Donnerstag, 28. Juni 2012

I will dance am Tanzbrunnen


… oder warum Biergläser einen to-go-Deckel haben sollten

Stunden vor dem Konzert bereits vor der geschlossenen Tür stehen, um ja einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Dieses Verhalten habe ich früher belächelt, in der letzten Zeit jedoch habe ich es selber oft getan. Ich gehöre zwar nicht (und werde nie gehören) zu den Leuten, die es sich einen Abend vorher mit einem Schlafsack auf der Türschwelle bequem machen, aber ich komme inzwischen doch um einiges früher zu den Konzerten als eigentlich notwendig. Das erste Mal war, glaube ich, 2010 beim Wise Guys-Konzert auf dem Kirchentag in München. Ich war sicher drei oder vier Stunden vor Konzertbeginn da und verfolgte nur das Ziel, einigermaßen gut sehen zu können. Letzten Freitag waren es Katzenjammer für die ich zusammen mit Lisa und ihrer Mutter zwei Stunde vor Einlass an den Toren zum Tanzbrunnen in Köln stand.
Ein Vorurteil, das ich immer gegenüber dem langen Warten vor dem Einlass hatte, war, dass es doch totlangweilig sein müsste. Aber sowohl bei Katzenjammer als auch bei den Wise Guys habe ich festgestellt, wie gut man mit den anderen Leuten  ins Gespräch kommt. Man erzählt sich, wo man herkommt und wie viele Konzerte man schon besucht hat. Eine Frau zeigte uns ihr Fotobuch, das sie selber erstellt hatte und unterschreiben lassen wollte. Außerdem konnte sie uns sagen, was der kürzeste Weg zur Bühne ist.
Für Lisa war die Wartezeit zudem eine Art Wiedersehensfeier mit all den Katzenjammer-Fans, die sie entweder schon in richtigen Leben oder zumindest über Facebook getroffen hat. Die Identifizierung war manchmal allerdings nur über das Profilfoto auf dem T-Shirt möglich… Die ganze Gruppe von Leuten, die Lisa kannte, zusammenzuhalten, war schwierig, aber mit einem, Florian, sind wir dann noch den Rest des Tages rumgelaufen.

Bevor Katzenjammer auftraten (übrigens hatten wir es tatsächlich in die erste Reihe geschafft), waren noch zwei Vorgruppen dran. Zuerst spielten Valkyrien Allstars. Die Gruppe besteht aus vier Männern, einer Frau, drei Geigen, einem Bass und einem Schlagzeug. Sie singen auf Norwegisch. Wir haben kein Wort verstanden, aber uns wurde gesagt, dass zwei der Lieder Trinklieder waren und das letzte ein norwegischer Tanz. Die Lieder haben ziemlich gute Laune gemacht und für Stimmung im Publikum gesorgt.


Mich hat beeindruckt, wie sie die Instrumente gespielt haben. Mein Musiklehrer wäre allerdings angesichts der ausgefransten Sehnen am Geigenbogen wahrscheinlich die Nerven verloren. Aber allein, dass am Steg des Basses ein Köcher mit zwei oder drei verschiedenen Geigenbogen hingen, fand ich genial. Die Geigen waren aber keine normalen Geigen, sie hatten sechs Schrauben anstatt vier, aber sie sonst sahen sie von der Form her genauso aus. Aber sie waren auch noch wunderschön verziert.
Nach den Valkyrien Allstars war ein deutsches Duo dran, das Me and my drummer hieß. Die Musik von denen hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Nur ein Lied fand ich ganz lustig. Der Text war eine Mischung aus Englisch und Spanisch. Aber meine Begeisterung dafür liegt wahrscheinlich daran, dass das Lied auf Englisch und Spanisch war. In den Moderationen zwischen den Liedern waren die zwei aber sehr sympathisch. Der erste Kommentar (nach drei Liedern) war: „Wir sind der nächste Schritt auf dem Weg zu Katzenjammer.“ Und sie waren so aufgeregt, dass sie vergessen haben, ihren Namen zu sagen.

 Als dann Katzenjammer endlich die Bühne betraten, kam mir das sehr unwirklich vor. Ich meine, als ich die Karten für den Tanzbrunnen im Januar gekauft habe, war der Juni noch so weit weg. Das Konzert lag so weit in der Ferne, dass noch nicht einmal die Support Acts feststanden und auf einmal war der Zeitpunkt des Konzertes da.

 Ich fand es wieder richtig großartig und hatte total Spaß. Und man hat auch gemerkt, dass die Band Spaß hatte. Marianne hat bei einem Lied sogar im Eifer des Gefechts den Mikrophonständer umgeworfen. Eine andere Mikrophonständer-Geschichte ist, dass bei einem Lied Turid Sols Mikro übernahm und es mit den Worten: „There are some differences in this band“ erst mal höherschrauben musste.

Bei „Cherry Pie“ haben die Mädels auch wieder gezeigt, wie gut sie improvisieren können. Irgendwie hatten sie das Waschbrett nicht dabei und Sol verschwand hinter der Bühne und kam mit einem Mülleimer zurück, der dann zum Rhythmusinstrument umfunktioniert wurde. 
Das Beste daran war dann aber, dass, als Sol den Mülleimer dreht, man ein Kuscheltier sehen konnte, das in die Tonne gestopft worden war (an alle besorgten Kuscheltierhalter: Ich glaube, der Mülleimer war sonst leer und das Tier – was auch immer es war (irgendetwas mit Hufen) - kam dabei nicht zu Schaden, es ist nicht einmal aufgewacht). Bei „Mother Superior“ hat Sol Turid aber anscheinend so verwirrt, dass diese das Lied unterbrechen musste und fragte: „What the fuck is happening?“
Beim Konzert in Dortmund war es ja „Lady Marlene“, das ich irgendwie neu entdeckt habe. Dieses Mal war es „Cherry Pie“, auch wenn die Reaktion etwas verzögert stattfand. Ich würde sie auch nicht unbedingt auf das Konzert allein zurückführen – trotz Kuscheltier im Mülleimer. Es ist einfach so, dass ich mich in den Tagen vor und nach dem Konzert etwas intensiver mit dem Text auseinandergesetzt habe und mir vor allem beim Anfang des Liedes, wenn es um die Zubereitung des Kuchens geht, so richtig gut vorstellen kann, wie die Urgroßmutter (bzw. eine erfahrene Bäckerin) das Rezept an den jüngsten Spross der Familie weiter gibt und dabei diese herrliche präzisen Angaben macht: „Vier Tassen Kirschen, na ja, nimm für alle Fälle mal fünf und wenn du meinst, dass sie zu sauer sind, tu ein bisschen Zucker dran.“ Ich würde wahnsinnig werden.
Lisa hatte es vorher geschafft, mich zu überzeugen, bei „To The Sea“ Anne Marits Tanz mitzutanzen. Zuerst habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich dann nicht vielleicht die Menschen neben mir schlage, aber irgendwie haben wir es ohne Verletzungen geschafft und es haben ziemlich viele Leute mitgemacht  - nicht nur Lisa, ihre Mutter, Florian, und ich. Für Lisa war dieses Konzert ein Jubiläum, nämlich das zehnte Konzert (in nicht mal einem Jahr). Aber auch Katzenjammer hatten etwas zu feiern. Mit gut 7000 Leuten waren wir so viele Zuschauer wie noch nie bei einem Katzenjammerkonzert.
Es hätten wahrscheinlich noch mehr Besucher sein können, wenn Deutschland nicht gegen Griechenland gespielt hätte. Jedenfalls haben wohl einige Karteninhaber vor dem Konzert versucht, ihre Karte abzugeben, weil sie lieber das Fußballspiel sehen wollten, auch Lisas Mutter hat ziemlich gejammert, dass sie es nicht würde sehen können. Aber auch das haben Katzenjammer anerkannt. Sol meinte irgendwann, sie wisse, dass Deutschland spielen würde und dass sie es ganz toll fände, dass wir trotzdem alle da sind. Während des gesamten Konzerts folgten dann Anspielungen auf Fußball. Marianne sagt, wir würden jetzt so tun, als seien sie eine Fußballmannschaft und wir sollten sie anfeuern. Zwischendurch waren wir ihr wohl zu leise, denn sie rief uns zu: „Come on, we are your favourite team, remember?“
Das was aber allen gebeutelten Fußballfans am besten gefallen hat, war sicher, dass Marianne bei „Hey ho on the devil’s back“ zu Beginn des Liedes „devil“ durch „Greek person“ ersetzte und die deutsche Mannschaft kurz darauf ein Tor machte, was einigen im Publikum per SMS mitgeteilt wurde… Lisa ist der festen Überzeugung, dass das Tor auf Mariannes Konto geht.
Als Katzenjammer wenig später zur ersten Zugabe zurück auf die Bühne kamen, hatten sie alle Deutschlandtrikots an, die sich irgendwie gar nicht so schlecht zu ihrer eigentlichen Kleidung passte. Anne Marits Perlenkragen dazu sah allerdings doch etwas lustig aus. Bei der zweiten Zugabe hatten Turid und Anne Marit sich was Besonderes überlegt, um auf die Bühne zu komme. Turid machte sehr gekonnt einen Radschlag. Anne Marit einen Purzelbaum, der aber irgendwie schief war, so dass sie im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne purzelte.

Leider war dann irgendwann das Konzert endgültig zu ende. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verflog, zumal es bis halb zehn oder zehn auch nicht richtig dunkel wurde. Nach dem Konzert waren Marianne, Turid und Anne Marit noch am Merchandise-Stand. Davor war ein furchtbares Gedränge, weil natürlich alle Leute hinwollten und etwas unterschreiben lassen. Ich wollte auch ein T-Shirt kaufen und habe es auch in der Masse ausgehalten, obwohl mir ein Typ hinter mir zweimal Bier in den Nacken schüttete (zum Glück jedes Mal nur ein bisschen). Als ich ihn beim zweiten Mal böse anguckte, meinte er, die Leute hinter ihm würden so schubsen. Ich habe nichts dazu gesagt, aber ich schon gefragt, warum er sich denn unbedingt mit einem Glas Bier in der Hand in so eine Menschenmasse stürzen muss. Es sollte ihm doch klar gewesen sein, dass er damit große Gefahr lief, etwas zu verschütten. Jemand sollte man to-go-Deckel für diese Event-Plastikbierbecher herstellen. Das ist mit Sicherheit eine Marktlücke und bis dahin rufe ich alle Leute auf, sich einen Coffee-to-go-Becher für ihr Bier mit zu Konzerten zu bringen, wenn sie vorhaben sich mit dem Bier in der Hand in eine größere Ansammlung von Menschen zu begeben.
Kurz bevor wir endgültig beim Tanzbrunnen rausgeschickt wurden, weil die Verantwortlichen das Gelände schließen wollten, habe ich es noch geschafft, ein Foto von Lisa, Florian und Anne Marit zu schaffen. Ich musste es mit links schießen, weil die Finger der rechten Hand voller Ketchup waren und es musste total schnell gehen, aber es ist eins der besten Fotos, das an dem Abend entstanden ist.
Zum Abschluss eines wunderschönen Konzertabends konnten wir dann noch den Blick auf die erleuchtete Silhouette Kölns und die Lichter, die sich im Rhein spiegelten, genießen, bis wir unseren Zug zurück nach Hause nehmen mussten.


2 Kommentare:

  1. Bierbecher sollten to-go-Deckel bekommen, vor allem Im Stadion. Da kenn ich mich aus ;) Mittanzen muss doch immer sein! Egal, ob man die anderen anstößt, hihi. Dann müssen die sich auch bewegen! =D Sounds like fun, even though they are not my favourites. But I miss the awesome Torchwood picture...

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