Donnerstag, 1. Mai 2014

Rom Teil 1: Das Touristen-Rom



Rom. Eine Stadt über die geschrieben und gesungen wird. Die auf vielen Ebenen historisch (kirchengeschichtlich, kunstgeschichtlich, allgemein geschichtlich) interessant ist. In die es über Jahrhunderte viele Intellektuelle hingezogen hat und auch heute noch aus all diesen Gründen ein Touristenmagnet ist. Und eine Stadt, die ich es bisher nicht geschafft hatte, zu besuchen.
Obwohl ich als Kind einen Kinder-Romreiseführer hatte und durch die Caius-Bücher von Henry Winterfeld sowie meine Kinderausgabe der römischen Sagen schon eine Faszination oder zumindest ein Interesse für das antike Rom hatte, ergab sich irgendwie nie die Gelegenheit, nach Rom zu reisen. Als Kind hat man da ja sowieso nicht so viel Mitspracherecht, aber ich habe auch irgendwie nie die Notwendigkeit gesehen (vielleicht weil ich wusste, dass das heutige Rom nicht mehr so viel mit Caius und seinen Freunden gemeinsam hat). Als ich dann selber über meine Reiseziele entscheiden konnte, stand Rom irgendwie nie so wirklich auf der Prioritätenliste.

Aber dann bekam Lisa einen Praktikumsplatz in der Casa di Goethe in Rom und mir war klar, dass ich sie da besuchen wollte. Ich habe mir einen Flug gebucht und einen Reiseführer für Erwachsene schenken lassen. Mein Umfeld war begeistert. Meine Eltern wären am liebsten mitgekommen. Mein Cousin hat mir Tipps gegeben, was ich mir ansehen wollte. Auch meine Facebook-Freunde hatte ich gebeten, mir ihre Lieblingsorte zu nennen. Das Ende am Lied war, dass ich ohne wirklich weitergekommen zu sein, vor einem Überschwall an Möglichkeiten saß und mich kaum in der Lage sah, eine Entscheidung zu treffen. Letztendlich habe ich eine To Do-Liste erstellt, ausgehend von dem Rating meines Vaters (aber im Ernst: wenn er jeder Sehenswürdigkeit sechs Sterne gibt, dann werde ich daraus auch nicht schlauer), den Tipps meiner Freunde und den netten Bildern im Reiseführer.


Englisches Rom
Eine Sache, die für mich ziemlich schnell klar war, war, dass ich das Keats-Shelley-Museum sowie die Gräber der beiden auf dem Cimenterio Acattolico besuchen wollte. Auch eine Byron-Statue in einem Park hatte ich mir ausgeguckt. Ein bisschen verrückt, dass das meine ersten festen Punkte auf meiner To Do-Liste waren. Die meisten Touristen in Rom wandeln vermutlich nicht auf den Spuren der englischen Romantiker.
Im letzten Semester hatte ich aber eine Vorlesung über die Romantik und da konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen, mir diese Programmpunkte rauszupicken. Keats, Shelley, aber auch Byron waren einige Jahre ihres Lebens in Italien. Keats und Shelley sind auch dort gestorben. Keats an Tuberkulose, Shelley bei einem Bootsunfall. Italien war für die Dichter natürlich aus kulturellen Gründen interessant, aber im Falle von Keats auch wegen des Wetters – er hoffte seine Krankheit dort auskurieren zu können.

Das Keats-Shelley-Museum befindet sich an der Spanischen Treppe in der Wohnung, in der Keats gemeinsam mit einem befreundeten Maler lebte. Es ist sehr klein: vier kleine, vollgestopfte Räume. Der größte der Räume war zu der Zeit, in der Keats dort lebte, war der größte Raum noch durch einen Vorhang unterteilt, da die Vermieterin ebenfalls in der Wohnung wohnte.
Es gibt viele Sachen in den Räumen zu sehen: Briefe, Dokumente, Bilder… Auch verschiedene Masken sind dort ausgestellt. Eine Karnevalsmaske von Byron, die Totenmaske von Keats und noch eine weitere von ihm. Das Zimmer von Keats ist so eingerichtet, wie es bei seinem Tod ausgesehen haben muss. Die Möbel sind aber nicht Original, weil die Vorschriften der Stadt Rom damals besagten, dass alles, was sich in dem Zimmer befand, nach dem Tod von Keats verbrannt werden musste, um die Infektionsgefahr einzudämmen. Am interessantesten fand ich tatsächlich die Briefe, auch wenn ich froh war, dass es Info-Täfelchen gab, auf denen der Inhalt zusammen gefasst wurde. Ich hatte nämlich Schwierigkeiten, die Handschriften zu lesen. In einem Raum, in dem besonders viele Briefe zu sehen waren, gab es auch Bilder von den Geliebten von Lord Byron (das waren einige!). Das fand ich auch interessant.
Ein bisschen gruselig dagegen war die Vitrine, in der Haarsträhnen von Keats und Shelley ausgestellt waren. Zu ihrer Zeit war es wohl üblich, dass Freunde sich untereinander Strähnen ihrer Haare schenkten. Haarsträhnen berühmter Menschen wurden auch weiter vererbt. Ein Zeitgenosse von Keats und Shelley hatte (angeblich) eine Locke von John Milton, die er später an seine Freunde verschenkte. Das hat fast etwas von profanen Reliquien…
Der Museumsshop war auch klasse. Ich hätte den ganzen Laden leer kaufen können, aber ich habe mich mit einem Notizbuch begnügt, auf dem das Shelley-Zitat „Poets are the unacknowledged legislators of the world“ steht. Lustig fand ich ein T-Shirt, auf dem (vielleicht nicht in dieser Reihenfolge) die Namen George, Percy, Mary und John standen (in Bezug auf Lord Byron, Percy und Mary Shelley und John Keats). Das habe ich mir aber nicht gekauft.

Shelleys Grab
Ich konnte Lisa davon überzeugen, mit mir auf den Cimenterio Acattolico zu gehen und da nach den Gräbern von Keats und Shelley zu suchen. Gefunden haben wir zuerst das Grab von Goethes Sohn (das vermutlich am besten ausgeschilderte Grab auf dem Friedhof). Auch das von Shelley fanden wir recht schnell. Dort in der Nähe beobachteten wir etwas später eine Gruppe, die einen Laptop auspackte und einem Gedicht von Shelley lauschten. Da fühlte ich mich schlecht vorbereitet.

Das Grab von Keats befindet sich auf einem Teil des Friedhofs, den wir zuerst gar nicht bemerkt hatten. Wir mussten ziemlich lange danach suchen. Er liegt neben seinem Maler-Freund und Mitbewohner Joseph Severn.


auf dem Cimenterio Acattolico




Der Cimenterio Acattolico ist aber auch abgesehen von den berühmten Gräbern ein schöner Ort. Er ist etwas überwuchert und die Grabsteine stehen eng beeinander. Es gibt viele Engel zu sehen, u.a. einem, der auf einem Grabstein unter Tränen zusammengebrochen sind, aber auch die Statue eines Verstorbenen, der mit einem Hündchen zusammen abgebildet ist (über die Sache mit den Hunden meine ich aber mal gelesen zu haben, dass sie ein Zeichen für Sterblichkeit oder so sind - ich weiß jedenfalls, dass in der Kathedrale in Burgos auch ein Hund auf einem Grab zu sehen ist). Auf einem Grab stand auch en Orangenbaum. Ich musste an den Herrn von Ribbeck denken, auch wenn ein Orangenbaum viel mehr Stil hat als ein Birnbaum.



Im Park der Villa Borghese befindet sich eine Statue von Byron. Er schaut verträumt in die Ferne und auf dem Sockel stehen Zitate aus Childe Harold’s Pilgrimage über Italien. Als wir in dem Park waren, haben wir der Statue auch einen Besuch abgestattet.


Brunnen und Treppen
Aber ich habe natürlich auch den normalen Touri-Kram gemacht. An meinem ersten richtigen Tag haben wir mit der Spanischen Treppe angefangen. Da war sehr viel los. Immer. Bei meinem ersten Besuch waren auch irgendwelche Arbeiten auf der Treppe, an Ostern habe ich dann gesehen, dass sie vermutlich dabei gewesen waren, die Treppe schön zu bepflanzen. Wir sind die Treppe hochgestiegen und haben den Blick auf die Stadt genossen. Wir waren auch in der Kirche oben an der Treppe. Der erste von vielen Kirchenbesuchen.

Berninis Elefant
Die Piazza Navona stand auch an meinem ersten Tag auf dem Programm. Lisa hat mir ihre Lieblingseisdiele gezeigt (bei der kann man sich sein Eis noch kostenlos mit Schokolade überziehen lassen) und ich habe ganz viele Fotos von den Brunnen auf der Piazza Navona gemacht. Der Platz war auch sehr voll, aber die Brunnen haben mir gut gefallen, vor allem der Vierströme Brunnen.
Von der Piazza Navona sind wir zum Pantheon gegangen (s.u.) und von da aus haben wir einen Abstecher zu Berninis Elefanten gemacht. Davon hatte ich ein Foto gesehen und wollte ihn mir unbedingt ansehen. Lisa kannte ihn auch noch nicht, was ganz gut war, weil sie dann nicht nur Sachen sehen musste, die sie schon kannte, sondern auch etwas Neues entdecken konnte. Den Elefanten finde ich irgendwie niedlich.
Den Trevi-Brunnen haben wir auch direkt am ersten Tag mitgenommen. Der ist auch klasse. Lisa und ich haben beide eine Münze hinein geworfen, damit wir nach Rom zurückkehren werden. Es ist übrigens verboten, Münzen aus dem Brunnen zu fischen. Das Geld, das da jedes Jahr zusammen kommt, wird der Caritas gespendet.
Trevi-Brunnen

Eine weitere unumgängliche Sehenswürdigkeit in Rom ist wohl die Bocca della Verità. Die habe ich einmal abends auf dem Weg zum Essen besucht. Leider konnte man zu dem Zeitpunkt kein Foto machen, bei der man die Hand in den Mund legt, weil man dafür wohl bezahlen muss und der „Schalter“ (das Relief hängt in der Vorhalle einer Kirche, es gab keinen richtigen Schalter) war geschlossen, so dass man nicht durchkam. Aber vielleicht war da ja auch besser so…


Kirchen
Um Kirchen kommt man wohl nicht drum herum, wenn man nach Rom reist. Aber das Gute ist, dass der Eintritt in die Kirchen frei ist. Manchmal wird um eine Spende gebeten oder der Kreuzgang kostet etwas (z.B. in der Lateranskirche). Am Donnerstag hatte ich Lisa gefragt, in wie viele Kirchen ich sie schleifen dürfte. An dem Tag wurden es fünf. Plus drei weitere, die wir uns an anderen Tagen ansahen. Nach den fünf Kirchen am Donnerstag meinte Lisa, nach meiner Frage habe sie gedacht, ich hätte noch mehr Kirchen auf meiner Liste.

An meinem ersten Tag waren wir im Pantheon. Große, runde Kirche mit einer großen Kuppel mit einer runden Öffnung, durch die das Licht einfällt. Ursprünglich war das Pantheon ein Tempel für alle Götter (daher der Name), aber es wurde später in eine Kirche umgewandelt. Ich muss sagen, dass ich das Pantheon nicht so richtig als Kirche wahrgenommen habe. Wenn ich im Rückblick an die Kirchen denke, in denen ich war, vergesse ich immer, das Pantheon mitzuzählen. Dabei gibt es da auch einen Altar und ein Kreuz. Das Kreuz war – wie in der Fastenzeit üblich – mit einem Tuch verhangen. Diese Tradition stammt übrigens aus der Zeit, in der die Kreuzesdarstellungen einen triumphierenden Jesus am Kreuz zeigten (so nach dem Motto: Das kann mir alles nichts anhaben, schließlich bin ich auferstanden), was in der Fastenzeit unpassend erschien, da ja an das Leiden Jesu gedacht werden sollte.
Als Bauwerk ist das Pantheon aber auf jeden Fall beeindruckend, wenn man daran denkt, wann es entstanden ist (2. Jahrhundert). Die Kuppel ist gigantisch. Wahnsinn, dass die bisher noch nicht eingekracht ist.

Petersdom
Im Petersdom waren wir zweimal. Beim ersten Besuch mussten wir ziemlich durch hetzen, weil wir zum Zumba wollten, also sind wir am nächsten Tag nochmal hingegangen. Ich habe mir dann am Abend vorher im Reiseführer durchgelesen, was man denn da alles sehen kann. Obwohl er dann gewissermaßen zwei Chancen bei mir hatte, gefällt mit der Petersdom nicht besonders. Der Petersplatz ist schon beeindruckend (ich finde ihn auch groß, Lisa hatte ihn sicher größer vorgestellt) und die Kirche von außen auch. Aber als ich reingegangen bin, traf mich fast der Schlag.
Der Dom ist viel zu vollgestopft. Er kam mir wie ein Trödelladen mit Statuen, Reliefs und Bildern vor. Ich wusste nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte, die Größe hat mich überfordert und ich hatte nicht einmal das Gefühl, in einer Kirche zu sein. Es tut mir leid für die Leute, die den Dom mögen, aber mir war das definitiv too much. Weil ich kurz vor Ostern da war, wurde der Petersdom schon auf die Feierlichkeiten vorbereitet. Durch bestimmte Abschnitte konnte man gar nicht gehen, weil Balustraden aufgestellt worden waren. Am Mittwochabend war z.B. ein Teil komplett für Besucher gesperrt und man kam nur da rein, wenn man beichten wollte – was ich aber auch vollkommen okay fand. Wer will schon, dass beim Beichten eine Horde Touristen um ihn herum läuft. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Absperrungen bei unserem zweiten Besuch anders gestellt waren als beim ersten. Erst beim zweiten Besuch habe ich nämlich die Pietà gesehen. Wobei es natürlich auch sein kann, dass ich beim ersten Mal einfach blind vorbei gelaufen bin. 
Cathedera Petri (so nah, wie es ging)

Gefallen hat mir im Petersdom ein Weihwasserbecken mit Engeln (ja, manchmal mag ich Kitsch, aber zu viel ist auch nicht gut) und ein Fresko von einer Frau mit Sonnenschirm auf einem Elefanten – vermutlich, weil ich es nicht in einer Kirche erwartet hätte (oder soll das die Königin von Saba sein?), aber auch, weil sie keck über die Schulter guckt. 
An der Cathedra Petri fand ich das Fenster mit der Taube interessant, weil das so schön leuchtete. Aber wir konnten den Stuhl nur aus der Ferne sehen und mal ehrlich, ein bisschen geht der bei all der Kunst auch unter.
 Auf Anraten einer Mitbewohnerin von Lisa waren wir  auch in Santa Maria del Popolo, einer Kirche, in der Bilder von Caravaggio zu sehen sind. Von außen sieht die Kirche ziemlich unscheinbar aus, von innen hat sie mir besser gefallen als der Petersdom, weil sie eine Beruhigung für die Augen war. Schlicht war sie wirklich nicht – auch diese Kirche ist eine barocke Kirche – aber sie nach dem Petersdom kam mir fast so vor. Die Caravaggio-Bilder waren natürlich sehr eindrucksvoll, vor allem die Körperhaltungen der Abgebildeten. Gestört haben mich die Elektrokerzenopfer. Jetzt mal im Ernst: elektrische Kerzen? In einer Kirche?

Eine Kirche, die ich unbedingt sehen wollte, war San Pietro in Vincoli. Frau G. hat in einem Seminar (ich weiß nicht mehr, ob in der Einführung oder in dem Exegese-Seminar) von Foto von dem gehörnten Mose in dieser Kirche gezeigt. Im Reiseführer habe ich das Bild wiedergefunden und habe beschlossen, diese Kirche zu besuchen. Die Hörner sind auf einen Übersetzungsfehler in der Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel). Im hebräischen Urtext des Alten Testaments gibt es keine Vokalzeichen. Später wurden welche eingefügt und hat dann bei der Stelle mit dem goldenen Kalb die falschen Vokale hinzugefügt, so dass Mose Hörner (anstatt Strahlen) verpasst bekam. Abgesehen von dem gehörnten Mose (der übrigens auf dem Grab von Papst Julius II. steht), konnten wir einige Skelette und Totenköpfe in der Kirche sehen. Memento Mori, sage ich da nur. Auf ihre Weise war diese Kirche aber auch schön. Sie lag etwas versteckt. Wir mussten eine steile Treppe hochsteigen und oben ein bisschen suchen. Dafür hatte die Kirche einen ruhigen Vorplatz.

St. Paul vor den Mauern
Sankt Paul vor den Mauer (San Paolo fuori le Mura) ist die Lieblingskirche meiner Mutter. Ich glaube, sie hätte es mir nie verziehen, wenn ich sie mir nicht angesehen hätte. Der Name der Kirche klingt ein wenig merkwürdig, aber er hat seinen Sinn. Der Apostel Paulus soll außerhalb der Stadtmauer hingerichtet und da begraben worden sein. Deswegen das „vor den Mauern“. Von den Kirchen, die ich an diesem Tag schon gesehen hatte (Petersdom, Santa Maria del Popolo und San Pietro in Vincoli) hat mir Sankt Paul am besten gefallen. Die Kirche ist auch riesig, aber nicht so vollgestellt wie der Petersdom. Wir sind durch einen Seiteneingang, der schon so groß war wie bei anderen Kirchen das Hauptportal, reingekommen. In der Apsis sollte abends ein Gottesdienst stattfinden, aber bis dahin war noch eine halbe Stunde. Trotzdem saßen da schon einige Leute. Mir haben die Nebenschiffe sehr gut gefallen. Zwischen meterhohen Säulen konnte man da in einem relativ schlichten und halbdunklen Säulengang wandeln. Da habe ich dann wirklich mal verstanden, was Herr L. in Münster mit dem inneren Schaudern angesichts einer großen Kirche meinte. Rund um die Säulen sind ovale Bilder von allen bisherigen Päpsten angebracht. Es heißt, wenn alle Ovale ausgefüllt sind, kommt Christus wieder. Im Moment sind noch 26 frei (aber nur, weil Johannes Paul II. noch ein paar dazu hat anbringen lassen).

Ruhe in Trastevere
Am Ende unseres Kirchentouren-Tages wollten wir in Trastevere essen gehen. Wir sind noch eine Weile durch das Viertel gestrichen und haben noch eine Kirche entdeckt, in die wir reingehen wollten: Santa Maria di Trastevere. Von der Atmosphäre her, war diese Kirche am schönsten. Es war Gründonnerstag und die Ölbergwache hatte schon angefangen. Die Kirche war nur durch Kerzen erhellt und der Altarraum war mit Blumen und kleinen Olivenbäumen geschmückt. Wir haben uns die Kirche dann auch nicht angeguckt, sondern haben uns einfach in die Bank gesetzt und sie auf uns wirken lassen.

Nachdem ich all die obengenannten Kirchen besucht hatte, dachte ich eigentlich, ich wäre jetzt durch. Aber Anna, eine Freundin von Lisa, fragte halbentsetzt: „Wie du warst noch nicht in der Lateranskirche? Aber in Santa Maria Maggiore warst du wenigstens, oder?!“ Santa Maria Maggiore hatte ich so aus Pflichtgefühl eh auf meine To Do-Liste geschrieben und dann habe ich die Lateranskirche auch noch eingeschoben. Wer weiß, vielleicht passiert ja was Schlimmes, wenn man Kirchen nicht alle besucht…

Wir haben mit der Lateranskirche angefangen. Auf dem Weg dahin dachten wir zuerst, wir hätten uns in der Metro verquatscht und die Station verpasst. Als wir in die andere Richtung einstiegen, hörten wir eine Durchsage, dass unsere Haltestelle gesperrt sei. Also sind wir wieder aus der Bahn gesprungen und sind zur Kirche gelaufen. Wir liefen darauf zu und Lisa kam die Gegend irgendwie bekannt vor. Dann standen wir vor der Kirche und ihr fiel auf, dass sie bei ihrem Rombesuch mit ihrer spanischen Mitbewohnerin vor zwei Jahren schon mal da war. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen, aber obwohl das die erste Sehenswürdigkeit war, die ich  an dem Tag gesehen habe, war ich nicht mehr so wirklich aufnahmefähig. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn es nicht die siebte Kirche gewesen wäre, die ich in Rom gesehen habe, aber ich war jetzt nicht besonders begeistert von der Kirche. Vielleicht hätte der Kreuzgang noch etwas rausgerissen, aber der Besuch da hätte fünf Euro gekostet. Da habe ich mir das verkniffen.
Was mir besonders stark in der Lateranskirche auffiel, waren die gut besuchten Beichtstühle. In jedem Seitenschiff standen bestimmt zehn Beichtstühle, von denen die Hälfte besetzt war und vor jedem warteten noch zwei drei Leute. An jedem Beichtstuhl hing ein Zettel mit dem Namen des Priesters, den Sprachen, die er spricht und den Öffnungszeiten. Ich war beeindruckt, wie viele Sprachen da angeboten wurden. Nicht nur die Klassiker wie Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und vielleicht auch Deutsch, sondern auch Russisch, Griechisch, Katalanisch und Gälisch. Ich habe nicht gebeichtet. Ich habe auch nicht auf Knien und das Vater Unser betend die Scala Santa erklommen, um einen Ablass zu bekommen. Den Tag für den Generalablass (Karfreitag) hatte ich ohnehin schon verpasst.

Maria mit eletronischen Kerzen
Santa Maria Maggiore hatte Lisa auch schon vor zwei Jahren gesehen. Diese Kirche hat mir ein bisschen besser gefallen als die Lateranskirche, obwohl auch hier wieder die Opferkerzen elektrisch waren. Im Eingangsbereich der Kirche steht eine Statue von Felipe IV von Spanien. Rom ist wirklich international.

Vielleicht hätte ich mir für die Kirchen mehr Zeit lassen sollen und mir von jemand, der sich auskennt, erklären lassen, was ich da sehe (oder vorher den Reiseführer genauer lesen), aber ich denke, wenn ich nicht von Anfang angedacht hätte: „Puh, wieder so viel Gold und so viel zu gucken!“, wäre ich vermutlich auch nochmal anders an die Kirche herangegangen.

Rückblickend habe ich überlegt, dass mein Problem mit den Kirchen in Rom ist, dass es alles barocke Kirchen sind und ich damit nicht viel anfangen kann. Sie wirken auf mich zu schnell zu überladen. Gotische Kirchen gefallen mir da besser. Aber was das angeht, war ich in Rom wohl an der falschen Adresse.

Die Engelsburg ist zwar keine Kirche, aber ich habe sie trotzdem mal hier eingeordnet, weil sie lange Zufluchtsort der Päpste war. Lisa und ich waren zusammen mit Anna in der Engelsburg. Sie weiß so viel über die Päpste und die Geschichte der Burg, dass wir fast eine Art Privatführung hatten. Bei mir hat das außerdem die Überlegung ausgelöst, ob ich vielleicht doch noch die Querschnitts-Veranstaltung durch 2000 Jahre Christentum belegen sollte.
Engelsbrücke und Engelsburg
Eigentlich war die Engelsburg ein Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (der mit der Hadrian’s Wall in Großbritannien), unter dem das römische Reich die größte Ausdehnung hatte. Obwohl Anna uns das noch kurz bevor wir die Burg betreten haben, gesagt hat, dachte ich nicht mehr so wirklich daran, als wir drin waren. Oder vielmehr war ich der Meinung, Hadrian sei letztendlich gar nicht dort beerdigt worden, weil… na ja, weil die Päpste ja irgendwann… nur, dass „irgendwann“ eben gut und gerne 450 Jahre später war. Jedenfalls liefen Lisa und ich quatschend die Rampe hinauf, die in die Burg führte und waren irgendwann verwirrt, Anna verloren zu haben. Wir warteten auf sie und erfuhren dann, dass wir gerade, ohne es zu merken, durch die Grabkammer von Hadrian gelaufen waren…
Weiter oben in der Burg konnten wir Bilder und Fresken sehen. In diesem Zusammenhang erschienen sie mir passender als in den Kirchen, was auch ein wenig paradox ist, weil Kirchenbeamte sich ja nicht wirklich mit Kunst umgeben müssen. Aber die Päpste im Mittelalter hatten noch viel mehr Macht als heute, da mussten sie vermutlich etwas angeben. Außerdem waren die Wände im Vergleich zum Petersdom gerade zu kahl. Aber das sollte kein Maßstab sein. Das Gute an der Sammelleidenschaft der Kirche ist allerdings natürlich, dass die Kunstwerke heute erhalten sind.

Engel auf der Engelsbrücke
Wir haben uns der Burg über die Engelsbrücke genähert. Engel haben es mir in Rom irgendwie angetan. Schon auf dem Cimenterio Acattolico. Da hat mir die Brücke mit den ganzen Engelsstatuen natürlich gut gefallen.










Antikes Rom
„Nimm Wanderschuhe mit“ war ein Rat, den meine Mutter mir schon ganz zu Beginn meiner Vorbereitungen für Rom gegeben hat. Aber Wanderschuhe sind klobig und wiegen viel und ich hatte schon drei Paar Schuhe, die ich mit nach Rom nehmen wollte, also blieben die Schuhe zuhause. Als ich mich dann von der Metro-Station Colosseo aus dem Forum Romanum näherte, wurde mir auch klar, warum ich Wanderschuhe mitnehmen sollte. Der Weg besteht aus unterschiedlich großen Steinen und ist definitiv nichts für Menschen mit schwachen Bändern. Ich hatte auch noch Schuhe von Lisa an, weil meine am Tag zuvor komplett durchnässt worden waren (morgens hatten wir noch strahlendsten Sonnenschein, nachmittags Regen mit Hagel). Die Schuhe hatten einen leichten Absatz, waren aber bequem – noch.

Aber es war noch früh morgens, Lisa musste Touristen durch Goethes Wohnung in Rom führen und ich war hochmotiviert, mir die römischen Reste anzugucken (ich habe in Israel und Jordanien ja noch nicht genug römische Reste gesehen). Weil es so früh war, musste ich an der Kasse kaum warten und erstand da das Kombi-Ticket für Kolosseum und Forum Romanum. Es waren schon ein paar Touristen (-gruppen) da, aber es hielt sich noch in Grenzen.
Das erste, was ich feststellte, war dass ich an der anderen Seite als der Reiseführer das Forum betreten hatte, also musste ich mir alles in umgekehrter Reihenfolge durchlesen. Erst mal war ich ganz stolz, dass ich die Szene auf dem Titusbogen (Triumphzug nach der Eroberung von Jerusalem) zuordnen konnte. Die Reisen nach Israel und Jordanien haben mich sowieso total gebildet. Ich habe auf dem Palatin (der Hügel, auf dem die reichen Leute im alten Rom lebten) etwas entdeckt, das auf dem Schild als Nymphäum identifiziert wurde – und ich wusste, dass es ein Zierbrunnen ist. Da war ich auch stolz auf mich.
Überblick Forum Romanum
Titusbogen m Frühling
Das Schöne am Forum Romanum ist, dass Vieles besser erhalten oder wieder aufgebaut ist, als das, was ich in Jordanien gesehen habe. In dem Haus der Vestalinnen stehen z.B. ganz viele Statuen. Gut, die meisten haben keinen Kopf mehr, aber ich kann mich nicht daran erinnern, in Jordanien sowas gesehen zu haben. In Israel schon eher noch. Mit Statuen kann ich mehr anfangen als mit Mosaiken. Mosaike habe ich im Forum Romanum nicht so viele entdeckt (in den Kirchen waren einige), davon hatten wir in Jordanien zur Genüge welche im Programm. Aber die sind ja auch unverfänglicher als Statuen, solange man keine Menschen abbildet. Vestalinnen waren übrigens Priesterinnen der Göttin Vesta. Sie wurden als Kinder ausgewählt und mussten vor allem darauf achten, dass das Feuer im Tempel nicht ausging, sowie bestimmte kultische Handlungen vorbereiten.
Immerhin habe ich noch meinen Kopf
Abgesehen von dem ziemlich guten Zustand der Ruinen auf dem Forum (man bedenke, dass die Eroberung Jerusalems, auf die sich der Titusbogen bezieht, 70 nach Christus war, also vor fast 2000 Jahren) gefiel mir, dass es da so schön grün ist. Auf einigen Ruinen wuchsen Mohnblumen und zwischen den verschiedenen Gebäuden, vor allem im Haus der Vestalinnen, waren Beete angelegt, auf denen Blumen blühten. Sehr frühlingshaft.

Der Palatin, der sich direkt an das Forum anschließt, war auch sehr schön. Als die Besucherströme im Forum immer mehr zunahmen, bin ich auf den Palatin gegangen, wo sich die Menschenmassen irgendwann etwas verliefen. Man war nicht völlig alleine, aber die Besucher gingen mir nicht mehr auf die Nerven. Die Gebäudereste auf dem Palatin haben mich nicht mehr so interessiert, aber man konnte da ganz nett spazieren und hatte von den schön angelegten Farnesinischen Gärten (Heckenlabyrinth!) eine gute Sicht über das ganze Forum. In den Gärten waren dann natürlich wieder viele Menschen.

Kolosseum von außen mit Baum
 Ins Kolosseum wollte ich eigentlich mit Lisa zusammen gehen. Allerdings hatten wir das Problem, dass um ein Uhr mittags die Schlange vor den Kassen sich schon außen um das halbe Kolosseum zog. Ich hatte meine Eintrittskarte ja schon, weil es das Forum Romanum und das Kolosseum nur im Doppelpack gibt. Lisa hatte aber kein Ticket. Weil uns die Schlange zu lang war, bin ich alleine reingegangen, während Lisa draußen wartete.
Drinnen war es furchtbar. Die Touristen traten sich gegenseitig auf die Füße, man musste eigentlich immer mit dem Menschenstrom laufen und kleine Leute wie ich mussten schnell in die Ausbuchtungen huschen, wo die Mauer niedriger oder durch eine Plexiglasscheibe ersetzt worden war, um überhaupt etwas sehen zu können. Aber auch, wenn ich nicht immer so gut sehen konnte, war ich von der Größe des Kolosseums beeindruckt.
Kolosseum von innen mit vielen Menschen (wenn man genau hinguckt)


Mit meinem Touristen-Programm in Rom habe ich, glaube ich, zumindest die bekanntesten Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Ich habe natürlich nicht alles gesehen. Vielleicht sind einige entsetzt, dass ich die großen Museen ausgelassen habe (ich war nur in der Scuderie del Quirinale in der Frida Kahlo-Ausstellung, dazu mehr in dem Beitrag über Lisas Rom), dass ich die Katakomben nicht gesehen habe oder diese oder jene Kirche nicht besucht habe, aber ich musste mir ja auch wohl ein paar Sachen für einen potentiellen zweiten Besuch in Rom aufheben, sonst hätte ich die Münze doch ganz umsonst in den Trevi-Brunnen geworfen.

1 Kommentar:

  1. Da war ich doch auch schon in Rom und habe viel gesehen bis auf die wirklich schönen Ecken. Jetzt muss ich ja definitiv nochmal hin. Cimenterio Acattolico und Shelleys Grab hab ich schon auf eine Liste geschrieben und ich glaube für die Engelsbrücke lohnt es sich immer wieder.

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