Donnerstag, 5. Juni 2014

Ein Blick zurück

Heute war ich bei der Info-Veranstaltung der Erasmus-Outgoings, um den neuen Erasmusianern von meinen Erfahrungen zu berichten. Lisa war beim Sommerfest von einer Frau vom Auslandsamt gefragt worden, ob sie nicht kommen wolle und hat mich dann gleich mitgebracht. Es ist zwar schon etwas her, dass ich in Spanien war, aber so lange dann auch doch nicht und ich wusste noch von meiner eigenen Info-Veranstaltung wie enttäuscht ich war, als uns vorher angekündigt wurde, es seien Ehemalige da und dann waren es zwei, die beide in Andalusien gewesen waren und nichts zu Nordspanien sagen konnten. Oder sie waren noch nicht mal in Spanien gewesen, ich bin mir gerade nicht mehr sicher. Jedenfalls dachte ich mir, es kann nicht schaden, wenn ich mitkomme, auch wenn meine Tipps nicht aus dem letzten Semester stammen. Es waren dann insgesamt ca. zehn ehemalige Erasmus-Studenten da, die meisten aus Spanien.
Zuerst hörten wir uns die allgemeinen Einführungen zum Learning Agreement, Certificate for Erasmus Grant und anderen netten bürokratischen Anforderungen an und wurden ein bisschen wehmütig. Obwohl Lisa gerade erst aus dem Ausland zurück gekommen ist und ich kurz vor meinem nächsten Auslandsaufenthalt stehe, wären wir gerne unter den neuen Erasmus-Studenten gewesen, die ihr Erasmus-Semester noch vor sich haben.
Nach dem allgemeinen Teil waren wir Ehemaligen dann gefragt und ich hatte auf einmal fünf Mädels vor mir, die nicht nur nach Burgos, sondern auch Valladolid, León und Madrid gehen werden. Ich habe ein paar allgemeine Sachen gesagt (Wohnung vor Ort suchen, Spanische Sim-Karte, Überlandbusse etc.) und ein bisschen was zu den Orten, aber es tat mir leid, dass ich zu Madrid nicht besonders viel sagen konnte. Valladolid kannte ich ja wegen Lisa und León liegt immerhin noch in Castilla y León. :-D Ach ja, das Erasmus-Semester wiederholen zu können, wäre schon was...

In letzter Zeit habe ich ohnehin öfter mal an die "gute, alte Grundstudiumszeit" gedacht. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einer jüngeren Spanischkommilitonin in der Studentengemeinde über unsere Sprachdozentinnen unterhalten und hatte den Eindruck, dass jede Spanisch-Generation ihre eigene Lieblingsdozentin hat. 
Das brachte mich dazu, an die Zeit vor meinem Auslandssemester zu denken, als wir noch vermehrt zusammen Kurse hatten. Zu sechst oder siebt in der letzten Reihe bei Vorlesungen sitzen und alles kommentieren, was vorne vor sich geht, kollektives in-Gedanken-den-Kopf-gegen-die-Wand-knallen angesichts der Sturheit und Dämlichkeit unserer Kommilitonen in den Sprachkursen und sich aufgrund des kreativen Deutsch in den Readern beömmeln ("Das graue deutsche Klima")... Ich vermisse das. Genauso wie ich das Zusammensitzen in der Cafete mit verschiedenen Englischstudentinnen vermisse. Oder auch die Versuche, einen spanischen Buchclub zu gründen. Ich vermisse sogar irgendwie die gemeinsamen Fahrten mit der S-Bahn und das Quetschen in überfüllte U-Bahnen - gut, daran merkt man, wie man in der Erinnerung alles vergoldet.
Aber auch ohne nostalgischen Zuckerüberzug muss ich feststellen, dass das Studium sich in den letzten Semestern (eigentlich seit dem Erasmus-Aufenthalt) deutlich verändert hat. Mit dem Abschluss meines Grundstudiums wurden auf einmal die Unterschiede zwischen Bachelor- und Staatsexamensstudienordnung sichtbar. Meine BA-Freundinnen besuchten ihre letzten Kurse, schrieben an ihren Bachelorarbeiten und wechselten teilweise sogar die Uni. Einige der Staatsexamens-Freundinnen waren mit der Zwischenprüfung in Spanisch noch nicht so weit wie ich. Dafür waren in Englisch  diejenigen, die nicht mit mir Erasmus gemacht hatte, auf einmal weiter als ich und die Kursauswahl war breiter gefächert, so dass ich in Englisch auch weniger altbekannte Gesichter sah (dafür neue kennengelernte). Unsere Kernclique in Spanisch war aufgebrochen und in Englisch waren die Kurse wie gesagt noch durchgemischter als sonst. Während ich vor Spanien überwiegend was mit den BA-lern gemacht hatte, hatte ich im Hauptstudium viel mehr mit den Lehramtskandidaten zu tun. Das war nicht besser oder schlechter. Aber anders. Dazu kam, dass ich mit Theologie als Drittfach anfing. Das war so richtig komisch. Ich war im sechsten Hochschulsemester, fühlte mich aber wie ein Ersti, als ich in den Einführungsveranstaltungen saß und mich auf ein komplett neues Fach, neue Dozenten und neue Kommilitonen einstellen musste.
Jetzt neigt sich mein Studium komplett dem Ende zu. Ich schreibe an meiner Staatsarbeit und habe fast alle Examensprüfungen hinter mir. Ein paar Relikurse muss ich noch besuchen. Viele sind schon weg, machen das Referendariat oder treiben sich in der Weltgeschichte rum. Ich bin noch da. Meine letzten Englischkurse habe ich "alleine" gemacht. Andrerseits hatte ich in den letzten Monaten eine mehr oder weniger feste Bib-Gemeinschaft.
Es ist interessant zu sehen, wie sich in den sechs Jahren meines Studiums mein soziales Umfeld gewandelt und sich an meinen jeweiligen Studienabschnitt angepasst hat. Aber obwohl sich so viel geändert hat, sind mir viele Menschen, die mir über die Jahre lieb und teuer geworden sind, geblieben. Aus Seminarbekanntschaften sind enge Freundschaften geworden, die auch außerhalb des Studiums Bestand haben. Und manchmal blicken wir zurück und sagen: "Weißt du noch, damals in der Übersetzung?" Trotz Bahnfahren morgens vor acht und Warten auf die Nachtbusse, trotz Latinum und umfangreicher Pädagogikklausuren, trotz Massenvorlesungen im Audimax bei der berühmt-berüchtigten Englischprofessorin, trotz nerviger Kommilitoninnen... die ersten Semester waren schon eine geile Zeit.

1 Kommentar:

  1. Ich denke auch oft an die ersten Semester. (Meistens sage ich mir, dass ich im Nachhinein viel fleißiger hätte sein können.) :D Aber alles, was du schreibst stimmt. Und falls es dich beruhigt, der Uni Wechsel war zuerst auch ungewohnt, auch wenn ich mich sofort wohlgefühlt habe. In einigen Momenten habe ich gezweifelt, ob es der richtige Schritt war. Und ich bin auch froh, dass Freundschaften halten ;)

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