Dienstag, 24. September 2013

Ein besonderes Vorkommnis (Jordanien Tag 1)


Oder: Mit Reisesegen wäre das  nicht passiert…


Letztes Jahr Israel, dieses Jahr Jordanien, sozusagen als Anschluss. Um 16 Uhr wollten wir uns am Flughafen treffen. Auf dem Weg zum Terminal C stellten wir schon fest, dass der Sky Train nicht am Terminal A/B hielt, weil ein verzweifelter Mitreisender sagte, er wäre schon zum zweiten Mal daran vorbeigefahren worden. Wir dachten uns nichts dabei, am Terminal C hielt er ja. Aussteigen, Gruppe treffen, einchecken. Kein Problem.
Dann wollten wir durch die Sicherheitskontrollen. Wir gingen nicht als Gesamtgruppe, als Treffpunkt war das Gate ausgemacht. Ich hatte schon meine Boardkarte vorgezeigt und wartete vor dem Band, auf das man sein Handgepäck zum Durchleuchten legen soll. In dem Moment hieß es: „Alle Passagiere raus hier!“ Ein bisschen verwirrt gingen wir wieder vor die Glaswand. Über den Lautsprecher wurde uns mitgeteilt, dass sich der Ablauf „aufgrund eines besonderen Vorkommnisses“ verzögern würde. Ein Polizist rief uns zu, dass wir das Flughafengebäude verlassen sollten (diesmal ohne Lautsprecher). Auf dem Weg nach draußen sammelten wir noch andere aus unserer Gruppe ein, die gar nichts mitbekommen hatten. Zunächst standen wir vor dem Gebäude, dann wurden wir weiter geschickt. Immerhin hat Heike Schokokekse.

17:45 Uhr
Eigentlich sollten wir jetzt starten, sitzen aber vor dem Hotel am Flughafen und warten.

18:25 Uhr
Wir warten immer noch. Mittlerweile wurden wir in Richtung Autobahn umgeleitet und stehen auf einer Wiese. Einige Leute haben Kontakte. Es soll eine Bombendrohung sein und dauert wohl noch ein wenig. Von unserer Gruppe sind ein paar auf das Rollfeld geleitet worden. Die werden mittlerweile auch mit einem Bus evakuiert.
An uns vorbei fahren ganz viele Taxen. Die ersten Geschäftsleute oder Flughafenmitarbeiter scheinen also schon aufgegeben zu haben und nach Hause zu fahren. Wir warten bzw. hoffen darauf, dass mal jemand mit Getränken und Brötchen vorbei kommt.

18:55 Uhr
Jemand hat von einem Bekannten gehört, dass heute wahrscheinlich gar nichts mehr fliegt. Erste Planungen für den Abend („Mitbewohner, kannst du schon mal einen Kasten Bier kalt stellen?“) werden getroffen.
Müssen wir hier übernachten? Oder sollten wir nach Hause fahren? WIE kommen wir nach Hause? Es heißt, dass der Nahverkehr auch gesperrt ist. Die Autobahn ist es auf jeden Fall.
Steffi sucht die anderen. Frau G. hat vor ca. einer Stunde Klaus entdeckt und ist zu ihm gegangen, kommt aber nicht zurück.
Es wird langsam kühl.

19:20 Uhr
Wir sind in den Nachrichten, aber es gibt keine Infos.
Gerade hieß es, es würde in 15 Minuten ein verdächtiger Koffer gesprengt. Mal sehen.
  
19:40 Uhr
Wir hoffen, einen Flug um 22 Uhr zu kriegen. Alle Leute rufen Familien und Freunde an. „Laut Fernsehen wird in 30 Minuten das Gepäckstück mit Wasserwerfern aufgesprengt“, liest eine Mitreisende vor. Gelächter aller Anwesenden. So habe ich mir den Start nicht vorgestellt.

20:10 Uhr
Warm und trocken sammeln wir uns in der Lobby des Hotels am Flughafen.

21:10 Uhr
Wir können jetzt doch fliegen. Wurden zur Sicherheitskontrolle, dann zum Check-In (es sollte neue Tickets geben) und dann wieder zurück zur Sicherheitskontrolle (gab doch keine neuen Tickets) gejagt. Sitzen jetzt am Gate. Wir hoffen auf das Beste.

22 Uhr
Wir sitzen im Flugzeug. Endlich. Mein Rucksack passt nicht unter den Sitz. Komisch. Großes Flugzeug – mit drei Sitzreihen nebeneinander. Es gibt Board-Entertainment (Spiele und so). Warten noch auf die anderen. Im Moment ist es hier noch so leer.

22:20 Uhr
Wir warten immer noch im Flugzeug. Ich habe herausgefunden, wie man Musik hören kann. Gerade höre ich den Glee-Soundtrack und denke an die DVD-Abende mit Denise.
Der Typ vor mir hat die Rückenlehne immer noch zurück. Ich hoffe, dass er das vor dem Abflug noch ändert.
Gerade haben wir Kopfhörer bekommen. Dabei hatte ich schon welche in meiner Sitztasche. Ups, ich hoffe, die waren noch nicht benutzt.

22:30 Uhr
Wir haben eine türkische Süßigkeit und eine Speisekarte bekommen. Da steht voll viel Essen drauf (inklusive Auswahl), aber Klaus sagt, das wäre alles im Flugpreis mit drin. Wow.
Die Sicherheitserklärung war auch schon. Die Treppe wird jetzt weggefahren. Es müsste also bald losgehen. Aber das Flugzeug ist trotzdem noch ziemlich leer. Vermutlich haben viele umgebucht und sind nach Hause gefahren.

22:34 Uhr
Wir rollen!!! Und passenderweise konnte gerade „Leaving on a jet plane“. Der junge Mann schräg vor mir spielt eine Art Türkisch-Englisches Vokabelspiel. Vielleicht lerne ich ja auch was.

Ca. 23:30 Uhr
Es gibt Essen. Wow. Ich hatte noch nie so gutes Flugzeugessen. Nichts im Vergleich zu den gummiartigen Brötchen, die wir auf dem Flug nach Israel bekommen haben. Warmes Essen und wir konnten zwischen Köfte mit Bulgur und Aubergine mit Huhn und Reis wählen. Dazu gab es Kartoffelsalat als Vorspeise und zum Nachtisch Käsekuchen. Der Orangensaft ist auch total lecker. Nachdem Essen können wir noch Tee bzw. Kaffee bestellen. Ich bin beeindruckt.

00:25 Uhr
Ich bin müde und döse vor mich hin, aber kann nicht wirklich schlafen. Hoffentlich wartet das Anschlussflugzug in Istanbul auf uns. Allerdings hätte das schon vor einer Stunde starten sollen… Ich weiß nicht, wie viel Prozent der Fluggäste unsere Gruppe ausmacht.
Ich möchte einfach so schnell wie möglich in ein richtiges Bett und schlafen, denn morgen (bzw. in vielleicht 10 Stunden) muss ich mein Referat über Amman halten. Frau G. ist da unerbittlich. Mal sehen, wie viele Leute da zuhören. Als wir vorhin an der Autobahn saßen, haben wir schon gescherzt, dass wir das Referat noch in Deutschland würden halten müssen  und dass wir den Zitadellenhügel und so mit Menschen darstellen würden. Drei Leute als Säulen des Herkules-Tempels und einer trägt die dann weg, um den Steinklau zu verdeutlichen.
Der Glee-Soundtrack ist zu Ende und ich bin zu James Blunt gewechselt. Mal sehen, was es noch zur Auswahl gibt.
Kurz bei „Viva la vida“ reingezappt und bin danach wieder bei den Soundtracks gelandet. Höre grad ein Lied aus dem Herrn der Ringe. Danach kommt eins aus Harry Potter. Mal sehen, vielleicht schalte ich danach zu Irish Folk um.
Laut Flugzeugangabe brauchen wir noch 42 Minuten bis Istanbul. Das wird eine lange Nacht.
3 Minuten später: Juhu! Die Landung wurde gerade angekündigt!
Maaaan! Das schöne Herr der Ringe-Lied wurde jetzt schon zweimal durch eine Ansage unterbrochen!

1:45 Uhr (deutsche Zeit), 2:45 Ortszeit
Anschlussflug verpasst. War ja klar, aber ich hatte an der Hoffnung festgehalten, irgendwie noch in das Flugzeug zu kommen.
Es gibt noch keine genauen Infos. Klaus muss auf die Leute von Turkish Airlines warten und die geben uns dann weitere Informationen.
Auf einmal kamen die Infos ganz schnell. Der nächste Flug kommt um 7 Uhr. Wir kommen in ein Hotel. Lohnt sich irgendwie kaum. Aber besser als am Flughafen rumhängen.

3:00 Uhr (Ortszeit)
Wir fliegen doch erst um 20:50 Uhr. Ein Tag in Istanbul. Erst hieß es, wir könnten nur kurz an unsere Koffer, jetzt nehmen wir sie doch mit. Schlafen, duschen, umziehen. Ist verlockend.
Ann-Kathrins Koffer ist kurz verschwunden, tauchte aber dann wider auf. Abenteuerliche Busfahrt zum Hotel (die Größe und Anzahl unserer Koffer überforderte die Turkish Airlines Mitarbeiter). Um 5:20 können wir endlich schlafen.

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