Meine Karnevalsplanung war dieses Jahr eine chaotische Angelegenheit. Zuerst habe ich abgewartet, wann meine Examensklausuren liegen, weil der Beginn des Prüfungskorridors diesmal genau an Karneval lag. Die Prüfungstermine gaben mir grünes Licht, aber dann kam die Frage auf, wo und mit wem ich Karneval feiern würde.
Lisa, mit der ich in den letzten Jahren immer in Köln war, ist im Moment im Ausland und die Freundinnen, die ich stattdessen fragte, hatten entweder kurz danach Klausuren, waren schon verplant oder hatten keine Lust auf Karneval. Ich hatte mich schon entschieden, mir den Zug in meiner Heimatstadt mit meinen Eltern anzusehen, da fragte mich eine Freundin aus der Studierendengemeinde, ob ich nicht mit ihr und zwei, drei anderen den Essener Rosenmontagszug ansehen wolle. Die Idee fand ich gut.
Montag trafen wir uns also zuerst bei ihr zum Frühstück und brachten uns mit Karnevalsmusik aus dem Radio schon mal in Schunkelstimmung. Gegen 13 Uhr machten sich dann ein Engel, eine Katze, eine Nonne, ein Garten und eine Indianerin auf den Weg. Passenderweise fing es nach wenigen Metern schon an zu nieseln. Aber wir waren motiviert und zumindest die Nonne hatte gut vorgesorgt und ein blaues Plastik-Cape mitgebracht. Ich hatte zum Glück eine Kapuze an meiner Jacke.
Wir fanden eine Stelle am Straßenrand, an der vor allem Kinder standen, so dass sogar ich etwas sehen konnten (leider kamen nach und nach deren Eltern und später konnte ich nicht mehr so gut sehen). Um 13:11 Uhr sollte der Zug an der Gruga losgehen (keine Ahnung, warum nicht um 11:11 Uhr, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein) und irgendwann kam er dann auch da vorbei, wo wir standen. Mir war klar, dass der Zug nicht so sein würde wie im Köln, aber ich war trotzdem etwas enttäuscht und mir wurde gleichzeitig klar, dass der Umzug in meiner Heimatstadt wirklich großartig ist (die richtigen Karnevalshochburgen lasse ich mal außen vor, schießlich sind die sehr viel größer als mein Heimatort).
In Essen liefen ein paar Gruppen mit, die wie die Funken in Köln gekleidet waren und es gab viele Wagen von bestimmten Gruppen/ Stadtteilen. Keine Mottowagen, aber damit konnte ich leben, die gibt es bei meinen Eltern auch nicht wirklich. Zumindest nicht so viele politische Mottos, es gibt Themen, zu denen die ganze Gruppe sich verkleidet. Ich hatte das Gefühl, dass in Essen die Leute innerhalb einer Gruppe sich nicht immer einheitlich verkleidet hatten. Und damit meine nicht nicht nur, dass sie nicht das gleiche Kostüm hatten, sondern dass sie sich nicht mal zu einem Thema abgesprochen hatten, so dass ein Clown (kein Hofnarr) und ein Ritter zusammen auf einem Wagen standen. Außerdem fand ich die Wagen allgemein nicht so schön.
Lustig fand ich allerdings, dass die Wagen hier alle von LKWs gezogen wurden, während es zuhause meist Traktoren sind.
Und es ist schon interessant: Obwohl ich schon seit ein paar Jahren in Essen wohne und eigentlich hier mein Zuhause ist, schreibe ihr hier von meinem Karneval "zuhause" und meine nicht den in Essen, sondern den, mit dem ich aufgewachsen bin. Was Karneval angeht, bin ich wohl doch noch lokalpatriotisch. Auch wenn mir die Male, die ich in Köln war, auch super fand.
Nach dem Umzug sind wir noch in ein Café gegangen, wo wir uns aufgewärmt und was getrunken haben. Es wurde eine bunte Mischung aus Karnevalsliedern gespielt. Auch eine Party-Version vom Steiger-Lied. "Glück auf, Glück auf, wir sind gut drauf". Alles klar.

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