken ein poetisches aber auch armes Volk sind. Also haben die Männer die Frauen, für die sie schwärmten auf diesen Booten zum Fischbrot essen eingeladen, weil das lecker aber günstig war.

Über die Galata-Brücke ging es weiter durch die Stadt. Tempomäßig steht Gülsah frau G. und Klaus in nichts nach. Wir wurden auch heute Morgen von Klaus dazu aufgefordert, nicht in dem Tempo der Senioren, mit denen er auch schon mal unterwegs war, zu laufen. Das war auch noch, bevor ich mir den Fuß umgeknickt habe.
Gerade waren wir in der Hagia Sophia. Die ehemalige Kirche wurde in eine Moschee verwandelt und ist heute ein Museum. Als die Kirche von den muslimischen Herrschern übernommen wurde, sind aber nicht alle Mosaike, die Menschen darstellen, zerstört worden, aber es wurden große Tafeln (vermutlich mit Koran-Zitaten oder dem Glaubensbekenntnis) aufgehängt. Auch wenn der muslimische Einfluss deutlich zu sehen ist (es wurde auch ein Minarett angebaut), sind eben auch christliche Elemente erhalten bzw. wahrscheinlich wieder freigelegt worden. Wir konnten auch auf eine Balustrade steigen und uns das Ganze von oben angucken.
Christentumsgeschichtlich ist die Hagia Sophia bzw. Istanbul wichtig, weil sich dort der erste große Bruch der Kirche ereignet hat: die Teilung in das westliche und östliche (orthodoxe) Christentum. Im Verlauf der Kreuzzüge hatten die Christen die Venezianer gebeten, ihnen Schiffe zu geben. Die willigten ein unter der Voraussetzung, auf dem Weg ins Heilige Land Konstantinopel (Istanbul) zu plündern. Also kämpften Christen gegen Christen und das östliche Christentum fühlte sich verraten.

15:40 Uhr
Wir sitzen jetzt in einem kleinen Café in einem Park und genießen die Aussicht auf den Bosporus.
Nach der Hagia Sophia waren wir in der Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee). Wir mussten warten, bis die Gebetszeiten rum waren, bis wir sie besuchen konnten. Das kann ich gut verstehen, denn nervige Touristen will ja niemand während des Gebets um sich haben.
Blaue Moschee - blauer Himmel
Es gab strenge Bekleidungsvorschriften: Knie und Arme großzügig bedeckt, Haare auch und die Schuhe aus. Leggins schienen übrigens nicht als bedeckend zu gelten. Für die, deren Kleidung die Vorschriften nicht erfüllten, gab es Wickelröcke, lange Kittel und Kopftücher. Ich hatte ein Tuch dabei, mit dem ich auch meine Arme noch ein Stück weiter bedecken konnte und kam so durch die Kontrolle am Eingang. Einige bekamen aber Kittel oder Röcke geliehen und ich habe sie kaum wieder erkannt.
Die Moschee ist von innen mit ganz vielen Kacheln ausgestattet. Das muss viel Arbeit gewesen sein. Bei großen Kathedralen denke ich mir oft, was für ein Kraftakt es damals gewesen sein muss, ohne die heutigen Maschinen die Kirchen so hoch zu bauen. Die Moschee ist nicht weniger hoch als manche Kathedrale, aber die erste Frage, die ich hatte war: „Wer hat diese ganzen Kacheln angemalt?“

Von der Moschee aus gingen wir zu dem Park, in dem wir jetzt sind. Einige wenige wollten sich noch eine Zisterne ansehen und trennten sich von uns. Ich dachte, der Park wäre in der Nähe. Das war er vermutlich auch, aber der Weg kam mir endlos lang vor. Zum Teil lag das wohl an meinem Fuß, zum Teil an dem Schlafmangel. Aber ich war schon den ganzen Tag nicht wirklich motiviert. Nach all den Tagen, die ich wegen der Hausarbeit oder des Examens am Schreibtisch verbracht habe, muss ich mich wohl erst wieder daran gewöhnen, so viel zu laufen. Das Laufen in Edinburgh war irgendwie anders und angenehmer (wahrscheinlich, weil es da weniger warm war). Ich hatte auch das Gefühl, dass einige andere aus der Gruppe auch kurz vor einer Meuterei standen.
Wir haben gerade auch ganz rebellisch beschlossen, mit der Tram zurück zum Hotel zu fahren. Die meisten finden den Plan gut. Nur Frau G. und eine kleine Gruppe Hochmotivierter haben beschlossen, zu laufen.


Später:
Tram fahren war abenteuerlich. Wir mussten Tickets kaufen, die nicht aus Papier sind, sondern so aussehen wie diese Plastikmünzen, die man beim Karussell Fahren manchmal bekommt. Diese Münzen mussten wir dann in eine Maschine werfen, um durch ein Drehkreuz zu gehen. Wir haben ziemlich lange gebraucht, um rauszufinden, welche Bahn wir nehmen mussten. Bzw. habe ich gar nichts herausgefunden und das den anderen überlassen. Gülsah war nicht da, aber Karo schaffte es durch eine Mischung aus Türkisch und Verstand die richtige Bahn für uns zu wählen. An der Haltestelle vor dem Taksim-Platz mussten wir umsteigen und trafen Gülsah, die uns zeigte, wie wir umsteigen mussten (es ging nämlich in die U-Bahn). Die Bahnen waren so richtig voll. Wir haben uns teilweise schon Sorgen gemacht, nicht mehr reinzukommen. Außerdem wurden die Bahnen nicht wirklich leerer als es in Richtung Endstation ging.
Auf dem Weg zum Hotel haben wir noch kurz unsere Wasservorräte aufgestockt. In dem Moment kam auch die Wandergruppe an. Die waren echt flott.

18:42 Uhr
Wir sitzen im Bus zum Flughafen. Ich hatte ganz vergessen, dass wir heute nochmal fliegen müssen. In einer Stunde beginnt das Boarden. Ich weiß nicht, wie weit wir noch vom Flughafen entfernt sind, aber der Verkehr ist Wahnsinn.
Im Hotel haben wir (nach einigem Hin und Her) noch etwas zu essen bekommen. Danach konnten wir nochmal an unsere Koffer und dann hieß es warten auf den Bus. Ich habe mittlerweile meinen Fuß in die Bandage gequetscht. Vor allem um die besorgte Nachfragen, ob ich denn laufen könne, zu beschwichtigen. Und weil ich überrascht war, als mich ein Mädchen auf dem Weg ins Hotel ansprach und meinte, ich würde noch stark humpeln. Ich hatte mir da wohl schon eine Schonhaltung angewöhnt, denn ich hatte kaum Schmerzen. Allerdings überlege ich mir, ob ich mir wohl mal eine neue Bandage kaufen sollte, weil ich das Gefühl habe, dass diese zu eng ist.

Heute Nacht sind wir dann (hoffentlich) in Jordanien. Ich bin mal gespannt, wie das Programm jetzt angepasst wird. Ich habe verschiedene Gerüchte gehört, aber es wird wohl erst heute Nacht oder morgen Früh beschlossen. Dann entscheidet sich wohl auch, ob Heike, Steffi und ich unser Referat halten. Wir wären eigentlich heute dran gewesen. Ich glaube ja nicht, dass es uns erlassen wird, aber warten wir mal ab.

20:15 Uhr
Wir sitzen wieder mal am Flughafen. Bei der Passkontrolle und beim Betreten des Gates wurde fleißig gestempelt. Nicht nur in unseren Pass (ein Stempel) sondern auch auf unserem Boarding Pass (drei Stempel). Verrückt. Die haben wohl ein neues Stempelset und wollten das mal ausprobieren… Der Stempel am Gate hatte eine Minnie Mouse-Stempelhülle. So viel dazu.

1:50 Uhr
Ich sitze in Amman im Hotel und warte, dass Ann-Kathrin im Bad fertig wird (sie ist gerade erst gegangen – nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich würde schon ewig und drei Tage warten).
Der Flug war furchtbar. Zunächst ging es ganz gut. Das Flugzeug war nicht so schön wir auf dem Hinflug und auch das Essen war nicht so gut, wie gestern. Aber das beides hat mich weniger gestört (schließlich war das Essen immer noch besser als bei anderen Flügen). Der Flug nach Istanbul war schön ruhig, weil nur wenige Leute im Flugzeug waren und die meisten schliefen. Diesmal war das Flugzeug voll und alle waren nicht nur wach sondern auch sehr lebhaft. Ich hatte Kopfschmerzen, kriegte den Druck gar nicht mehr aus meinen Ohren und mein Fuß tat weh. Also alles doof. Auch nach der Landung hatte ich das Gefühl, es würde am Flughafen ewig dauern, bis wir endlich in die Busse stiegen und zum Hotel fuhren.

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