… oder warum Biergläser einen
to-go-Deckel haben sollten
Stunden vor dem Konzert bereits vor der
geschlossenen Tür stehen, um ja einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern.
Dieses Verhalten habe ich früher belächelt, in der letzten Zeit jedoch habe ich
es selber oft getan. Ich gehöre zwar nicht (und werde nie gehören) zu den
Leuten, die es sich einen Abend vorher mit einem Schlafsack auf der Türschwelle
bequem machen, aber ich komme inzwischen doch um einiges früher zu den Konzerten
als eigentlich notwendig. Das erste Mal war, glaube ich, 2010 beim Wise
Guys-Konzert auf dem Kirchentag in München. Ich war sicher drei oder vier
Stunden vor Konzertbeginn da und verfolgte nur das Ziel, einigermaßen gut sehen
zu können. Letzten Freitag waren es Katzenjammer für die ich zusammen mit Lisa
und ihrer Mutter zwei Stunde vor Einlass an den Toren zum Tanzbrunnen in Köln
stand.
Ein Vorurteil, das ich immer gegenüber
dem langen Warten vor dem Einlass hatte, war, dass es doch totlangweilig sein
müsste. Aber sowohl bei Katzenjammer als auch bei den Wise Guys habe ich
festgestellt, wie gut man mit den anderen Leuten ins Gespräch kommt. Man erzählt sich, wo man
herkommt und wie viele Konzerte man schon besucht hat. Eine Frau zeigte uns ihr
Fotobuch, das sie selber erstellt hatte und unterschreiben lassen wollte.
Außerdem konnte sie uns sagen, was der kürzeste Weg zur Bühne ist.
Für Lisa war die Wartezeit zudem eine
Art Wiedersehensfeier mit all den Katzenjammer-Fans, die sie entweder schon in richtigen
Leben oder zumindest über Facebook getroffen hat. Die Identifizierung war
manchmal allerdings nur über das Profilfoto auf dem T-Shirt möglich… Die ganze Gruppe von Leuten, die Lisa kannte, zusammenzuhalten, war schwierig, aber mit einem, Florian, sind wir dann noch den Rest des Tages rumgelaufen.
Bevor Katzenjammer auftraten (übrigens
hatten wir es tatsächlich in die erste Reihe geschafft), waren noch zwei
Vorgruppen dran. Zuerst spielten Valkyrien Allstars. Die Gruppe besteht aus
vier Männern, einer Frau, drei Geigen, einem Bass und einem Schlagzeug. Sie
singen auf Norwegisch. Wir haben kein Wort verstanden, aber uns wurde gesagt,
dass zwei der Lieder Trinklieder waren und das letzte ein norwegischer Tanz.
Die Lieder haben ziemlich gute Laune gemacht und für Stimmung im Publikum
gesorgt.
Mich hat beeindruckt, wie sie die
Instrumente gespielt haben. Mein Musiklehrer wäre allerdings angesichts der
ausgefransten Sehnen am Geigenbogen wahrscheinlich die Nerven verloren. Aber
allein, dass am Steg des Basses ein Köcher mit zwei oder drei verschiedenen
Geigenbogen hingen, fand ich genial. Die Geigen waren aber keine normalen
Geigen, sie hatten sechs Schrauben anstatt vier, aber sie sonst sahen sie von
der Form her genauso aus. Aber sie waren auch noch wunderschön verziert.
Nach den Valkyrien Allstars war ein
deutsches Duo dran, das Me and my drummer hieß. Die Musik von denen hat mich
nicht so vom Hocker gehauen. Nur ein Lied fand ich ganz lustig. Der Text war
eine Mischung aus Englisch und Spanisch. Aber meine Begeisterung dafür liegt
wahrscheinlich daran, dass das Lied auf Englisch und Spanisch war. In den
Moderationen zwischen den Liedern waren die zwei aber sehr sympathisch. Der
erste Kommentar (nach drei Liedern) war: „Wir sind der nächste Schritt auf dem
Weg zu Katzenjammer.“ Und sie waren so aufgeregt, dass sie vergessen haben,
ihren Namen zu sagen.
Als dann Katzenjammer endlich die Bühne
betraten, kam mir das sehr unwirklich vor. Ich meine, als ich die Karten für
den Tanzbrunnen im Januar gekauft habe, war der Juni noch so weit weg. Das
Konzert lag so weit in der Ferne, dass noch nicht einmal die Support Acts
feststanden und auf einmal war der Zeitpunkt des Konzertes da.
Ich fand es wieder richtig großartig und
hatte total Spaß. Und man hat auch gemerkt, dass die Band Spaß hatte. Marianne
hat bei einem Lied sogar im Eifer des Gefechts den Mikrophonständer umgeworfen.
Eine andere Mikrophonständer-Geschichte ist, dass bei einem Lied Turid Sols
Mikro übernahm und es mit den Worten: „There are some differences in this band“
erst mal höherschrauben musste.
Bei „Cherry Pie“ haben die Mädels auch
wieder gezeigt, wie gut sie improvisieren können. Irgendwie hatten sie das
Waschbrett nicht dabei und Sol verschwand hinter der Bühne und kam mit einem Mülleimer
zurück, der dann zum Rhythmusinstrument umfunktioniert wurde.
Das Beste daran
war dann aber, dass, als Sol den Mülleimer dreht, man ein Kuscheltier sehen
konnte, das in die Tonne gestopft worden war (an alle besorgten
Kuscheltierhalter: Ich glaube, der Mülleimer war sonst leer und das Tier – was
auch immer es war (irgendetwas mit Hufen) - kam dabei nicht zu Schaden, es ist
nicht einmal aufgewacht). Bei „Mother Superior“ hat Sol Turid aber anscheinend
so verwirrt, dass diese das Lied unterbrechen musste und fragte: „What the fuck
is happening?“
Beim Konzert in Dortmund war es ja „Lady
Marlene“, das ich irgendwie neu entdeckt habe. Dieses Mal war es „Cherry Pie“,
auch wenn die Reaktion etwas verzögert stattfand. Ich würde sie auch nicht
unbedingt auf das Konzert allein zurückführen – trotz Kuscheltier im Mülleimer.
Es ist einfach so, dass ich mich in den Tagen vor und nach dem Konzert etwas
intensiver mit dem Text auseinandergesetzt habe und mir vor allem beim Anfang
des Liedes, wenn es um die Zubereitung des Kuchens geht, so richtig gut vorstellen
kann, wie die Urgroßmutter (bzw. eine erfahrene Bäckerin) das Rezept an den
jüngsten Spross der Familie weiter gibt und dabei diese herrliche präzisen
Angaben macht: „Vier Tassen Kirschen, na ja, nimm für alle Fälle mal fünf und
wenn du meinst, dass sie zu sauer sind, tu ein bisschen Zucker dran.“ Ich würde
wahnsinnig werden.
Lisa hatte es vorher geschafft, mich zu
überzeugen, bei „To The Sea“ Anne Marits Tanz mitzutanzen. Zuerst habe ich mir
Gedanken gemacht, ob ich dann nicht vielleicht die Menschen neben mir schlage,
aber irgendwie haben wir es ohne Verletzungen geschafft und es haben ziemlich
viele Leute mitgemacht - nicht nur Lisa,
ihre Mutter, Florian, und ich. Für Lisa war dieses Konzert ein Jubiläum,
nämlich das zehnte Konzert (in nicht mal einem Jahr). Aber auch Katzenjammer
hatten etwas zu feiern. Mit gut 7000 Leuten waren wir so viele Zuschauer wie
noch nie bei einem Katzenjammerkonzert.
Es hätten wahrscheinlich noch mehr
Besucher sein können, wenn Deutschland nicht gegen Griechenland gespielt hätte.
Jedenfalls haben wohl einige Karteninhaber vor dem Konzert versucht, ihre Karte
abzugeben, weil sie lieber das Fußballspiel sehen wollten, auch Lisas Mutter
hat ziemlich gejammert, dass sie es nicht würde sehen können. Aber auch das
haben Katzenjammer anerkannt. Sol meinte irgendwann, sie wisse, dass
Deutschland spielen würde und dass sie es ganz toll fände, dass wir trotzdem
alle da sind. Während des gesamten Konzerts folgten dann Anspielungen auf
Fußball. Marianne sagt, wir würden jetzt so tun, als seien sie eine
Fußballmannschaft und wir sollten sie anfeuern. Zwischendurch waren wir ihr wohl
zu leise, denn sie rief uns zu: „Come on, we are your favourite team, remember?“
Das was aber allen gebeutelten
Fußballfans am besten gefallen hat, war sicher, dass Marianne bei „Hey ho on
the devil’s back“ zu Beginn des Liedes „devil“ durch „Greek person“ ersetzte
und die deutsche Mannschaft kurz darauf ein Tor machte, was einigen im Publikum
per SMS mitgeteilt wurde… Lisa ist der festen Überzeugung, dass das Tor auf
Mariannes Konto geht.
Als Katzenjammer wenig später zur ersten
Zugabe zurück auf die Bühne kamen, hatten sie alle Deutschlandtrikots an, die
sich irgendwie gar nicht so schlecht zu ihrer eigentlichen Kleidung passte.
Anne Marits Perlenkragen dazu sah allerdings doch etwas lustig aus. Bei der
zweiten Zugabe hatten Turid und Anne Marit sich was Besonderes überlegt, um auf
die Bühne zu komme. Turid machte sehr gekonnt einen Radschlag. Anne Marit einen
Purzelbaum, der aber irgendwie schief war, so dass sie im wahrsten Sinne des
Wortes auf die Bühne purzelte.
Leider war dann irgendwann das Konzert
endgültig zu ende. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verflog,
zumal es bis halb zehn oder zehn auch nicht richtig dunkel wurde. Nach dem
Konzert waren Marianne, Turid und Anne Marit noch am Merchandise-Stand. Davor
war ein furchtbares Gedränge, weil natürlich alle Leute hinwollten und etwas
unterschreiben lassen. Ich wollte auch ein T-Shirt kaufen und habe es auch in
der Masse ausgehalten, obwohl mir ein Typ hinter mir zweimal Bier in den Nacken
schüttete (zum Glück jedes Mal nur ein bisschen). Als ich ihn beim zweiten Mal
böse anguckte, meinte er, die Leute hinter ihm würden so schubsen. Ich habe
nichts dazu gesagt, aber ich schon gefragt, warum er sich denn unbedingt mit
einem Glas Bier in der Hand in so eine Menschenmasse stürzen muss. Es sollte
ihm doch klar gewesen sein, dass er damit große Gefahr lief, etwas zu
verschütten. Jemand sollte man to-go-Deckel für diese Event-Plastikbierbecher
herstellen. Das ist mit Sicherheit eine Marktlücke und bis dahin rufe ich alle
Leute auf, sich einen Coffee-to-go-Becher für ihr Bier mit zu Konzerten zu
bringen, wenn sie vorhaben sich mit dem Bier in der Hand in eine größere
Ansammlung von Menschen zu begeben.
Kurz bevor wir endgültig beim
Tanzbrunnen rausgeschickt wurden, weil die Verantwortlichen das Gelände
schließen wollten, habe ich es noch geschafft, ein Foto von Lisa, Florian und
Anne Marit zu schaffen. Ich musste es mit links schießen, weil die Finger der rechten Hand voller Ketchup waren und es musste total schnell gehen, aber es ist
eins der besten Fotos, das an dem Abend entstanden ist.
Zum Abschluss eines wunderschönen
Konzertabends konnten wir dann noch den Blick auf die erleuchtete Silhouette
Kölns und die Lichter, die sich im Rhein spiegelten, genießen, bis wir unseren
Zug zurück nach Hause nehmen mussten.
Toll!! :)
AntwortenLöschenBierbecher sollten to-go-Deckel bekommen, vor allem Im Stadion. Da kenn ich mich aus ;) Mittanzen muss doch immer sein! Egal, ob man die anderen anstößt, hihi. Dann müssen die sich auch bewegen! =D Sounds like fun, even though they are not my favourites. But I miss the awesome Torchwood picture...
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